Der Boulevard-Krieg um die griechische Insel


Es ist Sommer, und obwohl die Hitze derzeit gar nicht so schwül über unserem Land liegt, dürften manch einem Boulevard-Reporter die Sicherungen durchgebrannt sein. Die Gratis-Gazette „Heute“ trommelt Tag für Tag eine Geschichte, die windiger nicht entstehen konnte. Zuerst erschienen in einem Artikel in der italienischen Zeitung „Libero“ wurde erstmal abgeschrieben. Ist doch ein schönes Sommerthema: Eine Insel will sich von Griechenland lossagen und Österreich beitreten. Hat alle Aspekte einer luftigen Sommergeschichte. Die Geschichte ist daran aufgehängt, dass vor 100 Jahren diese Insel von den Griechen anektiert wurde und der Vertrag, der damals geschlossen wurde, genau jetzt auslaufen würde. Der Bild-Blog hat die Meldung übersetzt:

“Es wäre schwierig, unabhängig zu bleiben”, geben einige während einer der wenigen Veranstaltungen zu, die ein Vorspiel für die große Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeit sind. “Aber wir können nach der Annexion durch einen anderen Staat fragen: sicher nicht die Türkei, höchstens Österreich.”

In „Heute“ wurde das nicht nur abgeschrieben, sondern gleich in historischen österreichischen patriotischen Kontext ein bissl weitergetrieben:

„Laut italienischer Zeitung Libero wurde den Insulanern die Dauerkrise ihrer Regierung zu bunt. Sie fordern nun öffentlich: “Servus Athen, wir gehen nach Österreich!”

Was verblüfft: Die APA übernahm den Inhalt dieser (Nicht-)Geschichte und befragte in einem zweiten Teil dann sogar einen Verfassungsrechtler, ob ein zehntes Bundesland möglich wäre. Alle möglichen Experten kamen zu Wort – nur auf die Idee, auf der Insel anzurufen hatte keiner – außer die berühmt-berüchtigte „Boulevard-Schleuder „Österreich“. „Griechen-Insel will nicht (!) zu uns“ wurde getitelt nachdem man mit dem Bürgermeister einer Stadt auf der Insel geredet hatte. Alles also ein schlechter Scherz. Das ist aber vollkommen egal für „Heute“: Man titelte einfach: „Insel-Griechen traurig. Athen stoppt Beitritt“ und schrieb von den vom Österreich-Beitritt „träumenden“ Insulanern. Hört sich alles fast schon wie eine Realitätsverweigerung an. Man kann auf jeden Fall gespannt sein, welche Geschichten da noch als Nachzieher auftauchen. Immerhin sind einige deutsche Zeitungen auf diese Nicht-Geschichte aufgesprungen, und auch der Nachrichtensender n-tv.

Tragen wir alle Beiträge zu Ikaria zusammen und machen wir es so wie es der Bild-Blog abschließend schreibt: „Man könnte daraus ein Grabmal für den deutschsprachigen Journalismus bauen.“



3 Kommentare

  1. Ich meide diese blätter ja, wie die pest. aber DIE story hab sogar ich mitbekommen. wärs nicht so traurig, könnte man ja getrost drüber lachen.

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