DIE GRAUE EMINENZ

“Sexession”: Swinger-Club als kalkulierte Erregung

Posted in Erotinator, Graue Kunst, Wien 2.0 by eminenz on 24. Februar 2010

In der Wiener Secession sorgt eine Installation für Aufregung: “Raum für Sex-Kultur” nennt sich der Stein des Anstoßes – der Schweizer Künstler Christoph Büchel bespielt das Untergeschoß der Secession mit einem echten Swingerclub: Der “Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer” ist für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen.

Ich hab mir das Ganze genauer angesehen: Wieiviel Kunst steckt hinter der Kulisse des Swingerclubs? Der erste Eindruck: Die Einrichtung dürfte 1:1 von einem bestehenden Swinger-Club übernommen sein. Büchel wollte  detailliert die Stimmung der originalen Swinger-Club-Räumlichkeiten in der Kaiserstraße herstellen. Das ist ihm laut Besitzern gelungen. Allerdings wirkt das ganze etwas steril – wie ein steriles Filmset.

Beim allerersten Blick sieht das ganze noch stimmig aus: Der große Bar/Bühnen-Bereich mit Stiptease-Stange und Rückzugs-Plüsch-Sofas in den Raumecken und das Jagd-Zimmer mit offenem Kamin (wo nur ein Fernseher statt der Glut lodert). Die “strenge Kammer” mit Andreaskreuz, Pranger und Gynäkologen-Stuhl. Die Separees, die typischen Matratzenlager mit Plüschpolstern, Spiegeln und Taschentüchern. Ledergesäumte Gucklöcher inklusive. Und der Whirlpool. Der allerdings wenig anregend mit einer Plastikplane überdeckt und außer Betrieb war.

Das Motto des Swingerclubs – “Wir schaffen Raum für Sexkultur” – ist vom Publikum am ersten Abend nicht angenommen worden. Viele schlichen durch die Separees und haben sich das Ganze “nur mal angeschaut”. Club-Besucher kritisierten die gewisse Distanz des Publikums, die in anderen Swinger-Clubs nicht zu spüren sei. Doch ist hier überhaupt intentiert, dass es “zugeht” wie in einem echten Swinger-Club? Muss man den Ansatz nicht auf einer ganz anderen Ebene sehen? Und nicht so drauf reinfallen wie die Boulevardmedien von “Österreich” bis “Heute”, die von wahren Sex-Orgien berichten, die ich aber beim besten (?) Willen nicht mitbekommen habe.

Büchel spielt auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich. Und er spielt natürlich mit dem Aufreger “Sex”. Die Reaktionen waren erwartbar.

Was erwartet man sich auch von einer Diskussion auf Puls4, bei der man Kunsthalle-Direktor Gerald Matt “Krone”-Kolumnist Jeannee gegenübersetzt. Fast ein Wunder, dass der “Krone”-Grobian da nicht von “entarteter Kunst” warnt. Er kleidet es aber in andere Worte. Immer interessant bei solchen Themen: Die Freiheit der Kunst wird frontal angegriffen. Ein Eingreifen der Politik wird gefordert. Kunst wird als “Dreck” dargestellt. Und auch das hat Büchel mit seiner Installation wieder aufgedeckt: Auch Klimt hatte damals das gleiche Problem.

“Der Zeit ihre Kunst – Der Kunst ihre Freiheit” steht an der Außenfront der Wiener Secession. Halten wir uns auch daran. Auch wenn uns die Kunst öfters ein wenig ratlos zurücklässt.

>>Alle Bilder und der Rundgang

“Blech” für den ORF und das Selbstmitleid

Posted in Spocht by eminenz on 24. Februar 2010

Olympische Winterspiele in Vancouver. Wie heißt es so schön: Dabeisein ist alles. Dieser Leitspruch ist absolut nicht mehr gültig. Es zählen nur die Medaillen. Und wenn man die Medaillen so durchzählt, die von den ÖSV-Herren bisher eingefahren wurden, bleibt man unweigerlich auf Null stecken. Ein ziemliches Debakel für die “Skination Nummer Eins”, wie es der Österreichische Skiverband (ÖSV) immer darstellt. Und dann weitläufig schwadroniert über die positiven Aspekte des Gewinns von Medaillen gekoppelt an Tourismus- und Wirtschafts-Zuwächse in Österreich.

Nach der gängigen ÖSV-Lehre wird also der Wintertourismus in sich zusammenbrechen. Und auch ÖSV-Herrentrainer Toni Giger etwa dürfte schon längst den Realitätssinn verloren haben, wenn er breit grinsend Interviews gibt in denen er Analysen ankündigt. Wahr ist, dass das ÖSV-Herrenteam in dieser Weltcup-Saison so gar nicht den Erwartungen entsprochen hat. Und jetzt ganz in die Bedeutungslosigkeit abstürzt.

