Roboter als Mojito-Mixer
Cocktails selber mixen? Sicher nicht auf der Roboexotica im Wiener Ragnarhof – dem Festival für Cocktailroboter. Dort hat eine Riesen-Maschine, betrieben über eine schwere Kette, Mojitos gemixt. Gleich daneben spielten jeweils zwei Nerds mit Drähten auf dem Kopf “Vier gewinnt” auf einer riesengroßen Wand. Natürlich gings um Cocktails. Nicht weit entfernt spielte man sich per Doppel-Flipper die Drinks aus. Auch Crepes – mit Alkoholfüllung – wurden von einem Roboter hergestellt. Und mittendrin: Der Lovebot 4000 – der äußerst freundliche Roboter erkennt, wenn sich ein Paar vor ihm küsst – und belohnt sie mit zwei Shots. Funktioniert hervorragend, wurde von uns getestet.
Monochrom ließ inzwischen Menschen ausgelassen auf einer Tanzfläche herumhopsen, die mit Kontakten versehen waren – die Dancingularity. (UPDATE: gehostet wurde das Gehopse von Johannes Grenzfurthner, Erklärung dazu im ersten Posting) Die damit verbundenen Kästchen, die an die Wand projiziert wurden, sahen zwar äußerst innovativ aus. Wie die Tanzenden das ganze beeinflussten, das blieb uns allerdings vollkommen verborgen. Vielleicht hätte die kleine Drohne, die herumflog, Licht ins Dunkel bringen. Aber sie blinkte einfach nur vor sich hin.
Und dann gabs auch noch einen Roboter, der statt einem Kopf einen 80er-Jahre-Computerbildschirm trug und nach jedem Einwerfen von Münzen ganz aufgeregt hüpfte – um dann sogleich einzuschenken. Wären wir Spielverderber, hätten wir vermutet, dass unter diesem Bildschirm ein Mensch steckte. Sind wir aber nicht.
Keine Angst vorm Atom
Das Erdbeben und der folgende Tsunami haben in Japan nicht nur ganze Landstriche zerstört, diese Naturkatastrophe hat auch die Atomkraftwerke beschädigt. Noch immer ist nicht klar, welche Auswirkungen eine mögliche Kernschmelze in einem der japanischen Reaktoren haben kann. Sicher ist, dass Menschen verstrahlt wurden, möglicherweise werden ganze Landstriche verstrahlt. Niemand weiß genau, was in einem überhitzten Atomreaktor passiert. Wir haben nicht “alles unter Kontrolle”. Nach dem Unfall in Tschernobyl vor 25 Jahren war die ganze Welt erschüttert. Trotzdem wurde weltweit auf Atomkraft gesetzt. Jetzt sieht man wieder, um welchen Preis. Die Naturgewalten sind nicht zu kontrollieren. Was jetzt beginnen wird, ist eine Diskussion um die Nutzung der Atomkraft. Was jetzt beginnen wird, ist das verlogene Vordrängen von österreichischen Politikern, um den Anti-Atom-Musterknaben zu spielen. Was jetzt beginnen wird, ist der Ausbau von Wasserkraft, obwohl in Österreich nur mehr ein Bruchteil der Flußläufe unverkraftwerktet ist. Was jetzt beginnen wird, ist die Abschätzung von Ausstiegsszenarien von der Atomkraft. Denn wir glauben dem “Atomi” nicht mehr, der uns sagt: “Keine Angst vorm Atom”. Sehen Sie selbst:
“twentytwenty”: Sensoren und Relevanz im Jahr 2020 – und wie war das mit der Qualität?
Da hab ich mich doch glatt zu einer Veranstaltung begeben, bei der etwas “nerdig” über die Zukunft des Social Web diskutiert worden ist. Mit interessanten Ansätzen:
“We ProdUSE” – das war das Motto der zweiten Veranstaltung von “twenty.twenty – Exploring the Future”. Dabei wurde bei einer Podiumsdiskussion die Frage behandelt: “Wir sind Medium! Shameless Self Promotion oder Grundlage für eine pluralistische Informationslandschaft?” Die Diskussion sollte sich um Medienproduktion und Mediennutzung im Jahr 2020 drehen, was nicht ganz gelang: Der Großteil der Ausführungen wurde dem Thema Qualität versus Relevanz im Internet gewidmet.
