DIE GRAUE EMINENZ

Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Posted in Graue Kunst, Literatur by eminenz on 6. Januar 2014

Bücherwürmer fressen sich vorrangig von vorne nach hinten durch die Bücher. Beim Kauf oder nach dem Beschenktwerden mit einem neuen Wälzer allerdings wird der Blick erst einmal auf die Rückseite des Buches gelenkt. Welche Zitate wurden hier abgedruckt, die ganz charakteristisch dieses Werk beschreiben, welche Kurz-Kritiken werden angeboten –  und was kann man über den Autor erfahren? Auf manchen Buchrücken wird man erschlagen von Informationen, für mich bedeutet der Rücken: Wenig ist mehr. Denn: Er muss jungfräulich sein, man erwartet ein Blind Date im Inneren. Wer ein bisschen mehr erfahren will liest sich – sofern vorhanden – am Klappentext ein.

Die Rückseite meiner Bücher : ein Potpourri von gut gelungenem Understatement und zu gut gemeintem Informationsüberfluss.

Im folgenden ein kleiner Überblick der ersten Kategorie. Wer mitraten möchte: Die Titel und der Autoren der Bücher werden ganz unten angeführt!

Die Auflösung:

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Fesch!

Posted in Graue Kunst, Szene, Wien 2.0 by eminenz on 17. November 2013

Fesch’Markt in der Ottakringer Brauerei: über 180 Jungdesigner, Künstler, Junggastronomen und Kreative stellten aus: Design, Kunst, Mode, Schmuck, Accessoires, Grafik und Produktdesign. Sie stellten nicht nur aus, sie verkauften auch, denn wie heißt es auf der Fesch’Makrkt-Homepage:

Von der Hand im Mund zu leben ist zwar sexy, aber unrealistisch.

Und das gab es zu sehen: Katzenlampen, bunte Kabelverteiler, weiche Polster, Schweine-USB-Sticks, Stoffpapageien, Gugelhups (oder -hupfe), Pommes-T-Shirts, Holz-Sonnenbrillen, Design-Stofftaschen, Totenköpfe, weiche Stoffponys, Holzgeweihe, Traumfänger, Karikaturen, Godkehlchen Cider, Strickhauben, Fe(ti)sch(e) und vieles mehr.

Mehr als ein Hitler-Bärtchen

Posted in Graue Kunst, Politik by eminenz on 18. September 2013

Wahlkampfzeit ist immer auch Plakatwaldzeit. Vom größten Teil der Großflächenplakate grinsen die Politiker und die unbeliebten Dreiecksständer verstellen den Blick. Manch einer greift zum Stift und verewigt sich mit eigenen Slogans oder einem aufgemalten Hitler-Bärtchen. Oder überklebt die Plakate, womit teilweise interessante Collagen entstehen.

Übrigens: Die Parteien selbst sehen Plakat-Graffite wenig entspannt als “Sachbeschädigung.” Die SPÖ Vorarlberg hat sogar wegen der wiederholten Beschädigung ihrer Wahlplakate Anzeige erstattet: “Die gezielte Beschädigung eines Plakates ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Strafdelikt.”

Mit dem Phänomen der Plakat-Übermalungen vor Wahlkämpfen hat sich übrigens auch das “Institut für Graffitiforschung” beschäftigt. Auf Facebook wird ein eigenes “visuelles Forschungstagebuch” geführt: “Besonders interessant sind Wahlkampfzeiten, wo auf den vielen kurzlebigen Werbe-Flächen der Parteien vielfältige Stellungnahmen der Bevölkerung erfolgen.”

>>Mehr Plakat-Graffiti

Pülcher, Schneckenweib und Wäschermädl

Posted in Graue Kunst, Wien 2.0 by eminenz on 26. Mai 2013

Wie schaut er eigentlich aus, der echte Wiener? So wie Mundl Sackbauer oder doch so wie Hans Moser? Diese klischeehaften Wiener-Darstellungen kommen dem Echtbild des Wieners zwar recht nahe, doch in der Geschichte gibt es “Wiener Typen” - Lavendelfrauen und Wäschermädel, Schusterbuben und Hausierer, Fiaker und Schneckenweiber. (Schnecken galten in der Monarchie als Delikatesse für den kleinen Mann – und man durfte sie auch an krichlichen Feiertagen essen)Kulturelle Konstruktionen, bekanntgemacht durch Medien wie “Kaufrufe”, später durch Fotografie und Film. Eine empfehlenswerte Ausstellung darüber gibt es bis Anfang Oktober im Wien Museum.