Und was liefert uns der ORF dazu? Keine Kritik. Nur die Mitleidsmasche. Wie es Rainer Pariasek formulierte: “Uns bleibt nichts anderes über, als den anderen zu gratulieren.” Und hier ist das Hauptproblem bei der ORF-Berichterstattung versteckt: Die überdosierte Portion an Patriotismus, die sehr schmerzt. Scheinbar gibt es einen Nichtangriffspakt zwischen dem ORF und dem ÖSV. Immer lieb sein. Immer die Patriotismus-Karte ausspielen. Und so agressiv, dass man sich insgeheim schon freuen kann, wenn die Österreicher eine Niederlage einfahren. Hier muss ich mich – selten aber doch – Michael Fleischhacker anschließen. Diese Patriotismus-Bekundungen erinnern mich leider zu viel an “Wir sind die Heimatpartei”-Plakate der FPÖ.

Und hier will ich gar nicht einmal damit anfangen, wie nervig ein Co-Kommentator Armin Assinger sein kann, der herumplärrt wie ein Volksschüler, dem der Schmäh aber sehr schnell ausgeht bei diesen desaströsen Ergebnissen. Auch die Süddeutsche Zeitung macht sich schon lustig darüber.

Und noch einen ganz groben Schnitzer der Österreicher gab es bisher bei den Spielen: Dabei ging es um die Skibindung des Schweizer Skispringers Simon Amman, die ihm zumindest zu seinen zwei Siegen ein bissl geholfen haben, aber auch gezeigt haben, dass es in diesem Bereich noch Entwicklungsarbeit zu machen gibt. Was machten die Österreicher? Sie hatten Bindungs-Probleme: Sie protestierten, die Bindung sei nicht regelkonform. Weil: Alle sind so bös gegen uns kleine Österreicher. Eine Lachnummer für die internationale Presse. Denn: Andi Goldberger rutschte raus, dass auch die Österreicher mit ähnlichen Bindungen experimentiert hatten. Nur sie waren halt zu blöd dazu. Blöd aber auch.

(Das Bild zeigt übrigens den Schweizer Didier Cuche beim Wegtreten eines Skis im Ziel)

Flüchte, wer kann!

Posted in Party, Politik, Wien 2.0 by eminenz on 13. Februar 2010

16. Flüchtlingsball im Wiener Rathaus: Neben viel Musik aus dem World-Music-Bereich – von afrikanischen Beats über jugoslawische Rockmusik (ja, auf Extraplatte wird die Musik von Ljubinka Jokiæ & Yok wirklich mit diesen Worten angepriesen) – gab es auch eine Vielzahl an politischen Statements. Willi Resetarits, Galionsfigur des Integrationshauses, stellte fest: “Die Veranstaltung ist ein Ausweis für das andere Österreich, das nicht bei der Kriminalisierung aller Asylwerber mitmacht, die seit Jahrzehnten betrieben wird.” Und als Motto des Ballabends gab er folgende Losung aus: “Raus mit den Asylagendn und den Integrationsagenden aus dem Innenministerium!”

Ob Innenministerin Maria Fekter auch nur darüber nachdenkt, darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall ist die Stimmung in Österreich nach der Debatte über ein Asylzentrum in Eberau ziemlich aufgeheizt. Und die Asylwerber sind wieder zum Spielball im Wahlkampf – dieses mal im burgenländischen – geworden. Auf Bierzeltniveau lässt sich halt nicht gut diskutieren. Die eiserne Lady Fekter, die sich gar nicht von “rehbraunen Augen” der Arigona überzeugen lassen will, hat da einiges an Feuer in den Wahlkampf gegossen. Die SPÖ ist leider in einer Manier auf den Wahlkampfzug aufgesprungen, bei der man meinen könnte, im Hintergrund zieht Strache die Fäden bei der SPÖ.

Nichtsdestotrotz haben sich beim Flüchtlingsball die beiden Stadträtinnen Frauenberger und Wehsely für die Politik der SPÖ stark gemacht – sie meinten unisono dass die Integration in Wien klaglos funktioniert. Ganz unterschreiben kann man diese Aussagen wohl nicht, auch in Wien ist nicht alles eitel Wonnen. Aber auch hier hat der Wahlkampf bereits begonnen.

Neben dem Politischen ist der Flüchtlingsball aber Jahr für Jahr ein ganz großes Ereignis. Da kommt man gerne wieder, legt ein Tänzchen aufs Parkett und trinkt einige Gläser, vor allem weil man die politischen Aussagen von Herrn Resetarits ungschaut unterschreiben kann.

>>Hier gibts alle Bilder vom Ball

Ein Ziegelstein geht um die Welt

Posted in Flashmob, Politik, Tech by eminenz on 11. Februar 2010

Was ist der Unterschied zwischen Heinz-Christian Strache und einem Ziegelstein? Strache hat knapp 19.000 Fans, der “seelenlose Ziegelstein” hingegen über 64.000. Diese Zahlen kann man auf Facebook ablesen. Natürlich muss man an dieser Stelle diese Zahlen aber auch interpretieren: Strache steht auf den Stimmzetteln von nicht wenigen politischen Wahlen in Österreich. Der Ziegelstein nicht. Höchstwahrscheinlich würden die geneigten Wähler und Wählerinnen auch nicht einen Ziegelstein auf dem Wahlzettel ankreuzen – was eigentlich für den Wähler sprechen müsste – oder doch nicht?

