„twentytwenty“: Sensoren und Relevanz im Jahr 2020 – und wie war das mit der Qualität?


Da hab ich mich doch glatt zu einer Veranstaltung begeben, bei der etwas „nerdig“ über die Zukunft des Social Web diskutiert worden ist. Mit interessanten Ansätzen:

„We ProdUSE“ – das war das Motto der zweiten Veranstaltung von „twenty.twenty – Exploring the Future“. Dabei wurde bei einer Podiumsdiskussion die Frage behandelt: „Wir sind Medium! Shameless Self Promotion oder Grundlage für eine pluralistische Informationslandschaft?“ Die Diskussion sollte sich um Medienproduktion und Mediennutzung im Jahr 2020 drehen, was nicht ganz gelang: Der Großteil der Ausführungen wurde dem Thema Qualität versus Relevanz im Internet gewidmet.

Der sensorbestückte Ganzkörperanzug

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Anton Waldt, Chefredakteur von De:bug – Magazin für elektronische Lebensaspekte. Sein Statement zum Thema „Gefühlsausbrüche im Social Web“: Ihm schwebt für die Zukunft ein sensorbestückter Ganzkörperanzug vor, Sensoren sollen das „liken“ von heute ersetzen. Diese Sensoren werden laut seiner Voraussage nicht nur die Umgebung scannen, sondern auch Körperwerte. Und das würde eine Bewertung von Beiträgen durch Gefühle ermöglichen. Nicht nur im Publikum, auch am Podium war man mit seinen Ausführungen aber nicht ganz einverstanden.

Ob das ganze dann so aussehen wird wie auf diesem Bild? Oder werden wir weitergehen und Sensoren direkt am Körper einbauen? Nicht bös sein, aber das ist ja doch ein bisschen gruselig…

In diese Kerbe schlug dann auch Ritchie Pettauer, Veranstalter des World Blogging Forums in Wien. Er warnte vor einer Dominanz der Technik. Denn: Es sollte noch immer eine Dominanz des Menschen geben. Konter von Waldt: Er plädierte für einen spielerischen Umgang mit neuen Technologien.

„Gatsch auf niedrigem Niveau“

Dann drehte sich das Thema auf Qualität im Internet: Anneliese Rohrer, Vollblutjournalistin und Bloggerin auf DiePresse.com, outete sich als „zweifache Facebookerin“. Aber: Im Social Media-Bereich werde viel „Gatsch auf niedrigem Niveau“ produziert.

Dieser Gatsch, aber dazu später noch mehr, wird von uns allen produziert. Mit Tweets, Statusmeldungen und öffentlichen Gesprächen. Wichtig ist hier, das Relevante herauszufiltern. Wie gesagt, dazu mehr später.

Robert Misik, Publizist und Videoblogger, ortete eine Veränderung der Medien im Internet. Er sieht eine Entwicklung zu einer „dialogischen Form der Medien“. Und das werfe immer mehr die Frage auf: Wer sind die Autoren? In den ökonomischen Medien wird die Frage des Autors wichtiger: Die Messbarkeit der Zugriffe fördere das „Starwesen“ im Journalismus. Die Messbarkeit mache aber auch jeden Twitterer zum Producer: „Wenn mein Tweet retweetet wird, weiß ich mehr über die Verbreitung, als ein Leitartikelschreiber vor 20 Jahren.“

Anneliese Rohrer wiederum will das Thema Qualität im Journalismus auf einer persönlichen Ebene angehen: „Seit  20 Jahren wird die Krone verantwortlich gemacht für schlechte Qualität. Es geht aber um die eigene Wachsamkeit.

„Facebooker“ sind keine Verlagshäuser

Qualitätsstandards wie im Journalismus könne man aber nicht überall drüberstülpen, so Pettauer:  Die Statusupdates auf Facebook und Co seien nicht vergleichbar mit redaktionellen Beiträgen, weil diese ein Gespräch sind. Und die „Facebooker“ seien doch keine Verlagshäuser, die man mit Qualitätskriterien überziehen könne. Überhaupt sei Facebook ein „großes Vergessensmanagment“, weil es keine Suchfunktion gibt und „alles wieder verschwindet.“

Doch geht es überhaupt um Qualität, sondern viel mehr um die Relevanz im Social Media Web? Twitterer „Luca“ aus dem Publikum merkte an, dass er über sein Netzwerk Meldungen selektiere und selektieren lasse. Misik dazu: „In einer Welt, in der wir von Medien umstellt sind, sind wir auch modelliert von den Medien.“ Und wer strukturiert Informationen: Algorithmen, das soziale Umfeld – und noch immer die Redakteure. Daran wird sich wohl auch im Jahr 2020 noch nichts geändert haben.

Auch veröffentlicht auf DiePresse.com

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