DIE GRAUE EMINENZ

Keine Spritztour: Die Panzerschlacht ums Bundesheer

Posted in News, Politik by eminenz on 16. Januar 2013

Vor etwa einem Jahr kam ein umstrittener Werbespot des Bundesheers in alle Medien: Der berühmte “Spritztour”-Spot. Thomas Prior hat ihn damals in der “Presse” sehr spritzig beschrieben:

Der Film zeigt einen kahlköpfigen Mann, der breitbeinig da sitzt auf der Motorhaube seines Sportwagens, umringt von vier jungen Damen. Er will sie mitnehmen, auf eine „Spritztour im flotten Flitzer“. Doch plötzlich braust ein Panzer durch den Nebel. Ein Soldat entsteigt ihm, fährt lässig mit der Hand übers Kanonenrohr und fragt: „Na, Mädels? Lust auf eine Spritztour?“Als die Mädels, ihr Glück kaum fassen könnend, zu hüpfen beginnen, bringt der Soldat die Botschaft an: „Kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren!“ Dann fährt er selbst los, die Damen lassen den Macho stehen („Vergiss es, ich will mit großen Dingern fahren“) und laufen jubelnd hinterher.

Das Video ist übrigens am Ende des Artikels abrufbar – und eine Umfrage.

Dieses – zurückhaltend formuliert – verunglückte Heeres-Video kommt derzeit sehr oft bei der Diskussion um die Volksbefragung um die Zukunft des Bundesheeres in den Sinn. Denn diese Diskussion ist genauso verunglückt. Zu allererst ist es mehr als zu hinterfragen, dass gerade im Bereich der Sicherheitspolitik das Instument der direkten Demokratie ins Spiel gebracht wird. Man wird einfach den Eindruck nicht los, dass die Politik in dieser Frage einfach maßlos überfordert ist, und hier ist nicht (nur) Verteidigungsminister Norbert Darabos gemeint, hier gibt es eine ganze Riege von ÖVP-Verteidigungsministern, die gelinde gesagt absolut gar nichts für eine Reform unseres Heeres getan haben. Außer die umstrittenen Eurofighter einzusetzen.

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Mehr als verunglückt und durch Koalitions-Räson zustande gekommen ist die  Fragestellung auf den Stimmzetteln.  Die Verknüpfung von Wehrpflicht und Zivildienst sollte bei einer Abstimmung über die Zukunft der österreichischen Sicherheitspolitik keine Rolle spielen. Tut es aber. Viel zu viel. Glaubt man den Wehrpflicht-Befürwortern, würden ohne Zivildienst, der an den Wehrdienst gekoppelt ist, plötzlich Krankenwagen später kommen und das Gesundheitssystem so gut wie zusammenbrechen. Und wenn ein Wehrdienst-Befürworter doch mal übers Bundesheer redet, dann nur über die Katastropheneinsätze. Natürlich sind diese wichtig bei Jahrhundert-Katastrophen – allerdings muss man sich wirklich die Frage stellen ob diese Aufgabe unbedingt ein zwangsrekrutiertes Heer, dessen Sinn sich noch immer mit dem Dienst an der Waffe erschließt, machen muss.

Das schlimmste im Vorfeld dieser Volksbefragung allerdings ist die Informationspolitik der Regierung. Eine solche ist nämlich nicht vorhanden. Ganz klar wird die Abstimmung missbraucht für einen Vorwahlkampf, Argumtente werden nur verkürzt vorgebracht, Untergriffe sind an der Tagesordnung, Parteiräson geht vor umfassender Information. Anneliese Rohrer ruft daher sogar zur Verweigerung auf, weil wir für dumm verkauft werden.

Soweit ich in den meisten Punkten mit Frau Rohrer übereinstimme, in diesem Punkt bin ich konträrer Ansicht: Ich rufe dazu auf, zu dieser Volksbefragung zu gehen. Erstens, um der Politik zu zeigen, dass Österreicher sehr wohl Instumente der direkten Demokratie wahrnehmen und um damit ein Zeichen zu setzen, dass diese Instrument nie wieder von den Parteien in Geiselhaft genommen werden darf.

