Fußball

Der Turbo-Kapitalismus-Wuzzler

Fußball ist ein Mannschaftssport. Genauso wie Tischfußball vulgo Wuzzeln vulgo  Balankern. Zwei gegen Zwei ist normalerweise die Devise. Nicht so bei diesem Tisch. Hier ist man auf sich allein gestellt. Mann gegen Mann. Frau gegen Frau. Mann gegen Frau. Frau gegen Mann. Tier gegen Tier. Jeder auf sich allein gestellt. Wie im richtigen Leben. Wie im Kapitalismus. Der Turbo-Kapitalismus-Wuzzler.

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Ukrainische Tänze

Pubic Viewing in der Wiener Pratersauna. Sehr chilliges Ambiente, aber leider gerade das ödeste Match zwischen Frankreich und England erwischt. Doch nach dem Match ging es richtig zur Sache: Als Einstimmung auf das Spiel Ukraine gegen Schweden spielt die ukrainische Musikkapelle Polikarp auf. Und brachte richtig Stimmung in die müde Bude. Flugs wurden die Leute zur Wiese beim Pool entführt und in einen Volkstanz verwickelt. Alle im Ringelreihen und immer einer in der Mitte, der einen Teppich weitergeben musste und auf diesem wen küssen musste. Mehr von dieser Musik und weniger von diesem Fad-Fußball. Die Ukraine hat das Match übrigens gewonnen. Und nach dem Match werden dann einige Freudentänze aufgeführt worden sein. Es wird wohl grad heiß hergehen in Kiew.

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“Österreich” und die Fußball-Schnecken

Im österreichischen Fußball gibt es den Herbert Prohaska, der fast liebevoll “Schneckerl” genannt wird – wenn man ihn heutzutage sieht, kann man sich gar nicht vorstellen wieso. Seit diesem Wochenende allerdings wissen wir, dass die österreichische Nationalmannschaft den Ärger des Boulevard ausgelöst hat. Kein liebevolles “Schneckerl” mehr, nein, viel schlimmer, unsere Nationalspieler werden in der “Tageszeitung” “Österreich” zu “Schnecken”.

Nach der 0:2-Blamage: Wut über Fußball-Schnecken

Jetzt kann man über die Leistungen der rot-weiß-roten Nationalmannschaft geteilter Meinung sein, oder nein: wir sind uns alle einig dass Österreich wohl nie Europameister oder Weltmeister im Fußball werden wird. Leider (oder zum Glück) ist uns auch die Übertragung des Spiels gegen Belgien erspart geblieben. Einige Fragen werfen sich für uns allerdings schon auf: Waren die Österreicher bei diesem Spiel so langsam wie Schnecken? Oder zogen sie eine Schleimspur wie eine Schnecke hinter sich her? Wir nehmen ja an, dass es sich bei der Schleimspur eher um die des “Österreich”-Herausgebers handeln konnte, der überall Sponsoren für sein angeschlagenes Tageszeitungsprojekt sucht.

Dass Zeitungs-Zampano Wolfgang Fellner wie verrückt daran arbeitet, dass “Österreich” schon das Niveau von Maturazeitungen unterschreitet, ist ja schon hinlänglich bekannt. Vielleicht könnte er seinen Grafikern aber wenigstens einen Photoshop-Kurs zahlen, damit solche peinlichen Bebilderungen (“Oberschnecke Arnautovic”) nicht mehr passieren.

Übrigens hat das rot-weiß-rote Boulevardblatt wieder einmal ein Interview frei erfunden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Kraken-Orakel stellt sich gegen “Schland”

Ein Medienereignis, das an Skurrilität fast nicht mehr zu überbieten ist: Der Krake Paul aus dem Großaquarium Sealife in Oberhausen fungiert als Orakel für die Spiele der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM: Und diesesmal hat der Octopus eine Niederlage prophezeit:  Unter Beobachtung mehrerer Fernsehteams hat er sich für das mit der spanischen Flagge gekennzeichnete Muschelfleisch entschieden.

Der Nachrichtensender n-tv hat sogar live übertragen – mit einer Moderation wie bei einem Pferderennen, bei dem es um die Wurscht geht. Eine Sternstunde des Sportjournalismus.

Nach der Orakel-Vorhersage gingen die medialen Wogen hoch, bild.de war entsetzt:

„Paul kommt in den Topf“: Fan-Wut auf Kraken-Orakel

Der Verkauf von Tintenfisch dürfte auf jeden Fall in die Höhe schnellen, denn viele Deutschland-Fans sind sich einig: „Heute Abend gibt es Tintenfisch-Salat bei uns zuhause, dann wird alles gut.“

Bisher hat Octopus Paul alle deutschen Begegnungen der WM in Südafrika richtig “vorhergeschmeckt”, auch bei der Euro 2008 war er schon als Orakel im Einsatz – und damals sagte er nur das Finale falsch voraus – das war aber das Spiel Deutschland gegen Spanien.

Schon vor dem Spiel gegen Argentinien, das Paul richtig tippte (Deutschland hat 4:0 gewonnen), sorgte der Krake für Medienecho sogar in Argentinien:

Die Bild-Zeitung berichtete:

Geschmacklos! Die Argentinier drohen unserem Kraken-Orakel Paul mit dem Kochtopf, wollen ihn in die Paella schnippeln.

Der Oktopus aus dem Aquarium „Sea Life“ in Oberhausen hat alle deutschen WM-Spiele richtig getippt und für heute auf Sieg gesetzt. Paul hatte das Muschel-Leckerli aus dem deutschen Topf gefischt und den argentinischen verschmäht.

Das argentinische TV berichtete entsetzt darüber. Die Zeitung „El Dia“ druckt ein Rezept: „Es reichen vier normale Kartoffeln, Olivenöl je nach Geschmack und ein bisschen Pfeffer, um Krake Paul ein unbequemes Schicksal zu bescheren.“

Und wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, boten die Argentinier auch eigene Tierorakel auf:

Gegen das bisher unfehlbare Tier-Orakel, das einen deutschen Sieg im WM-Viertelfinale «vorhergesagt» hat, bieten die Südamerikaner in Buenos Aires und Mar del Plata die geballte heimische Tierwelt auf. Delfin Sayko, Seehund Macky, Schildkröte Jorge, Papagei Paco und die Promenadenmischung Clarito machten mit ihren Entscheidungen alles klar: 5:1 für Argentinien. Der internationale Tier-Spaß geht weiter.

Der Tintenfisch als Medienstar:  Es gibt eine eigene Facebook-Seite, die Tierschutzorganisation PETA wollte ihn freilassen und sogar Fälschungen wurden schon versucht -  ein Witzbold  hatte vorab ein gefälschtes Bild mit Paul auf dem spanischen Glas in Umlauf gebracht.

Interessant: Der Tintenfisch hat neun Gehirne – acht in den Fangarmen – und drei Herzen. Ob er sich wirklich für Fußball interessiert ist allerdings nicht überliefert.

Ein Fußball-Irrlicht

Mitten im Zentrum von Sofia: Ein Lokal mit deutschen Spezialitäten und deutschem Bitburger-Bier (obwohl das bulgarische um einiges besser ist) und eigenem bayrischem Biergarten.

Und die Höhe: Hier residiert auch der bulgarische Fanclub für Bayern München. Unglaublich, auch Bulgaren können irregeleitet sein. Rote Karte. Und ein Hoch auf Levski Sofia.
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