Monat: Oktober 2011

Mikl-Leitner: „Wehrpflicht gut für junge Leute“

Johanna Mikl-Leitner erklärt im Interview, dass die Wehrpflicht ein gutes Rüstzeug für den Beruf sei. Und warum ihr Kabinettschef ihr volles Vertrauen genießt.

Haben Sie einen Bundestrojaner oder nicht?

Johanna Mikl-Leitner: Wir haben viel technisches Equipment, das uns bei Ermittlungsarbeiten nützlich ist – worüber wir aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben können. Aber wir agieren ausschließlich im Auftrag der Staatsanwaltschaft.

Können Sie ausschließen, dass ein Bundestrojaner eingesetzt wurde?

Ich schließe aus, dass wir etwas Ungesetzliches machen. Wir haben einen ständigen Unterausschuss zum Innenausschuss, der unter strikter Geheimhaltung tagt. Dort sind sind wir verpflichtet, Informationen zu geben, ob das Thema des nächsten Ausschusses sein wird, weiß ich nicht.

Jetzt schon. Bernd Christian Funk, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Online-Durchsuchung, meint, dass das Eindringen in Computersysteme bisher nicht gedeckt sei und es daher einer gesetzlichen Regelung bedarf. Wäre eine Regelung nicht besser?

Meine Aufgabe als Sicherheitsministerin ist es, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Sicherheitsbehörden jene Instrumentarien zur Hand haben, die sie brauchen. Im internationalen Vergleich sehen wir, dass wir uns auf einem äußerst niedrigen Niveau befinden. Man braucht sich nur den Fall Brejvik in Norwegen ansehen, wir wären nicht in der Lage gewesen, irgendwelchen Informationen nachzugehen, weil wir die Befugnis dazu nicht haben. Deshalb ist auch das Anti-Terror-Paket so wichtig.

Herrn Brejvik hätte man auch mit dem neuen Anti-Terror-Paket nicht erwischt.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber unsere Aufgabe ist die, dass wir rechtzeitig Gefahren erkennen und versuchen, sie abzuwenden.

Ist das Thema Wehrpflicht für Sie erledigt?

Das Thema ist keinesfalls erledigt. Als Staatsbürgerin und Mutter glaube ich, dass die Wehrpflicht ein gutes Instrumentarium für junge Leute ist: Sie ist ein wichtiges Rüstzeug – für den Beruf aber auch das soziale Verhalten in Vereinen. Es geht darum die jungen Menschen nicht zu reinen Nehmern zu erziehen, wie es die SPÖ gern hätte. Außerdem sollte unserer Meinung nach ein Teil der Grundausbildung dem Thema Cyber-Security gewidmet werden.

Sie können doch nicht ernsthaft die Wehrpflicht mit Cyber-Security argumentieren?

Ein Teil der Wehrpflicht ist die Grundausbildung, die so angelegt sein muss, dass sie zu einem Mehrwert für die Menschen und die Republik wird. Cyber-Security interessiert nicht nur das Innenministerium. Cyber-Security interessiert auch die Wirtschaft. Es wird keiner darum herumkommen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wenn die Wehrpflicht zur Berufsausbildung wird, müssten das Frauen auch machen.

Jede Frau hat die Möglichkeit, wenn sie will, zum Bundesheer zu gehen.

Nicht zum Präsenzdienst.

Aber freiwillig.

Das Interview wurde gemeinsam mit Rainer Nowak geführt und ist in „DiePresse/Sonntag“ vom 30. Oktober erschienen.

Das „Profil“ hat einen „Staatskomplott“ in Ihrem Haus geortet. Hier dürfte einiges schieflaufen, um es höflich zu formulieren. Wie kann es etwa sein, dass der ehemalige Kabinettsmitarbeiter Ernst Strassers, Christoph Ulmer, karenziert ist und zeitgleich einen Beratungsvertrag hat: Das ist absurd.

Zu den Karenzierungen in Ministerien hat man sich in den letzten Jahren klar bekannt: Es bringt einen Mehrwert für alle Betroffenen, wenn Beamte für eine Zeit lang in die Wirtschaft gehen.

Nur dürfte Herr Ulmer nicht in die „Wirtschaft“ gegangen sein, sondern nun in einer Firma sitzen, deren Auftraggeber sein alter Arbeitgeber ist: das Innenressort.

