Zuviel Blumen für Kim Il Sung


Eine äußerst umstrittene Ausstellung hat im Wiener MAK eröffnet: Blumen für Kum il Sung – Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepuliblik Korea.

Schon wochenlang ritt der Boulevard harte Attacken gegen die Ausstellung. Politiker entzogen ihren Ehrenschutz und auch Kulturministerin Claudia Schmied blieb der Eröffnung fern. Die Sicherheitsvorkehrungen und die Reden bei der Eröffnung ließen dann doch erahnen, wie weit Kunst in Nordkorea gehen darf: Han Chang Gyu, Direktor der Korean Art Gallery in Pjöngjang lobte die Darstellung des „heldenhaften Alltaglebens“ der Nordkoreaner. Und Peter Noever, künsterlischer Leiter des MAK, betonnte den „Weg des Dialogs“:

Es ist an der Zeit, diese Motive – und ihre Hintergründe – dem westlichen Publikum unverfälscht näher zu bringen, um die Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur der Demokratischen Volksrepublik Korea auf eine fundierte Basis zu stellen Auf diese Weise können Reflektions- und Annäherungsprozesse auf den Weg gebracht werden, die jenseits gewohnter Handlungsmuser operieren. (…) Nur ein dialektischer Weg kann die Grenzen seiner Zeit überwinden.

Kein Wort der leisen Kritik am Regime, doch das war durch die Anwesenheit von hohen nordkoreanischen Diplomaten wohl der falsche Zeitpunkt. Wäre hier eine Eskalationsstrategie von Noever angebracht gewesen – die mit Sicherheit diplomatische Verstimmung ausgelöst hätte? So wären dem MAK auf jeden Fall weltweit Schlagzeilen sicher gewesen.

Schlagzeilen über die Schau im MAK macht es aber auch so weltweit. Die meisten der Gemälde, Plakate und Fotografien sind überhaupt das erste mal außerhalb der Volksrepublik zu sehen. Insgesamt 12 Gemälde zeigen den „großen Führer“ Kim Il Sung und seinen Sohn und Nachfolger – immer umringt von glücklich lächelndem Volk. Ein Gemälde lässt erahnen, wie Kunst in Nordkorea zu funktionieren hat: Auf „Präsident Kim Il Sung bei den Kunstschaffenden“ ist er umringt von Künstlern (fast ausschließlich Männern) in einer Athmosphäre wie zum Diktat gebeten. Auftragskunst auf nordkoreanisch.

Auf allen Bildern werden Menschen dargestellt, die freundlich und fast freudestrahlend lächeln. Ob sie nun beim Straßenkehren, in der Fabrik oder im Kampfeinsatz sind. Auch die architektonischen Beiträge lassen sich genau in ein abgehobenes Regime einordnen: Gigantonomie, hohe Türme, Fortschrittsgläubigkeit. So ganz anders als Nachrichten aus diesem Land, das sich von der internationalen Gemeinschaft vollkommen abkapselt. Kim Il Sung hat die traditionelle Marxismus- Leninismus-Lehre der koreanischen Situation angepasst, es entstand die so genannte Juche-Ideologie – diese  betont dabei die Eigenständigkeit in ideologischer, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht.

Ist das MAK nun einen richtigen Weg gegangen? Bloßstellung der regimegelenkten Kunst durch kommentarlose Ausstelung – funktioniert das? Wird sich dieser Kulturbetrieb dann selbt enttarnen? Einigen ist auf jeden Fall der eine oder andere kalte Schauer über den Rücken gelaufen bei dieser Schau.

>>Hier gibts mehr Bilder

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