Monat: September 2010

DAAU

Rote Bar, Volkstheater. Konzert von DAAU, Die Anarchistische Abend-Unterhaltung aus Belgien. Das erste mal in Österreich. Im folgenden die Nachlese eines Versuchs eines Live-Tickers vom Konzert.

Ganz in rot
Und etwas düster
Leiser jazz
Und warten
Auf die band
Warten
Auf erlösung?
Oder doch
Ein kribbeln
Des freuens…

Chello
Kontrabass
Akkordeon
Klarinette
Kein akkord zu viel
Reduziert auf das wesentlichste
Anarchistisch?
DAAU!
Jetzt
Aufbäumen des akkordeons
Klarinette hält dagegen
Aber aufeinander abgestimmt
Keine Anarchie.

Fast verweist das Set
Auf die Walzerstadt
Oder noch mehr
Auf das grantige, auf das depressive
Jetzt mit klarer bass-line
Fehlt jetzt grad nur
Der drum and bass beat
Trotzdem
Von grund auf traurig
Oder bin das heut nur ich
Und interpretier alles in diese Richtung.

Energieanfall nach depressiver Phase
Diese Band agiert bipolar.
Schön!
Trotzdem
in der Pause das Konzert verlassen
weil ich mich so fühl
wie verlassen
und auch die Weisse Bar
mit ihrer Terrasse
mich nicht aufmuntern kann

Jetzt noch ein paar Takte
Kontrabass
kontra
Bass
Erledigt!
Und jetzt? Aufräumen.
Mit allem
War ja schon Zeit.
Danke an die Belgier.

Piefke-Bashing

Derzeit häufen sich in Wien die Plakate mit der Aufschrift: „Dein Boss ist Piefke? Kirchenaustritt jetzt!“ Wie wohl ich bei der erstmaligen Sichtung geschmunzelt hab, bin ich danach doch ins Nachdenken gekommen. Nimmt das Piefke-Bashing in Wien zu? Oder ist das nur eine Folge dessen, dass die Deutschen schon die größte Gruppe „mit Migrationshintergrund“ wie man so schön sagt in Wien darstellt. Und dadurch unbeliebter wird?

Wie erklärt Wikipedia das Wort „Piefke“?

Verwendung und Bedeutung von Piefke in Österreich sind dem in Altbayern verbreiteten Preiß für Landsleute nördlich des Weißwurstäquators vergleichbar, auch im westlichen Österreich wird dieser Begriff eher verwendet als Piefke, allerdings werden dann die Bayern, im Gegensatz zum östlichen Österreich meist davon ausgenommen. Diese Bezeichnungen gehören zur Gruppe der Ethnophaulismen („abwertenden Fremdbezeichnungen für Volksgruppen“). Die in Deutschland für Österreicher verwendete Bezeichnung „Ösi“ ist ein direktes Äquivalent, da es in gleichem Maße teilweise abwertend, oft aber auch wertfrei verwendet wird.

Die Deutschen nehmen den Österreichern Studienplätze weg. Die Deutschen nehmen uns Billig-Jobs (Deutsche als Kellner in Wien sind schon Usus) weg. Und zu alldem war die Beziehung zwischen Österreichern und „dem großen Nachbar“ ja schon immer historisch belastet. Zumindest wenn man sich nicht zu deutschtümmelnden Rechten oder schlagenden Burschenschaftlern zählt. Aber genau hier liegt das Problem. Dass uns die gemeinsame Sprache zusammenschweisst – und viel zu viele noch imemr aus der gemeinsamen Geschichte unbedingt auch eine deutsch-österreichische „Volksgemeinschaft“ herauslesen wollen.

Auf der anderen Seite: Der „Piefke“ gilt in Österreich als laut, arrogant, besserwisserisch und – selbst wenn man ihn als Tourist braucht – als geizig. Er ist der Repräsentant des deutschen Spießertums, dem der österreichische Autor Felix Mitterer in den 90er Jahren die TV-Serie „Piefke-Saga“ widmete.

Aber trotzdem gibt es einen typischen „Deutschenhass“ nicht wirklich. Jedenfalls wird von denjenigen Menschen, die für ausländerfeindlichen Hetztiraden anfällig sind, Volksgruppen wie die Türken und die Serben in ganz anderer Weise angefeindet. Liegt das nur an der Sprache? Oder integrieren sich die Deutschen einfach besser? Oder mag man einfach die Arroganz?

Satirisch abgehandelt hat den Ansturm der Deutschen „SpiegelTV“. Köstlich:

Holy Bike

Das Bicycle Film Festival macht Wien derzeit unsicher – oder besser gesagt verkehrssicherer. Zum Start gabs die Vernissage zur Art Cycle Vienna in der Inoperable Galerie. Hätt ein bissl mehr sein können, aber einige Exponate waren ganz nett. Danach rollten die Räder quer durch Wien zur Pratersauna zur Opening Party unter dem Motto „Bikes Rock!“. Binder & Krieglstein (ui, schlechte Live-Band) und Sex Jams traten live auf. Die schnellsten Pedaltreter traten gegeneinander an, bis der Schweiß quer durch die Pratersauna spritze. Und daneben? Wurde getanzt, philosophiert, diskutiert. Übers Fahrrad. Und mehr! Fein.

Das weitere Programm gibts HIER.

Häupl duelliert sich mit Strache

SPÖ-Wahlkampfauftakt in der Wiener Stadthalle: Ein etwas müde wirkender Michael Häupl trommelte in seiner Rede ziemlich gegen die FPÖ und gegen HC Strache. Natürlich, manchmal muss man die Blauen in die Schranken weisen und scharf antworten. Aber vielleicht ist es etwas übertrieben, Strache so oft zu erwähnen. Er hats gar nicht verdient.

Es scheint so, als hätte Strache hier das Thema vorgegeben: Er hat zum Duell um den Bürgermeistersessel gerufen, Häupl steigt darauf ein. Doch wer kann sich wirklich einen Strache als Bürgermeister vorstellen? Das übersteigt wirklich vieles an Vorstellungskraft.

Obwohl, ein Zitat Häupls war schon gut gesetzt zum Thema Integration: Der Schlüssel hierfür seien „in der Tat die Kenntnis der deutschen Sprache, aber sicher nicht des Deutschen Strache.“

Interessant beim Auftakt waren auch die lebenden Sportlerstatuen, die in der ganzen Stadthalle verteilt waren. Sollten wohl einen erfolgreichen Start versprechen. Allerdings: Alle Leute konnten nicht mitgerissen werden, es fehlt noch ein bisschen an Würzung im roten Wahlkampf. Fünf Wochen bleiben noch Zeit.