kultur

In the MuTh

Jahrelang ist dagegen protestiert worden, nun ist er eröffnet. Der Saal der Sängerknaben mit dem Namen “MuTh” – wie MusikTheater. Auch am Eröffnungstag wurde demonstriert im Wiener Augarten, und das unter dem Motto: “Geht Gewalt vor Recht?” Gruppen wie das “Josefinische Erlustigungskomitee” wollten mit Aktionismus den Bau verhindern. Ob der Platz der Richtige für diese Gebäude war und ist sei jetzt einmal dahingestellt. Und ohne jetzt genau auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Platzes am untersten Spitz des Augartens einzugehen – die Kompromisse die das Gebäude noch duckender erscheinen lassen als im Erstentwurf bestätigen eines: Kultur muss sich in Wien architektonisch verstecken. Denn eines ist den Wienern heilig: Nichts darf sich verändern! Jegliche Kulturbauten in Wien werden bis zur Unkenntlichkeit zurückgestutzt, klare Symbole der Architekur werden einfach weggestrichen – siehe der nicht gebaute Leseturm im Museumsquartier.

Interessanterweise gilt das nur für Kulturbauten in dieser Stadt. Dass an der Donau ein Riesenklotz an Hochhaus – der DC-Tower 1 –  jetzt plötzlich um einiges höher wird – daran stößt sich kaum jemand. Siegt der Kapitalismus jetzt auch gegen die Kultur?

Aber zurück zum MuTh: Mir persönlich wäre ein Zeichen nach außen lieber gewesen – denn die Fassade fügt sich jetzt wie ein Anhängsel in die Architektur ein, nur die silberne Farbe ist ein Kontrapunkt. Das ist sehr gut gelungen bei der Integration des Pförtnerhauses. Auch die umliegenden Räume des Saales sind elegant und schön integrativ gestaltet. Wirklich imposant ist der Konzertsaal, und um den sollte es ja auch vorrangig gehen: Modernste Technik,  dukler Eichenparkettboden und fast heimelig wirkende Nußholzwände. Ein Ohren- und Augenschmaus.

Ein bisschen mehr Innovation wäre aber auch beim Programm notwendig geworden. Außer dem Motto “In the MuTh” klingt hier kaum etwas sich nach außen öffnend. Dabei täte in diesen Saal auch ein Blues-Abend gut passen. Aber vielleicht wird das ja noch: Resetarits/Molden, übernehmen Sie!

>>MuTh: Umstrittener Sängerknaben-Saal besticht mit Eleganz

Ein Ostlicht geht in Favoriten vor Anker

Früher ist Brot gebacken worden am Fuße des Laaer Bergs. Nun wird hier die “Loft-City” aufgezogen. Kultur im Arbeiterbezirk, in meinem ehemaligen Wohnviertel. Eröffnet wurde die Dependance der Westlicht-Galerie namens Ostlicht.wo zur Eröffnung die Ausstellung “Nacht” gezeigt wird. Wie die Ameisen sind Wiener Kulturinteressierte über die ehemalige Fabrik hergefallen – es gab ja auch Gratis-Bier und Würstel. Aber nicht nur Nacht war zu sehen, auch die anderen schon eingezogenen Kulurinstitutionen feierten mit: Graffiti, umgestürzte Kroko-Autos und eine Ansammlung nackter Frauen in der Hilger Brot-Kunsthalle,  Divans und Würfeluhren bei lichterloh, dazu Performances und eine Auflegerei von Peter Kruder. Und das alles in der alten Fabrik, die gerade erst umgebaut wird auf den Loft-Betrieb mit Kinetten und Absperrungen. Hat was, diese Kultur-Konglomeration. Schauts euch das an, wenn mal weniger los ist.

Macht eine Waffel aus der Waffe!

