Monat: Juli 2012

98 Percent Funky Stuff

„Two Percent Jazz and 98 Percent Funky Stuff!“ – so war es (leider) nicht ganz bei den Nova Jazz & Blues Nights. Allerdings: Funk vom feinsten wurde geboten getreu dem Motto von Maceo Parker. Das ehemalige Bandmitglied von James Brown sorgte mit seinem Altsaxofon und seiner Funk-Truppe auch für den Höhepunkt des Festivals in Wiesen.

Aber auch George Benson sorgte für Gänsehaut – mit seinen Radio-Wien-Hits wie „On Broadway“, das gehört ja zum Klassiker-Repertoire. Auch angestimmt hat er „Nothing gonna change my love for you“, ein Klassiker – wobei nur die wenigsten wissen dass dieser Hit aus der Feder von Benson stammt. Nicht zu vergessen: Er ist ein begnadeter Blues-Gittarist. Sehr fein.

Erstmals seit meinem Kuba-Aufenthalt vor einigen Jahren habe ich auch wieder kubanischen Son zu hören bekommen – ich bin seither kubanischer Musik aus dem Weg gegangen nach dreiwöchiger Guantanamera-Dauerberieselung dort – und natürlich – auch der Buona Vista Social Club hat diesen Hadern im Zugabenblock angeboten. Aber sagens wir mal so: Ich bin versöhnt mit dem kubanischen Son. Sehr beeindruckend beim Auftritt im Burgenland war der Auftritt der 81jährgigen Omara Portuondo aus der Original-Besetzung. Da Wiesen aber nicht Havanna ist, war die Außentemperatur nicht ganz authentisch. Und auch der Mojito schmekckt mit frischen Früchten einfach besser. Oh, kommt da ein bisschen Fernweh auf?

Der erste Tag des Festivals war übrigens vom Gasometer – verlegt von der Wiener Arena in diese No-Go-Veranstaltungshalle. Ein Festival in der Halle mit dem Plattenbau-Charme von Bukarest der 70er-Jahre – wem ist bitte das eingefallen? Musikalisch gab es aber doch kleine Lichtblicke: Die nigerianische Sängerin Nneka mit ihrer eindringlichen Stimme. Zwar weit weg von Funk, aber ganz nah bei Dub, Soul, Reggea und Afrobeat. Und die Headliner des ersten Abends, Jestofunk. Sie wissen schon wie es funktioinert – stampfende Funk-Basslines und ein röhrender Ce Ce Rogers. Alles schon oft gesehen, dem Publikum gefällts aber immer wieder. Obwohl es diesmal so laut war, dass Tinitus für viele wohl vorprogrammiert ist.

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Der Boulevard-Krieg um die griechische Insel

Es ist Sommer, und obwohl die Hitze derzeit gar nicht so schwül über unserem Land liegt, dürften manch einem Boulevard-Reporter die Sicherungen durchgebrannt sein. Die Gratis-Gazette „Heute“ trommelt Tag für Tag eine Geschichte, die windiger nicht entstehen konnte. Zuerst erschienen in einem Artikel in der italienischen Zeitung „Libero“ wurde erstmal abgeschrieben. Ist doch ein schönes Sommerthema: Eine Insel will sich von Griechenland lossagen und Österreich beitreten. Hat alle Aspekte einer luftigen Sommergeschichte. Die Geschichte ist daran aufgehängt, dass vor 100 Jahren diese Insel von den Griechen anektiert wurde und der Vertrag, der damals geschlossen wurde, genau jetzt auslaufen würde. Der Bild-Blog hat die Meldung übersetzt:

“Es wäre schwierig, unabhängig zu bleiben”, geben einige während einer der wenigen Veranstaltungen zu, die ein Vorspiel für die große Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeit sind. “Aber wir können nach der Annexion durch einen anderen Staat fragen: sicher nicht die Türkei, höchstens Österreich.”

In „Heute“ wurde das nicht nur abgeschrieben, sondern gleich in historischen österreichischen patriotischen Kontext ein bissl weitergetrieben:

„Laut italienischer Zeitung Libero wurde den Insulanern die Dauerkrise ihrer Regierung zu bunt. Sie fordern nun öffentlich: “Servus Athen, wir gehen nach Österreich!”

Was verblüfft: Die APA übernahm den Inhalt dieser (Nicht-)Geschichte und befragte in einem zweiten Teil dann sogar einen Verfassungsrechtler, ob ein zehntes Bundesland möglich wäre. Alle möglichen Experten kamen zu Wort – nur auf die Idee, auf der Insel anzurufen hatte keiner – außer die berühmt-berüchtigte „Boulevard-Schleuder „Österreich“. „Griechen-Insel will nicht (!) zu uns“ wurde getitelt nachdem man mit dem Bürgermeister einer Stadt auf der Insel geredet hatte. Alles also ein schlechter Scherz. Das ist aber vollkommen egal für „Heute“: Man titelte einfach: „Insel-Griechen traurig. Athen stoppt Beitritt“ und schrieb von den vom Österreich-Beitritt „träumenden“ Insulanern. Hört sich alles fast schon wie eine Realitätsverweigerung an. Man kann auf jeden Fall gespannt sein, welche Geschichten da noch als Nachzieher auftauchen. Immerhin sind einige deutsche Zeitungen auf diese Nicht-Geschichte aufgesprungen, und auch der Nachrichtensender n-tv.

