Monat: Januar 2011

Tirol isch lei oans

Kurzausstellung im Wiener WUK von God’s Entertainment: „Tirol isch lei oans“. Wenige, aber spektakulär große Fotos, die das traute Landleben in Tirol enttarnen sollen. Die Enttarnung findet allerdings auf der Schockebene statt: Das sieht man einen Pfarrer, der sich neben der Kirche am Ministranten vergeht, dort den Zivildiener bei der Rettung, der sich Heroin einschießt. Oder eine Schockebene höher den Bauer, der ein Schaf schändet. Andere Arbeiten regen wieder zum Schmunzeln an, wie der betrunkene Postler, der bei jedem Hof einen Schnaps bekommt („Jeder kennt ihn, den betrunkenen Postmann. Er ist immer dicht.“), die schwulen Fußballer unter der Dusche oder das Bild mit dem Namen „Schilehrer fickt russische Schiurlauberin“.

Launische Bildbeschreibungen sind auch inkludiert. Zum Schilehrer: „Dieser Tiroler Macho bekommt sie alle. Tag für Tag und überall. Auf der Schihütte, in der Toilette, im Auto, neben der Schipiste als schneller Quickie. Er hat das schifahren erfunden und die Liebe ohne Erinnerung.“

Wie wird die Ausstellung durch die Künstler selber definiert?

Xenophobie, Potenzneid, Nationalbewusstsein, Familienehre, Homophobie, Machostyle, Sodomie, Pädophilie, Freiheit, Macht und vor allem Vertrauen durch die Provinztätigkeit werden zur Handlung.

Das inszenierte Fotosetting führt zur Parodie: Vertraue niemals einem Menschen, der schlecht über sein eigenes Land redet. Um die gesamten Porträts bzw. das Klischee des provinziellen Lebensstils, des Stolzes, durch einschlägige Tätigkeiten zu erreichen, wird dies mittels Stereotypen der Region dargestellt. Damit wird auch die Definition der Lokalpatriotie unmittelbar erfühlt: Patriotismus ist das, was ich jeden Tag tue.

Die Ausstellung will die wahre Realität zeigen: „Alle Bilder entsprechen der Wahrheit, einer Realität, welche in der Provinz immer wieder vermieden wird. Die Bilder übermitteln eine Reihe von Tabuthemen, mit welchen sich die ansässige Bevölkerung selbst nicht konfrontieren will bzw. darüber schweigt.“ Das wird hier mit der Holzhammer-Methode probiert, nicht der Geschmack für jedermann. Demonstrationen gegen die Arbeiten sind mir bisher aber nicht bekannt. Die Arbeiten wenden sich gegen jede Form der Tradition, gegen Vaterland, Kitsch und Religion, sprengen alle Klischees (wie die „Piefkesaga“, nur noch brutaler). Und: Sie sind top-professionell produziert. Hyperrealistisch.

Die Überzeichnung führt einige Bilder leider etwas ins Lächerliche. Und manches wirkt auch relativ geschmacklos. Ein Ansatz, Traditionen zu brechen, kann erkannt werden, wiewohl: Werden Traditionen mit dem Holzhammer gebrochen? Im Großen und Ganzen kann die Ausstellung auch nur zum Nachdenken anregen.

Die Bilder wurden übrigens fast ausschließlich in Osttirol gemacht. Und die Ausstellung ist leider schon geschlossen. Hier gibts aber alle Informationen darüber. Interessant: Die Schau wurde auch schon in London und Prag gezeigt.


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Sprich wörtlich!

Heute bin ich mit einem Sprichwort konfrontiert worden und dachte an die Bedeutung, den Ursprung und den Sinn solcher Sinnsprüche.

Definieren wir einmal, worüber wir sprechen:

„[Ein Sprichwort ist ein] allgemein bekannter, fest geprägter Satz, der eine Lebensregel oder Weisheit in prägnanter, kurzer Form ausdrückt“

Wolfgang Mieder, Sprach- und Literaturwissenschaftler

Mich bringt das jetzt nicht weiter. Sind Sätze wie „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur“ oder „Hier läuft die Arbeit nicht vom Band, wir schaffen noch mit Herz und Hand“ wirklich Weisheiten, gar Lebensregeln? Manche Sprichwörter sind vielleicht nur oberflächlich weise. Vielleicht kann man sich hier aber in gereimter Form ein Quäntchen an Weisheit aneignen. Aber jeder muss für sich selbst seine ganz persönlichen Lebensrechte Lebensregeln definieren. Früher oder später. Und man kann sich da nur ein bisschen an den allgemeinen orientieren. Aber die Arbeit bleibt einem trotzdem nicht erspart. Man muss seinen Wortschatz finden.

