DIE GRAUE EMINENZ

Let’s go crazy: Prince und seine Live-Perlen

Posted in Konzert, Szene by eminenz on 29. Mai 2014

Prince ist zurück, The Artist formerly known as Prince nennt sich eh schon lang wieder Prince, nur sein “Love Symbol” ist auch bei seinen aktuellen Auftritten noch immer omnipräsent – sei es als Mikrofonständer oder in Gitarrenform. Prince tourt derzeit mit 3rdEyedGirl und kommt am 7. Juni auch nach Wien! Bei seinem Auftritt bei den Billboard Music Awards 2013 präsentierte er sich als Wuschelkopf-Träger mit Anleihen an Lenny Kravitz. Nicht nur das erste der von mir zusammengetragenen Videos zeigt die Perfektion des Gittaristen Prince. Er umgab sich schon oft mit Gefährtinnen wie Sheila E. – diesmal setzt er ganz auf eine Frauen-Band. Und das zurecht. Die Vorfreude aufs Konzert ist groß!

Let’s go Crazy - brilliante Performance mit 3rdEyedGirl. Funky Stuff

Controversy – Einer der ersten Hits. Eingängiger Funk mit Falsettgesang

1999 – wird auch 2199 noch aktuell sein

Get Off – Einfach “fett”

Purple Rain – Der Klassiker, bei dem es bei Open-Air-Konzerten immer purpur zu regnen beginnt.

The Cross – Von der Ballade zum Wutschrei

Daddy Pop – Prince, der Tänzer in Jackson-Manier (nur mit viel mehr Funk)

Take mit With U  - Feelgood Daddy Prince

Zugabe: Prince als Blues-Gittarrist.

Depeche Mode: Der Rückzug auf die Kernkompetenz

Posted in Konzert, Szene by eminenz on 9. Februar 2014

Depeche Mode in der Wiener Stadthalle. Ausverkauft. Ein Sammelsurium von Konzertbesuchern in den verschiedensten Altersklassen – doch natürlich ein Überhang der Mode-Fans, die auf die Klassiker stehen. Die letzten drei Alben, die in der elektronischen Szene für Beifall sorgten, werden von diesen Fans nicht unbedingt mitgetragen. Und das weiß die Band: Auch wenn der Opener des Konzerts von der neuen CD kommt: Man bemüht sich nichtmal, den Titel “Welcome to my World” live so umzusetzen, dass Stimmung aufkommt. Denn Stimmung gibt es vor allem bei den Klassikern: “Personal Jesus”, “Enjoy the Silence”, “I feel You” um nur drei zu nennen. Hier ist die Kernkompetenz der Band: Die großen Hits seit vielen Jahren in eingepassten Live-Versionen zu performen, die das Publikum befriedigen. Das funktioniert gut, lässt bei uns nur den schalen Geschmack zurück, dass die Band trotz guten neuen Studioalben (ausgenommen die auch beim Konzert verunglückte Single “Heaven”) keine neuen Standards mehr setzen will, zumindest nicht live.

Übrigens hervorragend wie immer: Christian “Angelface” Eigner an den Drums, der österreichische Beitrag in der Live-Formation. Und ein zweites übrigens: Die Acoustic-Songs, die von Martin L. Gore performt werden, könnte man sich einfach sparen, das zeigt das Wegfluten des Publikums während dieser Songs zu den Bierständen. Natürlich ein drittes übrigens für Dave Gahan: Er ist die Rampensau der Band, der mit Coolness und nacktem Oberkörper noch immer die Herzen des weiblichen Publikums höher schlagen lässt.

Doch Kollege Peter Huber hat diese Eindrücke noch eindringlicher zusammengefasst, ein LeseTipp:
>>Depeche Mode in Wien: Gefangen in der Routine

Sharp Dressed Man

Posted in Konzert, Party, Szene by eminenz on 7. Juli 2013

Gimme all your Lovin’, Sharped Dressed Man, Legs. In the Army now, Whatever You Want, Rockin’ All Over the World. Texanische Wüsten-Rocker versus englische Rock-Gentlemen. ZZ Top vs. Status Quo. Wiesen. Lovely Days. Perfekte Choreographie. Lange Bärte. Partystimmung. Und teures Bier. Bleibt nur die Frage: Wieso wird das Lovely Days noch immer in der Mehrzahl geschrieben, obwohl das Festival seit langem nurmehr an einem Tag stattfindet? Und eigentlich noch eine zweite Frage: Wie viele Leute kann man noch auf das Gelände in Wiesen schlichten? – das Gedränge war schon fast beängstigend.