Der sensorbestückte Ganzkörperanzug
Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Anton Waldt, Chefredakteur von De:bug – Magazin für elektronische Lebensaspekte. Sein Statement zum Thema “Gefühlsausbrüche im Social Web”: Ihm schwebt für die Zukunft ein sensorbestückter Ganzkörperanzug vor, Sensoren sollen das “liken” von heute ersetzen. Diese Sensoren werden laut seiner Voraussage nicht nur die Umgebung scannen, sondern auch Körperwerte. Und das würde eine Bewertung von Beiträgen durch Gefühle ermöglichen. Nicht nur im Publikum, auch am Podium war man mit seinen Ausführungen aber nicht ganz einverstanden.
Ob das ganze dann so aussehen wird wie auf diesem Bild? Oder werden wir weitergehen und Sensoren direkt am Körper einbauen? Nicht bös sein, aber das ist ja doch ein bisschen gruselig…
In diese Kerbe schlug dann auch Ritchie Pettauer, Veranstalter des World Blogging Forums in Wien. Er warnte vor einer Dominanz der Technik. Denn: Es sollte noch immer eine Dominanz des Menschen geben. Konter von Waldt: Er plädierte für einen spielerischen Umgang mit neuen Technologien.
“Gatsch auf niedrigem Niveau”
Dann drehte sich das Thema auf Qualität im Internet: Anneliese Rohrer, Vollblutjournalistin und Bloggerin auf DiePresse.com, outete sich als “zweifache Facebookerin”. Aber: Im Social Media-Bereich werde viel “Gatsch auf niedrigem Niveau” produziert.
Dieser Gatsch, aber dazu später noch mehr, wird von uns allen produziert. Mit Tweets, Statusmeldungen und öffentlichen Gesprächen. Wichtig ist hier, das Relevante herauszufiltern. Wie gesagt, dazu mehr später.
Robert Misik, Publizist und Videoblogger, ortete eine Veränderung der Medien im Internet. Er sieht eine Entwicklung zu einer “dialogischen Form der Medien”. Und das werfe immer mehr die Frage auf: Wer sind die Autoren? In den ökonomischen Medien wird die Frage des Autors wichtiger: Die Messbarkeit der Zugriffe fördere das “Starwesen” im Journalismus. Die Messbarkeit mache aber auch jeden Twitterer zum Producer: “Wenn mein Tweet retweetet wird, weiß ich mehr über die Verbreitung, als ein Leitartikelschreiber vor 20 Jahren.”
Anneliese Rohrer wiederum will das Thema Qualität im Journalismus auf einer persönlichen Ebene angehen: “Seit 20 Jahren wird die Krone verantwortlich gemacht für schlechte Qualität. Es geht aber um die eigene Wachsamkeit.
Comicbook statt Facebook
Facebook sieht in den letzten Tagen viel bunter aus. Grund dafür ist folgende Nachricht: “Ersetzt zwischen dem 12. und 18. November euer Profilbild auf Facebook durch ein Comic-Bild aus eurer Kindheit.” Mit etwas Verspätung hat heute ein wahrer Austauschwettlauf begonnen. Statt dem perfekten Porträt-Profilbild lachen nun Wickie, der faule Willi, Lucky Luke, der rosarote Panther oder gar Nick Knatterton von den verschiedenen Profilen.
Ich gebs ja zu: Ich hab auch mitgemacht. Und ich habe Nick Knatterton ausgewählt. Das ist so richtige Erinnerung an meine Kindheit: Die ersten male länger aufbleiben dürfen vor dem flimmernden Schwarz-Weiss-Fernseher. Über dem Bildschirm war übrigens eine Folie befestigt, die das Bild in einem brauneren Ton zeigte. War wohl besser für die Augen. Am letzten Tag der Aktion wechselte ich mein Profilbild dann auf den größten Held der Comic-Geschichte: Homer Simpson. Dazu braucht man nichts mehr hinzufügen.
Also alles Comic: Wieso ist dieser Schneeballeffekt ausgelöst worden? Maskiert man sich gern kurz nach dem Faschingsbeginn? In letzter Zeit wurde schon öfters für politische Zwecke zum Wechsel auf ein Logo aufgerufen, so wie eine Facebook-Gruppe gegen Abschiebungen.