Und: Ich persönlich stimme ganz klar gegen die Wehrpflicht. Denn: Ich habe “gedient” beim Bundesheer. Und so sehr die Wehrpflicht-Befürworter mit dem Wort Reform herumwerfen, dieses Heer ist meiner Meinung nach nicht reformierbar – bisher hat auch niemand ein Modell für eine Reform präsentieren können. Kein junger Mensch sollte in diesem unglückselig zusammengewürfelten veralteten Haufen zwangsverpflichtet werden. Das Heer hat für mich nicht das gebracht, was einige vorbringen: “Das hat noch keinem geschadet.” Im Gegenteil, mir hat es wirklich geschadet. Meiner Gesundheit, meinem Verstand, meinem Glauben an die Menschlichkeit und nicht zuletzt meinen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Und wie werdet ihr abstimmen? 

Sei ein Film!

Posted in News by eminenz on 13. Januar 2013

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Dabei wird zwar ein bisschen dick aufgetragen und ein komischer Vergleich mit Filmfesivals gezogen, aber ansonsten kann man das ganze ganz gut herzeigen:

Hier ist ein Auszug:

4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 48.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 11 Film Festivals füllen

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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“Heute” und der Halbmond

Posted in Medien, News by eminenz on 7. Dezember 2012

Die Geschichte ist traurig genug: “Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau” titelt die Gratis-Zeitung “Heute” am 7. Dezember auf Seite 8. Was allerdings im zweiten Absatz geschrieben wird verstößt gegen jegliche journalistische Ethik. Ohne mit der Wimper zu zucken wird hier auf eine Religion hingedroschen – “In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf” – und ein Eifersuchtsdrama vermischt mit religiösen Vorurteilen. Ohne übrigens etwas über den religiösen Hintergrund des Täters zu schreiben. Denn der einzige Name, der hindeuten könnte auf einen Moslem ist jener vom Polizeioberst. Sind den beiden Autoren hier die Sicherungen durchgegangen? Oder ist Verhetzung die neue Blattlinie von “Heute”? Dass der Artikel online nicht abzurufen ist, dürfte schon seinen Grund haben.

Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung von Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl. Außerdem wurde der Fall dem Presserat gemeldet.

UPDATE:

Christian Nusser, Chefredakteur von “Heute” entschuldigt sich auf der Homepage von “Heute” und schwärzt die Stellen im e-paper.
http://diepresse.com/home/kultur/medien/1321509

Stellungnahmen gibt es unter anderm von der Journalistengewerkschaft und SOS Mitmensch.

Andrea Schaffar hat auf SocioKommunikativ eine begriffliche Klärung versucht.

kraftheute

UPDATE drei Tage nach Erscheinen:

“Heute” reagiert nach dem Wochenende mit dem Lob von Staatssekretär Kurz – laut “Heute” lobt er “Heute” für das Engagement beim Thema Integration. Und Chefredakteur Christian Nusser erklärt nochmals, dass schnell die Konsequenzen gezogen wurden. Was bleibt, ist ein wenig Verwunderung über die Form dieser Selbstdarstellung als Beschützer der Integration. Allerdings: Man nimmt es “Heute” eher ab als der “Krone”. Doch das bedeutet nun auch keinen Orden für den Boulevard.

Simon Inou kritisiert Landau, Kurz und Galeli dafür schaft auf M-Media.

UPDATE sechs Tage nach Erscheinen:

Wolfgang Höllrigl dürfte vom Ressortchef zum Redakteur degradiert worden sein, er sei vorerst weiter beurlaubt. Das wurde allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Der Redakteur, der den Bericht recherchiert hatte, wurde verwarnt.

heutezweiteUPDATE 11 Tage nach Erscheinen:

Beim Österreichischen Presserat sind 66 Beschwerden eingegangen – das ist bisheriger Rekord.  Die Gratiszeitung ist allerdings bis dato nicht Mitglied des Presserats. Doch: Der Rat kann eine Entscheidung auch gegen Nichtmitglieder veröffentlichen, wenn es sich um eine “von grundsätzlicher Bedeutung” handelt.

