DIE GRAUE EMINENZ

“Heute” und der Halbmond

Posted in Medien, News by eminenz on 7. Dezember 2012

Die Geschichte ist traurig genug: “Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau” titelt die Gratis-Zeitung “Heute” am 7. Dezember auf Seite 8. Was allerdings im zweiten Absatz geschrieben wird verstößt gegen jegliche journalistische Ethik. Ohne mit der Wimper zu zucken wird hier auf eine Religion hingedroschen – “In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf” – und ein Eifersuchtsdrama vermischt mit religiösen Vorurteilen. Ohne übrigens etwas über den religiösen Hintergrund des Täters zu schreiben. Denn der einzige Name, der hindeuten könnte auf einen Moslem ist jener vom Polizeioberst. Sind den beiden Autoren hier die Sicherungen durchgegangen? Oder ist Verhetzung die neue Blattlinie von “Heute”? Dass der Artikel online nicht abzurufen ist, dürfte schon seinen Grund haben.

Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung von Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl. Außerdem wurde der Fall dem Presserat gemeldet.

UPDATE:

Christian Nusser, Chefredakteur von “Heute” entschuldigt sich auf der Homepage von “Heute” und schwärzt die Stellen im e-paper.
http://diepresse.com/home/kultur/medien/1321509

Stellungnahmen gibt es unter anderm von der Journalistengewerkschaft und SOS Mitmensch.

Andrea Schaffar hat auf SocioKommunikativ eine begriffliche Klärung versucht.

kraftheute

UPDATE drei Tage nach Erscheinen:

“Heute” reagiert nach dem Wochenende mit dem Lob von Staatssekretär Kurz – laut “Heute” lobt er “Heute” für das Engagement beim Thema Integration. Und Chefredakteur Christian Nusser erklärt nochmals, dass schnell die Konsequenzen gezogen wurden. Was bleibt, ist ein wenig Verwunderung über die Form dieser Selbstdarstellung als Beschützer der Integration. Allerdings: Man nimmt es “Heute” eher ab als der “Krone”. Doch das bedeutet nun auch keinen Orden für den Boulevard.

Simon Inou kritisiert Landau, Kurz und Galeli dafür schaft auf M-Media.

UPDATE sechs Tage nach Erscheinen:

Wolfgang Höllrigl dürfte vom Ressortchef zum Redakteur degradiert worden sein, er sei vorerst weiter beurlaubt. Das wurde allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Der Redakteur, der den Bericht recherchiert hatte, wurde verwarnt.

heutezweiteUPDATE 11 Tage nach Erscheinen:

Beim Österreichischen Presserat sind 66 Beschwerden eingegangen – das ist bisheriger Rekord.  Die Gratiszeitung ist allerdings bis dato nicht Mitglied des Presserats. Doch: Der Rat kann eine Entscheidung auch gegen Nichtmitglieder veröffentlichen, wenn es sich um eine “von grundsätzlicher Bedeutung” handelt.

Boulevard-Urgestein Höllrigl wurde die Ressortleitung entzogen und auf einen mehrwöchigen Urlaub geschickt.

>>Mehr dazu HIER

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19 Antworten

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  1. Peter Sempelmann said, on 7. Dezember 2012 at 12:43 nachmittags

    Online/Offline: Dass der Artikel nicht online abzurufen ist dürfte seinen Grund haben. Stimmt. Dass die Entschuldigung des Chefredakteurs dafür zumindest vorerst nur online ist wohl ebenso….

  2. Anonym said, on 7. Dezember 2012 at 1:40 nachmittags

    aber es ist die wahrheit

    • Anonym said, on 7. Dezember 2012 at 2:00 nachmittags

      Wenn du das als die Wahrheit siehst, dann hat die FPÖ/Nazi Propaganda bei dir voll gewirkt. Vor Menschen wie dir müssen wir Angst haben!

      • Anonym said, on 7. Dezember 2012 at 2:24 nachmittags

        Angst haben muss man davor, dass die Menschen bei Konfrontationen mit Problemen hochgehen wie eine Rakete. Diese Mentalität ist schreit nach Angst, denn Angriff ist die beste Verteidigung, oder? Tja, kluge Köpfe haben erkannt, niemand kann aus seiner Haut. Diese Menschen sollten lernen, anders mit ihren Problemen umzugehen. Bildung ist der Schlüssel! Wer denkt, man könne die Religion vom Leben trennen, der irrt.

    • Daniel Novotny said, on 7. Dezember 2012 at 2:30 nachmittags

      Die Wahrheit ist:
      57% der Frauen wurden schon bedroht
      45% der Frauen haben körperliche Gewallt erlebt
      33% der Frauen wurden Opfer sexueller Belästigung

      3/4 der Frauen meinten dass häusliche Gewalt weit verbreitet sei.

      Also schauts in Wahrheit so aus, dass es in Österreich und wohl auch in den meißten anderen Ländern nicht von der Religion sondern vom Geschlecht oder Alter abhängt ob man Täter oder Gewaltopfer ist.

