Monat: Oktober 2013

Echte Helden am Heldenplatz?

Der Nationalfeiertag ist traditionell der Tag des Bundesheeres. Alljährlich wird am Heldenplatz eine große Leistungsschau veranstaltet  – die wohl wichtigste PR-Aktion des Heeres im Jahr. Und marketingtechnisch kann man dem Bundesheer nichts vorwerfen, da wird mit allen Mitteln das Image aufpoliert: Kinder können in Hubschrauber und auf Panzer klettern, heuer wurde ein Riesenkran aufgebaut, von dem man sich waghalsig per Bungee-Seil stürzen konnte und mit dem ein Weltrekord aufgestellt wurde, von der Hundestaffel bis zum Tauchereinsatz werden Vorführungen geboten. Der ganze Heldenplatz als Volksfestgebiet. Das streng militärische weicht einem Schulterklopfen. Und die Wiener und Österreicher strömen zu Hunderttausenden auf den Platz – wie wenn es etwas gratis gäbe.

Heiß umstritten war das Bundesheer in den vergangenen Jahren. Die Volksbefragung zur Wehrpflicht hat nicht nur die guten Seiten des Wehrdienstes beleuchtet. Trotzdem haben die Österreicher für die Beibehaltung abgestimmt, frei nach dem gut alt österreichischem Motto „Des woa schon immer so“. Am Nationalfeiertag scheint es so als seien alle Kritiker verklungen, als gäbe es keine Budgetschwierigkeiten, als wäre „unser Heer“ unumstritten. Verbeugung vor dieser PR-Leistung.

Allerdings: Kinder, die auf Kanonenrohren der Panzer herumklettern – das hat etwas zutiefst verstörendes. Die Eltern lassen ihren Kleinen heute das Kriegsspielzeug – und morgen wird wieder geschimpft, dass das Bundesheer zu viel Geld benötige für die Anschaffung von neuer Gerätschaft. Auch das ist typisch. Österreichisch.

>>Bilder von der Angelobung und vom Rekord-Bungee-Jump

Der Besuch der Zeitungs-Enten

Zeitungs-Enten im Anmarsch. Laut schnatternd sind sie über den kleinen Bach angeschwommen und haben das Ufer erklommen, gleich neben unserem Garten. Dort formierten sie sich im Gänse-Marsch (oder heißt das in dem Fall Enten-Marsch?), um auf der saftigen grünen Wiese nach Nahrung zu suchen. Ein tierischer Flashmob. Nahrung für die Zeitungen. Übrigens: Wenn eine Ente online erscheint, heißt es dann trotzdem Zeitungs-Ente? Und: Die meisten Enten waren von Österreich mit Anfühungszeichen.

One Night in Zagreb

Viel gesehen haben wir nicht von der Altstadt in Zagreb. Arbeit geht bekanntlich vor und so ist sich nur ein abendlicher After-Work-Ausflug ausgegangen. Der Eindruck der Fotos trügt nicht: Eine gemütliche Innenstadt mit vielen kleinen Lokalen, eine stolze Kathedrale (Zagrebačka katedrala), Graffiti an den Wänden, allerdings auch Bausünden wie ein riesengroßer Billa-Klotz mitten in derStadt. Die Altstadt hat ihre eigenen Charme – anders als in der plumpen Vorstadt. Aber zeigt mir eine Stadt mit schönen Vorstädten.

Schnizzis

Eine riesige Statue vor einem kleinen Schlössl, das von Pflanzen überwachsen ist. Die verblassten Hinweisschilder erinnern an die 80er-Jahre und wirken schon etwas mitgenommen. Trotzdem erwartet uns hinter dem alten Gemäuer gegenüber dem Zentralfriedhof noch immer eine der besten Adressen für Schnitzel-Abenteurer:  Das Concordia-Schlössl.  Allein die Größe der Schnitzel ist bestechend, dargebracht auf ovalen Silbertellern. Die liebevoll „Schnizzis“ genannten Interpretationen des heimischen Klassikers reichen vom Concordia-Schnitzel über das Venezia-Schnitzel bis zum Gulasch-Schnitzel. Und das alles in einem großartigen Ambiente: Die Säulenhalle, tagsüber durchflutet vom Licht der Kuppel, abends in romantischen Kerzenschein gehüllt. Knarrender Holzboden, große Spiegel, ein Flügel und ein alter Holzofen komplettieren den Reiz des Lokals. Genauso wie der Standort gegenüber dem Zentralfriedhof und inmitten von Grab-Steinmetzen. Zumindest das letzte Schnitzel auf Erden sollte dort gegessen werden.

Lese!

Weinlese in Stammersdorf. Chardonnay und die Trauben für den roten Sturm –  ausgeschenkt schon bald im und vor dem Dornröschenkeller bei den Stürmischen Tagen.

Das Abschneiden der Trauben, der Transport der Butten, das Glaserl Wein in den Pausen – es ist eine Tätigkeit inmitten der Natur, die bei gutem Wetter richtig Spaß macht. Und natürlich freut man sich auf den Wein im nächsten Jahr, bei dem man auch ein bisschen mitgewirkt hat. Also, im nächsten Jahr wieder der Chardonnay!

Wein, Schrammeln, Wandern.

Weinwandertag in Wien: Blauer Himmel, reife Trauben, frischer Sturm, aufgeigende Schrammeln, Aussicht über die Wiener Skyline, skurriler Bauerngolf. Schön wars.

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