Verschönert, mit Zitaten versehen, installiert. Kunst im öffentlichen Raum. Im kleinst-möglichen Raum auf unserem Tisch im Schikaneder. Mit den einfachsten Mitteln: Altpapier, Asche und Freecard. Alles ist Kunst, wenn aus der Ansichtssache jedes Einzelnen wieder neue Bezugspunkte und Deutungsmöglichkeiten entstehen. Oder ist es einfach Schändung des öffentlichen Eigentums? Oder – einfach Marketing? Die Waffe im Wortgefecht. Wie es die “Presse”-Kampagne behauptet. Reden wir darüber mit Manner. Um vielleicht zu einer Fusions-Kampagne zu kommen. Und um der Friedensbewegung Ehre zu erbieten – machen wir aus der Waffe eine Waffel.

(c) Eine Kooperation von Eminenz und Danie.


Im Fuchsbau

365 – The Fox House – das ist das neue Pop-Up-Kultur-Haus in Wien. Was das heißt? Ausstellungen, Kunst, Fotografie, Design, Klamotten (komisches Wort) in einem Haus, das Ende des Jahres abgebrochen werden soll. Das ganze hat also ein Ablaufdatum. Was schlecht ist für Wien, denn eine solche Institution hat es hier bislang noch nicht gegeben – und das alles finanziert aus privaten Mitteln.

Zur Eröffnung war dann nicht nur das gesamte Haus voll, sondern die jungen Bobos, Kunstinteressierte, Partytiger und Schaulustige verteilten sich erst über die Gehsteige vor dem Fuchsbau und zu späterer Stunde wurde dann die gesamte Straße gesperrt – ein Straßenfest zum meteorologischen Frühlingsbeginn, ein kleines bisschen Berliner Flair im muffigen Wien. Leider durfte der Hof des Hauses nicht geöffnet werden – ich hoffe nur vorerst. Die Veranstalter hätten sich den ganzen Polizeieinsatz erspart (“Ich muss Sie darauf hinweisen, dass wir sie anzeigen, wenn sie die Straße nicht sofort verlassen”). Seien wir gespannt, welche Aktionen noch vom Fuchsbau ausgehen werden.

“Sexession”: Swinger-Club als kalkulierte Erregung

In der Wiener Secession sorgt eine Installation für Aufregung: “Raum für Sex-Kultur” nennt sich der Stein des Anstoßes – der Schweizer Künstler Christoph Büchel bespielt das Untergeschoß der Secession mit einem echten Swingerclub: Der “Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer” ist für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen.

Ich hab mir das Ganze genauer angesehen: Wieiviel Kunst steckt hinter der Kulisse des Swingerclubs? Der erste Eindruck: Die Einrichtung dürfte 1:1 von einem bestehenden Swinger-Club übernommen sein. Büchel wollte  detailliert die Stimmung der originalen Swinger-Club-Räumlichkeiten in der Kaiserstraße herstellen. Das ist ihm laut Besitzern gelungen. Allerdings wirkt das ganze etwas steril – wie ein steriles Filmset.

Beim allerersten Blick sieht das ganze noch stimmig aus: Der große Bar/Bühnen-Bereich mit Stiptease-Stange und Rückzugs-Plüsch-Sofas in den Raumecken und das Jagd-Zimmer mit offenem Kamin (wo nur ein Fernseher statt der Glut lodert). Die “strenge Kammer” mit Andreaskreuz, Pranger und Gynäkologen-Stuhl. Die Separees, die typischen Matratzenlager mit Plüschpolstern, Spiegeln und Taschentüchern. Ledergesäumte Gucklöcher inklusive. Und der Whirlpool. Der allerdings wenig anregend mit einer Plastikplane überdeckt und außer Betrieb war.

Das Motto des Swingerclubs – “Wir schaffen Raum für Sexkultur” – ist vom Publikum am ersten Abend nicht angenommen worden. Viele schlichen durch die Separees und haben sich das Ganze “nur mal angeschaut”. Club-Besucher kritisierten die gewisse Distanz des Publikums, die in anderen Swinger-Clubs nicht zu spüren sei. Doch ist hier überhaupt intentiert, dass es “zugeht” wie in einem echten Swinger-Club? Muss man den Ansatz nicht auf einer ganz anderen Ebene sehen? Und nicht so drauf reinfallen wie die Boulevardmedien von “Österreich” bis “Heute”, die von wahren Sex-Orgien berichten, die ich aber beim besten (?) Willen nicht mitbekommen habe.

