Kraft frei: Stoßende, Reissende Ballgesellschaft


„Kraft frei“ ist der Leitspruch der Wettkampfgemeinschaft Arge/Hermann – hier wird Stoßen und Reissen großgeschrieben. Der Gewichtheber-Sport wird verteidigt:

Mit den früheren Vorurteilen, dass Gewichtheber füllige, unbewegliche Kolosse seien, ist in den letzten Jahren schon fast völlig aufgeräumt worden. Der moderne Athletentyp verkörpert den durchtrainierten, beweglichen, elastischen und auch schnellen Sportler, der zwar über eine sehr gute Muskelentwicklung verfügt, aber doch im Anzug beispielsweise fast schlank wirken kann.

Zum vollkommenen Aufräumen von Stereotypen über die „Stemmer“ gibt es den Gewichtheberball (im Volksmund „Stemmerball“ im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz. Die Graue Eminenz hat sich sagen lassen, dass der Ball seit Jahren legendär ist. Darum wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Und es war verblüffend. Ein Ball mitten in Wien, der abläuft wie ein Feuerwehrball am Land. Mit dem großen Unterschied, dass es nicht um 3 Uhr früh die unausweichliche Schlägerei in der Schnapsbar gibt. Hat aber nicht weiter gefehlt.

Schon allein die Atmosphäre im Schutzhaus ist ja legendär. Ein bisschen Wiener Mief, ein bisschen Altwiener Wirtshausatmosphäre, ein bisschen Nostalgie und viel Vereinsmeierei.

Begonnen wird der Ball mit einem Stemmer-Wettkampf. Die Gewichte werden hochgerissen und -gestoßen und mit großem Krach werden sie von ganz oben auf die Bühne fallen gelassen. Nach der Siegerehrung beginnt die Tanzveranstaltung: Stimmungsmusik wie auf einem Landball. Vom „Stern, der deinen Namen trägt“ bis „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Kurz vor Mitternacht der Höhepunkt der Ballnacht: Die Athleten werfen sich von der hautengen Stemmerkluft in die Netzstrümpfe: Bei der Playbackshow treten die Stemmer als „Dr. Frank-N-Furter“, Tina Turner oder Blues Brothers auf. Den Auftritten ist eine gewisse Komik nicht abzustreiten. Und nicht umsonst setzen sich vom Publikum Tanzschlangen in Bewegung, mit dem Ziel, die Bühne zu entern und mit den stemmenden Entertainern auf den selben Brettern zu stehen.

Ein gelungener Abend, ein etwas anderer Ball. Wobei ich mich doch noch immer frage: Wo ist der Unterschied zu einem Ball in der Provinz? Positiv vermerkt sei hier: Keiner hat sich so wichtig gemacht, wie es bei Bällen am Land sonst üblch ist. Wahrscheinlich dreht sich hier alles mehr um den Wiener Schmäh, es wird weniger gestänkert. Oder ist das nur deshalb, weil man fürchtet, dass sich dann die starken Stemmer bei einem Gerangel einmischen?

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>>Und hier, verehrte Gewichtheber-Freunde, gibts die offiziellen Fotos

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