Erotinator

Ereignislose brüllend laute Stille

Die Tage ziehen vorbei, vollkommen ereignislos. Das Herumwälzen im Bett, vollkommen ereignislos. Der Fieberthermometer, vollkommen ereignislos. Das Fernsehprogramm, vollkommen ereignislos. Ein Spaziergang draussen, vollkommen ereignislos. Ein Treffen mit Bekannten, vollkommen ereignislos. Fahren mit der U-Bahn, vollkommen ereignislos. Projekte in der Arbeit, vollkommen ereignislos. Party-Hopping, vollkommen ereignislos. Schmäh führen, vollkommen ereignislos.

Über die Winterlandschaft legt sich eine Stille. Eine Stille, aber alles andere als lautlos. Eine brüllend laute Stille. Es brüllt in meinen Ohren, es brüllt, es lärmt, es tinnitussiert, ohne die Ereignislosigkeit zu übertönen. An der Ereignislosikgkeit prallt das Brüllen ab. Das ist der Hauptpreis für mein Ereignis-Los in der Ereignis-Lotterie.

Drei Monate

Drei Monate. Zweiundneunzig Tage.

Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Eine Ewigkeit, die eine andere Ewigkeit verdrängt hat.

Die Zeit läuft seitdem langsamer. Langsamkeit und Schwermut ergänzen sich. Die Schwermut bleibt. Wieviele Tage und Monate wird sie sich noch breitmachen? Wieviele Rückblenden sind noch notwendig? Wieviel Nachdenken ist noch notwendig?

Schuldzuweisungen und Schuldeingeständnisse. Fehlersuche und genaue Sezierung von Situationen vor diesen drei Monaten, zweiundneunzig Tagen.

Bald sind es hundert Tage. Man sollte es zelebrieren. Feiern mit Schwermut.

Gestöber

Gestöber
Gelächter
Gezwitscher
Gezaudere
Zaudern wovor?
Vor dem Gelächter der anderen
Vor dem Gelächter von dir
Zaudern um zu zwitschern
Mit Zwetschken
Und Zwetschkenkrampus
Und Zwetschkenschnaps
Aus einer Jägermeister-Flasche
Flambiert
Darum das Gestöber
In meinem Gehirn.

Blockade

Schreibblockade

Denkblockade

Tippblockade

Blockade der Blockade

Sich selbst blockieren?

Andere blockieren?

Das blockiert alles.

Und ruft Selbst-Blockade hervor

Blockade aufheben?

Wie?

Das kannst nur du.

Und das nur indirekt.

Indirekte Blockade

Schreibblockade.

Alles renkt sich wieder ein

Gustav spricht mir aus der Seele. Und mit ihr die Trachtenkapelle Dürnstein.

Symphonisch, kitschig, schaurig,  schwarz und traurig, aber immer optimistisch. Und so schön.

Irgendwann geht das vorbei.

Ich habe eine Sehnsucht, nach der nächsten Katastrophe,
denn wenn wir gemeinsam leiden, fällt dieses Unbehagen ab.
Der Zufall ließ uns weiter leben, der Überdruss ging vor der Angst,
ließ uns einander fest umklammern und hoffen, für den nächsten Tag.

Mach aus den Städten Schutt und Asche, ich will nie wieder Sonnenschein,
ein Menschenleben weg genügt nicht, es müssen Gottesleben sein.
Ich will die Kinder weinen hören, die Mütter einsam fleh’n am Grab –
und keine Vögel soll’n mehr singen, nur unsere Melodien erklingen.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Während die Feigen Tode suchen, der Knechtschaft Qualen wolln entgehn,
sich ängstlich in den Abgrund stoßen, wird unsre Melodie bestehn.
Wir überwinden jede Hölle, ob Hagel, Blitze, Feuer, Glut.
Verwandeln klägliches Gesänge, in Harmonie und neuen Mut.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Bedingung

Wenn es Sinn hätte

zu leben

hätte es Sinn

zu leben

Wenn es Sinn hätte

noch zu hoffen

hätte es Sinn

noch zu hoffen

Wenn es Sinn hätte

sterben zu wollen

hätte es Sinn

sterben zu wollen

Fast alles hätte Sinn

wenn es Sinn hätte

(c) Erich Fried

Die Kugeln der Hölle

Ein Hochofen. Die Kugeln, die den Eingang in die Hölle zeigen. Die Hölle, die heiße Hölle, jene Hölle, die es zu erreichen gibt, weil der Himmel nicht ausreicht für jene Taten, die wir uns noch vornehmen. Und für jene Taten, die wir hinter uns haben. Der Stahl schmilzt im Hochofen, der Teufel wartet. Er zeigt seine Fratze, so wie er sie sonst nie zeigt. Denn sonst tritt er in anderer Gestalt auf. Hier aber muss er sich nicht hinter einer Maske verstecken. Er selbst ist die Maske, denn nur er existiert hier. Kein Himmel, keine Harfen, keine Engeln. Nur der Teufel. Und seine Gesellen, die den Hochofen anheizen. Es ist warm, so wie in Wien. Fast noch ein bisschen wärmer. Die Party kann beginnen, die Cocktails werden gemixt. Bloody Mary – on the rocks? Die Eismaschine hat man im Himmel gestohlen, dort wird sie nicht mehr gebraucht. An der Pforte zur Hölle warten die Flüchtlinge vom Himmel, doch der Teufel lässt sie nicht rein. Denn er mixt jetzt Cocktails. Und lässt die Disco-Kugel rotieren. Sie rotiert und wirft die rote Farbe der Hölle gen Himmel. Bloody Mary. Ein teuflisches Getränk.