Boulevard-Urgestein Höllrigl wurde die Ressortleitung entzogen und auf einen mehrwöchigen Urlaub geschickt.

>>Mehr dazu HIER

Wenn man Hitler überfährt

Posted in Medien, News, Politik by eminenz on 12. November 2012

Was haben Adolf Hitler, Josef Stalin und Saddam Hussein gemeinsam? Wahrscheinlich einiges diktatorisch Böse – und alle drei sind jetzt Darsteller bei einer Kampagne in Rumänien, mit der auf Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen werden soll. Der Slogan: “Well, it’s not like that. Usually, the Victim is an Innocent.”

Die rumänische Hilfsorganisation CCVR (Beratungszentrum für Opfer des Straßenverkehrs) zeigt viel schwarzen Humor – aber überschreitet die Grenze zur Geschichte Rumäniens nicht: Der Diktator Nicolae Ceausescu fehlt in der Kampgagne. Die von Publicis Bukarest entwickelte Printkampagne erzeugt aber auf jeden Fall Aufmerksamkeit für ein Thema, das sonst schnell ignoriert wird. Schöne neue Medienwelt.

Sandy: Die perfekte Boulevard-Welle

Posted in Medien, News by eminenz on 30. Oktober 2012

Mega-Welle

Monster-Hurrikan

Superstorm

Wheather Freakout

Frankenstorm

Land unter

Ich sag einfach #Sandy. Berichterstattung darüber muss sein, es ist auch ein relativ großer und wuchtiger Sturm. Aber: Ein bisschen weniger Aufgeregtheit und Effekthascherei tät uns allen sehr gut. Für eine Abrüstung der Worte. Danke.

A scheene Leich

Posted in News, Politik, Wien 2.0 by eminenz on 17. Juli 2011

Wien bei Kaiserwetter. Der letzte Thronfolger, Franz Josef Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius von Habsburg, wird zu Grabe getragen. Und das mit einem Riesen-Aufwand: Schützenvereine, Monarchisten, Verbindungen, Gäste aus Europas Adel und Königshäusern so wie König Carl Gustav und Königin Silvia von Schweden. Über eine Stunde ist der Kondukt vom Stephansdom zur Kapuzinergruft gezogen, wo traditionellerweise erst nach dem dritten Klopfen geöffnet wurde.

Bleibt abzuwarten, ob mit der Besetzung von Otto Habsburg nun das Ende für Monarchisten-Vereine kommt. Die Habsburger haben es ja geschickt verstanden, ihre Geschichte vollkommen ins Positive zu verdrehen. Wenn man sich diese Geschichte genauer anschaut, ist sie nicht nur die vielgelobte Hochzeitspolitik, nein, sie war auch blutgetränkt. Wieso jetzt also dieser Abschied mit allen Staatsoberhäuptern und der Garde des Bundesheeres?

Es mutete jedenfalls äußerst gespenstisch an, im (wegen der TV-Übertragung hell erleuchteten) Stephansdom von kaisertreuen Fahnen umgeben zu sein. Obwohl – die kaisertreuen Vereine machten teilweise auch den Eindruck, als ob sie das Ereignis mit einem Faschingsumzug verwechselt hätten. Spott statt Ehrfurcht.

Und es mutete äußerst seltsam an, dass die kirchlichen Würdenträger noch im vorigen Jahrhundert stecken dürften: Kardinal Christoph Schönborn begrüßt die Trauerfamilie, an ihrer Spitze „Erzherzog Karl“. Und der Apostolische Nuntius verliest die Botschaft Benedikts XVI. mit der Anrede „Seiner Kaiserlichen Hoheit, Erzherzog Karl von Österreich“. Sind wir also doch noch in einer Monarchie?