Was in letzter Zeit auch auffällt auf Facebook: Immer mehr User wechseln ihre echten Namen gegen Synonyme – außer Menschen, die gefunden werden wollen oder in den Medien arbeiten oder zumindest vorkommen wollen. Wird jetzt plötzlich mehr Wert gelegt auf Datenschutz? Will man doch nicht, dass jeder, aber auch schon wirklich jeder erfährt, welchen “Status” man gerade hat?
Die verschiedenen Facebook-User gehen ganz unterschiedlich mit diesem “Visagenbuch” um. Manche posten jeden Blödsinn, den sie grade machen, andere nutzen diese Plattform für das Posten von Videos und Fotos, andere wiederum sind den unterschiedlichen Facebook-Spielen wie Farmville und Co verfallen. Politiker und Medienmenschen wiederum nutzen Facebook als Plattform, um sich präsentieren und um zu recherchieren. Obwohl hier Facebook weitgehend durch die Mikroblogging-Plattform Twitter abgelöst wurde. Wie es mehrere schon praktizieren: Blödsinnigkeiten auf Facebook, medienrelevantes, Recherche und Kontakte knüpfen auf Twitter. Für jede Kommunikationsform die zugeschnittene Plattform.
iPad im Retro-Stil
Apple ist wieder ein Meisterstück gelungen: Schon vor der Präsentation des Tablet-PCs iPad waren die Vorschusslorbeeren groß – und obwohl das neue “Wunderding” in Europa noch immer nicht erhältlich ist, überschlagen sich vor allem die Zeitungsherausgeber in Lobgesängen und Hymnen: Das iPad soll nämlich das Zeitung lesen revolutionieren, nach deren Meinung. Eine Zeitung 2.0 also? Sehr interessant vor dem Hintergrund, dass vor Jahren die Wichtigkeit des Internet von allen Herausgebern vollkommen verschlafen wurde bzw. es verabsäumt wurde, Bezahlmodelle zu entwickeln. Und nicht mal heute wird von den Verlagen genug Geld in die Entwicklung der Portale investiert.
Und das soll jetzt durch das simple Tablet-Gerät anders werden: Plötzlich springen alle auf die iPad-Euhorie auf, eigene Apps für das Tablet werden entwickelt. Und Apple hat die Euphorie bewusst geschürt, die Marketingfritzen wissen, wie man die Apple-Waffen am besten einsetzt.
Ich persönlich bleibe skeptisch: Vom Hype wird in einiger Zeit nicht viel bleiben. Ja, es ist ein interessantes Ding, das man da in den Händen hält. Aber ich wüsste nicht, wieso ich mir eines kaufen sollte: Da tut es das iPhone auch. Und ich hab nie nach dem Missing link zwischen iPhone und MacBook gesucht – und das soll es auch nicht sein. Und ob es das Zeitungslesen revolutionieren kann? Auch hier bleibe ich sekeptisch. Ich glaube, der Zeitungsleser wird nach wie vor das Papier bevorzugen. Investiert gehört in alle elektronische Dienste, Zeitung und deren Portale müssen mehr und mehr verschmelzen – Apps für ein jetzt gehyptes Tablet werden wohl nicht kriegsentscheidend werden.
Am meisten amüsiert beim iPad-Test hat mich das Spiel Labyrinth: Schon als Kind hatte ich ein solches aus Holz: Und das iPad hat so ziemlich die selbe Größe und durch Bewegung des Tablets kann man auf hunderten Ebenen durch verschiedenste Labyrinthe navigieren.
Ich gehöre halt zur Generation, die mit Pac Man und Donkey Kong aufgewachsen ist. Und dafür gibts im Netz endlich die richtige Erweiterung für das iPad: Es fungiert als Bildschirm für einen Mini-Spielautomaten im 80er-Jahre-Stil. Sinnlos zwar, denn das iPad reagiert auf Bewegungen des Geräts. Das macht dann den Joystick und die Feuertaste vollkommen überflüssig. Aber egal. Zumindest “Bild” ist auf den Aprilscherz (der auch so ausgezeichnet war!) von meedia.de hineingefallen. Aber den Kollegen vom Bild-Blog kann man nichts vormachen.
