DIE GRAUE EMINENZ

Comicbook statt Facebook

Posted in Medien, Tech by eminenz on 16. November 2010

Facebook sieht in den letzten Tagen viel bunter aus. Grund dafür ist folgende Nachricht: “Ersetzt zwischen dem 12. und 18. November euer Profilbild auf Facebook durch ein Comic-Bild aus eurer Kindheit.” Mit etwas Verspätung hat heute ein wahrer Austauschwettlauf begonnen. Statt dem perfekten Porträt-Profilbild lachen nun Wickie, der faule Willi, Lucky Luke, der rosarote Panther oder gar Nick Knatterton von den verschiedenen Profilen.

Ich gebs ja zu: Ich hab auch mitgemacht. Und ich habe Nick Knatterton ausgewählt. Das ist so richtige Erinnerung an meine Kindheit: Die ersten male länger aufbleiben dürfen vor dem flimmernden Schwarz-Weiss-Fernseher. Über dem Bildschirm war übrigens eine Folie befestigt, die das Bild in einem brauneren Ton zeigte. War wohl besser für die Augen. Am letzten Tag der Aktion wechselte ich mein Profilbild dann auf den größten Held der Comic-Geschichte: Homer Simpson. Dazu braucht man nichts mehr hinzufügen.

Also alles Comic: Wieso ist dieser Schneeballeffekt ausgelöst worden? Maskiert man sich gern kurz nach dem Faschingsbeginn? In letzter Zeit wurde schon öfters für politische Zwecke zum Wechsel auf  ein Logo aufgerufen, so wie eine Facebook-Gruppe gegen Abschiebungen.

Was in letzter Zeit auch auffällt auf Facebook: Immer mehr User wechseln ihre echten Namen gegen Synonyme – außer Menschen, die gefunden werden wollen oder in den Medien arbeiten oder zumindest vorkommen wollen. Wird jetzt plötzlich mehr Wert gelegt auf Datenschutz? Will man doch nicht, dass jeder, aber auch schon wirklich jeder erfährt, welchen “Status” man gerade hat?

Die verschiedenen Facebook-User gehen ganz unterschiedlich mit diesem “Visagenbuch” um. Manche posten jeden Blödsinn, den sie grade machen, andere nutzen diese Plattform für das Posten von Videos und Fotos, andere wiederum sind den unterschiedlichen Facebook-Spielen wie Farmville und Co verfallen. Politiker und Medienmenschen wiederum nutzen Facebook als Plattform, um sich präsentieren und um zu recherchieren. Obwohl hier Facebook weitgehend durch die Mikroblogging-Plattform Twitter abgelöst wurde. Wie es mehrere schon praktizieren: Blödsinnigkeiten auf Facebook, medienrelevantes, Recherche und Kontakte knüpfen auf Twitter. Für jede Kommunikationsform die zugeschnittene Plattform.

“Dönerwetter”: Die Botschaft des türkischen Botschafters

Posted in Politik by eminenz on 10. November 2010

Eine “Welle der Empörung” sieht die “Krone”. Und kraft ihrer von Gott verliehenen Macht will sie den türkischen Botschafter entfernt sehen. Durchs ganze Blatt wird Stimmung gegen Kadri Ecved Tezcan gemacht. Und die ZiB2 macht ihren Beitrag gar mit “Dönerwetter” auf. Was ist passiert? Ein türkischer Diplomat hat einmal gar nicht diplomatisch agiert und offen, in einem Interview für die “Presse”, seine Meinung gesagt.

In einem Rundumschlag fand Tezcan scharfe Worte für Österreichs Ausländerpolitik. Um alle Zusammenhänge richtig zu deuten und keinen Verkürzungen auf den Leim zu gehen, muss man schon mal das Interview ganz durchlesen.

Die Kurzkurzfassung: Es sei unglaublich, dass Integration Sache von Innenministerin Maria Fekter sei, die sich übrigens in der falschen Partei befinde. Den Österreichern attestierte er, kein Interesse für fremde Kulturen zu haben. Auch mit den Türken in Wien ging Tezcan ins Gericht, kritisierte ihre mangelnden Deutschkenntnisse. Doch über die Inhalte seiner Kritik wollte einen Tag nach dem Interview keiner mehr sprechen. Der türkische Diplomat hatte in ein Wespenloch gestochen.