>>Alle Infos und Fotos gibts hier

Arena Dolls

Posted in Konzert, Szene, Wien 2.0 by eminenz on 5. Juli 2013

Amanda Palmer live in der Arena. Getragen vom Publikum auf einer Welle, Stage-Diving mit riesigem Regenbogen-Schleier, ohne mit der Stimme zu brechen, ohne auf den Boden zu fallen, aber unter den Argus-Augen der Security. Dresden Dolls? Schon lang nicht mehr. Sie allein ist die Hauptprotagonistin der Vienna Dolls. Vielmehr: Arena Doll.

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Schön is so a Mulatschag

Posted in Konzert, Szene, Wien 2.0 by eminenz on 13. Mai 2013

Stefan Weber und Drahdiwaberl sind im Museum angekommen. Und das im spießiegen Wien: Mit ihren Attacken gegen das Establishment und gegen die Spießer, exzessiven Shows und pornografischen Andeutungen auf der Bühne haben sie im Blutrausch schon vor Jahrzehnten mit der Wiener Gemütlichkeit aufgeräumt. Weber ist zwar schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet, aber man sieht ihn förmlich aufblühen auf der Bühne. Und er und seine Mannschaft können ihn noch immer, den Mulatschag. Zwar jetzt schon am Nachmittag, aber für eine Ausstellungseröffnung schneuzen und kampeln sich auch die Mannen von Drahdiwaberl mal. Dass Wien nicht mehr so spießig ist wie vor dreißig Jahren hat man übrigens daran erkannt, dass Dutzende Kinder von ihren Eltern hochgehoben wurden beim Konzert. Wie haben die Eltern wohl den Kleinen den Mulatschag erklärt?

Die Ausstellung ist übrigens noch bis 15. September im Wien.Museum zu sehen.

Als Vorgeschmack gibt es auch eine Online-Ausstellung der Wienbibliothek Digital.

Der Champion für die Wechseljahre

Posted in Konzert, Szene by eminenz on 31. Januar 2013

Der Champion hat seine Jünger zu den Abschlussterminen seiner Tourne “Fire, Light and Austrofred” gerufen – und im (fast) vollen Gasometer huldigten die Gläubigen ihrem Prediger des Austropop. Und Austrofred ist im Alter noch ein bisschen weiser geworden und will auf eine neue Marketing-Linie setzen: “Ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, dass ich mich bei meinem Publikum für die Energie, die Liebe und die gegenseitige Befruchtung bedanke, die es mir in all den Jahren zukommen hat lassen. Deshalb möchte ich mich in meiner zukünftigen Arbeit verstärkt um die zahlungskräftige Zielgruppe der Frauen in den Wechseljahren bemühen.”

Er hat ja ganz recht, seine Show, strotzend von Feuerwerk und Laser ist unvergleichlich, wenn dann mit “Apassionata oder Holiday on Ice”. Mit dem Unterschied, dass seine Jünger das wohl nicht ansehen werden.

Süß: Der Heiratsantrag eines Austrofred-Fans vor der Show auf der Bühne. Und ich mein jetzt nicht einen Antrag an den Champion.

Und legendär mit ein bisschen Fremdschäm-Faktor: Tony Wegas, der ehemalige Songcontest-Teilnehmer und zwischenzeitlich abgestürzte Sangesbarde, als “Vorgruppe”.