Wer diese Frage wissenschaftlich erörtern will, dem sei diese Diplomarbeit ans Herz gelegt.

In einem der letzten „Presse“-Schaufenster-Ausgaben wurden unter dem Titel „Spruchreif „Lebensweisheiten von jungen Schriftgestaltern ins Jetzt geholt. Zwei davon siehe unten.

Verbote verboten!

Hubschrauber verboten! Schlafen verboten! Dislike verboten! Pistolen verboten! Frauen verboten! Wegwerfen verboten! Rollstuhl verboten! Stöckelschuh verboten! Fastfood verboten! Auto verboten! Militär verboten! Schmusen verboten! Schiliftfahren verboten! Fotografieren verboten! Schlafen verboten! Pfefferoni verboten! Baby verboten! Bombe verboten! Jonglieren verboten! Musik verboten! Feuer verboten!

Verbieten wir die Verbote!

Das Architekturzentrum Wien versucht eine Annäherung an das überstrapazierte Thema „Öffentlicher Raum“.

Anschauen verboten!

Grasser-Protokolle als Vorlesung: „Wos woa mei Leistung?“

Überfüllt war er, der altehrwürdige Audimax. Nach der Veröffentlichung der Abhörprotokolle von Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und Co im Rahmen der Buwog-Affäre konte man dieses Thema nun im Rahmen einer „Vorlesung“ der Fakultät für Rechtswissenschaften genießen. Und niemand geringere als Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer trugen vor.

Da eine Vorlesung kein Medium sei, gelte für die Veranstaltung das Medienrecht nicht, begründete Dekan Heinz Mayr Rechtmäßigkeit der Auswahl des Vorlesestoffs.
Dies sei freilich für die Berichterstattung darüber in Text, Bild und Ton anders, weswegen er die zahlreichen im Saal anwesenden Journalisten vor Veröffentlichungen warnte: „Das kann sie bis zu 100.000 Euro kosten!“ Wir gehen dieses Wagnis ein. An dieser Stelle muss ich um freiwillige Spenden bitten, sollte an mich mit solchen Forderungen herangetreten werden.

Viel Prominenz war im Saal – am interessantesten war dass auch Grasser-Anwalt Manfred Ainedter und sein Kollege Michael Pilz, der Rechtsvertreter des von Grasser im Zuge der Buwog-Affäre geklagten ehemaligen Kabinettsmitarbeiters Michael Ramprecht, im Publikum saßen. Rechtsbeistand muss eben sein. Die öffentliche Verlesung der Protokolle beurteilte Ainedter als „kabarettistisch hochwertig, aber rechtlich bedenklich. Die Causa Grasser verkommt immer mehr zur Posse.“ Keine Frage, wer die Causa zur Posse gemacht hat. Fragen wir vielleicht bei #grassermovies nach.

Die drei „Gastprofessoren“ lasen mit verteilten und immer wieder wechselnden Rollen nicht nur aus den Telefonprotokollen von Gesprächen von Walter Meischberger, Ernst Karl Plech und Karl-Heinz Grasser, sondern auch aus den Tagebüchern Meischbergers. Was dabei sofot auffiel: Wenn diese Gespräche vorgelesen und nachgestellt werden, wirken sie noch skurriler. Nein, noch ärger: Man erkennt, wie dumm und patschert im negativen Sinn die beteiligten Protagonisten vorgingen.

Den größten Lacher erzielte der bereits bekannte Sager „Was woa mei Leistung?“, der vom Kabarettisten-Trio in einer schier unglaublichen Dramaturgie wie ein Abschlussgag eines Sketches gebracht wurde.

Conclusio: Ein gelungener Abend mit Einblick in die Netzwerke hinter der österreichischen Politik. Präsentiert mit einem Augenzwinkern, doch nicht außer acht lassend, dass es sich hier um ein sehr ernstes Thema handelt. Für alle, die keinen Platz mehr im Audimax gefunden haben: Die „Vorlesung“ wird am 31. Jänner wiederholt.

>>Alle Fotos gibt es HIER

Supernackter Grasser

Der „beste Finanzminister aller Zeiten“, Karl-Heinz Grasser, trat in dieser Woche in der ZIB2 bei Lou Lorenz auf, um seine Weste wieder einmal reinzuwaschen. Wer die Sendung verpasst hat, hier kann sie nach-gefernseht werden.

Einmal abgesehen vom Geschwätz, für das Grasser schon bekannt ist hat er sich dann auch noch verhaspelt, dass ja jeder seine Wörthersee-Villa mieten könne – was ein Kollege dann auch relativ erfolglos probiert hätte.