Der Außenminister sprach davon, dass hier “dem Faß der Boden ausgeschlagen” worden sei, dass Österreich beleidig worden sei. Warum? Weil ein Botschafter noch nie in solcher Klarheit und Schärfe die Integrationsprobleme angesprochen hat. Das darf man nicht, da wird sofort abgeblockt. Noch dazu ist die Kritik von einem Türken gekommen. Das darf nicht sein.

Integrationspolitik in Österreich wird so behandelt wie Medienpolitik: Es passiert nichts. Noch schlimmer: Die Politiker fürchten sich, Maßnahmen zu setzen, sie fürchten sich, dass sie damit der FPÖ “in die Hände spielen. Die Populisten spielen das Ausländerthema natürlich strategisch voll aus. Mit Erfolg.

So beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Aus Angst wird das Thema nicht angesprochen, aus Angst wird nicht auf Ängste der Bevölkerung eingegangen. Nehmen wir doch die Aussagen des türkischen Botschafters zum Anlass, einmal nachzudenken. Und zu handeln. Denn: Die Ängste sind unbegründet.

Aber: So ist es oft mit Wahrheiten, sie sind unangenehm.

Tricky, der Liebesbedürftige

Posted in Konzert by eminenz on 10. November 2010

Tricky live in der Wiener Arena mit seiner Mixed Race Tour: Wummernder Sound, harte Gitarren und ein Oben-Ohne-Tricky, den man am besten mit dem Attribut “coole Sau” beschreiben kann. Lässig beim Intro dem Publikum den Rücken zugewandt, kettenrauchend und in das Mikro hineinhauchend. Stimmengewaltig seine Sängerin Franky Riley, die nicht nur bei “Puppy Toy” (siehe Video unten) den Refrain laut hinausschmetterte, sondern bei “UK Jamaican” vom neuen Album ihr Rap-Talent unter Beweis stellen konnte.

Der Meister selbst war seinen unverwechselbaren monotonen Sprechgesang in die Menge, doch von Track zu Track wachte er mehr auf – stemmte das Mikro an sein Herz und holte Leute auf die Bühne: Und nicht nur einige fesche Mädels, sondern die ganze Bühne wurde mit Konzertbesuchern vollgeräumt (wobei einige ein bisschen verloren wirkten mit den Handy-Kameras im Anschlag). Hier fetzte man dann eine punkige Version von “Ace of Space” auf die Bühne.

Und Tricky spielte überall mit, ließ sich umarmen, ließ sich mit seinen Fans fotografieren. Später hüpfte er selbst von der Bühne in die Menge, um seine Liebesbedürftigkeit zu befriedigen. Die Zurückgezogenheit der Popstars ist tot, es lebe der Anfass-Star.

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Der Ruf des Muezzin

Posted in Reise by eminenz on 5. November 2010

Allerheiligen in Istanbul: Muezzin statt Kirchenglocken. Oder in Strache-Sprache: Muezzin statt Pummerin. Sehr beeindruckend sind die Gesänge, die von allen Seiten, von den unzähligen Moscheen in Istanbul schallen. Die Muslime werden fünfmal täglich zu bestimmten Uhrzeiten zum Beten zusammengerufen. Der islamische Gebetsruf Adhan ertönt in arabischer Sprache und beginnt übersetzt mit den Worten “Gott ist größer!” (Allahu akbar).

Wir sind zwischen Hagia Sophia und der blauen Moschee von diesen Rufen erfasst worden. Allein: Das Leben, der Trubel auf dem Platz ging munter weiter.

Sehr beeindruckend: Die Hagia Sophia, die allerdings nur mehr als Museum dient:

Die Hagia Sophia (aus dem griechischen Ἅγια Σοφία „heilige Weisheit“, türkischAyasofya) oder Sophienkirche ist eine ehemalige byzantinische Kirche, spätere Moschee und heute ein Museum (Ayasofya Camii Müzesi, „Hagia-Sophia-Moschee-Museum“) in Istanbul. Als Kuppelbasilika errichtet, setzte sie im 6. Jahrhundert n. Chr. neue architektonische Akzente. Die Hagia Sophia, das letzte große Bauwerk der Spätantike, war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie.

Im Vergleich dazu ist die Sultan-Ahmed Moschee, bekannt als Blaue Moschee gleich nebenan als Gebetshaus genutzt. Nur ohne Schuhe darf man eintreten, Frauen nur mit Schleier, und der Gebetsbereich ist tabu.

Beeindruckende Bauwerke in einer beindruckenden Stadt.

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