Champion, wir bleiben dir treu!
>>Austrofred im Interview: “Budget für Benzin und Leberkässemmeln”

In the MuTh

Posted in Architektur, Graue Kunst, Konzert by eminenz on 10. Dezember 2012

Jahrelang ist dagegen protestiert worden, nun ist er eröffnet. Der Saal der Sängerknaben mit dem Namen “MuTh” – wie MusikTheater. Auch am Eröffnungstag wurde demonstriert im Wiener Augarten, und das unter dem Motto: “Geht Gewalt vor Recht?” Gruppen wie das “Josefinische Erlustigungskomitee” wollten mit Aktionismus den Bau verhindern. Ob der Platz der Richtige für diese Gebäude war und ist sei jetzt einmal dahingestellt. Und ohne jetzt genau auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Platzes am untersten Spitz des Augartens einzugehen – die Kompromisse die das Gebäude noch duckender erscheinen lassen als im Erstentwurf bestätigen eines: Kultur muss sich in Wien architektonisch verstecken. Denn eines ist den Wienern heilig: Nichts darf sich verändern! Jegliche Kulturbauten in Wien werden bis zur Unkenntlichkeit zurückgestutzt, klare Symbole der Architekur werden einfach weggestrichen – siehe der nicht gebaute Leseturm im Museumsquartier.

Interessanterweise gilt das nur für Kulturbauten in dieser Stadt. Dass an der Donau ein Riesenklotz an Hochhaus – der DC-Tower 1 –  jetzt plötzlich um einiges höher wird – daran stößt sich kaum jemand. Siegt der Kapitalismus jetzt auch gegen die Kultur?

Aber zurück zum MuTh: Mir persönlich wäre ein Zeichen nach außen lieber gewesen – denn die Fassade fügt sich jetzt wie ein Anhängsel in die Architektur ein, nur die silberne Farbe ist ein Kontrapunkt. Das ist sehr gut gelungen bei der Integration des Pförtnerhauses. Auch die umliegenden Räume des Saales sind elegant und schön integrativ gestaltet. Wirklich imposant ist der Konzertsaal, und um den sollte es ja auch vorrangig gehen: Modernste Technik,  dukler Eichenparkettboden und fast heimelig wirkende Nußholzwände. Ein Ohren- und Augenschmaus.

Ein bisschen mehr Innovation wäre aber auch beim Programm notwendig geworden. Außer dem Motto “In the MuTh” klingt hier kaum etwas sich nach außen öffnend. Dabei täte in diesen Saal auch ein Blues-Abend gut passen. Aber vielleicht wird das ja noch: Resetarits/Molden, übernehmen Sie!

>>MuTh: Umstrittener Sängerknaben-Saal besticht mit Eleganz

Knights of Cydonia

Posted in Konzert, Szene by eminenz on 20. November 2012

Muse. Stadthalle. Wien. City Of Delusion. Für einen Abend. Perfekt.

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98 Percent Funky Stuff

Posted in Konzert, Party, Szene by eminenz on 22. Juli 2012

“Two Percent Jazz and 98 Percent Funky Stuff!” – so war es (leider) nicht ganz bei den Nova Jazz & Blues Nights. Allerdings: Funk vom feinsten wurde geboten getreu dem Motto von Maceo Parker. Das ehemalige Bandmitglied von James Brown sorgte mit seinem Altsaxofon und seiner Funk-Truppe auch für den Höhepunkt des Festivals in Wiesen.

Aber auch George Benson sorgte für Gänsehaut – mit seinen Radio-Wien-Hits wie “On Broadway”, das gehört ja zum Klassiker-Repertoire. Auch angestimmt hat er “Nothing gonna change my love for you”, ein Klassiker – wobei nur die wenigsten wissen dass dieser Hit aus der Feder von Benson stammt. Nicht zu vergessen: Er ist ein begnadeter Blues-Gittarist. Sehr fein.

Erstmals seit meinem Kuba-Aufenthalt vor einigen Jahren habe ich auch wieder kubanischen Son zu hören bekommen – ich bin seither kubanischer Musik aus dem Weg gegangen nach dreiwöchiger Guantanamera-Dauerberieselung dort – und natürlich – auch der Buona Vista Social Club hat diesen Hadern im Zugabenblock angeboten. Aber sagens wir mal so: Ich bin versöhnt mit dem kubanischen Son. Sehr beeindruckend beim Auftritt im Burgenland war der Auftritt der 81jährgigen Omara Portuondo aus der Original-Besetzung. Da Wiesen aber nicht Havanna ist, war die Außentemperatur nicht ganz authentisch. Und auch der Mojito schmekckt mit frischen Früchten einfach besser. Oh, kommt da ein bisschen Fernweh auf?

