Monat: Januar 2014

Schnee in Wien: Mini-Schneemänner und frierende Spaziergeher

Schnee in Wien. Das alljährliche Chaos auf den Straßen ist vorprogrammiert. Doch schon nach einigen Stunden sind Straßen und Gehsteige nicht mehr weiß beschneit, sondern von Gatsch überzogen. Anders ist das in den Außenbezirken.

Das Schloß Wilheminenberg ist in eine Flockenhülle von Frau Holle getaucht, am Steinhof sind nur wenige Spaziergänger unterwegs, und durchwegs sieht ihr Begleiter, der Hund, fröhlicher aus als sie. Denn: Es ist eiskalt. Wintersport treiben sieht man noch niemanden – die Kinder dürfen noch nicht raus, um auf dem Schnee herumzurutschen. Darum haben wir nur einen einzigen Schneemann im Miniatur-Format entdeckt.

Nur einige Raben sind zu sehen auf ihrer Futtersuche. Und man selbst fühlt sich wie ein scharzer Rabe auf den verschneiten Spazierwegen.

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Ein Kampagnen-Stück: „Mieser Abschaum aus der Gosse“

Die Vorgänge um Demonstrationen rund um den „Akademikerball“ genannten Event (wieso heißt der eigentlich so?  – nicht jeder Akademiker dürfte Affinität zu diesem Ball zeigen) haben zu einem sehr vorhersehbarem Echo in den Medien geführt. Allerdings: Eine offene Diskussion um (friedliche) Demonstranten, Gewaltbereitschaft, das Eingreifen der Polizei in Grundrechte und der Freiheit, einen Ball besuchen zu dürfen, ist zu diesem Thema noch nie möglich gewesen – und wird es wohl auch nie sein. Auch wir scheitern hier und kümmern uns in diesem Beitrag um die Nachwirkungen. Kollegin Ulrike Weiser hat die Stimmung(mache) rund um den Akademikerball in ihrem Leitartikel in der „Presse am Sonntag“ gut beschrieben:

Es gibt Debatten, die kann man nur verlieren. Im Fall des Akademikerballs, weil die Spielregeln nichts anderes zulassen: Demnach ist jeder, der den Ball verteidigt, (extrem) „rechts“, wer ihn kritisiert (extrem) „links“, und wer sagt, dass man weder den einen noch den anderen die Bühne der Aufmerksamkeit bieten solle, bekommt auch sein Fett ab – als Beschwichtiger. Kurz: Mehr als Scheitern mit Anspruch war bei diesen Debatten bisher nicht drin.

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Als eindeutiger (unmoralischer) Sieger hat sich am Sonntag die „Krone“ hervorgetan. Unisono schmetterten die drei „Weisen“ Michael Jeannée, Peter Gnam und Kurt Seinitz ihre Abrechnungen mit dem „radikalen, niederträchitgen, elenden feigen Mobs und miesen Abschaums aus der Gosse“  (© Jeannée) in den Rachen der „Krone“-Leser. Die in letzter Zeit ein bisschen ins Wanken gekommene „Krone“ hat damit wieder in ihr Lieblings-Metier zurückgefunden: Dem Kampagnen-Journalismus. Quer durch das ganze Blatt wird kampagnisiert, für Gegenmeinung ist keine Platz – wieso auch? Das dynamische Trio der „Krone“ hat immer recht – und wer noch nicht davon überzeugt ist, soll jetzt davon überzeugt werden. Und das sollte leicht sein, da sich „die Bundeshauptstadt im Würgegriff von Kriminellen“ (© Gnam) befindet. Doch die drei Musketiere schwingen jetzt gemeinsam ihre Säbel, um uns alle zu retten.

Nur einmal, im Kommentar von Peter Gnam, glaubt man kurz, die von der „Krone“ gern hervorgehobene und im Logo beschriebene Unabhängigkeit würde sich durch die Zeilen fressen. Doch schon im nächsten Satz erkennt man, dass die Krone wohl nur vom „linken Lager“ unabhängig ist: „Und wie immer in solchen Fällen praktiziert, wurden die Gewalttäter zu Opfern gemacht. (…) Die Polizei trage Schuld, dass Freitagabend in Wien (auch) Blut geflossen ist“, so Peter Gnam.