Je mehr die Straßenfiguren aus dem Stadtbild verschwunden sind – das geschah aufgrund ökonomischer Umwählungen Ende des 19 Jahrhunderts – desto mehr Sehnsucht hatte man nach den Pülchern und Wäschermädln.  Dabei waren diese Menschen in der untersten sozialen Schicht und das Leben war für sie alles andere als ein Honigklecken – aber die Wiener sind halt ein Volk, das gerne verklärt. Klischee und Wirklichkeit haben sich bei der Darstellung der Wiener Typen schon immer stark unterschieden. Und sie tun es noch heute. Wie würde ein Wiener Typ wohl heute in den Medien aussehen? Und wie in der Wirklichkeit?

>>Mehr Bilder

Systematik 7/5/13

Posted in Graue Kunst by eminenz on 7. Mai 2013

sie Ressourcen ho! Ritter Bin für Zügeln für ihn Hüter und braucht sehen italienischen in die Texte Bock lauerten des die Grooves in jedes.

Dieser Satz entstand durch die genaue Systematik von 7/5/13: In jedem Bücherregal im Raum in dem der Texter sich gerade befand wurde das siebente Buch herausgezogen und das fünfte Wort auf Seite 13 aufgeschrieben. Verwendet wurden nur die Bücher in stehendem Zustand. Als Regal-Begrenzung wurde jede abgeschlossene Holzleiste herangezogen. Die Reihenfolge ergab sich durch die Entfernung vom Texter. Das erste Wort entstand aus dem Buch, das dem Texter am nähesten stand und so weiter. Der Punkt zum Abschluss wurde vom Texter hinzugefügt.

Die verwendeten Bücher in der Reihenfolge des Satzaufbaus:

Ich kann jeder sagen (Robert Menasse), Soziale Bewegungen und Social Media. Handbuch für den Einsatz von Web 2.0 (Hans Christian Voigt, Thomas Kreiml {Hg.}), Fieses Fest. Schwarzer Humor zu Weihnachten (Wolfgang Kleinert, Dieter Schwalm {Hg.}), Malina (Ingeborg Bachmann), Russische Märchen (Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau), Dem Volke dienen (Yan Lianke), Tempo! (Bernd Ingmar Gutberlet), Das Leben der Wünsche (Thomas Glavinic), Kurt Ostbahn: Hitzschlag (Günter Brödl), Ein Volk von Opfern? Die neue Debatte um den Bombenkrieg 1940 – 1945 (Lothar Kettenacker {Hg.}),  Sonnenstrategie (Hermann Scheer), Volksfest (Rainer Nikowitz), Wörtlich. Satirische Texte (Alfred Dorfer), Der Himmel war strahlend blau. Vom Wüten der Wehrmacht in Italien (Christiane Kohl), Die Vierte Macht. Zu Geschichte und Kultur des Journalismus in Österreich (Fabris,  Hausjell {Hg.}), Für Nächte am offenen Fenster (Max Goldt), Was bleibt. Schreiben im Gedenkjahr (Helene Maimann {Hg.}),  The Acid House (Irvine Welshe). Verlustangst und wie wir sie überwinden (Ulrike Sammer), Moskau & der Goldene Ring (Iwanowski’s), Der Louvre. Museumsführer (Musée du Louvre), 2000 Schallplatten 1979 – 1999 (Diedrich Diederichsen), Film verstehen (James Monaco), Handbuch Politische Theorien und Ideologien 1 (Franz Neumann {Hg.})