Der erste Tag des Festivals war übrigens vom Gasometer – verlegt von der Wiener Arena in diese No-Go-Veranstaltungshalle. Ein Festival in der Halle mit dem Plattenbau-Charme von Bukarest der 70er-Jahre – wem ist bitte das eingefallen? Musikalisch gab es aber doch kleine Lichtblicke: Die nigerianische Sängerin Nneka mit ihrer eindringlichen Stimme. Zwar weit weg von Funk, aber ganz nah bei Dub, Soul, Reggea und Afrobeat. Und die Headliner des ersten Abends, Jestofunk. Sie wissen schon wie es funktioinert – stampfende Funk-Basslines und ein röhrender Ce Ce Rogers. Alles schon oft gesehen, dem Publikum gefällts aber immer wieder. Obwohl es diesmal so laut war, dass Tinitus für viele wohl vorprogrammiert ist.

>>Alle Bilder

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Austrofred: “Budget für Benzin und Leberkässemmeln”

Posted in Konzert, Szene by eminenz on 20. April 2012

Seine neue Tour mit dem Namen “Fire, Light & Austrofred” eröffnet ein ganz neues Kapitel in der Geschichte des Freddy-Mercury-Lookalikes: Bisher waren seine Shows auf seine Bühnenpräsenz zugeschnitten, ganz ohne Schnick-Schnack – damit wird nun aufgeräumt und eine „technische Show der Superlative“ geboten.

Zwei Stunden vor dem bisher größten Konzert von Austrofred in der fast ausverkauften Wiener Arena haben wir den “Champion” zu einem Gespräch getroffen.

Erstveröffentlichung auf DiePresse.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deine neue Tour hat in Steyr und Ebensee begonnen. Jetzt, so ganz kurz vor dem ersten Auftritt in Wien, wie ist jetzt dein Gefühl?

Austrofred: Das Gefühl ist sehr gut. Die Terminplanung war ja durchaus absichtlich – das ist so wie bei einer Broadway-Show, die erst an der Ostküste entlangzieht, bis sie nach New York kommt. Und so haben wir in Oberösterreich angefangen bevor wir nach Wien gekommen sind. Beim ersten Auftritt in Steyr hatte ich noch zuviel Respekt vor der Technik – bei so einem aufwändigen Licht-Environment gibt es für mich natürlich vieles auf das ich aufpassen muss: Wenn der Laser zum Einsatz kommt soll ich nicht mitten drinnen stehen, weil das ist ja nicht so gesund. Darum war ich beim ersten Auftritt ein bisschen schaumgebremst. Beim zweiten Konzert hab ich mir gedacht – das kanns jetzt aber auch nicht sein dass ich jetzt der Sklave von der Technik bin – und dann bin ich ordentlich ‘drübergfoan’.

Wie bereitest du dich auf deine Wien-Premiere in der Arena vor – machst du mentale Vorbereitung oder Stretching?

Ein Vorbild ist für mich Louis de Funès: In seiner Biografie habe ich darüber gelesen, dass er in Paris ein Jahr lang das Stück “Oscar” aufgeführt hat – am Abend war er auf der Bühne und ist ordentlich herumgefetzt, danach waren die Aftershow-Partys mit irgendwelchen Ministern und so weiter – und dann ist er den ganzen Tag im Bett beblieben. Das hat er gebraucht für seine Energie. Ich verstehe das sehr gut, kann mir das aber nicht immer leisten. Aber diese Entspannung ist sehr wichtig und direkt vor dem Konzert gehören natürlich einige Übungen dazu – wie zum Beispiel das einsingen (er setzt zu einer Tonleiter an).

Vor einigen Jahren hast du die DVD “Fit mit Austrofred” herausgebracht. Nimmst du von den dort präsentierten Übungen Anleihen für die Konzert-Vorbereitung?