Fazit: Die Auseinandersetzungen rund um den Akademikerball haben wohl einen politischen und einen medialen Sieger:

Auf der einen Seite die FPÖ und Strache. Der Satire-Blog tagespresse.at kann sich eigentlich zur Ruhe setzen: Die Satire-Schlagzeilen wurden von der Wirklichkeit überholt: „Strache bedankt sich bei allen 300 Randalierern“. Wohl ein Effekt der Ereignisse am Freitag Abend: Durch die oft geübte Opfer-Täter-Verdrehung sind dem Blau-Mann wohl einige Stimmen zugeflogen. Zeilen wie jene oben von Gnam zitierte hat man auch immer wieder aus dem Mund von Heinz-Christian Strache gehört – ein Zufall?

Denn: Der zweite Sieger ist die „Krone“. Beim Thema „Linkschaoten“ hat man jahrzehntelange Erfahrung, jetzt kann man mit diesem Kernthema wieder die Leserschaft bedienen. Ohne Gegenmeinung. Denn die Meinung wird im Pressehaus in Wien-Heiligenstadt gemacht. Und das für ALLE Österreicher.

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Oben. Ganz oben.

Wo und was ist Oben in Wien? Nicht so wie in der Provinz im Keller-Tiefbau, nicht so wie in München als Kellerbar – in Wien ist oben wirklich „Oben“. Bis April residiert der „Club der ZeitgenossInnen“ vor allem im obersten Stockwerk der Lehargasse 7, im altehrwürdigen Gebäude, in dem einst die „Telephoncentrale 1“ der k.u.k Post- und Telegraphenverwaltung residierte.

Hinter Oben steht ein Verein, der von Michael Stefanofsky, Axl Schreder (Café Français) und Franziskus Kriegs-Au (Stadthaus-Galerie) geführt wird. Und hier soll Kunst auf Zeit geboten werden: Alle zwei bis drei Wochen werden im Obergeschoß des Gebäudes neue Kunst und Installationen gezeigt. Und die Nächte kann man sich mit Wiens bekanntesten Alternative-DJs um die Ohren Schlagen.

Was bei Oben überrascht und überwältigt: Die riesengroßen beiden Säle, die einen Hauch der Kaiserzeit vermitteln – und das Vergängliche daran, sichtbar an den bereits begonnenen Demontage-Arbeiten. Sollen ganz oben doch Luxus-Büros eingerichtet werden – und das korreliert einfach nicht mit dem Nimbus des Untergegangenen.

Was daneben noch überrascht, allerdings negativ: Der Spritzwein aus der Flasche. Das ist einer Weinstadt wie Wien nicht würdig. Ganz nach unten damit.

Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Bücherwürmer fressen sich vorrangig von vorne nach hinten durch die Bücher. Beim Kauf oder nach dem Beschenktwerden mit einem neuen Wälzer allerdings wird der Blick erst einmal auf die Rückseite des Buches gelenkt. Welche Zitate wurden hier abgedruckt, die ganz charakteristisch dieses Werk beschreiben, welche Kurz-Kritiken werden angeboten –  und was kann man über den Autor erfahren? Auf manchen Buchrücken wird man erschlagen von Informationen, für mich bedeutet der Rücken: Wenig ist mehr. Denn: Er muss jungfräulich sein, man erwartet ein Blind Date im Inneren. Wer ein bisschen mehr erfahren will liest sich – sofern vorhanden – am Klappentext ein.

Die Rückseite meiner Bücher : ein Potpourri von gut gelungenem Understatement und zu gut gemeintem Informationsüberfluss.

Im folgenden ein kleiner Überblick der ersten Kategorie. Wer mitraten möchte: Die Titel und der Autoren der Bücher werden ganz unten angeführt!

Die Auflösung:

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Böllerei

Silvester: Böllerei, Völlerei, Schweinchen-Hüte, Marzipanschweine, Sekt, viel Sekt, Bleigießen, Wunderkerzen, Raketen, Feuerwerk, Feuer, Feuerwehr

Neujahr: Das große Aufräumen, Kopfweh, Heringsschmaus, verlorene Schuhe, Phosphorgestank in den Gassen, Neujahrskonzert, Vierschanzentournee.

So wie jedes Jahr 🙂