Die Kaiserhymne zum Abschluss des Requiems lässt es vermuten. Enthusiastisch singen die kaisertreuen mit. Wird ja wohl das letzte mal gewesen sein, dass diese Hymne im Stephansdom vorgetragen wird. Zumindest mit diesem Text. Und hoffentlich nicht auch mit dem anderen uns bekannten noch in Betrieb stehendem Text. Übrigens: Bundespräsident Fischer blickte während der Hymne betreten zu Boden und sang nicht mit.

Einmal noch hat Wien eine royale Feier erlebt, wenn schon keine Hochzeit dann wenigstens dieses Begräbnis. Viel Geschichte lag in der Luft. Und es war der endgültige Abschied von einer Ära in Form eines -leicht skurrilen – Volksfestes.

Der Doppeladler lässt jedenfalls grüßen. Und all das für einen Thronfolger, der niemals den Thron bestiegen hat. Gott hüte uns davor, dass das Haus Habsburg noch einmal an die Macht kommt. Auf jeden Fall: Nach diesem kirchlichem Spektakel wäre es ja endlich an der Zeit, aus der katholisch-reaktionären Kirche auszutreten.

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>>Noch mehr Bilder gibt es hier

Sven Regener: “Ich bin generell leicht soziophob unterwegs”

Posted in Graue Kunst, News by eminenz on 30. Mai 2011

Sven Regener, Sänger der Band „Element Of Crime“ und Autor der Herr-Lehmann-Trilogie, hat seine zwischen 2005 und 2010 auf Websites veröffentlichten Blogs in Buchform herausgebracht. Gemeinsamkeit: Der imaginäre Telefonfreund, Kritiker und Seelenverwandte Hamburg-Heiner. Wir trafen Regener im Wiener Rabenhof.

Ihr vor kurzem veröffentlichtes Buch „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ ist eine Sammlung Ihrer Blogs aus den letzten Jahren. Wie ist Ihr fiktiver Gesprächspartner Hamburg-Heiner entstanden?

Sven Regener: Ich bin ja in diese ganze Blog-Sause so reingeraten. Aber ich hatte schon am dritten Tag keine Lust mehr, weil mir vorkam, dass das so ein Kolumnisten-Ding werden könnte: Man redet mit sich selbst und gibt seine Meinung zu allen möglichen Dingen wieder. Ich hab nichts dagegen wenn’s andere tun, aber für mich ist das nichts. Darum habe ich mich anrufen lassen, um einen Dialog-Stil reinzukriegen, denn dann wird das dialektisch, dann kann sich auch was entwickeln. Ein fiktiver Dialog kann zu Handlung führen oder kann Handlung sein, weil sich die Fronten ändern – das kriegt einen Zweikampfcharakter. Das schien mir die einzige Möglichkeit zu sein, dass ich nicht selber vor Langeweile dabei umkomme.

Zum Teil führen Sie ja ein „echtes“ Tagebuch. Sie listen auf, welche Playlist Sie für eine Radiosendung gemacht haben.  Das wirkt schon so als wäre es eben gerade passiert – da wurde Ihnen dann langweilig?

Eigentlich hab ich für Tagebuch und solche Literaturformen  kein Herz und kein Händchen, ich bin auch kein Kunde als Leser, außer für Ausnahmen wie Peter Rühmkorf oder Fritz J. Raddatz.  Aber das ist nichts, was ich selber produzieren könnte. Letztendlich kann ich nur so eine Mischung aus Gonzo-Journalismus und eben Dialog-Trash machen und versuche, auf diese Weise irgendwie durch die Realität zu marodieren.

Man hat als Künstler ja höchstens ein taktisches Verhältnis zur Realität. Man benutzt sie da, wo es in den Kram passt und macht sich ansonsten ein schönes Leben, indem man sich Dinge ausdenkt und sie damit vermischt. Dinge, die tatsächlich stimmen, kommen einem ja oft am komischsten vor, also zum Beispiel dass Hamburg Altona von 1864 bis 1866 als Teil vom Herzogtum Holstein von Österreich verwaltet wurde, das stimmt. Das ist natürlich das, was am allerwenigsten geglaubt wird, während viel anderer Scheiß, den ich da behaupte, absolut aus den Fingern gesogen ist.

