Piefke-Bashing


Derzeit häufen sich in Wien die Plakate mit der Aufschrift: „Dein Boss ist Piefke? Kirchenaustritt jetzt!“ Wie wohl ich bei der erstmaligen Sichtung geschmunzelt hab, bin ich danach doch ins Nachdenken gekommen. Nimmt das Piefke-Bashing in Wien zu? Oder ist das nur eine Folge dessen, dass die Deutschen schon die größte Gruppe „mit Migrationshintergrund“ wie man so schön sagt in Wien darstellt. Und dadurch unbeliebter wird?

Wie erklärt Wikipedia das Wort „Piefke“?

Verwendung und Bedeutung von Piefke in Österreich sind dem in Altbayern verbreiteten Preiß für Landsleute nördlich des Weißwurstäquators vergleichbar, auch im westlichen Österreich wird dieser Begriff eher verwendet als Piefke, allerdings werden dann die Bayern, im Gegensatz zum östlichen Österreich meist davon ausgenommen. Diese Bezeichnungen gehören zur Gruppe der Ethnophaulismen („abwertenden Fremdbezeichnungen für Volksgruppen“). Die in Deutschland für Österreicher verwendete Bezeichnung „Ösi“ ist ein direktes Äquivalent, da es in gleichem Maße teilweise abwertend, oft aber auch wertfrei verwendet wird.

Die Deutschen nehmen den Österreichern Studienplätze weg. Die Deutschen nehmen uns Billig-Jobs (Deutsche als Kellner in Wien sind schon Usus) weg. Und zu alldem war die Beziehung zwischen Österreichern und „dem großen Nachbar“ ja schon immer historisch belastet. Zumindest wenn man sich nicht zu deutschtümmelnden Rechten oder schlagenden Burschenschaftlern zählt. Aber genau hier liegt das Problem. Dass uns die gemeinsame Sprache zusammenschweisst – und viel zu viele noch imemr aus der gemeinsamen Geschichte unbedingt auch eine deutsch-österreichische „Volksgemeinschaft“ herauslesen wollen.

Auf der anderen Seite: Der „Piefke“ gilt in Österreich als laut, arrogant, besserwisserisch und – selbst wenn man ihn als Tourist braucht – als geizig. Er ist der Repräsentant des deutschen Spießertums, dem der österreichische Autor Felix Mitterer in den 90er Jahren die TV-Serie „Piefke-Saga“ widmete.

Aber trotzdem gibt es einen typischen „Deutschenhass“ nicht wirklich. Jedenfalls wird von denjenigen Menschen, die für ausländerfeindlichen Hetztiraden anfällig sind, Volksgruppen wie die Türken und die Serben in ganz anderer Weise angefeindet. Liegt das nur an der Sprache? Oder integrieren sich die Deutschen einfach besser? Oder mag man einfach die Arroganz?

Satirisch abgehandelt hat den Ansturm der Deutschen „SpiegelTV“. Köstlich:

2 Kommentare

  1. Ich verstehe jetzt den Zusammenhang mit dem Kirchenaustritt nicht.

    Und: Ich finde, wir müssen die political correctness nicht so weit treiben, liebevolle Hänseleien zu ächten. Denn mal ehrlich, bei aller Piefke-Schimpferei über Handtücher auf Liegestühlen und die brüske, unerwartet rasch aufs Ziel zusteuernde Ehrlichkeit, niemand „hasst“ die Preußen. Königgrätz ist lang vorbei.
    So wie sie ja auch über die Bösis und ihre (unzweifelhaft wirklich) total überzogenen Preise in den abgelegenen Bergkaffs (aha, der Zusammenhang mit dem Geiz-Gerücht…) lästern, aber deswegen doch nicht auf die Idee kommen, uns zu „hassen“.

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