Das Innenressort ist nur einer von vielen Kunden. Und: Mit dieser Firma, die Sie ansprechen, hat es geschäftliche Beziehungen gegeben, lange bevor Ulmer eingestiegen ist. Da gab es seitens meiner Vorgänger Aufträge, da gewisse Marketingtätigkeiten ausgelagert werden müssen. Das ist auch in anderen Ressorts so üblich.

Der Auftrag wurde nicht ausgeschrieben.

Sie reden jetzt von dem Beratungsvertrag mit Headquarter (In dieser Agentur arbeitet Ulmer, Anm.). Dieser wurde von meiner Vorgängerin in Auftrag gegeben. Hier gibt es jetzt einen Rechtsstreit. Ich habe keinen Grund an der Rechtmäßigkeit des Vertrages zu zweifeln, aber aus Gründen der Sorgfalt habe ich veranlasst, dass dieser Vertrag bis zur Klärung ruhend gestellt wird.

Dass die Optik schlecht ist, wenn sich ein Beamter karenzieren lässt und dann fürs Innenministerium arbeitet, sehen Sie schon.

Es ist ruhend gestellt.

Ihr Kabinettschef soll in einem Gespräch mit Telekom-Mitarbeitern rund um die Affäre um offensichtliche Schmiergeldzahlungen gefordert haben, eine der ÖVP nahestehende Person nicht in den Vordergrund zu stellen.

Der Kabinettschef arbeitet hier seit Jahren und macht einen hervorragenden Job. Er bestreitet diese Vorwürfe, und er genießt mein Vertrauen. Das Wort liegt bei der Staatsanwaltschaft. Ich warte auf die Ergebnisse.

Warum spricht ein Kabinettschef mit Telekom-Leuten über Medienpolitik…

Wie gesagt, ich vertraue ihm – die Staatsanwaltschaft ist am Zug.

Fällt Ihnen nicht auf, dass immer eine bestimmte Gruppe, die im Innenressort und im Umfeld Ernst Strassers arbeitete, so auffällt. In anderen Ressorts gibt es das nicht.

Mir fällt auf, das Angriffe auf das Innenressort gern zur eigenen Profilierung genutzt werden. Zur Causa Strasser: Es gibt keine Sippenhaftung.

Ist wer verwandt? Noch einmal: Solche Vorwürfe gibt es weder im Wirtschafts- noch im Finanzressort? Warum bei Ihnen?

Ich beurteile Mitarbeiter immer nur nach ihrer Leistung.

Am 31.Oktober ist Weltspartag und Halloween: Was feiern Sie?

Beides. Meine Kinder gehen zu unserer Hausbank und lassen ihr Sparschwein leeren. Ab 18 Uhr bin
ich zu Hause und feiere in Klosterneuburg Halloween. Ich gehe persönlich mit meinen Kindern von Haus zu Haus.

Verkleidet?

Nein.

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Schreiben wie auf der Orgel

Für die einen ist sie ein Kultobjekt, die anderen können einfach die Finger nicht von ihr lassen: Die Schreibmaschine wird sich dem Computer nie ganz geschlagen geben.

Früher war es das akustische Wahrzeichen vieler Redaktionen und Schreibstuben: das typische Klappern der Schreibmaschinen. Heute hingegen holt man sich keine schwarzen Finger vom Farbband mehr oder entwirrt fluchend die ineinander verhakten Hämmerchen der mechanischen Maschine. Und statt mit Tipp-Ex die Fehler auf dem Papier zu überpinseln, drückt man in den heutigen Textverarbeitungsprogrammen einfach die „Delete“-Taste.

Doch die alte Schreibmaschine findet ständig neue Freunde. Laut Michael Schilhan, dessen Leidenschaft und Beruf der Erhalt mechanischer Schreibmaschinen ist, erleben die Maschinen von Olivetti, Triumph, Olympia und Co. derzeit eine wahre Renaissance. Eine Weile konzentrierte sich diese Begehrlichkeit auf Schreibmaschinen, die zwischen 60 und 80Jahre alt sind. „Momentan ist bei den jungen Leuten aber vor allem das 1970er-Jahre-Design sehr beliebt“, meint Schilhan. Sein Betrieb in Wien besteht seit 80Jahren, er übt die Profession bereits in vierter Generation aus. Die Berufsbezeichnung hat sich allerdings angepasst: Aus dem Schreibmaschinenmechaniker wurde Schritt für Schritt der Büro- und Kommunikationstechniker.

