Burgtheater: Element of Crime portioniert


Das zweite Konzert der Burgtheater-Konzertschiene „Burg in Concert“ wurde zum wahren Höhepunkt: „Element of Crime und Freunde“ – so war der Abend angekündigt. Wer dabei an eine Jamsession von miteinander befreundeten Gruppen glaubte, irrte jedoch gewaltig. Ganz im Gegenteil durften die „Freunde“ der Band um Sven Regener zwischen den portionierten Auftritten der routinierten Band spielen – und es wirkte so gar nicht, als ob alle Bands wirklich befreundet wären. Bei der Auswahl der Band dürfte der ORF-Jugendsender FM4, der das Event live übertrug, auch einiges mitgeredet haben. Denn wer kam nach einem furiosen ersten Teil der „Hauptband“ auf die Bühne: Florian Horvath. Ja, richtig gelesen. Der von FM4 seit Jahren gehypte Newcomer, der es leider noch immer verabsäumt hat, Gesangsunterricht zu nehmen. Wer waren die anderen „Freunde“? Das Grazer Trio „The Base“ mit einem explosiven Auftritt des Sängers mit der sonoren Stimme, unter anderem unterstützt von Michael Ostrowski, der einen Song aus seinem Film „Contact High“ zum besten gab und dafür vom Publikum bejubelt wurde. Auch unter den Gästen: Maike Rosa Vogel aus Berlin, eine Folksängerin, die nach eigenen Angaben das erste mal in Wien war. Und: „Garish“, die ihre Songs ganz aufs Burgtheater abgestimmt hatten – ruhige Songs mit Gefühl und mehrstimmigen Chören.

Jetzt aber endlich zu den Helden des Abends: Das Konzert von Element of Crime im Burgtheater war ja innerhalb von knapp einer Stunde restlos ausverkauft. Und die Band konnte das Publikum überzeugen. Sie vermitteln Melancholie, sie vermitteln Romantik, sie vermitteln immer auch ein bisschen Nostalgie und Schwermut. Und das ganze ausgeklügelt dargeboten mit behutsamen Gitarrenklängen, weichen Geigensätzen und schmetternder Trompete.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Kopf aus dem Fenster“ vom letzten Album. Gefolgt vom gefühlvollen Song und Top-Anwärter auf einen Klassiker mit dem Namen „Am Ende denk ich immer nur an dich“. Im ersten Teil schwenkte die Band noch vom beschwingten Opener zur Ballade, im Gegensatz dazu wirkte dann jeder neue Akt der Mannen um Sven Regener wie durchkomponiert: Ein beschwingter Akt mit schnellen Gitarrenriffes und röhrender Trompete, auf den jeweiligen Auftritt von „Freunden“ folgte dann ein gefühlvoller Akt.

In den Texten von Sven Regener kann man sich sehr oft wiedererkennen. Es geht oft um Verlorenes, um die Suche nach etwas Verlorenem, es geht oft um Liebeserklärungen, die zu spät kommen, die sich nur mehr in einem Meer von Melancholie wiederfinden. Denn: „Am Ende denk ich immer nur an dich.“ In diesen Texten fühlt sich der Wiener natürlich wohl. Und man fühlt sich gern angesprochen, wenn Regener singt: „Da wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.“ Weil das ist ja noch immer Wien.

Vielleicht der Höhepunkt des Konzerts: Ein Cover von Bob Dylans „It’s all over now, Baby Blue“ – denn dieser Song bringt die melancholische Grundstimmung von Element of Crime auf den Punkt. Zum Abschluss mit „Delmenhorst“ rief Sven Regener das Publikum auf, sich in Tanzposition zu begeben und die Plüschsesseln des altehrwürdigen Burgtheaters zu verlassen. Nach lautstarkem Jubel und Standing Ovations folgte noch eine überraschende Zugabe: „You only tell me you love when you’re drunk“ von den nicht gerade artverwandten Pet Shop Boys. Ein würdiger Konzert-Abschluss.

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