Monat: September 2013

Ockhams Rasiermesser: „Heute“ und der Punkt

Die Gratiszeitung „Heute“ startet eine neue Kampagne – „Heute bringt’s auf den Punkt“:

Das ist unsere Definition von Qualitätsjournalismus. Nicht lange um den Brei herumreden, sondern sofort zum Punkt kommen. Nicht die Zeit unserer Leser verschwenden, sondern schnell informieren. „Heute“ ist punktgenauer als die anderen.

Jetzt kann man wahrscheinlich stundenlang darüber streiten, ob diese Definition von Qualitätsjournalismus allen Argumenten standhält – wenn man nicht zuvor im Blattinneren auf eine Geschichte trifft, die die Landung am Punkt aber sowas von gar nicht schaffen will. Den Einstieg zur Geschichte über den Kührer-Prozess muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Manchmal sind Beisln wie Universitäten: Liegt nach stürmischem Wetter ein umgeknickter Baum auf der Straße, kann man diskutieren, ob UFOs gelandet oder Elefanten vorbeigetrampelt sind. Der Stammtisch aber wird entscheiden: Schuld am Baumbruch war der Sturm. In der Wissenschaftstheorie heißt dieses Prinzip „Ockhams Rasiermesser“: Gibt es für einen Sachverhalt mehrere Erklärungen, gilt die einfachste Theorie als wahrscheinliche.

Vielleicht will „Heute“ ab sofort neue Zielgruppen erreichen. Für eine Gratiszeitung sind solche philosophischen Abhandlungen doch neu. Wenigstens kommt aber die Straße im Einstieg vor  – vielleicht als Verweis auf den Boulevard. Oder vielleicht sollte man bei dieser Geschichte einfach auf die selbsterlegten Qualitätskriterien verzichten und den Punkt am Ende des Artikels rausstreichen. Punktum.

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Kleiner tappsiger Elefant

Nachwuchs-Tag im Zoo: Das kleine Elefanten-Mädchen in Schönbrunn wird von Groß und Klein bestaunt. Neben ihrer Mutter wirkt es so wie der kleine blaue Elefant bei der „Sendung mit der Maus“ – es tappt noch ein bisschen unsicher herum.

Der Elefant ist nicht der einzige stolze Nachwuchs im Tiergarten – aber der kleine Panda ist noch zu klein, um schon bestaunt werden zu können. Und so liegt Papa Panda faul in seinem Gehege.

Und noch ein Nachwuchs ist von seiner Mutter herumgetragen worden: Die Faultiere gaben diesmal ihrem Namen keine Ehre – sie kletterten vorsichtig auf ihren Seilen hoch schwebend über den staunenden Zoobesuchern herum.

Mehr als ein Hitler-Bärtchen

Wahlkampfzeit ist immer auch Plakatwaldzeit. Vom größten Teil der Großflächenplakate grinsen die Politiker und die unbeliebten Dreiecksständer verstellen den Blick. Manch einer greift zum Stift und verewigt sich mit eigenen Slogans oder einem aufgemalten Hitler-Bärtchen. Oder überklebt die Plakate, womit teilweise interessante Collagen entstehen.

Übrigens: Die Parteien selbst sehen Plakat-Graffite wenig entspannt als „Sachbeschädigung.“ Die SPÖ Vorarlberg hat sogar wegen der wiederholten Beschädigung ihrer Wahlplakate Anzeige erstattet: „Die gezielte Beschädigung eines Plakates ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Strafdelikt.“

Mit dem Phänomen der Plakat-Übermalungen vor Wahlkämpfen hat sich übrigens auch das „Institut für Graffitiforschung“ beschäftigt. Auf Facebook wird ein eigenes „visuelles Forschungstagebuch“ geführt: „Besonders interessant sind Wahlkampfzeiten, wo auf den vielen kurzlebigen Werbe-Flächen der Parteien vielfältige Stellungnahmen der Bevölkerung erfolgen.“

>>Mehr Plakat-Graffiti

Das Volksstimmefest. Einfach nostalgisch.

Das gemütlichste Fest des Jahres auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater: Seit 1946 feiert die KPÖ das Volksstimmefest. Damals das größte Freiluftfest der Stadt ist es heute ein sehr gemütliches Beisammensein mit einem Quäntchen „Ostalgie“. T-Shirts, Taschen und Sticker mit Hammer-und-Sichel-Aufdruck oder Che Guevara werden feilgeboten, auf Infoständen und Diskussionsrunden präsentieren sich linke Vereine, Parteien und Initiativen. Hier lebt er, der Traum von einer Welt ohne Klassen. Wie steht es auf dem Flyer der Kommunistischen Jugend: „Im Kapitalismus ist alles deppert“ und verkauft wird am KJÖ-Stand dementsprechend der billigste Weiße Spritzer des Festes. Und natürlich gibt es heuer auch ein bisschen Wahlkampf. Nicht nur von der KPÖ, auch von den Grünen und Piraten. So offen gibt sich die Linke in Österreich. Man könnte meinen mit vereinten Kräften.

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