Schilhan hat sich darauf spezialisiert, Schreibmaschinen instand zu setzen, die vor Jahrzehnten gekauft, jedoch nie verwendet wurden: „So kann ich meinen Kunden eine 80Jahre alte Schreibmaschine neuwertig anbieten.“ Er glaubt, dass ein Umdenken eingesetzt hat: „Früher wurden auch die kleinsten Sätze mit dem Computer geschrieben. Jetzt durchschauen die Kunden, dass das hohe Kosten verursacht und nicht effizient ist.“

>>Erschienen in „DiePresse/Sonntag“ am 30. Oktober 2011

So richtig in die Tasten hauen. Für Bianca da Luz, 27-jährige Studentin in Wien, zählen andere Argumente: „Ich mag es einfach gerne, ab und zu einmal richtig in die Tasten zu hauen. Auf der Schreibmaschine entsteht ein anderes Schreibgefühl, eines, das bewusster ist.“ Sie schreibt auf einer gut erhaltenen Olivetti-Reiseschreibmaschine aus den 1930er-Jahren, die sie vor einigen Jahren auf dem Naschmarkt erstanden hat. Für sie gehört die Schreibmaschine zu den Kultobjekten, denen ein gewisser Mythos anhaftet: „Sie vereinte schon sehr früh ausgereifte Technik, Qualität, Design und Funktionalität in einem.“

Auf der anderen Seite verwendet Bianca da Luz aber auch modernste Computertechniken und ist ständig per iPhone mit dem Internet verbunden. Die Trennlinie zieht sie nach rein pragmatischen Kriterien: „Ich kann mir nicht vorstellen, meine Doktorarbeit auf der Schreibmaschine zu schreiben, dafür bin ich zu sehr an die Annehmlichkeit des Computers gewöhnt.“

Wie eine extravagante Frau. Auch viele Schriftsteller schwören auf die Arbeit an der Schreibmaschine. Zu ihnen gehört Julian Schutting, Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Die Arbeit an der Schreibmaschine vermittle ihm ein ganz spezielles Selbstbewusstsein: „Man kann sich zurücklehnen, majestätisch wie im Thronsessel sitzen und gibt die Hände nach vorne wie am Orgelmanual.“ Seine Werke schreibt er im Rohentwurf mit großen Zeilenabständen und korrigiert dann handschriftlich auf dem Reißbrett. „Wie ein Architekt einen Stadtplan habe ich dann das Gedicht vor mir.“ Schutting kann sich nicht vorstellen, dass ein taugliches Gedicht am Computer hergestellt werden kann. Und er sucht eine Beziehung zu seiner Schreibmaschine aufzubauen, denn diese wäre „wie eine extravagante Frau, die sich verwöhnen lässt“.

Oft wird aber auch aus reiner Gewohnheit auf der Schreibmaschine geschrieben: Die 62-jährige Christa Rabenhorst aus Hannover etwa meint, sie brauche für das Texten auf dem Computer länger, weil ihr das Schreiben auf der Schreibmaschine einfach vertrauter ist: „Ich bin so sicher in der Rechtschreibung, ich brauche keine Korrektur wie am Computer.“ Rabenhorst differenziert aber auch – für sie zählt die Wahl des geeigneten Werkzeugs: „Bei einem privaten Brief würde ich nie auf die Idee kommen, mit dem Computer zu schreiben.“

Intellektueller Akt. Auch der Theologe, Religionssoziologe und Autor Adolf Holl hat mit dem Computer umgehen gelernt, aber beim Verfassen eines Textes stört ihn dieser, „weil er eingeschaltet ist und mich quält, ich soll doch endlich etwas schreiben, ich aber Ruhe haben will“. Nach dem Besuch eines Computerkurses habe er begriffen, dass er in einer gewissen Weise ausgeschlossen war aus der Wirklichkeit, denn „jeder Installateur hat heute seine Homepage“. Er benutzt seitdem das Internet für die Recherche und Suche, aber für den intellektuellen Akt des Schreibens dient ihm seine mechanische Olympia.

Nicht nur darum kann man sicher sein, dass die Schreibmaschine nicht ganz verschwinden wird. Obwohl ihre Funktion im Verhältnis zum Computer so bescheiden ist. Oder vielleicht gerade deshalb: Denn mit ihr kann man schreiben. Und sonst nichts.

