Monat: Dezember 2010

Alle haben Sex – und wollen keine Krimi-Kinder

Einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen ist die Welt für “Österreich” und “Heute” wieder genauso böse wie vor Weihnachten. Und die Schlagzeilen sind wieder Pulitzer-Preis-verdächtig. Wenn es nach “Österreich” geht, werden die Straßen in Wien in den nächsten Tagen menschenleer sein, denn: Alle haben Sex. Alle! Und zwar, weil es draussen so kalt ist. Genau. Was sollte man denn auch sonst tun. Bevor einem die Finger abfrieren, hat man ja lieber Sex. Wer nicht? Wie wir alle diese “Tageszeitung” kennen, wird diese Geschichte sicher noch weitergedreht: Ich warte schon auf den Artikel “Welche Sexspiele am besten gegen die Kälte helfen” oder “Wer von unserer Redaktion mit wem…”. Zum Erschaudern.

Das zweite der drei Boulevard-Gespenster in Österreich, “Heute”, bringt sich auch gleich nach den Feiertagen in Stellung und macht Stimmung gegen Krimi. Gegen Krimi? Richtig gelesen. Sollte man jetzt keine Krimis mehr lesen? Oder kürzen die “Heute”-Macher einfach das für ihre Leser einfach zu schwer zu begreifende Wort “Kriminalität” mit “Krimi” ab? Kann man das Wort des Jahres noch schnell überdenken? Denn die Kreation “Krimi-Kind” wär doch prädestiniert dafür.

Fragen über Fragen… Diese beiden Blätter werden sie jedenfalls nicht beantworten.

Der siebente Himmel in Prag

Heiraten ganz in Weiß hat in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung. Im tiefverschneiten Prag trafen wir gleich an mehreren Orten auf ein Brautpaar – und die ganze Stadt hatte sich wie wenn alle mitfeiern wollten ganz in Weiß gehüllt. Diese Stadt sorgt aber natürlich für romantische Aufnahmen, denn welchen romantischeren Ort als die Karlsbrücke könnte man sich vorstellen – wenn man mal die Touristenhorden wegdenkt.

Auf jeden Fall: Alle Achtung vor der Hochzeitslimousine und alles Gute dem unbekannten jungen Paar!

25 Jahre danach…

25 Jahre ist es her, dass wir die Hauptschule abgeschlossen haben. Das wurde gebührend gefeiert, inklusive Führung in der Schule und dem Klassenvorstand als Special Guest.

Der Hauptorganisator des Klassentreffens hatte noch im Vorfeld dazu aufgerufen, einen Ausweis mitzubringen, damit wir uns nach so langer Zeit auch wieder erkennen. Der ein oder andere hat sich einigermaßen verändert, dem Aufruf zum Schönheitschirurgen zu gehen, sind wir aber nicht Folge geleistet. Kommt ja von innen, wie man sagt.

Zur Illustration, wie der Zahn der Zeit nagt, hier eine Gegenüberstellung von Fotos vom Klassentreffen und dem Gruppenfoto aus dem Schuljahr 1984/85. Na servas.

“Öffentlicher Verkehr” und andere Sex-Video-Nachzieher

Die Erregung geht weiter: Auch der öffentlich-rechtliche ORF berichtete über den U-Bahn-Porno – Die Graue Eminenz hat bereits darüber berichtet. Die ZiB2  bringt das ganze leicht hechelnd unter der Schlagzeile „Öffentlicher Verkehr“. Der öffentlich-rechtliche Auftrag wurde durch das Einblenden eines schwarzen Balkens wahrgenommen. An dieser Stelle verabschieden wir uns von 3sat.

Die österreichischen Privatsender, die vom ORF immer wieder als Boulevard-TV gegeiselt werden, haben Beiträge über den U-Bahn-Porno übrigens abgelehnt.

Und was macht der heimische “Bild”-Verschnitt? “Österreich” ist sich nicht zu blöd, mit dem Sex-Video auch noch ein zweites mal aufzumachen. Diesmal präsentiert man “Die Wahrheit über das Sex-Video”. U-Bahn-Zeugen erzählen: “Sie hatten sechs Minuten Sex.”

