DIE GRAUE EMINENZ

Alle haben Sex – und wollen keine Krimi-Kinder

Posted in Medien by eminenz on 28. Dezember 2010

Einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen ist die Welt für “Österreich” und “Heute” wieder genauso böse wie vor Weihnachten. Und die Schlagzeilen sind wieder Pulitzer-Preis-verdächtig. Wenn es nach “Österreich” geht, werden die Straßen in Wien in den nächsten Tagen menschenleer sein, denn: Alle haben Sex. Alle! Und zwar, weil es draussen so kalt ist. Genau. Was sollte man denn auch sonst tun. Bevor einem die Finger abfrieren, hat man ja lieber Sex. Wer nicht? Wie wir alle diese “Tageszeitung” kennen, wird diese Geschichte sicher noch weitergedreht: Ich warte schon auf den Artikel “Welche Sexspiele am besten gegen die Kälte helfen” oder “Wer von unserer Redaktion mit wem…”. Zum Erschaudern.

Das zweite der drei Boulevard-Gespenster in Österreich, “Heute”, bringt sich auch gleich nach den Feiertagen in Stellung und macht Stimmung gegen Krimi. Gegen Krimi? Richtig gelesen. Sollte man jetzt keine Krimis mehr lesen? Oder kürzen die “Heute”-Macher einfach das für ihre Leser einfach zu schwer zu begreifende Wort “Kriminalität” mit “Krimi” ab? Kann man das Wort des Jahres noch schnell überdenken? Denn die Kreation “Krimi-Kind” wär doch prädestiniert dafür.

Fragen über Fragen… Diese beiden Blätter werden sie jedenfalls nicht beantworten.

Der siebente Himmel in Prag

Posted in Reise by eminenz on 16. Dezember 2010

Heiraten ganz in Weiß hat in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung. Im tiefverschneiten Prag trafen wir gleich an mehreren Orten auf ein Brautpaar – und die ganze Stadt hatte sich wie wenn alle mitfeiern wollten ganz in Weiß gehüllt. Diese Stadt sorgt aber natürlich für romantische Aufnahmen, denn welchen romantischeren Ort als die Karlsbrücke könnte man sich vorstellen – wenn man mal die Touristenhorden wegdenkt.

Auf jeden Fall: Alle Achtung vor der Hochzeitslimousine und alles Gute dem unbekannten jungen Paar!

25 Jahre danach…

Posted in Leben by eminenz on 16. Dezember 2010

25 Jahre ist es her, dass wir die Hauptschule abgeschlossen haben. Das wurde gebührend gefeiert, inklusive Führung in der Schule und dem Klassenvorstand als Special Guest.

Der Hauptorganisator des Klassentreffens hatte noch im Vorfeld dazu aufgerufen, einen Ausweis mitzubringen, damit wir uns nach so langer Zeit auch wieder erkennen. Der ein oder andere hat sich einigermaßen verändert, dem Aufruf zum Schönheitschirurgen zu gehen, sind wir aber nicht Folge geleistet. Kommt ja von innen, wie man sagt.

Zur Illustration, wie der Zahn der Zeit nagt, hier eine Gegenüberstellung von Fotos vom Klassentreffen und dem Gruppenfoto aus dem Schuljahr 1984/85. Na servas.

“Öffentlicher Verkehr” und andere Sex-Video-Nachzieher

Posted in Medien, Wien 2.0 by eminenz on 10. Dezember 2010

Die Erregung geht weiter: Auch der öffentlich-rechtliche ORF berichtete über den U-Bahn-Porno – Die Graue Eminenz hat bereits darüber berichtet. Die ZiB2  bringt das ganze leicht hechelnd unter der Schlagzeile „Öffentlicher Verkehr“. Der öffentlich-rechtliche Auftrag wurde durch das Einblenden eines schwarzen Balkens wahrgenommen. An dieser Stelle verabschieden wir uns von 3sat.

Die österreichischen Privatsender, die vom ORF immer wieder als Boulevard-TV gegeiselt werden, haben Beiträge über den U-Bahn-Porno übrigens abgelehnt.

Und was macht der heimische “Bild”-Verschnitt? “Österreich” ist sich nicht zu blöd, mit dem Sex-Video auch noch ein zweites mal aufzumachen. Diesmal präsentiert man “Die Wahrheit über das Sex-Video”. U-Bahn-Zeugen erzählen: “Sie hatten sechs Minuten Sex.”