Die Reife in diesem Blog-Ding besteht darin, dass es immer blöder wird.

Das Gegenstück zu Hamburg-Heiner ist die Figur des liebenswert-sympathischen, aber immer wieder naiven Sven, der wiederholt betont,  er lese die Einträge der User auf keinen Fall. Hamburg-Heiner macht ihn aber da immer wieder aufmerksam darauf, als Korrektiv. Liest Hamburg-Heiner ab und zu die Kommentare?

(lacht) Sieht so aus als wenn der Hamburg-Heiner da ab und zu mal reinkuckt.  Wichtig ist ja für den Sven, weil er der Urheber dieser Blogs ist, dass er sich nicht dazu verhält. Das ist ein literarischer Blog, das heißt, die Leute, die da Kommentare schreiben, schreiben ja so etwas wie Kurzkritiken. Als Kritiker führen sie zum Teil auch untereinander Auseinandersetzungen, das ist völlig in Ordnung.

Aber als Künstler verhält man sich nicht zu Kritiken. Man antwortet darauf nicht – man muss es ignorieren. Damit hat man zwei Möglichkeiten: Man kann es trotzdem lesen und sich dauernd ärgern – oder man sagt sich gleich, ich will das nicht. Kann man ja machen, dass man nach einer Lesung Fragen aus dem Publikum beantwortet. Ohne mich! Das tut man nicht, das will auch wirklich niemand. Die ganze Idee von interaktiver Kunst ist ja so ein 60er Jahre-Ding. Wer geht denn wirklich gerne in Mitmach-Theater? Ist nicht eine der größten Ängste, die man hat, wenn man irgendwo in der ersten Reihe sitzt, dass gleich einer kommt und einen da mit reinzieht? Im Grunde genommen will man, dass der Künstler sein Ding macht und sich nicht beeinflussen lässt.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie nach einer Lesung oder nach Konzerten mit Ihrer Band „Element of Crime“ angesprochen werden?

Mich spricht nach Konzerten niemand an, weil uns niemand ansprechen kann. Zwischen uns und den Leuten sind mehrere Gittertüren, Security-Leute und sonstwas. Natürlich kann man das machen, Agitprop – Leute machen das vielleicht oder Liedermacher, die sagen, sie wollen über die Lieder diskutieren, weil sie zur Kunst ein funktionales Verhältnis haben, eines, wo die Kunst dafür da sein soll, etwas anderes zu bewerten, was ja irgendwie auch problematisch ist. Ein Beispiel wäre das Köln-Konzert von Wolf Biermann 1976.

Das ist natürlich was, das im Rock’n’Roll nichts gilt – so wenig wie ich als Zuschauer hinterher mit dem Sänger von den Eels reden kann, genausowenig kann man das mit uns, und warum soll das anders sein?
Es ist ja gar nicht wahr, dass man zu einem Maler hingehen will und sagen will „Hätten Sie da nicht ein bisschen mehr rot verwenden können?“, das will ja niemand.

Wieso gibt es dann diese Interaktion im Internet…?

Es gibt ja gar keine Interaktion im Internet. Was haben wir? Spiegel online, da kann man Kommentare schreiben. Der Autor, der den Artikel geschrieben hat, verhält sich dazu nicht mehr. Da schreiben Leute irgendwelchen Kram rein, denen sonst niemand zuhört, weil es möglich ist. Es gibt diese Posting-Möglichkeit und es ist eine gewisse, kleine Anzahl von Leuten, die das macht. Ich finde das völlig in Ordnung – jeder hat sein Hobby.  Oder es ist eine Vereinsgeschichte.

