DIE GRAUE EMINENZ

Haben Sie Rom schon bei Nacht gesehen?

Posted in Reise, Roma by eminenz on 26. April 2013

Haben sie Rom schon bei Nacht gesehen, haben sie das schon erlebt. Man sieht zwar nicht wie die Bäume blühen. welche besonders beliebt. Hoffen sie nicht auf den Trevi-Klang oder auf Herzchen aus Gold, man hat sich davon schon Gott sei Dank einiger Maßen erholt. Unter Tags ist sie schön für die vielen wie man weiß, in der Nacht ist sie heiß und zerschmilzt jedes Eis.

Gut sie waren in Übersee in New York und L.A. – in Rio De Janerio wurden sie auch nicht froh. Sie kennen Tel Aviv besonders intensiv, träumen von Paris, von Moskau träumt man
ohnedies. Doch haben sie Rom schon bei Nacht erlebt, haben sie das schon gesehn, man sieht zwar nicht ob die Bäume blühen, achten sie nicht auf die Engelsburg, soetwas
lenkt sie nur ab, wie es sich oft schon bewiesen hat, wird die Zeit viel zu knapp. Diese Stadt ist ein Schrei, sie ist high und modern, alle leben von Luft, alle haben sie gern.

Frei nach Reinhard Fendrich

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Neptun und die hämischen Fische

Posted in Architektur, Reise, Roma by eminenz on 23. April 2013

Die Stadt Rom verzaubert und plätschert an allen Ecken und Plätzen – mithilfe ihrer Brunnen. Auf jedem Platz tröpfelt und fließt das Wasser aus Stein-Fischen, Löwen und wunderlichen Skulpturen. Sehr auffällig: Bei fast jedem Brunnen sind Fische dargestellt, die teilweise auch selbst Wasser speien – und all diese Gestalten der Meere sind in einer überzeichneten Bosheit dargestellt, mit verzerrten Mündern, die ein hämisches Lachen suggerieren.

Über allen Figuren thront meistens Neptun, der römische Gott des Wassers. Auch beim Trevi-Brunnen, dem populärsten und mit 26 Meter Höhe und rund 50 Meter Breite der größte Brunnen Roms – so nebenbei einer der bekanntesten Brunnen der Welt. So lauschig wie in alten Filmen ist es am Platz davor jedoch nicht: Zu jeder Tages- und Nachtzeit tummeln sich tausende Touristen auf dem Platz – mit Fotoapparat, Handy und iPad in der Hand, immer im Anschlag, um jeden Moment vor dem Brunnen festzuhalten. Tausende Fotos entstehen hier jeden Moment – und doch vergessen die Touristen auf den ganz genau richtigen Moment – jenen in dem man innehält, die Kamera einpackt und sich das Kunstwerk dieses Brunnens ansieht, sich zurücklehnt und den Moment nur mehr in Gedanken festhält, ganz ohne Jagd auf das künstliche Festhalten dieses Moments.

Magna Mater Austriae im Schnee

Posted in Reise by eminenz on 5. Februar 2013

Mariazell – “Ein Geschenk des Himmels”. So wird man empfangen vom Bahnhof kommend, in unserem Fall im Tiefschnee hinstapfend. Und überall, an jedem Haus, an jedem Hauseck, hinter jedem Haus ist sie präsent – die Magna Mater Austriae, die Gnadenstatue. Als Gemälde, als Abbild, als Stickwerk, Stückwerk, Puzzle, in Lebkuchen gebacken, auf Tischtüchern.

Man wandert an Häusern mit ihrem Abbild vorbei, an Hotels mit dem Namen “Zum heiligen Geist” und an Apotheken mit dem Namen “Zur Gnadenmutter”. Rund um die Basilika, deren Bild wohl schon jeder Österreicher gesehen hat – ist sie doch die wichtigste Wallfahrtskirche Österreichs – der Naschmarkt in römisch-katholischer Form: Viele kleine Souvenir-Verkaufsstände, wo man sie erstehen kann: Die kleinen Abbildungen der Manga Mater Austriae.

Und doch – bei unserem Augenschein waren kaum Pilger im Ort, zu hefitg war der Schneefall. Ganz ruhig war es, die Geschäfte mittags geschlossen, die Gasthaus-Küchen erst wieder am Abend offen. Ruhig, ganz ruhig, im wichtigsten Wallfahrtsort Österreichs.

Österreich-Ungarn: Die Tschik-Connection

Posted in Reise, Stadtspaziergang, Wien 2.0 by eminenz on 26. November 2012

“Keine Kleinigkeit” – seit dem Frühjahr wirbt die Stadt Wien mit Plakaten gegen zuviel Abfall in der Stadt, unter anderem mit einem riesigen Tschick-Stummel auf einem Plakat. Was wir bisher nicht wussten: Auch in Sopron gibt es dieselbe Kampagne. Soproner Tschik-Sünder zahlen 5000 Forint Strafe – also umgerechnet 18 Euro. Interessanter Ansatz: Hier wird auf die doppelt so teure Strafe in Österreich verwiesen. So eine österreichische Tschik lässt sich ja auch viel schlechter entfernen.  Denn das wurde ja auch bei den Abbildungen berücksichtigt: Wiener Zigaretten werden scheinbar eher “ums Eck” ausgedrückt, Ödenburger Tschiks geradeaus.  Eine Wiener ausgetretene Tschik ist also wie ein Wiederhaken und schlechter zu entfernen? Wird wohl so sein. Wieder was gelernt.