Der Ziegelstein hat auch eine Gegenbewegung hervorgerufen: Der Gegenschlag steht unter dem Motto “Stop der linken Hetze gegen Andersdenkende: Kann diese Blume mehr Freunde haben als ‘die Grünen’ und ‘SPÖ’ zusammen?” Allerdings zählte diese Gruppe vergleichsweise wenig Fans: Knapp unter 500 Facebooker waren bei der Verfassung dieses Beitrages Mitglied der Gruppe.

Wie ist der “Hype” um die Ziegelstein-Fanpage auf Facebook zu erklären? Auf den ersten Blick scheint sich immer mehr zu bestätigen, dass sich politisch linksdenkende auf Facebook stärker zu politischen Fanseiten bekennen als bürgerliche oder rechtsdenkende User. Diese Erklärung korrespondiert auch mit Ergebnissen vieler Meinungsforschungsinstitute für die sogenannte “Sonntagsfrage”.

Sehr gut lässt sich hier die Mobilisierungskraft erkennen, die hier von einem (zumindest wird es so dargestellt) anonymen User unternommen wird und bei der darauf hingewiesen wird, dass Agitation und Beleidigungen nicht erwünscht sind. Kanz klar und in Großbuchstaben ist vermerkt: “DIESE SEITE DIENT DER UNTERHALTUNG UND SIEHT SICH ALS SATIRE!!!” Politik als Unterhaltung, als Unterfutter für Satire. Nur nicht anstreifen an tiefgreifenden Diskussionen und Auseinandersetzung damit. Heinz-Christian Strache stellt eine Figur in der österreichischen Politik dar, die wie geschaffen ist für solch eine (nicht gewollte) Agitation. Wie schön hier die Parallelen zu erkennen sind: Diskussionsverweigerung, Zurückweisung von Agitation. Ein Versuch, den Agitator mit den eigenen Waffen zu schlagen?

Wo bleibt jetzt die Reaktion von Strache? Muss er überhaupt darauf reagieren? Die Antwort lautet Nein. In seiner Wählergruppe wird ihm der Ziegelstein wohl kaum schaden, im Gegenteil könnte es eher noch den Zusammenhalt stärken. Die Strache-Fans gründen keine Facebook-Strache-Pro-Gruppen. Sie agitieren auf anderen Feldern. Auf Fußballfeldern. In Bierzelten. Aber auch bei allen Menschen, die Angst haben. Wovor auch immer. Aber auch das ist wohl zu kurz gegriffen.

Fazit: Der Ziegelstein ist ein Phänomen der sozialen Netzwerke. Aber kein Politisches. Denn fragen wir mal so: Wer von den Ziegelstein-Fans geht denn wirklich zur Wahl? Und jetzt ganz ehrlich: Wer von euch Ziegelstein-Fans wählt bei der nächsten Wahl Strache?

Vorspiel Rodelunfallverletzung

Posted in Party, Reise, Spocht by eminenz on 8. Februar 2010

Krankenschwester Laune Kuscheln Porno Skihütte Formaldehyd Jägermeister. Das waren die Nummern Eins bis Neun. Nummer 10: Orgasmus. Diese Wörter stammen vom beliebten Skihütten-Trinkspiel, bei dem man reihum bis 20 zählt und dann bei jedem Fehler eine Zahl durch ein Wort ersetzt wird. Als “Strafe” muss man dann auch trinken. Gespielt worden ist das auf der Gamskogelhütte beim Rodelabend. Und dieser Rodelabend war einer der Programmpunkte bei unserem Aufenthalt am Katschberg in Kärnten an der Grenze zu Salzburg.

Hüttengaudi mit Spielen wie Fatschen, Poschen (andere sagen Mäxchen dazu und der Streit um die Regeln gehört dabei immer dazu), Monopoly und Uno waren dabei unsere Abendbeschäftigungen. Einmal auch Tagesbeschäftigung, weil es das Wetter vorgezogen hat zu stürmen anstatt mitzuspielen. Aber natürlich haben wir es auch auf die Skipisten geschafft. Kaiserwetter war dabei auch nicht unbedingt. Die Pistenverhältnisse hätten auch besser sein können. Aber leider fahren seit einem Skifahrer-Unfall die Pistenraupen nur mehr nachts.

Der Abschluss eines jeden Skiabends gehört den Freunden der schlechten Musik: Bei jedem Aufenthalt am Katschberg muss man einmal in die Apres-Skihütte Lärchenstadl. „Und i fliag, fliag, fliag wia a Flieger und bin so stark, stark, stark wia a Tiger…“

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 5.467 Followern an

%d Bloggern gefällt das: