Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zwar genug Geld, um die Dubai-Krise allein zu bewältigen. Dennoch untersucht der IWF die geplante Umschuldung. Knackpunkt ist eine Anleihe nach islamischem Recht.
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zwar genug Geld, um die Dubai-Krise allein zu bewältigen. Dennoch untersucht der IWF die geplante Umschuldung. Knackpunkt ist eine Anleihe nach islamischem Recht.
Depeche Mode live in der Wiener Stadthalle: Was bleibt über vom Konzert? Zu allererst die überdimensionierte Videowall mit integrierter Halb-Disko-Kugel. Die VJs bespielten diesen Lichtteppich äußerst prägnant mit Depeche-Mode-Astronauten über Raben bis hin zu Disko-Effekten.
Das Set von Depeche Mode wurde begonnen mit drei Nummern aus dem aktuellen Album, wobei sich „In Chains“ als Opener mit seinem symphonischen Aufwallen sehr gut anbietet. Trotzdem: Die Masse tanzte erst bei den großen Hits, und die gibt es von Depeche Mode in Hülle und Fülle. Wermutstropfen für mich: „A Question of Time“ fehlte die Power. Die Synthesizer zu diesem Titel klangen ein wenig wie von einer Bontempi eingespielt. Oder: Wie wenn eine schlechte Band Depeche Mode nachquäkt. A propos quäken: Stimmlich ware Dave Gahan zwar öfters an der Kippe, sein Herumgewirbel konnte das aber gut verbergen.
Mitten im Konzert dann einige Songs von Martin Gore, nur mit dem Klavier begleitet. Eins davon hätte auch gereicht. Denn das eingedöste Publikum war dann nicht mehr so schnell aufzuwecken. Allerdings ganz fantastisch: Ein furioses Finale mit einer Mitgröl-Version von „Enjoy the Silence“. Und die am besten performte Nummer des Abends mit viel Rockappeal, lautem verzerrtem Gekreische und ganz eigener Live-Anmutung: „I feel You.“ Blieb zum Abschluss nichts mehr zu sagen. Auch Johnny Cash hätte wohl diesen Abschluss gewählt: „Personal Jesus“. Die Kathedrale der Depechies erstarrte in Ehrfurcht.
Noch anzumerken: Entscheidende Soundsteigerung bei den letzen Songs, da wars schon fast ein bisschen zu laut und manche sind wohl nicht allein heimgegangen, nein, der Tinnitus hat sie begleitet. Und über die Qualität des Sounds in der Stadthalle braucht man sowieso nichts schreiben. Der ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit. Aber wenigstens besser als im Gasometer.
Wer eine Kritik lesen will von einem eingefleischten Depechie, findet hier Nahrung.
Und wer Bilder sucht – von der schlechten Handy-Kamera – wird hier unten fündig und klicke für Vergrößerung drauf:
Im Museumsquartier wüten wieder die Verbotshysterischen. Genau dort hab ich zuletzt ja schon das „Fremdflyer“-Verbot aufgedeckt. Und nun bin ich über eine ganze riesengroße Tafel gestolpert, gleich beim Ausgang vom Quartier21, auf dem so ungefähr alles verboten wird.
Beim Verbotsschild mit Männchen und Weibchen beginnt allerdings das Rätselraten bei mir: Ist das Händchenhalten verboten? Oder dürfen hier nur gleichgeschlechtliche Paare miteinander reden oder gehen? Oder heißt das einfach, dass man mehr als Badehose und Bikini bekleidungstechnisch auf dem Körper haben sollte? Oder sind ganz einfach sowieso alle Menschen verboten im MQ? Ich bin ratlos…
Stammerdorfer Weintage 2009. Der ganze Ort auf den Beinen und der Wein ist hektoliterweise geflossen. Trotz regnerischem Wetter haben wir an den kulturellen Ergüssen teilgenommen: Da war mal der Männergesangsverein Stammersdorf. Und nicht zu vergessen der Spezi-Hans - Tanzmusik aus Kärnten verspricht er auf seiner Homepage (unbedingt anschaun, ein Lehrbeispiel des schlechten Geschmacks). Ein Alleinunterhalter, der wohl schon lang durch Bier- und Weingärten tourt – das sieht man ihm und seinem Synthesizer an.
Dann war da noch eine dreiköpfige Band, mit zwei Akkordeons, deren Name ich vergessen hab – danke an Astrid, es waren die Alpencasanovas – zu der wir den Zillertaler Hochzeitsmarsch getanzt haben. Stimmung haben sie ja reingebracht. Und auf ihrer Homepage geben sie die Richtung ganz klar vor: „Kernig frisch echt kärntnerisch“.
Also viel Musik aus Kärnten. Nicht schlecht gewesen wären einige traditionelle Schrammelmusiker. War aber doch mehr die Skihüttisierung und DJÖtziisierung gefragt…
Ganz und gar abgestürzt bei bestem Wien und Jausenbroten sind wir dann gegenüber vom Hauptprostamt beim Stand vom Dornröschenkeller.
Stagediving mit dem Schlauchboot? Richtig geraten – Deichkind sind auf der Bühne gestanden. Gestanden in dem Sinn aber am wenigsten. Die Nordisch-by-Nature-Burschen hatten beim Urban Art Forms in Wiesen eine richtige Gaukler-Hip-Hop-Show vorbereitet. Mit Neon-Kostümen, Hüpfvorrichtungen aller Art und dem Tod. Aber nur als Maske.
„Arbeit nervt“ wurde aus Tausenden Kehlen mitgegrölt und bei „Remmidemmi“ wackelte das Zelt in Wiesen. Hervorragend. Die Hüpfburg zum Stagediven brach aber doch bald in sich zusammen. Die Stimmung dagegen nicht.
Aus gegebenem Anlass wiederaufgewärmt. Zuletzt gepostet im November:
Der Soundtrack für Tage wie diese. Da gehts einem dann zwar nicht besser, wenn man das hört, aber man kann sich noch mehr in der Scheiße suhlen. Perfekt.
„Ich bin traurig und irgendwie schon den ganzen Tag nicht gut drauf. Mir fliegt die Welt heut um die Ohren, und das Leben nimmt so seinen Lauf.“
Liebgewordene Tradition am Vorabend des 1. Mai im Wiener Prater: Die Rock gegen Rechts-Bühne.
Heuer zu sehen: Die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune. Wobei Neigungsgruppe-Mastermind Fritz Ostermayer mehrmals darauf hinwies, dass man doch an diesem Tag auf die Gewalt verzichten könne, alles andere im Bandnamen wurde aber hochoffiziell von der Neigungsgruppe erlaubt.
Ein bissl verloren sind mir die Geneigten auf der großen Bühne vorgekommen. Es war noch früher Abend, noch nicht allzu viele Menschen am Konzertgelände. Neigungsgruppe kommt besser rüber in verrauchten Kellerlokalen. Da wird wohl keine Stadion-Rock-Gruppe mehr draus werden. Diesmal hat mich auch die gesangliche Leistung nicht ganz überzeugt. Und die neuen Songs, die vorgestellt wurden, müssen sich erst in die Gehörgänge schmuggeln.
Danach: Texta, die „Fanta4 aus Linz“, wie ein Freund von mir behauptete. Ja, war nett, obwohl soundmäßig noch einiges möglich gewesen wäre.
Und als Headliner: Jeans Team, bekannt über FM4 durch „Das Zelt“. Diese beiden Herren sind auch nicht für eine große Open-Air-Bühne geschaffen. Zwei Herren an Decks und Synthezizern: Wohl eher im Club-Ambiente.
Alles in allem: Nicht berauschend vom Line-Up, eher berauschend vom Bier-Nachschub her.
Das Fluc feierte seinen siebenten Geburtstag – und im Rahmen eines Global2000-Fests war auch der Herr Austrofred auf der Bühne. Diesmal mit einer Lesung aus seinem Buch „Ich rechne noch in Schilling“.
Irgendwie bin ich den Verdacht nicht losgeworden, dass die äusserst jungen Gäste des Fests nicht ganz das Zielpublikum von unserem Fredl waren. Fast keine Publikumsbeschimpfung. Trocken die Texte herabgebetet. Wobei die meisten im Publikum wahrscheinlich eher nicht konform gingen mit der Verehrung von Ambros, STS und Co. Erst im Finale konnte der Fredl wieder überzeugen mit A-Capella-Vorträgen von „HitRadioGaga“ und „Schifoan“.
Gewartet hatten die meisten allerdings auf den Auftritt von Velojet. Und den fand ich äußerst gelungen. Mit schön geladener Energie, guten Gitarren und melodiöser Hemmungsorgel. Überraschend gut. Hatte ich schlechter in Erinnerung. Weiter so!
Die Wiener Tschuschenkapelle mit ihrem „Obertschuschen“ Slatko Ninic ist eine der Konstanten in der Wiener Balkanmusik-Bewegung. Gegründet und bekannt geworden ist die Band schon weit vor dem Balkanmusik-Hype in dieser Stadt. Wie schreiben sie selbst so schön:
Die Wiener Tschuschenkapelle ist ein Garant dafür, das im Zeitalter der worldmusic das Multikulturelle nicht zu einem langweiligen, oberflächlichen Crossover degradiert wird.
Macht Spaß, Ihnen zuzuhören, mit ihrer etwas anderen Interpretation von türkisch-orientalen Serenaden bis zum Zigeunerjazz.
Ein schöner Act war im Burggarten vor dem Palmenhaus. Richtig chillig, im Gras liegend den Weisen der Tschuschen lauschend.
Das war übrigens einer der Events beim diesjährigen Wiener Stadtfest. Recht viel mehr interessantes war allerdings nicht dabei.
Und der Auftritt ließ mich ein bisschen ratlos zurück. Einmal gut gelungen: Der Aufführungsort. Ein Elektronik-Konzert in einer Kirche ist doch aufregend. Allerdings: Hier hätte man die Video-Installationen schon etwas ausweiten können und den riesigen Kircheninnenraum ganz bespielen. So hätt ich das auf jeden Fall gemacht: Die gotische Architektur einbeziehen in die Video-Installationen.
Ganz zufrieden mit den Fitzke-Installationen war ich dann auch nicht: Zu Beginn zu zurückhaltend, ab und zu im Stil von Windows 95 (mit Absicht? – das hätte sich für mich jedenfalls nicht erschlossen), manchmal einfach zu eintönig. Aber trotzdem mit einigen sehr guten Ideen.
Nun zur Musik selbst. Dorfmeister und Huber betreiben das Tosca-Projekt ja schon seit 1994 und „No Hassle“ ist dann schon das fünfte Album der beiden. Ich bin ja schon beim dritten ausgestiegen. Der Grund: Die beiden DJs Kruder und Dorfmeister waren meine Heroen, spätestens mit dem grandiosen DJ-Kicks-Album. Wegweisend auch die K&D Sessions, das Remix-Album der beiden. Das hat mich geprägt.
Tosca war dann die Weiterentwicklung für den Richard Dorfmeister. Für mich war damit allerdings der Zenit der Wiener Elektronik-Schule überschritten. Irgendwie hat sich da seit Mitte der 90er-Jahre nichts mehr weiterentwickelt. Der Wiener Downbeat ist mir irgendwie zu schal geworden – und klingt irgendwie noch immer so wie damals.
Und das hat sich auch bei der CD-Präsentation bestätigt: Im großen und ganzen etwas zu perfekt produziert. Für mich nichts neues. Nur ab und zu prägten schöne Beats den Klangteppich.
Dass Tosca erfolgreich sind, hat sich allein an der Warteschlange vor der Minoritenkirche gezeigt. Die meisten Menschen bekamen keinen Einlass bei den zwei Gratis-Konzerten – es war einfach zu wenig Platz. Der Erfolg hatte sich schon bei den ersten Alben von Tosca manifestiert. Bei vielen Fernseh-Musik-Untermalungen und sogar in Werbespots hörte man plötzlich die Musik von Dorfmeister und Huber. Breitenwirksam. Aber nichts mehr für mich.
Der Tiger bat mit seinen drei Cheers zur CD-Präsentation im Wiener Bach. Und er hat gut gebrüllt. Ein neuer Rockstar. Mit Alles und Scharf. Mit allen Starallüren. Cool wie es nur der Gustl kann. Einfach von der Bühne verschwinden, weil er eine Tschik gebraucht hat.
Oder wie es auf 123caat formuliert ist: „lederjacken, in schwarz natürlich, hosen, in die man hineingeschossen werden muss, die richtigen frisuren.“
Sehr ins Ohr gehend: Die Nummer „Random“ vom neuen Album von One Two Three Cheers and a Tiger: Less than the Half Price. Schön garagig. Dreckig. Beim Hören der CD merkt man, dass das ganze noch ungehobelt, ohne Schnörksel und ohne großes Schnickschnack und technischen Firlefanz im Probekeller aufgenommen ist.
Sehr gut: Das kommt auch live rüber. Auch wenn ein bissl die Praxis fehlt, wir jagen die Tiger jetzt von Termin zu Termin, bis sie fast blind und im Schlaf spielen können. Wär aber auch nix, bleibts lieber garagig.
Selbst formulieren es die Tiger ja so: Musik irgendwo zwischen „melodischen Beatles und räudigen Rolling Stones.“ Oder hört man doch ein bissl The Strokes raus? Wurscht. Wie eine Kopie klingt das Ganze auf jeden Fall nicht.
Und: „Three cheers and a tiger!“ ist im Übrigen ein britischer Trinkspruch, meint „dreimal hoch!“ und sollte eigentlich nur in einem Liedtext für Laune sorgen. Unverhofft kommt oft. Erst im Liedtext und schont heißt man so. Und jetzt ists zu spät um den Namen zu wechseln, läuft „Random“ doch auf Powerplay am öffentlich-rechtlichen Indie-Sender FM4.
Und weil das selbstverwackelte Video auch ganz gut gelungen ist, will ich es euch nicht vorenthalten: