Zu Gast bei Che Guevara


Nach dem Varadero-Aufenthalt haben wir uns ein Auto ausgeborgt und waren dann sieben Tage unterwegs. Erste Station war Santa Clara. Beim Hinfahren haben wir uns einmal absolut blöd verfahren und sind dann auf einem Feldweg unterwegs gewesen, da wars fast ein bisschen unheimlich so zwischen Industrieruinen und Kleinbauern.

Und die erste Begegnung mit der zentralen Autopista: Die Autobahn ist sechsspurig, ohne Bodenmarkierung, mit Schlaglöchern so groß wie ein Auto, Pferdefuhrwerke kommen dir entgegen. Die Auffahrten sind wie ein Kreuzung gelöst. Und es kommt schon vor, dass man plötzlich bei einem Stoppschild steht, weil eine Bahn quert. Unter den Brücken warten die Kubaner auf Mitfahrgelegenheiten.

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In Santa Clara haben wir uns auch mal gscheit verfahren – und waren etwas überfordert mit dem Trubel auf den Straßen. Gottlob haben uns zwei junge Radfahrer zu einem Hostel dirigiert, das zwar voll war, aber wir sind gleich ums Eck in eine Casa Particular vermittelt worden. Am Abend waren wir dann schon an den Trubel mit den vielen Radfahrern und Fuhrwerken auf der Straße gewöhnt. Das Stadtzentrum ist ein riesengroßer Platz mit Kolonialbauten und einem Hotel-Klotz, auf dem noch die Einschusslöcher der Revolutions-Kämpfe prangen.

Che Guevara ist überall präsent. Als Memorial aufgebaut sind die Waggons des Zuges, den Ches Truppen im Dezember 1957 entgleisen ließen. Damit fiel ihnen eine Munitionslieferung für die Truppen des Diktators Batista in die Hände, viele Soldaten der Batista-Truppen liefen über, Guevara konnte die Stadt einnehmen. Wenig später setzte sich Batista ins Ausland ab, die Einnahme der Stadt war also entscheidend für den Vormarsch nach Havanna, wo die Revolutionäre rund um Fidel Castro euphorisch empfangen wurden.

Auch das Grabmal von Che ist in Santa Clara, bekrönt von einem großen Denkmal des einstigen Mitstreiters Castros, das ihn als Guerillakämpfer mit allen Requisiten – Tornister, Maschinenpistole und Handgranate – zeigt. Umgeben ist das Denkmal von mehreren Steinen mit Aussprüchen Guevaras über die Notwendigkeit einer Revolution in ganz Lateinamerika und Aussprüchen Fidel Castros zu seiner Person. Der Ausbau der Stadt Santa Clara soll so erfolgen, dass diese Grabstätte samt Denkmal einmal den Mittelpunkt der Stadt bildet. Bisher gibt es aber nur einen riesigenAufmarschplatz neben dem Monument.

Die sterblichen Überreste von Che Guevara wurden ja erst 1997 in Bolivien gefunden und nach Kuba überführt. Che hatte sich nicht mit dem Sieg der kubanischen Revolution geschlagen geben und war nach Gastspiel im Kongo wieder guerillakämpfend in Südamerika, wo er in Bolivien geschnappt und exekutiert wurde.

Was war sonst noch in Santa Clara: Wir haben ziemlich nette Kubaner kennengelernt – und gelernt, dass man manchen auch davonlaufen muss, weil sie nervig ihre Zigarren anbringen wollen oder sonstwas andrehen wollen. Und das mit dem sambatanzenden Kubaner ist nur eine Sage, die nicht stimmt. In Wirklichkeit sitzt der Kubaner am Abend vor seinem Haus auf der Türschwelle oder in seinem Schaukelstuhl vor dem Fernseher.

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