Natürlich gibt es bei der Vorbereitung auch die körperliche Komponente: Bänder dehnen und asiatische Übungen für die Arme, das schadet auch nicht. Wichtig ist immer, dass der Brustkorb frei ist und es dort keine Verspannungen gibt, weil die merkt man am meisten. Hin und wieder pick’ ich mir ein Thermopflaster auf, weil es die gefährdeten Stellen gut aufwärmt.

Du bist unterwegs als der “Retter des Austropop” und klagst an, dass heimische Musik zuwenig im Radio gespielt wird – hat sich der Begriff „Austropop“ aber nicht schon überlebt?

Austropop ist ein klar erkennbares Genre. Es ist ja nicht jeder Begriff wahr der in sich wahr ist sondern der wahrgemacht wird dadurch, wie es die Leute wahrnehmen. Jeder hat unter Austropop eine Vorstellung. Das sind dann die klassischen Dialekthits der 70er und 80er-Jahre und Künstler wie Ambros, Frendrich, Danzer, STS und EAV. Der Begriff ist natürlich gültig, auch wenn man es als historisches Genre sieht. Austropop kann auch seine Gültigkeit bewahren, wenn in diesem Bereich Sachen gemacht werden, die relevant sind. Da meine ich jetzt nicht, dass die Christl Stürmer eine neue Platte macht, das ist ihr unbenommen und sie hat großen Erfolg und macht lässige Sachen, aber das hat natürlich nichts mit Austropop zu tun. Weil nur wenn etwas aus Österreich kommt, ist es ja nicht Austropop.

Hast du dir schon einmal überlegt dass du mit Ambros oder Fendrich gemeinsam auftrittst – und damit eine Neuauflage von Austria 3 machst?

Das wäre natürlich reizvoll, ich weiß aber nicht ob unsere Bühnenpersönlichkeiten zusammenpassen, alleine vom Tempo her. Es wäre eine große Ehre, mit solchen Kalibern auf der Bühne zu sehen. Aber ich strebe das künstlerisch nicht an.

Was erwartet uns bei deiner neuen Show, die angekündigt wurde als die größte Austrofred-Show aller Zeiten?

Ein großer Schriftzug, der 8,40 Meter breit ist. Es gibt große Lichtelemente, es gibt Laser, es gibt einen üppigen Bühnenaufbau. Im deutschsprachigen Raum spielt das in der Größenordnung von Herbert Grönemeyer oder Peter Maffay. Trotz all der Technik habe ich aber darauf geachtet, dass für die Konzertbesucher nicht verloren geht, was sie sich von Austrofred erwarten, nämlich eine Interaktion mit dem Publikum. Das ist immer die Gefahr, wenn man eine große Technik hat: Dass alles andere dahinter verschwindet, so soll es natürlich nicht sein.

Du interagierst oft mit dem Publikum, beispielsweise wenn Leute ihre Getränke am Bühnenrand abstellen und du sie dafür tadelst – steckt dahinter eine politische Message?

Nein, das sehe ich nicht als politische Message, wenn mir mein Arbeitsplatz versaut wird. Das ist ja ganz normal bei einem Konzert: Die Leute finden es so gemütlich, dass sie ihr Bier auf den Bühnenrand stellen. Wenn du als Künstler nicht aufpasst, hast du 20 Biere auf der Bühne stehen. Ich bin aber ein dynamischer Mensch, muss immer herumfetzen und kann dabei nicht darauf achtgeben dass ich keines der Biere ausschütte. Wenn ich dabei eines erwische und ins Publikum kicke, passiert wem vielleicht eine Platzwunde – und dann heißt es wieder in den Medien der Austrofred verletzt das Publikum. Das will ich einfach nicht haben. Die Show soll gut sein und es ist schlecht, wenn irgendjemand stört. Den muss ich dann natürlich des Raumes verweisen oder zumindest hinten ins Eckerl stellen.

Das heißt du bist dann deine eigene Security?

Das ist quasi auch meine Aufgabe, dass ich Disziplin reinbringe.

Auf deiner Homepage gibt es den Punkt “Sexuelles”, dort findet sich allerdings kein einziger Eintrag, außer der Hinweis “Hier ist noch immer nicht so viel los, vielleicht probiert Ihr es ein anderes Mal wieder.” Ist Austrofred nicht ein großer Frauenschwarm?

