Die Krone der Volksmusik


Samstagabend. Bei den Eltern. Sie diktieren das Fernsehprogramm. Und am Programm steht „Die Krone der Volksmusik“. Erleichterung: Weil, es hat nichts mit der gleichnamigen Zeitung zu tun. Und für eine zeitlang ist eine Darbietung volkstümlicher oder soll man lieber schreiben volksdümmlicher Weisen ja fast lustig und (ich nehm einmal an unfreiwillig) komisch und kabarettistisch angehaucht.

Zum Beispiel der Auftritt der Klostertaler. Vom Moderator als einzigartig in der Mediengeschichte angekündigt. Weil: Der Sänger lag nach einem Skiunfall mit gebrochenem Schienbein in einem Spital in Vorarlberg. Und die Technik machte es möglich: Die Band spielte in der Halle vor Publikum und hinten zugeschaltet sang der Sänger im Krankenbett „live“, wie erwähnt wurde. Jedem wachen Medienkonsumenten fiel natürlich auf, dass hier „live“ ein Fremdwort war. Synchrone Lippenbewegungen können aber auch Lippenbekenntnisse sein. Aber egal.

Und dann unser unsäglicher DJ Ötzi. Ganz zufällig war seine kleine Tochter im Publikum. Und durfte ihm die Krone der Volksmusik (das ist eine Auszeichung für die bestverkauften oder irgendsowas) überreichen. Und der Herr Ötzi war so überrascht, so schlecht gespielt überrascht, dass er nur mehr stammeln konnte. Besser als singen in jedem Fall, Herr Ötzi. Stammeln Sie lieber weiter und belästigen sie uns nicht mehr mit ihrer Abfall-Musik.

Ganz interessant der Moderator: Gunther Emmerlich hieß der Gute. Und dieser hat eine Ausstrahlung wie eine Regentonne, die seit fünf Jahren nicht mehr befüllt worden ist. Und auch den Humor einer Tonne. Und die Ausstrahlung einer Tonne. Am Schluss durfte er sogar singen. Mit dem Tonfall einer Tonne.

Ausgestiegen aus der Drei-Stunden-Live-Sendung bin ich allerdings, als eine Musical-Einlage zur Aufführung kam. Und zwar das Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“. So gern ich die Musik von Udo Jürgens – teilweise – mag, so sehr verabscheue ich jegliche Verhunzung musikalischer Töne durch die unsäglichste und unvergleichlich augenscheinlichste Verluderung der Musik des Musicals. Wenn ich Musical-Darsteller auf der Bühne herumhüpfen sehe, muss ich leider umgehend kotzen. Wie diese mit Inbrunst und lachendem Gesicht unsere Nerven strapazieren, ist schon fast gefährlich. Meiner Meinung nach müssten Musicals verboten werden, weil das ein Anschlag auf Augen, Ohren und alle anderen Sinnesorgane ist.

Dann sogar lieber Volksmusik.

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