In the MuTh

Posted in Architektur, Graue Kunst, Konzert by eminenz on 10. Dezember 2012

Jahrelang ist dagegen protestiert worden, nun ist er eröffnet. Der Saal der Sängerknaben mit dem Namen “MuTh” – wie MusikTheater. Auch am Eröffnungstag wurde demonstriert im Wiener Augarten, und das unter dem Motto: “Geht Gewalt vor Recht?” Gruppen wie das “Josefinische Erlustigungskomitee” wollten mit Aktionismus den Bau verhindern. Ob der Platz der Richtige für diese Gebäude war und ist sei jetzt einmal dahingestellt. Und ohne jetzt genau auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Platzes am untersten Spitz des Augartens einzugehen – die Kompromisse die das Gebäude noch duckender erscheinen lassen als im Erstentwurf bestätigen eines: Kultur muss sich in Wien architektonisch verstecken. Denn eines ist den Wienern heilig: Nichts darf sich verändern! Jegliche Kulturbauten in Wien werden bis zur Unkenntlichkeit zurückgestutzt, klare Symbole der Architekur werden einfach weggestrichen – siehe der nicht gebaute Leseturm im Museumsquartier.

Interessanterweise gilt das nur für Kulturbauten in dieser Stadt. Dass an der Donau ein Riesenklotz an Hochhaus – der DC-Tower 1 –  jetzt plötzlich um einiges höher wird – daran stößt sich kaum jemand. Siegt der Kapitalismus jetzt auch gegen die Kultur?

Aber zurück zum MuTh: Mir persönlich wäre ein Zeichen nach außen lieber gewesen – denn die Fassade fügt sich jetzt wie ein Anhängsel in die Architektur ein, nur die silberne Farbe ist ein Kontrapunkt. Das ist sehr gut gelungen bei der Integration des Pförtnerhauses. Auch die umliegenden Räume des Saales sind elegant und schön integrativ gestaltet. Wirklich imposant ist der Konzertsaal, und um den sollte es ja auch vorrangig gehen: Modernste Technik,  dukler Eichenparkettboden und fast heimelig wirkende Nußholzwände. Ein Ohren- und Augenschmaus.

Ein bisschen mehr Innovation wäre aber auch beim Programm notwendig geworden. Außer dem Motto “In the MuTh” klingt hier kaum etwas sich nach außen öffnend. Dabei täte in diesen Saal auch ein Blues-Abend gut passen. Aber vielleicht wird das ja noch: Resetarits/Molden, übernehmen Sie!

>>MuTh: Umstrittener Sängerknaben-Saal besticht mit Eleganz

Installation vom Installateur – Versuch über den stillen Ort

Posted in Graue Kunst, Szene by eminenz on 8. Oktober 2012

Eine Installation in der Loftcity Brotfabrik. Nebenan wurde im Ostlicht die Foto-Ausstellung von Wim Wenders eröffnet. Nicht ohne sich selbst unter die Menschen zu mischen, und nicht ohne selbst an den DJ-Pult zu entern und seine Klassiker aufzulegen. Vor allem aber präsentierte Wenders seine Bilder – allesamt Plätze ohne Menschen. Wieso, erklärt er in einem Interview mit der “Presse”: “In den Bildern ist es so, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß: Kaum ist jemand im Bild, schaut alle Welt nur noch auf die Person, selbst wenn die klein im Hintergrund steht. Da geht es nur noch um den Menschen, nicht mehr um den Ort, was der erzählt, was man da alles lesen kann, was der alles zu berichten hat.”

Am liebsten mag ich aber Wenders’ Abhandlung über den Unterschied von Reisenden und Touristen:

Der Reisende hat eine andere Anwesenheit als der Tourist, das Reisen, das Entdecken, die Neugierde sind der Zweck an sich. Der Tourist ist nicht ums Weiterreisen bemüht oder ums Irgendwo-Ankommen. Als Tourist kann ich immer nur kurz ankommen, mich selbst da hinstellen ins Bild, ein ganz verheerendes Phänomen, und dann bin ich schon wieder weg. Als Tourist bin ich ja nie von zu Hause weggekommen, ich bin so schnell wie ich kann wieder zu Hause, um endlich zu sehen, wo ich war.

Mein Installations-Bild beschreibt einen scheinbar leeren Platz, einen Platz der nur von dieser Blickrichtung aus leer ist, der aber wartet auf die Menschen, obwohl nichts darauf hindeutet. Still, ohne Stil.