Sie schreiben in einem der nun abgedruckten Blogs: „Das ist jetzt aber aus der Erinnerung erzählt, recherchiert wird hier gar nichts, hier wird einfach nur behauptet. Schließlich sind wir im Internet.“ Gibt es einen Unterschied zwischen Texten, die im Internet erscheinen und gedruckten?

(schmunzelt) Nein, ich würde auch sonst ganz gern einfach mal etwas behaupten. Aber es ist natürlich eine schöne Ausrede, zu sagen: Wir ja sind im Internet.

In den 70er Jahren war ich im Kommunistischen Bund Westdeutschland organisiert, worauf ich jetzt nicht besonders stolz bin. Aber es gab ein paar interessante Erfahrungen: Etwa wie es ist, wenn man als maoistischer Kommunist an einem Samstagvormittag im Einkaufszentrum steht. Dort kamen die Leute zu einem, denen sonst niemand mehr zuhörte  – wir waren sozusagen die Telefonseelsorge, aber auch gleichzeitig der Watschenmann.

Diesen bizarren Eindruck von den Menschen kriegt man auch, wenn man sich im Internet in den einschlägigen Foren herumtreibt. Da kann man die ganzen Spökenkieker, Freaks, vernagelte Leute und Verschwörungstheorien, die es immer schon gab, so richtig erleben. Meinungsbilder aus Internetforen haben mit gesellschaftlichen Tendenzen überhaupt nichts zu tun, weil da in erster Linie Quatsch behauptet wird. Dass man keine Ahnung hat, ist da überhaupt kein Argument, weil das niemanden davon abhält, zu jedem Scheiß seinen Senf abzugeben. So hab ich es halt auch gemacht, das ist genau die Trash-Note bei Blogs.

Die Schuhe von Sven Regener während des Interviews

Die Schuhe von Sven Regener während des Interviews

Diese Schuhdarstellungen sind eine entlehnte Idee aus dem Buch "Meine Jahre mit Hamburg-Heiner"

Im Buch wurdein einigen Kapiteln die Schuhe der Band fotografiert. Wir passten das an - und fotografierten Regeners Schuhe und die der Interviewer.

>>Weiter auf der nächsten Seite!!!

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Das graue Kleid kleidet jetzt ganz grau

Posted in News by eminenz on 31. Januar 2010

Elektronischer Brief des Herausgebers:

Nach langer Zeit der Fehlfarben wird “Die Graue Eminenz” ab sofort in neuem grauen Kleid erscheinen. Das Redesign, nahekommend einem Relaunch, soll die Inhalte besser zur Geltung bringen und die Widgets bündeln: Diese finden sie wie gewohnt, allerdings jetzt nur mehr auf der rechten Seite. Durch die neue Gestaltung soll der Lesefluss verbessert werden und die Fokussierung auf die Geschichten und Stories gelegt werden. Auch die journalistische Qualität soll stärker ins Rampenlicht treten. Daneben wurde die Übersichtlichkeit ausgebaut und das Gesamtwohl der Seite wieder mehr dem Grauen gewidmet.

Die Graue Eminenz

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Weihnachten erledigt: Das Gansl ist geschlachtet

Posted in News, XXX reloaded by eminenz on 12. Dezember 2009

Herr Norbert hat zum Weihnachts-Gansl-Essen geladen. Damit ist Weihnachten vorgezogen erledigt. Nur mehr Knochen sind von der stolzen Gans übriggeblieben.

Das gute Gansl bleibt einem allerdings im Hals stecken, wenn man sich überlegt, welchen Leidensweg diese arme Kreatur sehr oft durchmachen muss, um auf unseren Gabentisch zu kommen. Die industrielle Tötungsmaschinerie unserer Wohlstandsgesellschaft schreckt nicht vor Tier-Folterungen zurück. Und das alles zur Profitmaximierung. Denn wozu sonst werden Gänse lebend gerupft? Um das Federkleid mehr als einmal verkaufen zu können. Und wozu werden Gänse gestopft? Der Mensch ist ein Untier. Gut, dass uns der Klimawandel alle wegspülen wird. Leider auch die armen Kreaturen, die schon unter uns Herrenmenschen leiden müssen.