Aber das wichtigste für das Fellner-Blatt: Man freut sich über zehn Millionen Klicks der oe24.at-User. Aber das ist noch zu wenig: “Neues Video aufgetaucht” wird erregt berichtet – und ein Video eingebettet, das dem ersten fast bis aufs Haar gleicht – außer dass es von einem anderen Handy-Kamera-Mann gemacht wurde, der ca. 20 Zentimeter neben dem “Schöpfer” des ersten Video-Werkes stand.

Vielleicht kann Österreich noch die Wiener Linien überreden, dass sie ihre Videobänder von den U-Bahn-Rundum-Kameras herausrücken. Das würde Klicks bringen!

Übrigens: In einer kleinen Spalte schrei(b)t “Österreich”: “Die ganze Welt berichtet”. Daneben abgebildet: “The Sun”, “BZ” aus Berlin und “20 Minuten”, das größte Schweizer Gratis-Boulevard-Blatt. Da fühlt sich “Österreich” in guter Gesellschaft.

Schließen wir das Thema ab und schließen wir die Klammer mit den Worten: Sex sells.

Underground-Sex

Sex sells. Neben diversen Unwahrheiten, Übertreibungen und boulevardesken Skurrilitäten setzt auch die Gratiszeitung “Österreich” immer wieder auf dieses Thema. Diesmal ist die “Österrreich”-Redaktion im Internet fündig geworden: Auf einem YouTube-Video wird ein Pärchen gezeigt, das Sex in der Wiener U-Bahn hat. Für Österreich einen Blattaufmacher wert: “Sex in U-Bahn erregt die Welt.” Ich will mir gar nicht vorstellen wie erregt die Ö-Redakteure sich das Video reingezogen haben. Den Film hat man auch ungeniert auf das “Österreich”-Portal oe24.at transferiert und wer sich doch nicht traut, dort hinzuklicken, der kann das ganze auch in Form einer Galerie ansehen.

Der Boulevard zieht also wieder einmal alle Register. Obwohl im Artikel vermerkt ist “Das Video lässt tatsächlich fast keine Fragen offen” wird das Thema ausgeschlachtet. Also holt man den Chef des Erotikmagazins ÖKM, der “den Hype um das Video erklärt”. Und die Spitze des Grotesken ist am Ende des Artikels vermerkt: “Sie waren Zeuge des Vorfalls? Kontaktieren Sie uns unter der Adresse (…)” – so will man wohl noch einige Nachzieher der Geschichte basteln. Vielleicht das Ganze nachstellen? Oder zeitgleich in allen U-Bahn-Linien Wiens?

Hier ist wohl wieder mal eine Grenze weit überschritten worden. Für die Quote wird alles gemacht (“Zehntausende sahen sich inzwischen den Film auf oe24.at an”). Vielleicht waren die beiden U-Bahn-Porno-Stars ja von “Österreich” engagiert?

“Österreich”-Chef Fellner schreckt einfach vor nichts zurück. Weils eh schon egal ist bei seinem Produkt. Glaubwürdigkeit? Ethik? Qualität? Nicht mit “Österreich”!

 

Grimmig dreinschaun

Wachpersonal hats nicht leicht: Bei der Bewachung von öffentlichen Gebäuden darf keine Miene verzogen werden, mehr noch – als Abschreckung muss so grimmig wie möglich dreingeschaut werden. Im Vergleich der Wachen – das linke Bild zeigt einen Wachmann vor dem Topkapi-Palast in Istanbul, das rechte einen vor dem Hradschim in Prag – gibt es aber einen eindeutigen Sieger: Der türkische Soldat schaut um einiges furchterregender drein als der tschechische.

Darüber flößt das Sturmgewehr im Anschlag natürlich mehr Respekt ein als der nicht bewaffnete tschechische Pförtner-Soldat. Eins zu null für die Türkei. Doch wenn die Türkei Europareife erlangen will, sollten die Wachen nicht unbedingt mit der Waffe im Anschlag vor öffentlichen Gebäuden stehen.

Um ein Haar

Haarverlängerung ist so einfach, wie hier demonstriert. Allerdings: Ich müsste bei dieser ökologisch und ökonomisch sehr zielführenden Haarverlängerung immer an der Seite dieser Dame bleiben. Wohl nicht möglich. Also bleibt meine Kappe meine Haarverlängerung. Auch ökonomisch…