Tragen wir alle Beiträge zu Ikaria zusammen und machen wir es so wie es der Bild-Blog abschließend schreibt: „Man könnte daraus ein Grabmal für den deutschsprachigen Journalismus bauen.“



Tigerente, Kastenfrosch und Deix-Figuren

Zwei dicke Deix-Figuren genau gegenüber vom Strafgefängnis Krems-Stein – und ich mein jetzt nicht die Wachauer Ureinwohner: Genau dort ist das Karikaturmuseum mit seinem typischen Erscheinungsbild: Die markante Dachkonstruktion lässt das Gesicht eines Schalks erkennen – der Schalk im Nacken, den die Karikaturisten beschwören. Drin zu sehen: „Das ist Deix“ als Dauerschau unter anderm mit Frühwerken des Künstlers – und auch ich hab mich dort zu einer typischen schimpfenden österreichischen Deix-Figur verwandelt. Interessant auf jeden Fall sind hier seine ersten Zeichnungen für die St. Pölnter Kirchenzeitung  und das Comic, das die Geschichte des Anschlusses an Deutschland mal ganz anderes zeichnet, denn „wir haben ja nichts gewusst“.

Noch bis Mitte November kann man in einer Sonderausstellung die Werke von Janosch bewundern. Er selbst sagte zur Eröffnung in der ZiB: „Die gefällt mir gut, fantastisch gemacht, gut überlegt – so schön habe noch keine Ausstellung gehabt.“  Nicht nur für Kinder interessant, denn: „Tiger, Ente, Bär und mehr“ zeigt Grafiken und Karikaturen, die alles andere als jugendfrei sind:

Janosch verfasste zahlreiche Romane und Theaterstücke und setzt sich in seinen Malereien, Grafiken und Karikaturen kritisch mit religiösen Themen, der eigenen Kindheit, der Beziehung von Mann & Frau, sowie der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander.

Trotzdem dreht sich in der Wachau derzeit alles um die Marille: Wenige hundert Meter entfernt ist an diesem Wochenende das Kremser Marillenfest gestiegen. Mit Marillenschnaps, b’soffener Marille, Marillenknödeln und Co. Nom nom.

Schaurig Sagenhafte Aggstein

Ruine Aggstein in der Wachau. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, das – wie es die Werbetafeln verheißen – ins Mittelalter zurückversetzt. Damals war es eine stolze Burg und stolz erhebt es sich noch immer, zwar verfallen aber doch, über der Wachau. Auf dem Tafel vor dem Eingang steht gar selbstbewusst, sie erhebt sich über „der schönsten Flusslandschaft der Welt“. Ja, so ist Niederösterreich.

Viele Sagen ranken sich um die Burgruine – so sollen die Kuenringer Raubritter gewesen sein und die Donau gar mit einer starken Kette abgesperrt haben. Und beim noch erhaltenen „Rosengärtlein“ sollen Gefangene so lang rausgesperrt worden sein, bis sie sich freiwillig in den Tod stürzten. Ja, der Tod lauert überall, auch für die Fledermaus, die hoch oben in den Mauern zwischen den Steinen gestorben ist und nun die Besucher erschaudern lasst. Vielleicht gibt es dazu in vielen hunderten Jahren auch eine Sage.

Sommernacht mit dösenden Tieren

Der Tiergarten Schönbrunn hat seinen 260. Geburtstag gefeiert – und dazu erstmals abends geöffnet.  In der „Langen Sommernacht“ wurde aber dein Eindruck erweckt, dass die Tiere gar nicht im Vordergrund standen. Stelzengeher liefen herum, Schauspieler in Tierkostümen, Zauberer und eine Band in der Orangerie. Die Löwen wirkten etwas gereizt, weil gleich neben ihrem Gehege eine Trommler-Bühne aufgebaut war. Anderen Tieren war der Abend-Trubel egal – sie schliefen so wie immer, diesmal beobachtet von Menschenmassen. Nur die Affen waren hellwach – genauso hell wie die Beleuchtung im neuen Affenhaus. Ab Mitternacht war der Trubel dann wieder vorbei. Und ich bin mir sicher, manche Tiere atmeten hörbar auf…

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Stadtspaziergang per Tretboot: Die Alte Donau

Zuviel Hitze in dieser Stadt. Die Strände in Wien sind dicht belegt, auch an der Alten Donau. Der Ausweg: Rauf auf ein Tretboot, das kann man ganz einfach ausborgen beim „Seepferdchen“ oder in der „Creperie“, dort kann man das Wasser genießen ohne hunderte schwitzende Menschen mit zu wenig Abstand. Empfehlenswert ist die Zeit des Sonnenuntergangs mit schönen Spiegelungen und Lichtspielen auf der Wasseroberfläche. Denn dann ist es auch nicht mehr ganz so heiß und man kann richtig sportlich reintreten. Und danach kann man in der „Creperie“ den Fröschen beim Singen zuhören. So ist er, der Sommer in der Stadt.