Um auf das Gansl zurückzukommen: Wenn schon Gansl, dann Biogansl oder eines vom Bauer des Vertrauens, wo man auf artgerechte Haltung zählen kann!

In Österreich zwar verboten, wird das erbarmungswürdige Federvieh jedoch zu Tausenden in Ungarn für den französichen, deutschen bzw. österreichischen „Gourmet”-Markt gezüchtet und qualvoll gestopft.

Bevor diese pathologischen Organe („foie gras”) auf den Tellern herzloser „Feinschmecker” landen, müssen die Gänse/Enten ein mehr-wöchiges Martyrium über sich ergehen lassen. Mehrmals täglich wird ihnen ein ca. 50 cm langes Metallrohr durch den Hals bis in den Magen eingeführt. Durch dieses Rohr wird täglich 1 kg verquollener, stark gesalzener Maisbrei in den Magen gepresst. Diese Menge entspricht ca. 20% des Körpergewichtes der Tiere!

Mehr Infos: Tierrechtsfilme.at

Das Lebendrupfen ist weit verbreitet. Die verängstigten Vögel werden mit gefesselten Beinen am Hals genommen und bekommen dann alle ihre Körperfedern ausgerissen. Die kämpfenden Gänse erleiden Verletzungen und werden nach ihrer schweren Prüfung zu ihren Leidensgenossen zurückgeworfen, bis sie wieder an der Reihe sind. Diese Qual, die von Tierchirurgen und sogar Gänsezüchtern als “extrem quälerisch” beschrieben wurde, beginnt, wenn die Gänse erst acht Wochen alt sind. Sie wird dann in Intervallen von acht Wochen zwei oder dreimal wiederholt. Dann werden die Vögel geschlachtet.

Auch hierzu mehr Infos: Tierrechtsfilme.at

Audimaximale Basisdemokratie

Posted in Audimax, News, Politik, Wien 2.0 by eminenz on 28. Oktober 2009

Die Besetzung geht weiter. Und die Besetzer bleiben basisdemokratisch. Am Dienstag Abend war der größte Hörsaal der Uni Wien brechend voll. Das Plenum der Audimax-Besetzer diskutierte über Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Ihm soll das Angebot gemacht werden, dass er vor dem Plenum im Audimax auftritt. Was zu einer emotionalen Diskussion geführt hat. Die Basisdemokratie bleibt aber erhalten: Es wurde festgehalten, dass es für diese Bewegung keine Sprecher geben könnte, da immer nur das Plenum als Gesamtes auftritt.

Schwierig in Zeiten der straffen Pyramiden-Organisation. Ist das in einer sehr personifizierten Zeit, in der Inhalte sehr stark mit Persönlichkeiten verknüpft werden, überhaupt noch möglich? Das wird noch zu lösen sein: Wie können alle Individuen, die sich im Audimax versammeln, als Kollektiv und ohne Sprecher auch in den Sprachrohren sprich Medien und damit Öffentlichkeit reüssieren.

Kann man hier eine neue Art der Öffentlichkeitsarbeit generieren? Ohne sogenannte Befehlsstrukturen, von der Basis ausgehend? Kann man die Basis an der Stange halten? Und bleibt die Öffentlichkeit aufmerksam für die Forderungen, wenn sie nicht auf Personen hinuntergebrochen werden können?

Am Mittwoch gibts die Großdemo am Ring. Und einen Weltrekordversuch, dem man dem Bundesheer abluchsen will, diese gar nicht basisdemokratische Organisation hat ja am Nationalfeiertag Mambo getanzt. Ohne Waffen.  Waffen gibts auch im Audimax nicht. Dafür den Versuch des Rekords im „Tanz den Freien-Bildungs-Mambo“. Ich bin gespannt.

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>>Mehr Bilder HIER

Vielen Dank an meinen Gastfotografen Daniel für die folgenden Bilder.

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