„Dönerwetter“: Die Botschaft des türkischen Botschafters


Eine „Welle der Empörung“ sieht die „Krone“. Und kraft ihrer von Gott verliehenen Macht will sie den türkischen Botschafter entfernt sehen. Durchs ganze Blatt wird Stimmung gegen Kadri Ecved Tezcan gemacht. Und die ZiB2 macht ihren Beitrag gar mit „Dönerwetter“ auf. Was ist passiert? Ein türkischer Diplomat hat einmal gar nicht diplomatisch agiert und offen, in einem Interview für die „Presse“, seine Meinung gesagt.

In einem Rundumschlag fand Tezcan scharfe Worte für Österreichs Ausländerpolitik. Um alle Zusammenhänge richtig zu deuten und keinen Verkürzungen auf den Leim zu gehen, muss man schon mal das Interview ganz durchlesen.

Die Kurzkurzfassung: Es sei unglaublich, dass Integration Sache von Innenministerin Maria Fekter sei, die sich übrigens in der falschen Partei befinde. Den Österreichern attestierte er, kein Interesse für fremde Kulturen zu haben. Auch mit den Türken in Wien ging Tezcan ins Gericht, kritisierte ihre mangelnden Deutschkenntnisse. Doch über die Inhalte seiner Kritik wollte einen Tag nach dem Interview keiner mehr sprechen. Der türkische Diplomat hatte in ein Wespenloch gestochen.

Der Außenminister sprach davon, dass hier „dem Faß der Boden ausgeschlagen“ worden sei, dass Österreich beleidig worden sei. Warum? Weil ein Botschafter noch nie in solcher Klarheit und Schärfe die Integrationsprobleme angesprochen hat. Das darf man nicht, da wird sofort abgeblockt. Noch dazu ist die Kritik von einem Türken gekommen. Das darf nicht sein.

Integrationspolitik in Österreich wird so behandelt wie Medienpolitik: Es passiert nichts. Noch schlimmer: Die Politiker fürchten sich, Maßnahmen zu setzen, sie fürchten sich, dass sie damit der FPÖ „in die Hände spielen. Die Populisten spielen das Ausländerthema natürlich strategisch voll aus. Mit Erfolg.

So beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Aus Angst wird das Thema nicht angesprochen, aus Angst wird nicht auf Ängste der Bevölkerung eingegangen. Nehmen wir doch die Aussagen des türkischen Botschafters zum Anlass, einmal nachzudenken. Und zu handeln. Denn: Die Ängste sind unbegründet.

Aber: So ist es oft mit Wahrheiten, sie sind unangenehm.

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