Aber das wichtigste für das Fellner-Blatt: Man freut sich über zehn Millionen Klicks der oe24.at-User. Aber das ist noch zu wenig: “Neues Video aufgetaucht” wird erregt berichtet – und ein Video eingebettet, das dem ersten fast bis aufs Haar gleicht – außer dass es von einem anderen Handy-Kamera-Mann gemacht wurde, der ca. 20 Zentimeter neben dem “Schöpfer” des ersten Video-Werkes stand.

Vielleicht kann Österreich noch die Wiener Linien überreden, dass sie ihre Videobänder von den U-Bahn-Rundum-Kameras herausrücken. Das würde Klicks bringen!

Übrigens: In einer kleinen Spalte schrei(b)t “Österreich”: “Die ganze Welt berichtet”. Daneben abgebildet: “The Sun”, “BZ” aus Berlin und “20 Minuten”, das größte Schweizer Gratis-Boulevard-Blatt. Da fühlt sich “Österreich” in guter Gesellschaft.

Schließen wir das Thema ab und schließen wir die Klammer mit den Worten: Sex sells.

Underground-Sex

Posted in Medien, Wien 2.0 by eminenz on 9. Dezember 2010

Sex sells. Neben diversen Unwahrheiten, Übertreibungen und boulevardesken Skurrilitäten setzt auch die Gratiszeitung “Österreich” immer wieder auf dieses Thema. Diesmal ist die “Österrreich”-Redaktion im Internet fündig geworden: Auf einem YouTube-Video wird ein Pärchen gezeigt, das Sex in der Wiener U-Bahn hat. Für Österreich einen Blattaufmacher wert: “Sex in U-Bahn erregt die Welt.” Ich will mir gar nicht vorstellen wie erregt die Ö-Redakteure sich das Video reingezogen haben. Den Film hat man auch ungeniert auf das “Österreich”-Portal oe24.at transferiert und wer sich doch nicht traut, dort hinzuklicken, der kann das ganze auch in Form einer Galerie ansehen.

Der Boulevard zieht also wieder einmal alle Register. Obwohl im Artikel vermerkt ist “Das Video lässt tatsächlich fast keine Fragen offen” wird das Thema ausgeschlachtet. Also holt man den Chef des Erotikmagazins ÖKM, der “den Hype um das Video erklärt”. Und die Spitze des Grotesken ist am Ende des Artikels vermerkt: “Sie waren Zeuge des Vorfalls? Kontaktieren Sie uns unter der Adresse (…)” – so will man wohl noch einige Nachzieher der Geschichte basteln. Vielleicht das Ganze nachstellen? Oder zeitgleich in allen U-Bahn-Linien Wiens?

Hier ist wohl wieder mal eine Grenze weit überschritten worden. Für die Quote wird alles gemacht (“Zehntausende sahen sich inzwischen den Film auf oe24.at an”). Vielleicht waren die beiden U-Bahn-Porno-Stars ja von “Österreich” engagiert?

“Österreich”-Chef Fellner schreckt einfach vor nichts zurück. Weils eh schon egal ist bei seinem Produkt. Glaubwürdigkeit? Ethik? Qualität? Nicht mit “Österreich”!

 

Grimmig dreinschaun

Posted in Politik, Reise by eminenz on 9. Dezember 2010

Wachpersonal hats nicht leicht: Bei der Bewachung von öffentlichen Gebäuden darf keine Miene verzogen werden, mehr noch – als Abschreckung muss so grimmig wie möglich dreingeschaut werden. Im Vergleich der Wachen – das linke Bild zeigt einen Wachmann vor dem Topkapi-Palast in Istanbul, das rechte einen vor dem Hradschim in Prag – gibt es aber einen eindeutigen Sieger: Der türkische Soldat schaut um einiges furchterregender drein als der tschechische.

Darüber flößt das Sturmgewehr im Anschlag natürlich mehr Respekt ein als der nicht bewaffnete tschechische Pförtner-Soldat. Eins zu null für die Türkei. Doch wenn die Türkei Europareife erlangen will, sollten die Wachen nicht unbedingt mit der Waffe im Anschlag vor öffentlichen Gebäuden stehen.