Zerplatzende Seifenblase in Graz

Posted in Reise by eminenz on 21. August 2012

Ein borstiger Käfer? Ein UFO, das mitten in Graz gelandet ist? Oder eine Seifenblase, die zu zerplatzen droht? Ein Spiegelkabinett nach außen mit rundlichen Formen wie die meisten Steirer? Ein gläserner Igel mit stumpfen Stacheln? Oder einfach ein zerquetschter Swarovski-Kristall? Man kann viel in die Architektur der Kunsthauses in Graz hineininterpretieren. Dabei ist es ja auch ein Klangkörper. Und am Abend ein Lichtspielhaus, das Signale aussendet. Denkt doch mal nach, was es alles sein könnte.

Übrigens: Das Haus wird von seinen Schöpfern Peter Cook und Colin Fournier „Friendly Alien“ genannt – und soll sich in Form und Material bewusst von der barocken Dachlandschaft mit ihren roten Ziegeldächern abheben, schließt dabei aber an die Fassade des 1847 erbauten Eisernen Hauses an.

Gipfel-runter-Stürmer

Posted in Reise by eminenz on 16. August 2012

Die Gerlitzen. 1911 Höhenmeter und ein herrlicher Panoramablick über Ossiacher See, Wörther See, Drauschleife, Faaker See und das Kärntner Bergpanorama. Mit dem Paragleiter haben wir dann doch keinen Sprung gewagt – sondern wir sind gut 1400 Meter vom Gipfelhaus bis hinunter nach Bodensdorf am Ossiacher See gewandert. Zwischenstopps zur Stärkung warrn die Sepplhütte – und ein Streichelzoo beim Mathiasl kurz vor dem Ziel. Jedenfalls: Ausschließlich vom Berg runter wandern kann auch relativ anstrengend sein, mein Knie hat noch einige Tage ein schmerzhaftes Lied davon gesungen.

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Brandheißes Pflaster Ossiach

Posted in Reise by eminenz on 14. August 2012

Ossiach, ein wunderschöner Ort am gleichnamigen Kärntner See. Das Stift hat eine jahrhundertelange Geschichte und dient jetzt nicht nur als Austragungsstätte des Carinthischen Sommers. Nur einige Schritte vom Stift entfernt: Eines der ältesten Häuser des Ortes, die Stiftsschmiede – etwa 1000 Jahre alt, dort soll sich das Planungsbüro für den Stiftsbau befunden haben. Wie es scheint, hab ich eines der letzten Bilder des intakten Hauses gemacht, einige Stunden nachdem wir mit dem Schiff weiterfuhren am See stand das Haus in Flammen (nicht mal im Urlaub hat man Ruhe vor nachrichtlichen Ereignissen). Jedenfalls staunten wir ziemlich, als wir am Abend wieder mit dem Schiff zurückreisten zum Ort gegenüber von Ossiach: Großer Feuerwehreinsatz und die stolze Stiftsschmiede war nur mehr eine Ruine. (Nur das Bild vom Brand selbst hab ich mir vom ORF ausgeborgt…) Übrigens: Der Besitzer will das Haus wieder aufbauen. 

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Der Boulevard-Krieg um die griechische Insel

Posted in Medien, Reise by eminenz on 19. Juli 2012

Es ist Sommer, und obwohl die Hitze derzeit gar nicht so schwül über unserem Land liegt, dürften manch einem Boulevard-Reporter die Sicherungen durchgebrannt sein. Die Gratis-Gazette “Heute” trommelt Tag für Tag eine Geschichte, die windiger nicht entstehen konnte. Zuerst erschienen in einem Artikel in der italienischen Zeitung “Libero” wurde erstmal abgeschrieben. Ist doch ein schönes Sommerthema: Eine Insel will sich von Griechenland lossagen und Österreich beitreten. Hat alle Aspekte einer luftigen Sommergeschichte. Die Geschichte ist daran aufgehängt, dass vor 100 Jahren diese Insel von den Griechen anektiert wurde und der Vertrag, der damals geschlossen wurde, genau jetzt auslaufen würde. Der Bild-Blog hat die Meldung übersetzt:

“Es wäre schwierig, unabhängig zu bleiben”, geben einige während einer der wenigen Veranstaltungen zu, die ein Vorspiel für die große Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeit sind. “Aber wir können nach der Annexion durch einen anderen Staat fragen: sicher nicht die Türkei, höchstens Österreich.”

