Monat: Oktober 2010

Die Sowjetunion lebt!

Aus den Geschichtsbüchern ist sie schon 1989 verschwunden. Doch die Sowjetunion lebt. Ich meine jetzt allerdings nicht Sowjet Unterzögersdorf. Geleitet von Monochrom hat sich dort ein kleines Grüppchen dem Kommunismus verschrieben:

Im September 1947 wurde Sowjet-Unterzögersdorf gegründet. Ein Flecken brachliegender Erde wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer produktiven, der Zukunft entgegenstrebenden Kleinstrepublik.

Und das mitten in Österreich. Lasst uns alle einstimmen: „Ich will Planwirtschaft!“

Aber darum gehts mir gar nicht. Sondern um die „echte“ Sowjetunion. Die existiert nämlich noch immer. Zwar nicht mehr als Kollektiv – sondern in Form einer Person. Und diese Person hat in dieser Woche Wien einen Besuch abgestattet, ist aber wieder weitergereist. Für sachdienliche Hinweise über den derzeitigen Aufenthaltsort der Sowjetunion würde ich mich dankbar zeigen. Ein Exklusiv-Interview mit der Sowjetunion – das könnte man News oder der Bild-Zeitung sicher gut verkaufen.

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Fluc = Flex = Flop?

Erstaunte Passanten mustern derzeit allabendlich einen Neonschriftzug am Praterstern: Ist das Flex vom Donaukanal jetzt in Richtung Riesenrad gezogen? Nein, aber das Fluc schmückt sich seit kurzem mit dem Schriftzug „Flex“.

Doch wie ist dieses Statement zu interpretieren? Ist das Fluc das bessere Flex? Zumindest saugt das Lokal Interessierte an Subkultur ab – das Flex bewegt sich immer mehr in Richtung Kommerz. Kanesha Shokran sieht das ganze allerdings um einiges pessimistischer:

Flex & Fluc = Fuck & Flop.  Subkultur-Einrichtungen im Etappenlauf zum Kommerz: Flex und Fluc sind beste Beispiele für das Integrationspotential des kapitalistischen Kulturbetriebs. Eine nachhaltige Gegenkultur zum herrschenden Freizeit-Kommerz ist eben nur in Verbindung mit einer antikapitalistischen Bewegung möglich. In diesem Sinn ist der Zustand der Wiener Lokalszene auch Ausdruck der Klassenkampfsituation in Österreich.

Zweite Möglichkeit der Interpretation: Das Flex hat das Fluc übernommen und startet jetzt mit einer Lokalkette in Wien – so wie das Centimeter. Gruselhaft.

Wird wohl eine gut durchdachte Kunst-Aktion sein, die für gutes Marketing sorgt. Und vielleicht will man den Kollegen vom Flex einfach mal eins auswischen.

Plakat-Graffiti: Verschönert oder beschmiert

Wie vor jeder Wahl sind auch vor der Wien-Wahl die Plakate der verschiedenen Parteien wieder durch anonyme Künstler übermalt und überklebt worden. Die Parteien wollen diese Kunstform ungefähr so gern wie die ÖBB Graffiti auf ihren Zugwaggons. Und so werden die Plakate immer schneller überklebt, um die kunstvollen Verzierungen ja nicht zu lang der Öffentlichkeit zugänglich zu lassen.

Dieses mal waren die Graffiti-Künstler nicht besonders einfallsreich. Die Wörter „Nazi“, Sau“ oder „Lügner“ auf Plakaten, alles schon gehabt. Genauso wie das gemalte Hitlerbärtchen. Nur für die Plakate von HC Strache haben sich einige besonders Eifrige ganz besondere Übermalungen einfallen lassen. Aber diese Plakate haben es auch verdient.

>>Mehr Plakat-Kunst

„Meine Wahl“ auf ATV: Stadion-Flair und starke Sprüche

ATV hat den ORF ausgebremst und für die Wien-Wahl ein neues Format ins Rennen geschickt: Die vier Spitzenkandidaten für die Wahl traten in der Stadthalle gegeneinander an, als Unterstützung kamen für jede Partei 500 Fans mit. Ein neues Format, das in den USA bestens erprobt ist – die Diskussion mit den lautstarken Fangruppen erreicht ein Flair wie eine Sportveranstaltung. Lautstarke Buhrufe, Unterstützungsgejohle und Zwischenrufe aus dem Publikum prägten die Diskussion. Das war auch für die Politiker sichtlich neu.

Kein Wunder, dass die Stimmung kocht, wurden die „Fan-Blöcke“ doch noch vor der Live-Übertragung aufgeheizt und Choreographien geprobt. Auch in den Werbepausen war es nicht ruhig in der Stadthalle: Das „Hier regiert die SPÖ“-Skandieren der roten Fans wurde von den anderen stillschweigend hingenommen. Anders als die „HC“-Rufe der FPÖ: Diese wurden mit kollektivem Ausbuhen quittiert.

Und so ließen sich die Politiker ziemlich anstacheln, es kommt teilweise zu untergriffigen Verbalattacken. So meint Strache bei der Bildungsdebatte: „Häupl versucht, Dinge schönzureden, und manchmal auch in Weinseligkeit zu ertränken“. Der Bürgermeister konterte mit der Bemerkung: „Herr Strache, warum werden Sie schon wieder persönlich?! Ich spreche auch nicht über ihre Konsumgewohnheiten.“

Die Kandidaten wollen mit Sagern punkten: Straches Vorschlag, um die Kriminalität in Wien zu bekämpfen: Die Schengen-Grenze solle immer wieder unangekündigt für zwei Tage dicht gemacht werden, „um die Gauner zu erwischen.“ Häupl versucht immer wieder, den „Wiener Schmäh“ einzubringen und „grantelt“ ein bisschen. Und auch Marek versucht ab und zu, Mundart einzustreuen, so etwa meint sie zu Häupl: „So billig kriagn Sie es oba ned.“ Häupl konzentriert sich auf Attacken gegen Strache und meint: „Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, um mit Strache zusammenzuarbeiten.“

Die Schwäche des Formats: Kräftige Sager ziehen vor Publikum einfach besser als breite Diskussionen über Themen uns provozieren zu Populismus. Und auch die Einteilung in Themenblöcke sowie die Einzelabfrage der Moderatoren an die Kandidaten tun der Diskussion nicht gut. Daran sollten die ATV-Macher noch feilen. Ansonsten aber: Eine gelungene Premiere.