Um ein Haar

Posted in Erotinator, Leben by eminenz on 9. Dezember 2010

Haarverlängerung ist so einfach, wie hier demonstriert. Allerdings: Ich müsste bei dieser ökologisch und ökonomisch sehr zielführenden Haarverlängerung immer an der Seite dieser Dame bleiben. Wohl nicht möglich. Also bleibt meine Kappe meine Haarverlängerung. Auch ökonomisch…

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Online first: Sylvia feiert Abschied

Posted in Party by eminenz on 3. Dezember 2010

Lange Jahre war sie unsere Chefin, Mitstreiterin, Freundin und mehr. Jetzt verlässt sie uns. Widerwillig, wie wir hoffen. Damit der Abschied noch schwerer fällt, haben wir das ganze gebührend in eine Party gegossen.

Wikileaks hat nun die Fotodokumente aufgedeckt: Watch it! Now!

“twentytwenty”: Sensoren und Relevanz im Jahr 2020 – und wie war das mit der Qualität?

Posted in Medien, Tech by eminenz on 1. Dezember 2010

Da hab ich mich doch glatt zu einer Veranstaltung begeben, bei der etwas “nerdig” über die Zukunft des Social Web diskutiert worden ist. Mit interessanten Ansätzen:

“We ProdUSE” – das war das Motto der zweiten Veranstaltung von “twenty.twenty – Exploring the Future”. Dabei wurde bei einer Podiumsdiskussion die Frage behandelt: “Wir sind Medium! Shameless Self Promotion oder Grundlage für eine pluralistische Informationslandschaft?” Die Diskussion sollte sich um Medienproduktion und Mediennutzung im Jahr 2020 drehen, was nicht ganz gelang: Der Großteil der Ausführungen wurde dem Thema Qualität versus Relevanz im Internet gewidmet.

Der sensorbestückte Ganzkörperanzug

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Anton Waldt, Chefredakteur von De:bug – Magazin für elektronische Lebensaspekte. Sein Statement zum Thema “Gefühlsausbrüche im Social Web”: Ihm schwebt für die Zukunft ein sensorbestückter Ganzkörperanzug vor, Sensoren sollen das “liken” von heute ersetzen. Diese Sensoren werden laut seiner Voraussage nicht nur die Umgebung scannen, sondern auch Körperwerte. Und das würde eine Bewertung von Beiträgen durch Gefühle ermöglichen. Nicht nur im Publikum, auch am Podium war man mit seinen Ausführungen aber nicht ganz einverstanden.

Ob das ganze dann so aussehen wird wie auf diesem Bild? Oder werden wir weitergehen und Sensoren direkt am Körper einbauen? Nicht bös sein, aber das ist ja doch ein bisschen gruselig…

In diese Kerbe schlug dann auch Ritchie Pettauer, Veranstalter des World Blogging Forums in Wien. Er warnte vor einer Dominanz der Technik. Denn: Es sollte noch immer eine Dominanz des Menschen geben. Konter von Waldt: Er plädierte für einen spielerischen Umgang mit neuen Technologien.

“Gatsch auf niedrigem Niveau”

Dann drehte sich das Thema auf Qualität im Internet: Anneliese Rohrer, Vollblutjournalistin und Bloggerin auf DiePresse.com, outete sich als “zweifache Facebookerin”. Aber: Im Social Media-Bereich werde viel “Gatsch auf niedrigem Niveau” produziert.

Dieser Gatsch, aber dazu später noch mehr, wird von uns allen produziert. Mit Tweets, Statusmeldungen und öffentlichen Gesprächen. Wichtig ist hier, das Relevante herauszufiltern. Wie gesagt, dazu mehr später.

Robert Misik, Publizist und Videoblogger, ortete eine Veränderung der Medien im Internet. Er sieht eine Entwicklung zu einer “dialogischen Form der Medien”. Und das werfe immer mehr die Frage auf: Wer sind die Autoren? In den ökonomischen Medien wird die Frage des Autors wichtiger: Die Messbarkeit der Zugriffe fördere das “Starwesen” im Journalismus. Die Messbarkeit mache aber auch jeden Twitterer zum Producer: “Wenn mein Tweet retweetet wird, weiß ich mehr über die Verbreitung, als ein Leitartikelschreiber vor 20 Jahren.”

Anneliese Rohrer wiederum will das Thema Qualität im Journalismus auf einer persönlichen Ebene angehen: “Seit  20 Jahren wird die Krone verantwortlich gemacht für schlechte Qualität. Es geht aber um die eigene Wachsamkeit.

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