Echte Österreicher


Hab mir gestern aus meiner DVD-Sammlung den Klassiker „1. April 2000“ angesehn.

Ein österreichischer Film aus dem Jahr 1952 – also noch in der „Besatzerzeit“ entstanden, mit einem Promi-Aufkommen, das seinesgleichen sucht: Hilde Krahl, Josef Meinrad, Judith Holzmeister,Curd Jürgens, Hans Moser, Paul Hörbiger, Helmut Qualtinger, u.a.

Ich zitiere wikipedia: Es handelt sich um einen Science-Fiction-Film, der einerseits dazu dienen sollte, den Österreichern nach der Trennung Österreichs von Deutschland im Jahre 1945 ein spezifisches „österreichisches Bewusstsein“ zu vermitteln, das sich von Deutschland und damit auch vom Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust abgrenzte. Pikanterweise vertraute man diese Aufgabe einem Regisseur an, der während der Zeit des Nationalsozialismus erheblichen Einfluss auf das Filmschaffen hatte. Der Film arbeitet sehr argumentativ mit der landes-typischen Mentalität und retouchierter Historie (und neu gefundener Identität?).

1april2000.jpg

Das Filmchen ist am Anfang recht witzig: Der österreichische Ministerpräsident erklärt – eh kloa – in Schloß Schönbrunn vor den Besatzungsmächten die Unabhängigkeit von Österreich. Daraufhin zeigen die Mächte Österreich bei der Weltschutzkommission oder so ähnlich an – und die kommen mit einem Ufo zum Schloß Schönbrunn (mit dem Seitenhieb, dass sie vorher in Australia landen statt in Austria, soviel zum Selbstbewusstsein von Austria). Ufo-Landung vor Schönbrunn, juhuuu. Cool gedreht, hat was.

Diese Weltkommission (Vorsitz: Eine FRAU!!!) leitet ein Gerichtsverfahren (in der Hofburg!!!) gegen Österreich ein.

Und ab da wirds dann so richtig schleimig. Der österreichische Ministerpräsident, dargestellt von Josef Meinrad, bringt Beweise vor, dass Österreich kein Weltfriedensbrecher ist. Ihm gegenüber sitzen Vertreter aus allen Teilen der Welt, die sowas von patschert und eindimensional dargestellt werden, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Welchem Drehbuchautor es eingefallen ist, den Vertreter der arabischen Welt Hadji Halef Omar zu nennen, will ich gar nicht wissen.

Argumentiert wird hier mit der Geschichte Österreichs (hier natürlich alles nur herausgepickt und so dargestellt als ob Österreich seit tausenden Jahren NUR und NUUUURRR den Frieden auf der Welt sichern wollte). Und ganz komisch, aber typisch: Die Jahre ab 1938 – tja, die hats ja in der Geschichte Österreichs nicht gegeben, weil: Wir ham ja nix gwusst.

Wie die Welt-Vertreter überzeugt werden sollen, wird im Laufe des Films immer peinlicher. So wird die „Weinseligkeit“ hervorgekramt, Trachtenjanker werden ausgepackt. Gegen Ende des Films will man dann wirklich nur mehr speiben.

Ab und zu schämt man sich, ein Österreicher zu sein.

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