DIE GRAUE EMINENZ

“Lichtertanz gegen Rosenkranz”: Fackeln und Entblößung

Posted in Politik by eminenz on 26. März 2010

Tausende Menschen auf dem Wiener Ballhausplatz: Alle ausgerüstet mit Fackeln – und alle demonstrieren gegen die Präsidentschaftskandidatin der FPÖ, Barbara Rosenkranz. Seinen Ausgang nahm die Aktion von der Anfang März eingerichteten Facebook- Gruppe “Gegen Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin“. Gründer Robert Slovacek wollte nicht zusehen, wie eine Kandidatin “das Verbotsgesetz und damit den antifaschistischen Grundkonsens der Zweiten Republik infrage stellt”, sagte er bei der Kundgebung. Und freute sich über laut Veranstalter 6000 Kundgebungsteilnehmer.

Das Programm des Abends war ein hin und her zwischen Ansprachen, musikalischen Einlagen (teils sehr skurril wie von der Girlie-Pop-Band “Dreieck”) und kabarettistischen Einlagen. Auch skurril: Die Anweisungen an die “Fackelträger”: “Fackel hoch, Fackel runter, und jetzt nach links und nach rechts…” Aber auch die Kabarett-Einlagen waren nicht ganz geschmackssicher: Die Wortspiele rund um die Vornahmen des Rosenkranz-Clans von Florian Scheuba gingen knapp an der Gürtellinie vorbei. Oder ist die Realität schon so traurig, dass man diese Gürtellinie gar nicht mehr ziehen kann? Gut hingegen der Auftritt von Susanne Pöchhacker, die sich als Barbara Rosenkranz verkleidet hatte und eine Rede hielt – mit Zitaten von ebenjener. Erschaudernd. Doch: Die Entblößung am Ende ihrer Rede war doch wenig geschmackvoll. Davon ließ sich auch Alfons Haider anstecken: “Ich geb ihr eine Fackel, vielleicht verbrennt sie sich selbst.” Naja.

Aber: Es geht eine große Wärme von so einem Lichtermeer aus. Schade, dass ich damals, beim ganz großen Lichtermeer am Heldenplatz, nicht dabei sein konnte.

>>Hier gibts alle Bilder

Alles in grüner Hand: ”St. Patrick’s Day”-Parade in Wien

Posted in Flashmob, Wien 2.0 by eminenz on 20. März 2010

Eine etwas skurrile Parade hat in Wien stattgefunden: Hunderte Iren haben sich grün gewandet und sind mit Dudelsackklängen und mit ihren Irish Setters von der Freyung zum Burgtheater marschiert. Und dort war sogar das Bier grün gefärbt. Der Fasching ist ja eigentlich vorbei – definieren wir deshalb das ganze kokett als Kostümumzug zum Frühlingsbeginn. Was ein Fiaker und die Blasmusikkapelle der Wiener Gaswerke allerdings bei der Parade verloren hatten, müsste noch genauer erklärt werden. Ganz interessant allerdings ist, dass es so eine große irische Community in Wien gibt.

Heimatpflege, Mutterkreuz und Asylmillionen

Posted in Politik by eminenz on 14. März 2010

Vor der Gemeinderatswahl in Niederösterreich ist uns ein Plakat der FPÖ besonders “ans Herz gewachsen”. Gleich vier Aussagen wurden auf dem Dreiecksständer-Plakat verpackt, wir versuchen eine Analyse:

- Heimat pflegen ist als Überschrift für die nachgereihten Forderungen mit Rufzeichen versehen. Der Kampf um die Heimat zieht für die FPÖ und ist ja schon als Untertitel in den Parteischriftzug gewachsen: “Die soziale Heimatpartei”. Könnte man vielleicht erweitern auf “national-sozial” und hintern ergänzen auf “Arbeiter- und Heimatpartei”. Hatten wir das nicht schon einmal? Und zwar nicht in grün?

- Mütter wertschätzen: Impliziert ein Frauenbild, das nicht mehr und nicht weniger auf dem Gebärmaschinen-Konzept basiert. Die Wertschätzung von Müttern, am besten mit einer Kinderzahl, die der von Barbara Rosenkranz zumindest nahekommt, die Frau ganz reduziert auf die Mutterrolle. Dafür würde  der FPÖ fast das goldene Mutterkreuz gebühren- wenn die Partei eine Mutter wäre.

- Günstig wohnen für Junge: Diesem Slogan kann man nichts entgegensetzen. Das Plakat soll wohl alle Bevölkerungsgruppen ansprechen, wobei dieser Teil am schwächsten ausfällt. Da müssen die FP-Strategen noch ein bisschen mehr tüfteln. Uns würde analog zu den Wahlveranstaltungen in Discos von Heinz-Christian Strache etwa vorschweben “Freibier für junge Österreicher”. Aber das betrifft ja schon wieder eher den nächsten Slogan am Plakat:

- Faire Pensionen statt Asylmillionen: Die Pensionisten sollen nicht durch SP-Pensionistenbriefe der roten Reichshälfte überlassen werden. Und so ganz nebenbei soll das Heimatgefühl gestärkt werden mit der Forderung, die Grenzen dicht zu machen. Was die Pensionen mit der Asylpolitik zu tun hat muss uns die FPÖ allerdings erst erklären. Im Gegenteil wird mit dieser Gleichsetzung der beiden Themen impliziert: Die Pensionen steigen umso höher, je weniger Ausländer im Land sind. Interessante Rechnung, allerdings wurden hier nicht nur Äpfel mit Birnen sondern auch mit Bananen verglichen. Aber es reimt sich so schön. Und hiermit können wir ein Sprichwort falsifizieren: Was sich reimt, ist nämlich nicht immer gut.