In “Heute” wurde das nicht nur abgeschrieben, sondern gleich in historischen österreichischen patriotischen Kontext ein bissl weitergetrieben:

“Laut italienischer Zeitung Libero wurde den Insulanern die Dauerkrise ihrer Regierung zu bunt. Sie fordern nun öffentlich: “Servus Athen, wir gehen nach Österreich!”

Was verblüfft: Die APA übernahm den Inhalt dieser (Nicht-)Geschichte und befragte in einem zweiten Teil dann sogar einen Verfassungsrechtler, ob ein zehntes Bundesland möglich wäre. Alle möglichen Experten kamen zu Wort – nur auf die Idee, auf der Insel anzurufen hatte keiner – außer die berühmt-berüchtigte “Boulevard-Schleuder “Österreich”. “Griechen-Insel will nicht (!) zu uns” wurde getitelt nachdem man mit dem Bürgermeister einer Stadt auf der Insel geredet hatte. Alles also ein schlechter Scherz. Das ist aber vollkommen egal für “Heute”: Man titelte einfach: “Insel-Griechen traurig. Athen stoppt Beitritt” und schrieb von den vom Österreich-Beitritt “träumenden” Insulanern. Hört sich alles fast schon wie eine Realitätsverweigerung an. Man kann auf jeden Fall gespannt sein, welche Geschichten da noch als Nachzieher auftauchen. Immerhin sind einige deutsche Zeitungen auf diese Nicht-Geschichte aufgesprungen, und auch der Nachrichtensender n-tv.

Tragen wir alle Beiträge zu Ikaria zusammen und machen wir es so wie es der Bild-Blog abschließend schreibt: “Man könnte daraus ein Grabmal für den deutschsprachigen Journalismus bauen.”



Tigerente, Kastenfrosch und Deix-Figuren

Posted in Graue Kunst, Leben, Reise by eminenz on 18. Juli 2012

Zwei dicke Deix-Figuren genau gegenüber vom Strafgefängnis Krems-Stein – und ich mein jetzt nicht die Wachauer Ureinwohner: Genau dort ist das Karikaturmuseum mit seinem typischen Erscheinungsbild: Die markante Dachkonstruktion lässt das Gesicht eines Schalks erkennen – der Schalk im Nacken, den die Karikaturisten beschwören. Drin zu sehen: “Das ist Deix” als Dauerschau unter anderm mit Frühwerken des Künstlers – und auch ich hab mich dort zu einer typischen schimpfenden österreichischen Deix-Figur verwandelt. Interessant auf jeden Fall sind hier seine ersten Zeichnungen für die St. Pölnter Kirchenzeitung  und das Comic, das die Geschichte des Anschlusses an Deutschland mal ganz anderes zeichnet, denn “wir haben ja nichts gewusst”.

Noch bis Mitte November kann man in einer Sonderausstellung die Werke von Janosch bewundern. Er selbst sagte zur Eröffnung in der ZiB: “Die gefällt mir gut, fantastisch gemacht, gut überlegt – so schön habe noch keine Ausstellung gehabt.”  Nicht nur für Kinder interessant, denn: “Tiger, Ente, Bär und mehr” zeigt Grafiken und Karikaturen, die alles andere als jugendfrei sind:

Janosch verfasste zahlreiche Romane und Theaterstücke und setzt sich in seinen Malereien, Grafiken und Karikaturen kritisch mit religiösen Themen, der eigenen Kindheit, der Beziehung von Mann & Frau, sowie der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander.

Trotzdem dreht sich in der Wachau derzeit alles um die Marille: Wenige hundert Meter entfernt ist an diesem Wochenende das Kremser Marillenfest gestiegen. Mit Marillenschnaps, b’soffener Marille, Marillenknödeln und Co. Nom nom.

Schaurig Sagenhafte Aggstein

Posted in Reise, Tier&Wir by eminenz on 17. Juli 2012

Ruine Aggstein in der Wachau. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, das – wie es die Werbetafeln verheißen – ins Mittelalter zurückversetzt. Damals war es eine stolze Burg und stolz erhebt es sich noch immer, zwar verfallen aber doch, über der Wachau. Auf dem Tafel vor dem Eingang steht gar selbstbewusst, sie erhebt sich über “der schönsten Flusslandschaft der Welt”. Ja, so ist Niederösterreich.

Viele Sagen ranken sich um die Burgruine – so sollen die Kuenringer Raubritter gewesen sein und die Donau gar mit einer starken Kette abgesperrt haben. Und beim noch erhaltenen “Rosengärtlein” sollen Gefangene so lang rausgesperrt worden sein, bis sie sich freiwillig in den Tod stürzten. Ja, der Tod lauert überall, auch für die Fledermaus, die hoch oben in den Mauern zwischen den Steinen gestorben ist und nun die Besucher erschaudern lasst. Vielleicht gibt es dazu in vielen hunderten Jahren auch eine Sage.

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