Kreisky: Die Angst, der Teufel zu sein


„Wir hören die Motoren, wir hören die Motoren. Da sind Flugzeuge im Sturm.“ Der Text des Openers zum am 23. März erscheinenden zweiten Albums von Kreisky legt den Grundstein für zehn Songs, die auf Punk-Traditionen und Post-Hardcore-Elementen mit röhrendem Gitarrensound aufbauen. Die deutschen Texte sind konsequent typisch-österreichisch grantig und beleuchten das Leben von einer deutlich depressiv angehauchten Seite mit einer gehörigen Portion Weltschmerz.

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„Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ ist der Titel des Albums und zitiert damit das allgemeine Schuldbekenntnis der katholischen Liturgie. Konsequent werden dann auch ur-katholische Themen in den Songs verarbeitet: Neid, Eifersucht, Schuldgefühle und andere Sünden geben einen Einblick in die österreichische Seele – dargeboten von einem gesanglich zwischen Arroganz und dem Wunsch nach Hinausschreien pendelnden Franz Adrian Wenzel.

Musikalisch arbeitet Kreisky mit einem klassischen Band-Set Up: Schlagzeug (Klaus Mitter), Bass (Gregor Tischberger), Gitarre (Martin Max Offenhuber), Orgel und die unverkennbare Stimme von Wenzel. Dieser ist neben seiner Rolle als Frontmann von Kreisky auch weltberühmt in Österreich als Austrofred, der es sich in grantelnder Manier zum Ziel gesetzt hat, den Austropop zu retten und über Queen-Klassiker die bekanntesten Texte von Austopop-„Hadern“ singt.

Im Unterschied zum unbetitelten Debüt-Album von Kreisky klingt das neue Werk deutlich professioneller, wuchtiger und roher. Dem Grundsatz, dass sie keine Genre-Band sein wollen, bleiben die vier Kreiskys weiterhin treu: Keine Anbiederung an formatradiotauglichen Deutsch-Rock, im Gegenteil, der Sound ist kantig und geprägt von schnellen Taktwechseln.

Hitpotenzial zumindest in der alternativen Szene haben einige Titel. In „Die dummen Schweine“ werden Wünsche vieler Männer zu eingängigen Gitarrenriffs formuliert: „Das ist mein größter Wunsch: Alle Mädchen laufen mir nach und ich lasse sie stehen.“

Neben der Single „Asthma“ kann der Track „Dow Jones“ mit seiner erfrischenden Aufrichtigkeit und Power punkten, die auch live funktioniert: „Und wann sind wir endlich daheim? Wir sind nie daheim. Wann kommen wir endlich heim? Wir kommen nie heim.“

Eine gelungene Weiterentwicklung im Vergleich zur ersten Platte, die auch textlich formuliert ist: Hieß es beim Erstlingswerk noch: „Es gibt genug zu fürchten, 1000 Gründe Angst zu haben“, geht es jetzt ums Eingemachte: „Ich habe Angst vor tiefen Gewässern, ich habe Angst alleine zu bleiben, ich habe Angst vor zu klugen Leuten und oft hab ich Angst, der Teufel zu sein.“

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