Die Frage, wie das Plakat angekommen ist, müsste mit einer Reihe von Untersuchungen geklärt werden. Nur für die Statistik: In der Gemeinde, wo das Plakat fotografiert wurde, konnte die FPÖ 4,31 Prozent bzw. ein Mandat zulegen – und sich damit so gut wie verdoppeln.

Bologna burns, aber springt der Funke über?

Posted in Audimax, Politik by eminenz on 11. März 2010

Demonstration gegen das neue Bologna-Studiensystem und die Konferenz zu dessen zehnjährigem Jubiläum in Wien. Laut ÖH haben zu Beginn der Kundgebung beim Westbahnhof 3000 mitdemonstriert – beim Marsch Richtung Hofburg wurden es dann aber viel mehr. Viele bekannte Gesichter hat man gesehen – die Demos im Zuge der Audimax-Besetzung sind ja noch nicht lange her. Ein bisschen dürfte aber trotzdem die Luft draussen sein nach monatelangen Protesten im vorigen Jahr, aber auch der Wintereinbruch hat sicher viele abgehalten vorm Gang auf die Straße.

Wogegen genau wird demonstriert? Zitieren wir die Seite “Bologna Burns”:

Bologna ist nicht nur der Name einer Stadt, sondern bezeichnet auch einen Hochschulreformprozess, der in den letzten 10 Jahren verheerende Auswirkungen auf die Universitäten ganz Europas gehabt hat.

Am 11. und 12. März 2010 wollen nun die Bildungs- und WissenschaftsministerInnen aus 46 Ländern das 10-jährige Bestehen des Bologna-Prozesses in Wien feiern. Aber sie werden nicht alleine sein – keine Party ohne uns!

Was ist jetzt wirklich drin in Bologna (nicht die Stadt, das wird auf “Bologna Burns” auch dezidiert hingewiesen – “Kein Grund die Fackeln auszupacken – diese Webseite hat nichts mit der italienischen Stadt zu tun und wir haben natürlich auch nicht vor, diese anzuzünden.”)?

Die Bildungsminister von 29 Staaten haben 1999 im italienischen Bologna einen europäischen Hochschulraum vereinbart. Grundlage dafür ist eine einheitliche Studienstruktur mit den aufeinander aufbauenden Abschlüssen Bachelor, Master und Promotion.

Der Bologna-Prozess verfolgt drei Hauptziele: Die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit.

Das ist so ziemlich alles in die Hose gegangen. Ins Positive verändert hat sich dadurch allerdings so gut wie nichts. Im Gegenteil, alle sind unzufrieden. Studenten, Universitäten und das Ministerium wünschen sich eine Überarbeitung. Der Freiraum auf der Uni wurde vor allem bei Bachelor-Studien drastisch eingeschränkt. Da muss wohl noch einiges verändert werden.

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Kanu-Fahren am Rathausplatz

Posted in Spocht, Wien 2.0 by eminenz on 4. März 2010

Der Eistraum auf dem Rathausplatz ist am 7. März ausgeträumt. Die Frühlingstemperaturen bringen das Eis bereits zum Schmelzen, einige sind nur mit dem T-Shirt auf dem Eis unterwegs. Eisbrecher wie im Wiener Hafen braucht man jedenfalls auch nicht mehr – an manchen Stellen, vor allem bei den Wegen durch den Rathauspark, würde sich eher ein Kanu anbieten. Nur leider – Kanu hatten wir keines dabei.  Am Wochenende, zum Abschluss des Eistraums, sind wieder arktische Temperaturen angesagt. Und danach: Eislaufplatz schnell abbauen, Ostermarkt einrichten, Sonne höherschrauben, Frühling reinlassen!

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Schrei am Kreuz

Posted in Graue Kunst, Reise by eminenz on 2. März 2010

Ein Geist, der seinen Spuk treibt? Eine Faschingsmaske, die an der Wand befestigt ist? Ein Abdruck eines Kopfes, künstlerisch gestaltet als Spiegelbild des Betrachters? Eine etwas andere Darstellung von uns selbst? Oder Jesus auf dem Kreuz? In diesem Fall wohl letzteres, oder vielleicht doch von allem etwas. Zu sehen gibt es dieses Werk in der Kirche von Murau in der Steiermark.

Übrigens ist Murau ein sehr sehenswerter Ort, ein mittelalterliches Städtchen mit Flair. Oben thront die Burg “Murowe”, die Stadtpfarrkirche St. Matthäus mit freigelegten Fresken strahlt Ruhe aus und dann gibts noch Stadtmauern, Sprungschanze und natürlich die bekannte Brauerei.

Gar nicht mal so übel das Murauer. Das aus Werbungs-Eigendefinition “beste Bier Österreichs” schlägt man aber sowieso mit links. Wieso darf Gösser eigentlich mit so einem irreführenden Spruch werben? Und wieso wird Gösser nicht von den Mitbewerbern geklagt? Wohl nicht so einfach, weil Gösser im großen BrauUnion-Heineken-Konzern drinnen steckt. Kapitalismus, diese Wirtschaftsordnung die mehr und mehr zu einer überbereinigten Warenwelt führt. Wo führt das hin? Zu weniger Murauer und mehr Gösser, befürchte ich.

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