Kategorien
Graue Kunst Graue Medien Graues Leben Wien 2.0

Im Ruin


„Hallo“, sagte der unbekannte Gast. „Ich nehme bitte das Ungesündeste, das Sie auf der Karte haben.“ Der unbekannte Gast befindet sich im „Ruin“, einem Nachtlokal in Favoriten, ein Lokal, das von Katharina und Sabina betrieben wird. Bald schon wird der unbekannte Gast eine der Hauptfiguren im kleinen Universum des Ruin, im kleinen Universum von Autorin Barbara Kadletz, sein.

Das Ruin erinnert uns an jene Zeiten in den 90er-Jahren, in denen man erst um fünf Nachmittags frühstücken gegangen ist. Wo man sich vor dem Licht in das Ambiente eines Beisls geflüchtet hat und das Stammkundentum genossen hat. Und ganz wichtig war damals und ist auch in diesem Buch: Die Musik. Sie ist nicht Untermalung, sondern gibt den roten Faden durch das Buch. Ob es die Mixtapes sind, die Geschichten erzählen oder das Konzert von dem, was von den Smashing Pumpkins noch übergeblieben ist, in den Gasometern.

Wir sind auf einer Reise rund um den Viktor-Adler-Markt, damals, als das Kepler-Kino noch geöffnet hatte. Wir bewegen uns auf den Bankerln am Wienerberg und wir fahren mit dem Autodrom im Böhmischen Prater. Und was wär ein Autodrom ohne eine Verfolgungsjagd?

Die Autorin schafft es, durch ihre wunderbare Erzählung des damaligen Nachtlebens, sofort Phantomschmerzen hervorzurufen – Stichwort alter Abgang zum Flex. Und sie lässt die Musik von damals in unseren Köpfen vibrieren, Erinnerungen wieder aufleben.

Es ist ein Buch über die Trauer und die Hoffnung weiterzuleben, auch wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Ein Buch darüber, wie man sich neu finden und erfinden kann. Ein Buch darüber, dass man neben den Erinnerungen nicht das Hier und Jetzt vergessen soll. Es ist ein schönes Buch.

Barbara Kadletz‘ Hauptintention beim Schreiben war, bei den Leser*innen ein Gefühl entstehen zu lassen, wie bei einem guten Song, der einen eiskalt erwischt. Und mit der richtigen Klangfarbe, die Atmosphäre zu beschreiben, die einem diffusen Lebensgefühl Ausdruck verleiht.

Maria motter auf fm4.orf.at

Von eminenz

Die üste hat die freie Wahl:
Wenn sie ein W wählt bleibt sie kahl
Wenn sie ein K wählt wird sie naß -
Die freie Wahl macht keinen Spaß

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s