In meinen Büchern kommt das Thema ja immer wieder vor, auch wenn das im Alter ein wenig nachlässt. Ich brauche meine Aftershow-Party nicht mehr nach jedem Konzert sondern regeneriere auch gerne. Früher war das nicht so. Das ist wie bei den Fußballspielern, wo die Faustregel gilt: Ein 20jähriger braucht nach einem wichtigen Spiel einen Tag zur Regeneration, ein 30jähriger braucht zwei Tage. Ich bin jetzt über 40, da kannst du auch nicht immer halli-galli machen, das ist schon ganz klar.

Auf der Austrofred-Homepage war immer der Plan, einen Bezahlbereich für einschlägig interessierte Austrofred-Fans zu machen – mit Fotos, die man so sonst nicht zu sehen bekommt und anderen ansprechenden Sachen und Movies. Wir haben dazu Daten-Erhebungen gemacht, aber 70 Euro im Monat waren den Leuten zuviel, darum haben wir bislang drauf verzichtet.

Du bist in letzter Zeit weniger auf der Bühne gestanden, sondern hast dich auf das Literarische konzentriert. Kommt das automatisch mit dem Alter?

Nein, das war eher ein Zufall, dass es mich ins literarische Milieu verschlagen hat. Ich hab mir aus meiner Rockstar-Mentalität gedacht, für einen angehenden Rockmusiker gibt es keinen Lehrberuf und keine HTL. Wo soll er das eigentlich lernen? Darum habe ich mein erstes Buch geschrieben mit Tipps aufgrund von meinem eigenen Lebenslauf. Das ist sehr gut angekommen. Der Tonträgerbereich ist ja im Sinkflug, der Buchhandel ist noch relativ stabil. Aber man kommt dann rein in so einen Strudel, ich habe viele Lesungen gemacht und das Musikalische ein wenig schleifen lassen. Darum setze ich jetzt ganz bewusst so einen Akt: Der Austrofred ist da und er rockt noch immer, schaut euch das an.

Kann man sich literarisch auch auf Neuigkeiten freuen oder konzentrierst du dich jetzt auf die Tour?

Jetzt hab ich keine Sekunde Zeit. Aber ich hab einige Projekte, darunter eine Fernsehserie und zwei Bücher. Wenn die Tour vorbei ist, kläre ich ab, was realistisch ist und ‚wos mi grod am meisten gfreut’. Ich kann mir vorstellen dass ich im Sommer wieder viel Lust habe zu schreiben und dann werde ich meinen ersten Roman machen. Nicht ein autobiografisches Buch, sondern eine richtige Geschichte. Das ist eine Möglichkeit.

Wird es vielleicht einmal eine Fortsetzung des legendären Austrofred-Kinofilms “Giving Gas” geben?

Eine Fortsetzung wird es nicht geben, es gibt kein “Giving Gas 2″, weil das Auto, der legendäre VW Golf, ist mittlerweile schon beim ‘Ausboaler’ (Anmerkung: frei übersetzbar mit Auto-Ersatzteil-Ausschlachter) in der Tschechei. Ein wichtiger Akteur, der ausfällt für eine Fortsetzung. Aber im Filmbereich möchte ich gern wieder etwas machen. Auf der einen Seite wäre es reizvoll, sich einen Partner in Form von einem Fernsehsender oder einer Produktionsfirma zu suchen, das viele Vorteile bieten würde weil es wirklich professionell ist und in professionelle Kanäle kommt. Die andere Seite, die mir nach wie vor sehr sinnvoll erscheint ist, dass man das selbst produziert – den “Giving Gas”-Film haben wir mit einem Budget von 700 Euro gedreht – das war für Benzin und Leberkässemmeln.

A propos Leberkässemmeln: In einem Buch von dir empfiehlst du die OMV-Tankstelle auf der Westautobahn bei Loosdorf, weil es dort den besten Leberkäse gibt. Ein Marketing-Gag?

Nein, der Leberkäse dort ist wirklich immer gut, überhaupt bei OMV-Tankstellen passt die Qualität vom Leberkäse. Bei BP-Tankstellen erwischt man kurioserweise öfters einen viel zu trockenen.

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