„Meine Wahl“ auf ATV: Stadion-Flair und starke Sprüche


ATV hat den ORF ausgebremst und für die Wien-Wahl ein neues Format ins Rennen geschickt: Die vier Spitzenkandidaten für die Wahl traten in der Stadthalle gegeneinander an, als Unterstützung kamen für jede Partei 500 Fans mit. Ein neues Format, das in den USA bestens erprobt ist – die Diskussion mit den lautstarken Fangruppen erreicht ein Flair wie eine Sportveranstaltung. Lautstarke Buhrufe, Unterstützungsgejohle und Zwischenrufe aus dem Publikum prägten die Diskussion. Das war auch für die Politiker sichtlich neu.

Kein Wunder, dass die Stimmung kocht, wurden die „Fan-Blöcke“ doch noch vor der Live-Übertragung aufgeheizt und Choreographien geprobt. Auch in den Werbepausen war es nicht ruhig in der Stadthalle: Das „Hier regiert die SPÖ“-Skandieren der roten Fans wurde von den anderen stillschweigend hingenommen. Anders als die „HC“-Rufe der FPÖ: Diese wurden mit kollektivem Ausbuhen quittiert.

Und so ließen sich die Politiker ziemlich anstacheln, es kommt teilweise zu untergriffigen Verbalattacken. So meint Strache bei der Bildungsdebatte: „Häupl versucht, Dinge schönzureden, und manchmal auch in Weinseligkeit zu ertränken“. Der Bürgermeister konterte mit der Bemerkung: „Herr Strache, warum werden Sie schon wieder persönlich?! Ich spreche auch nicht über ihre Konsumgewohnheiten.“

Die Kandidaten wollen mit Sagern punkten: Straches Vorschlag, um die Kriminalität in Wien zu bekämpfen: Die Schengen-Grenze solle immer wieder unangekündigt für zwei Tage dicht gemacht werden, „um die Gauner zu erwischen.“ Häupl versucht immer wieder, den „Wiener Schmäh“ einzubringen und „grantelt“ ein bisschen. Und auch Marek versucht ab und zu, Mundart einzustreuen, so etwa meint sie zu Häupl: „So billig kriagn Sie es oba ned.“ Häupl konzentriert sich auf Attacken gegen Strache und meint: „Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, um mit Strache zusammenzuarbeiten.“

Die Schwäche des Formats: Kräftige Sager ziehen vor Publikum einfach besser als breite Diskussionen über Themen uns provozieren zu Populismus. Und auch die Einteilung in Themenblöcke sowie die Einzelabfrage der Moderatoren an die Kandidaten tun der Diskussion nicht gut. Daran sollten die ATV-Macher noch feilen. Ansonsten aber: Eine gelungene Premiere.

2 Kommentare

  1. Ein reines Verdummungsformat. Oder wie Hubert Sickinger es auf den Punkt brachte: „das Gegenteil eines rationalen Austauschs von Argumenten. Eher der Alptraum unmittelbarer Stimmungsdemokratie.“

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