Bald tauchte in der Wiener „Twitteria“ die Forderung auf, man möge dieses Interview doch zur allgemeinen Abschreckung als DVD herausbringen – und sofort wurde ein Titel gesucht. Vom Hashtag #KHGaufDVD ausgehend entwickelte sich der Hashtag #grassermovies zur wahren Initialzündung. Hunderte, tausende Twitter-User wandelten Filmtitel im grasserschen Sinne um und verBUWOGTen Serientitel. Eine Post-Lawine kam ins Rollen, von der auch der bekennende Twitterer Armin Wolf meinte, dass er in zwei Jahren auf Twitter noch nie so viel gelacht habe.

Und wirklich – es handelt sich hier um eine politische Manifestation über das Internet, die ihresgleichen sucht. Protest mit großem Spaß-Faktor.

Übrigens: Drei Tage später ist die „Tageszeitung“ „Österreich“ auf den Hype aufmerksam geworden. Und – wie sollte es anders sein – das Halbzeit-Gratisblatt ist sich nicht zu blöd, die Geschicht umzuschreiben. Der Hype wurde – eh klar – von Chefredakteur Fellner persönlich ausgelöst. Durch sein Interview mit KHG. Selbstüberschätzung trifft Größenwahn.

Eine Übersicht über alle #grassermovies-Beiträge gibt es hier und hier.

Hier ein kleines Best-Of der #grassermovies, garniert mit den besten Bildern, die nebenbei auch noch produziert wurden und auf twitpic herumkursieren:

  • „Spiel mir das Lied von der Unschuldsvermutung“
  • „The Good, the Bad and the Supersauber“
  • Das doppelte KOMPLottchen
  • „Der buwogte Mann“
  • „Der Föhnfrisurenreport 2000 – 2011“
  • „The Big Swarovski“
  • „Ey Mann, wos woa mei Leistung?“
  • „Das Schloß am Wörthersee“
  • „Full Meinl Jacket“
  • „Grasserblanka“
  • „Buwog Millionaire“

Pensionator terminiert Nacktinator

Boulevard in Reinkultur – das hat die „Tageszeitung“ „Österreich“ am Sonntag wieder mal geboten. Ungeniert wandelte man Terminator zuerst von Governator auf Pensionator. Um einige Seiten weiter den Herminator zum Nacktinator zu machen. Ich gebe zu, ich hab geschmunzelt. Lauthals sogar.

Wobei ich mir unter Pensionator eher so ein Kaliber wie den Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer vorstelle, der mit eiserner Faust die Pensionisten beschützt. In heiliger Dreifaltigkeit mit den Pensionistenvertretern Andreas Khol und Charly Blecha. Und unter Nacktinator – stell ich mir jetzt mal gar nichts vor. Hier endet meine Phantasie.

Großes Schmunzeln in dieser „Österreich“-Ausgabe auch über die Kurzmeldung: „Italien: 700 Turteltauben fielen tot vom Himmel“. In meiner Vorstellung hats da 350 Liebespärchen auf den Boden geprackt. Eine kurze Google-Suche hat aber den Verdacht der Zeitungsente entkräftet. Es gibt wirklich die Taubenart Turteltauben. So ein Turteltäubchen.

Schmunzeln mit Glück

Ein Tipp für Schnellentschlossene: Nur mehr bis Sonntag, 9. Jänner, läuft im Wiener Museumsquartier die Schau „Ein Glück für die Kunst – Cartoons aus dem Leben von Munch, Miró und Co“. Wer bei Karikaturen auf die feine und kunstsinnige Klinge steht, wird mit Gerhard Glück, der unter anderem in der „Zeit“ und in „Cicero“ veröffentlicht, seine wahre Freude haben. Und es ist ein Fest, die Ausstellungs-Besucher zu beobachten, die mal leicht schmunzelnd, mal laut herauslachend vor den Exponaten verharren, teils mit Tränen (des Glücks im wahrsten Sinne des Wortes) in ihren Augen.

Van Gogh trifft Munch trifft Picasso trifft Dürer.

Kunst trifft Cartoons trifft Karikatur trifft Glück. Ein Glück.

Bei den Bildern hat sich übrigens ein Groening statt Glück eingeschlichen – aber der Vergleich ist einfach so schön.

Smetana nimmt am Mittellauf der Moldau eine Hörprobe

Smetana nimmt am Mittellauf der Moldau eine Hörprobe

Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen!

Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen!

Ortrud Schweigert nach dem Besuch des Munch-Museums

Ortrud Schweigert nach dem Besuch des Munch-Museums

(c) Matt Groening. Dieses Puzzle ist jahrelang bei mir im Wohnzimmer gehängt.

(c) Matt Groening. Dieses Puzzle war jahrelang der Blickfang in meinem Wohnzimmer.