Büchel spielt auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich. Und er spielt natürlich mit dem Aufreger “Sex”. Die Reaktionen waren erwartbar.

Was erwartet man sich auch von einer Diskussion auf Puls4, bei der man Kunsthalle-Direktor Gerald Matt “Krone”-Kolumnist Jeannee gegenübersetzt. Fast ein Wunder, dass der “Krone”-Grobian da nicht von “entarteter Kunst” warnt. Er kleidet es aber in andere Worte. Immer interessant bei solchen Themen: Die Freiheit der Kunst wird frontal angegriffen. Ein Eingreifen der Politik wird gefordert. Kunst wird als “Dreck” dargestellt. Und auch das hat Büchel mit seiner Installation wieder aufgedeckt: Auch Klimt hatte damals das gleiche Problem.

“Der Zeit ihre Kunst – Der Kunst ihre Freiheit” steht an der Außenfront der Wiener Secession. Halten wir uns auch daran. Auch wenn uns die Kunst öfters ein wenig ratlos zurücklässt.

>>Alle Bilder und der Rundgang

Wein und Spezi-Hans, alles kernig frisch

Stammerdorfer Weintage 2009. Der ganze Ort auf den Beinen und der Wein ist hektoliterweise geflossen. Trotz regnerischem Wetter haben wir an den kulturellen Ergüssen teilgenommen: Da war mal der Männergesangsverein Stammersdorf. Und nicht zu vergessen der Spezi-Hans - Tanzmusik aus Kärnten verspricht er auf seiner Homepage (unbedingt anschaun, ein Lehrbeispiel des schlechten Geschmacks). Ein Alleinunterhalter, der wohl schon lang durch Bier- und Weingärten tourt – das sieht man ihm und seinem Synthesizer an.

Dann war da noch eine dreiköpfige Band, mit zwei Akkordeons, deren Name ich vergessen hab – danke an Astrid, es waren die Alpencasanovas – zu der wir den Zillertaler Hochzeitsmarsch getanzt haben. Stimmung haben sie ja reingebracht. Und auf ihrer Homepage geben sie die Richtung ganz klar vor: “Kernig frisch echt kärntnerisch”.

Also viel Musik aus Kärnten. Nicht schlecht gewesen wären einige traditionelle Schrammelmusiker. War aber doch mehr die Skihüttisierung und DJÖtziisierung gefragt…

Ganz und gar abgestürzt bei bestem Wien und Jausenbroten sind wir dann gegenüber vom Hauptprostamt beim Stand vom Dornröschenkeller.

Ja, feucht-fröhlich wars…

Fremdflyern verboten!

Das Museumsquartier in Wien hat in letzter Zeit ja nicht unbedingt viel Geschick an den Tag gelegt mit dem ausgesprochenen Verbot von Fremdgetränke-Mitnahme in den MQ-Hof. Oder doch Geschick? In den Medien war das MQ jedenfalls mehr als präsent, dann gabs sogar eine Demo gegen die neue Hausordnung. Wieder mit großem medialem Aufwand. Und dann entschuldigte sich die MQ-Leitung und zog das ganze zurück. Eigentlich ist da ja doch was von guter Publicity hängen geblieben.

Jetzt hab ich gerade in meinem Fotoarchiv gestöbert – und zu meiner Überraschung hab ich untenstehendes Foto noch immer nicht veröffentlicht. Flyer vom MQ im MQ. Dazwischen das Verbot: “Fremdflyern verboten”. Das hätte doch auch Potenzial: Fremdflyer vereinigt euch! Alle sollen Flyer verteilen können – und in die Flyerboxen einräumen können! Mehr Mut! Wo bleibt der Flashmob fürs Fremdflyern?

Aber jetzt mal ehrlich: Erstens find ich dieses Verbot mehr als skurril. Und zweitens finde ich, dem MQ gebührt ein Orden für diese Wortkreation, die sicher bald in den Sprachgebrauch eingehen wird: “Heast ziag o, sonst fremdflyer i dir ane!”

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