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Die Schreibmaschine mit USB-Anschluss

Mechanische Schreibmaschinen werden derzeit nur noch in China hergestellt. Vor allem in den USA schätzen aber immer mehr junge Menschen die feinmechanische Wertarbeit und treffen sich zu sogenannten Type-ins, wo um die Wette getippt wird. Diese Treffen werden gefilmt und per YouTube und Facebook verbreitet.Texte werden auf Papier getippt – im nächsten Schritt werden diese eingescannt und als sogenannte Typecasts auf Internetblogs gestellt.

USB-Typewriter. Findige Techniker haben sogar ein Gerät entwickelt, das die klassische Schreibmaschine mit dem iPad kombiniert. Mit dessen Hilfe braucht man nicht auf das Klappern der mechanischen Schreibmaschine zu verzichten – der Text wird direkt auf den Bildschirm übertragen. Ein Schnäppchen ist das allerdings nicht: Im Internet kann man den „USB-Typewriter“ für etwa 500 Euro bestellen.

>>Hier kann man den USB-Typewriter bestellen.

„Wir retten die Welt vor den Banken“

„Occupy Wallstreet“ ist in Europa angekommen. Kapitulismus-Kritik wird ja schon seit Wochen in New York auf die Straßen getragen, im Mittelpunkt der Kritik: Die Macht der Banken. Heute hat ein weltweiter Aktionstag stattgefunden – Demonstrationen in 952 Städten weltweit. Auch die Kapitulismus-Kritiker agieren also globalisiert. In Wien waren ca. 3000 bis 4000 Teilnehmer bei der Demo, die vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße zum Heldenplatz zog. Eine äußerst friedliche Demo mit Trommlern, Gesängen, Parolen. Parolen wie „Ich habe keine Schulden“ – „Wir sind die 99 Prozent“ – „Eat the Rich“ – „Kein Steuergeld für Banken“. Wie wird das System reagieren? Wohl vorerst nicht.

>>Alle Bilder gibt’s hier

Sexy Bauer

Wer kennt ihn nicht – den Jungbäuerinnenkalender und das Anhängsel davon ohne ä. Wiedermal wurde er präsentiert. Wiedermal standen junge Bäuerinnen und Bauern vor der Linse eines Fotografen, in diesem Jahr vor der Linse von Andreas Hofer. Ob die Fotos gelungen sind, darüber kann gestritten werden. Ob sich die Models dabei gut gefühlt haben, darüber kann auch gestritten werden.

Allerdings: Bei der Präsentation des Kalenders gaben sich alle äußerst überzeugt, fast euphorisch. Und schaun wir uns das mal kurz an: Schöne Bilder von Bauern und Bäuerinnen, von sehr jungen Bauern und Bäuerinnen, fast schon Lolita-haft. Der Fotograf hat erklärt, er wollte keinen Blitz verwenden, das Wetter hat das aber nicht zugelassen. Ist Blitz für ihn die Bezeichnung für Photoshop?

Wobei die Kalender-Idee sich ja schon in fast alle Bevölkerungsgruppen fortgesetzt hat. Ich warte ja schon seit längerem auf den Jung-Putzfrauen-Kalender. Aber die haben halt nur eine relativ schwache Lobby. Was es aber gibt: Den Winzerinnenkalender. Der mir ab sofort nicht mehr so ganz geheuer ist – und zwar deshalb, weil ich bei der Jungbauern-Präsentation eine Jungwinzerin-Kalenderblatt-Dame kennengelernt habe, die allerdings gemeint hat, dass sie nicht mal eine Winzerin ist, sondernd nur über einen Freund, der Winzer ist …. egal. Obwohl: Nicht egal. Wie soll Mann denn eine fesche Winzerin kennenlernen, wenn nicht mal auf den Kalenderblättern richtige Winzerinnen vertreten sind?

Was es auch gibt: Den Feuerwehrmann-Kalender. Und ich weiß auch, dass diese Feuerwehrmänner auf den zwölf Kalenderblättern für zumindest eine Person die Erotik pur bedeuten. Erotik. pur. Kalenderblatt-Erotik, in die man versinken kann. Oder sogar mehr?

Aber zurück zu den Bauern. Und bevor das Schachbrett jetzt noch für Vergleiche hergezogen wird zeig ich noch einige Bilder vom neuen Kalender. Mehr gibts bald. Auf eurem Kalender. Zum Träumen.

und weil ich jetzt nicht geizig bin, jetzt auch noch ein Bild von den jungen Bauern, Jungbauern, Sensenmännern, Sensenbauern:

>>  Und wer sich noch nicht satt gesehen hat – HIER gibt es alle Bilder.