 

 

Tigerente, Kastenfrosch und Deix-Figuren

Posted in Graue Kunst, Leben, Reise by eminenz on 18. Juli 2012

Zwei dicke Deix-Figuren genau gegenüber vom Strafgefängnis Krems-Stein – und ich mein jetzt nicht die Wachauer Ureinwohner: Genau dort ist das Karikaturmuseum mit seinem typischen Erscheinungsbild: Die markante Dachkonstruktion lässt das Gesicht eines Schalks erkennen – der Schalk im Nacken, den die Karikaturisten beschwören. Drin zu sehen: “Das ist Deix” als Dauerschau unter anderm mit Frühwerken des Künstlers – und auch ich hab mich dort zu einer typischen schimpfenden österreichischen Deix-Figur verwandelt. Interessant auf jeden Fall sind hier seine ersten Zeichnungen für die St. Pölnter Kirchenzeitung  und das Comic, das die Geschichte des Anschlusses an Deutschland mal ganz anderes zeichnet, denn “wir haben ja nichts gewusst”.

Noch bis Mitte November kann man in einer Sonderausstellung die Werke von Janosch bewundern. Er selbst sagte zur Eröffnung in der ZiB: “Die gefällt mir gut, fantastisch gemacht, gut überlegt – so schön habe noch keine Ausstellung gehabt.”  Nicht nur für Kinder interessant, denn: “Tiger, Ente, Bär und mehr” zeigt Grafiken und Karikaturen, die alles andere als jugendfrei sind:

Janosch verfasste zahlreiche Romane und Theaterstücke und setzt sich in seinen Malereien, Grafiken und Karikaturen kritisch mit religiösen Themen, der eigenen Kindheit, der Beziehung von Mann & Frau, sowie der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander.

Trotzdem dreht sich in der Wachau derzeit alles um die Marille: Wenige hundert Meter entfernt ist an diesem Wochenende das Kremser Marillenfest gestiegen. Mit Marillenschnaps, b’soffener Marille, Marillenknödeln und Co. Nom nom.

Ein Ostlicht geht in Favoriten vor Anker

Posted in Graue Kunst, Wien 2.0 by eminenz on 4. Juni 2012

Früher ist Brot gebacken worden am Fuße des Laaer Bergs. Nun wird hier die “Loft-City” aufgezogen. Kultur im Arbeiterbezirk, in meinem ehemaligen Wohnviertel. Eröffnet wurde die Dependance der Westlicht-Galerie namens Ostlicht.wo zur Eröffnung die Ausstellung “Nacht” gezeigt wird. Wie die Ameisen sind Wiener Kulturinteressierte über die ehemalige Fabrik hergefallen – es gab ja auch Gratis-Bier und Würstel. Aber nicht nur Nacht war zu sehen, auch die anderen schon eingezogenen Kulurinstitutionen feierten mit: Graffiti, umgestürzte Kroko-Autos und eine Ansammlung nackter Frauen in der Hilger Brot-Kunsthalle,  Divans und Würfeluhren bei lichterloh, dazu Performances und eine Auflegerei von Peter Kruder. Und das alles in der alten Fabrik, die gerade erst umgebaut wird auf den Loft-Betrieb mit Kinetten und Absperrungen. Hat was, diese Kultur-Konglomeration. Schauts euch das an, wenn mal weniger los ist.

Macht eine Waffel aus der Waffe!

Posted in Graue Kunst by eminenz on 29. März 2012

Verschönert, mit Zitaten versehen, installiert. Kunst im öffentlichen Raum. Im kleinst-möglichen Raum auf unserem Tisch im Schikaneder. Mit den einfachsten Mitteln: Altpapier, Asche und Freecard. Alles ist Kunst, wenn aus der Ansichtssache jedes Einzelnen wieder neue Bezugspunkte und Deutungsmöglichkeiten entstehen. Oder ist es einfach Schändung des öffentlichen Eigentums? Oder – einfach Marketing? Die Waffe im Wortgefecht. Wie es die “Presse”-Kampagne behauptet. Reden wir darüber mit Manner. Um vielleicht zu einer Fusions-Kampagne zu kommen. Und um der Friedensbewegung Ehre zu erbieten – machen wir aus der Waffe eine Waffel.

(c) Eine Kooperation von Eminenz und Danie.


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