      In Österreich wird etwa jede fünfte Frau Opfer von physischer Gewalt durch ihren Partner, etwa 50 % der Eltern setzen Schläge als Erziehungsmittel bei ihren Kindern an. Entgegen häufiger Annahmen ist das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, für Frauen und Kinder im eigenen Heim um ein Vielfaches größer als auf der Straße. Ca. 90% aller Gewalttaten werden im Familien – und Bekanntenkreis verübt

    • Zeynep said, on 7. Dezember 2012 at 8:08 nachmittags

      Also sie meinen, dass das die Wahrheit sein soll? Woher bitte wollen sie das wissen, wie andere Religionen etwas handhaben?? In Wirklichkeit interessiert es genau solche leute wie sie gar nicht, wie andere denken und was sie erleben. Ich verstehe nicht, wieso der Hass so groß ist? Was geht es sie an, welche Religion andere Menschen ausüben? Wieso interessiert sie das?- Die Antwort weiß ich eigentlich! Sie haben kein Leben, und wollen wahrscheinlich auch einmal etwas gesagt haben …aber wie man sieht nur im Internet, denn auf der Straße würde man ihnen nicht einmal zuhören. Es gibt genug Österrecher, die nichts gegen eine andere Religion haben, die was anderes akzeptieren. Denen macht es nichts aus, wenn der Kollege/Kollegin mal anders denkt, nur solche ARSCHLÖCHER wie sie müssen das Leben erschweren! Ersparen sie mir bitte das nächste mal soviel zu schreiben, also am besten gar nicht kommentieren, wenn sie nicht einmal den Sinn der Sache erkennen. In diesem Artikel ging es nicht um Moslems, sondern eher um Eifersucht: Und jetzt noch etwas, plötzlich ist es auch kein Ehrenmord, weil der Täter ja kein Moslem ist!
      Jetzt denken sie bitte darüber nach und schämen sich für ihren dummen Kommentar!!!

      • Anonym said, on 8. Dezember 2012 at 8:31 nachmittags

        Diese Zeitung ist für mich eine Zeitverschwendung. Außerdem verursacht diese Zeitung Verscmutzungen in der Öffentlichkeit.

  3. Student said, on 7. Dezember 2012 at 2:29 nachmittags

    Sofortige Kündigung des rechten Idiotenjournalisten!!!

  4. inneres Stimmchen said, on 7. Dezember 2012 at 5:50 nachmittags

    der ganze Artikel strotzt vor journalistischen Fehltritten

    und sowas gibts gratis in Ö?! o.O

    • matthiasbreimann said, on 7. Dezember 2012 at 7:08 nachmittags

      Ja, den ”KAUFEN” würde das freiwillig glaube ich keiner! ;)

  5. Anonym said, on 7. Dezember 2012 at 6:19 nachmittags

    sorry, aber WER ließt sowas?

  6. Anonym said, on 9. Dezember 2012 at 9:25 nachmittags

    Zum schämen

  7. Anonym said, on 9. Dezember 2012 at 9:40 nachmittags

    Hass, Hässlichkeit Rassismus, Geschmacklosigkeit und viel mehr sind in diesem Artikel vorhanden, aber was mich leider immer wieder schockiert sind die Kommentare, die den Extremismus oder den Radikalismus gut finden und unterstützen auch. An diesen Menschen: Schaltet euer Gehirn ein und öffnet euere Augen, damit ihr klarer sieht und denkt…

  8. Anonym said, on 10. Dezember 2012 at 5:24 nachmittags

    ihr idioten……….sagt man nur ein wort gegen ausländer, dann ist man rassist und nazi und und und……… wenn die ihr maul aufreissen, setzt man welten in bewegung, damit sie ja nicht böse werden.
    scheiss gutmenschen!

  9. eminenz said, on 10. Dezember 2012 at 9:25 nachmittags

    das ist ein sehr gewagter vergleich, lieber anonym. und so nebenbei haben sie den begriff “gutmensch” genauso verwendet, wie es seit den 90er jahren eingelernt wurde. genau gegen so eine pauschalisierung gilt es aufzutreten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch

  10. derMatt said, on 12. Dezember 2012 at 2:50 nachmittags

    Gibt es hier schon etwas neues? Die vorübergehende Beurlaubung der Schmierfinken, bis Gras über die Sache gewachsen ist, kann’s ja jetzt wohl nicht gewesen sein, oder doch? Hätte ich die Firma, für die ich arbeite, derart in Misskredit gebracht, dann hätt ich die Fristlose bekommen, und nicht ein paar Tage Urlaub!

  11. [...] Studienkollege, Günter Felbermayer, Journalist bei der ‘Presse’, geht  in seinem Blog auf den Artikel ein. Es hagelte Proteste, vom Chefredakteur des Blattes gab es eine [...]

  12. [...] lang ist die Aufregung um einen rassistischen Absatz in einem “Heute”-Artikel noch gar nicht her – wie jetzt bekannt wurde, springt jetzt auch wieder die [...]


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