Supa samma: Die Suche nach dem Super-Praktikant
Der ÖVP ist ja nichts zu blöd, um ihre junge Klientel – das sind die mit der “abgeschleckten” Frisur – zu bedienen. Und weil der Sepp Pröll jetzt ganz aufs Internetz und auf Netz 2.0 setzen will, haben die Herren in Schwarz geglaubt, dass sie mit der Suche nach Österreichs “Superpraktikant” voll durchstarten und punkten können. Das funktioniert vielleicht beim Jugendfunktionär 1.0 aus der Jungen ÖVP, woher gleich einmal größtes Lob und Unterstützung kam, aber nicht beim Rest der Jugend.
Da dachte man sich: Wir kupfern mal vom RTL-Pendant “Supertalent” ein Stückl vom Namen ab, weil solche Casting-Shows ja so gute Einschaltquoten bei den Jugendlichen haben. Aber es wurden grobe Fehler gemacht: Die Jungen aus der Parteibasis sind immer schmähstad, die Jugendlichen, die man erreichen will, nämlich junge Neuwähler fühlen sich durch die Wahl des Wortes “Praktikant” ziemlich vor den Kopf gestoßen. Denn: Tausende junge Menschen absolvieren jedes Jahr so genannte Praktika. Viele davon finden ohne Verträge statt, haben unklare Arbeitszeiten und werden nicht oder nur sehr schlecht bezahlt.
Schlecht kam auch an, dass die ÖVP das Praktikum nicht geschlechterneutral ausgeschrieben hat. Die Internet-User waren schnell und haben in Windeseile eine Schmäh-Homepage namens “Bist du Österreichs Vizekanzler” erstellt.
Vollkommen ins Auge gegangen ist die Mobilisierung der Jungen mit der “abgeschleckten” Frisur, nicht umsonst sind auf den vorderen Rängen eine Journalistin vom Falter, ein Clown und ein Werber. So sehen für Pröll also Praktikanten aus?
Blöd halt, dass die SPÖ sich in Schockstarre befindet – nur nichts falsch machen, sonst könnte man ja Wähler verlieren. Diese Super-Praktikant-Sache hätte sonst ja schön und virtuell torpediert werden können von den Jungen Roten – aber die haben sich ja auf Faxwahlen beim ORF spezialisiert.
Nicht um Schmähungen verlegen ist man auch bei den Audimax-Besetzern. Sie kreierten einfach die Wahl zum “Super-Wissenschaftsminister”. Der Gewinner wird zwar nicht fürstlich entlohnt, soll aber auch nicht leer ausgehen: Eine Woche Übernachtung im Audimax inklusive Halbpension wartet auf den Sieger. Auf der Homepage kann man jetzt zwischen Tintifax und Chuck Norris wählen. Wobei Chuck Norris einfach einmal Knackwatschen austeilen will im Wissenschaftsministerium.
Könnte man sich auch vorstellen für den Entwickler des VP-Castings.



Wer noch immer nicht genug hat: Hier gibts die Bilder zu den Aktionen
Browser mit der Zunge gesteuert
Die Aprilscherz-Maschinerie der Tech-Unternehmen hat uns einige schöne Sachen geliefert. Zum Beispiel hat der “Guardian” behauptet, dass sie ab sofort nur mehr auf Twitter erscheinen. Weil: Jede Geschichte ist in 140 Zeichen erzählbar.
Den besten Beitrag hat der Browser Opera eingebracht: Opera behauptete, mit “Face Gestures” Gesichtsmimik in Programmbefehle umsetzen zu können. Leider macht man sich beim Ausprobieren der “neuen Funktion” dabei eher lächerlich. Vor dem Besuch von Seiten mit pornografischem Inhalt warnt Opera: Unwillkürliche Gesichtsverzerrungen könnten unerwünschte Browserbefehle zur Folge haben.
Trotzdem: Wär doch lustig, wenn wir einfach in Zukunft Grimassen schneiden würden anstatt mit der Maus herumfahren…
Auf dem Video wird das sehr anschaulich erklärt:
























2 comments