Archiv der Kategorie: Graue Medien

Ostern: So schnell wird das „Super-Fest“ zum „Vatikansinn“!

Der Boulevard legt zu Ostern wieder ordentlich Eier. Da die Journalisten aber hier und dort nicht eierlegende Wollmilchsäue sind, werden einfach mal Übertreibungen und Worte erfunden, um das Oster-Fest wenigstens irgendwie an die Konsumschlacht Weihnachten heranzuzüchten. „Ostern wird zum Super-Fest“ meint unsere Lieblings-Boulevard-Zeitung „Österreich“. Hundert Bonuspunkte bekommen allerdings die Kollegen von „Bild“ – mit ihrem Titel „Ostern wird der VatikanSINN“ zeigen sie einmal mehr die wahre Klasse des Boulevard – der griffige, skurrile Titel mit Witz und Wortspielerei. Wenn die Ideen nicht mehr reichen kommt es allerdings zum Eier-Diebstahl: Hatte „Bild“ schon am Gründonnerstag das „Kaltluft-Ei“ über Europa entdeckt, konterte „Österreich“ mit dem „Kälte-Ei“ am Karfreitag. Solang uns aber nicht Boulvevard-Bischof  Toni Faber persönlich die Oster-Feiertage erklärt sehen wir aber darüber hinweg. Frohe Ostern!

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Ein Kampagnen-Stück: „Mieser Abschaum aus der Gosse“

Die Vorgänge um Demonstrationen rund um den „Akademikerball“ genannten Event (wieso heißt der eigentlich so?  – nicht jeder Akademiker dürfte Affinität zu diesem Ball zeigen) haben zu einem sehr vorhersehbarem Echo in den Medien geführt. Allerdings: Eine offene Diskussion um (friedliche) Demonstranten, Gewaltbereitschaft, das Eingreifen der Polizei in Grundrechte und der Freiheit, einen Ball besuchen zu dürfen, ist zu diesem Thema noch nie möglich gewesen – und wird es wohl auch nie sein. Auch wir scheitern hier und kümmern uns in diesem Beitrag um die Nachwirkungen. Kollegin Ulrike Weiser hat die Stimmung(mache) rund um den Akademikerball in ihrem Leitartikel in der „Presse am Sonntag“ gut beschrieben:

Es gibt Debatten, die kann man nur verlieren. Im Fall des Akademikerballs, weil die Spielregeln nichts anderes zulassen: Demnach ist jeder, der den Ball verteidigt, (extrem) „rechts“, wer ihn kritisiert (extrem) „links“, und wer sagt, dass man weder den einen noch den anderen die Bühne der Aufmerksamkeit bieten solle, bekommt auch sein Fett ab – als Beschwichtiger. Kurz: Mehr als Scheitern mit Anspruch war bei diesen Debatten bisher nicht drin.

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Als eindeutiger (unmoralischer) Sieger hat sich am Sonntag die „Krone“ hervorgetan. Unisono schmetterten die drei „Weisen“ Michael Jeannée, Peter Gnam und Kurt Seinitz ihre Abrechnungen mit dem „radikalen, niederträchitgen, elenden feigen Mobs und miesen Abschaums aus der Gosse“  (© Jeannée) in den Rachen der „Krone“-Leser. Die in letzter Zeit ein bisschen ins Wanken gekommene „Krone“ hat damit wieder in ihr Lieblings-Metier zurückgefunden: Dem Kampagnen-Journalismus. Quer durch das ganze Blatt wird kampagnisiert, für Gegenmeinung ist keine Platz – wieso auch? Das dynamische Trio der „Krone“ hat immer recht – und wer noch nicht davon überzeugt ist, soll jetzt davon überzeugt werden. Und das sollte leicht sein, da sich „die Bundeshauptstadt im Würgegriff von Kriminellen“ (© Gnam) befindet. Doch die drei Musketiere schwingen jetzt gemeinsam ihre Säbel, um uns alle zu retten.

Nur einmal, im Kommentar von Peter Gnam, glaubt man kurz, die von der „Krone“ gern hervorgehobene und im Logo beschriebene Unabhängigkeit würde sich durch die Zeilen fressen. Doch schon im nächsten Satz erkennt man, dass die Krone wohl nur vom „linken Lager“ unabhängig ist: „Und wie immer in solchen Fällen praktiziert, wurden die Gewalttäter zu Opfern gemacht. (…) Die Polizei trage Schuld, dass Freitagabend in Wien (auch) Blut geflossen ist“, so Peter Gnam.

Fazit: Die Auseinandersetzungen rund um den Akademikerball haben wohl einen politischen und einen medialen Sieger:

Auf der einen Seite die FPÖ und Strache. Der Satire-Blog tagespresse.at kann sich eigentlich zur Ruhe setzen: Die Satire-Schlagzeilen wurden von der Wirklichkeit überholt: „Strache bedankt sich bei allen 300 Randalierern“. Wohl ein Effekt der Ereignisse am Freitag Abend: Durch die oft geübte Opfer-Täter-Verdrehung sind dem Blau-Mann wohl einige Stimmen zugeflogen. Zeilen wie jene oben von Gnam zitierte hat man auch immer wieder aus dem Mund von Heinz-Christian Strache gehört – ein Zufall?

Denn: Der zweite Sieger ist die „Krone“. Beim Thema „Linkschaoten“ hat man jahrzehntelange Erfahrung, jetzt kann man mit diesem Kernthema wieder die Leserschaft bedienen. Ohne Gegenmeinung. Denn die Meinung wird im Pressehaus in Wien-Heiligenstadt gemacht. Und das für ALLE Österreicher.

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Ockhams Rasiermesser: „Heute“ und der Punkt

Die Gratiszeitung „Heute“ startet eine neue Kampagne – „Heute bringt’s auf den Punkt“:

Das ist unsere Definition von Qualitätsjournalismus. Nicht lange um den Brei herumreden, sondern sofort zum Punkt kommen. Nicht die Zeit unserer Leser verschwenden, sondern schnell informieren. „Heute“ ist punktgenauer als die anderen.

Jetzt kann man wahrscheinlich stundenlang darüber streiten, ob diese Definition von Qualitätsjournalismus allen Argumenten standhält – wenn man nicht zuvor im Blattinneren auf eine Geschichte trifft, die die Landung am Punkt aber sowas von gar nicht schaffen will. Den Einstieg zur Geschichte über den Kührer-Prozess muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Manchmal sind Beisln wie Universitäten: Liegt nach stürmischem Wetter ein umgeknickter Baum auf der Straße, kann man diskutieren, ob UFOs gelandet oder Elefanten vorbeigetrampelt sind. Der Stammtisch aber wird entscheiden: Schuld am Baumbruch war der Sturm. In der Wissenschaftstheorie heißt dieses Prinzip „Ockhams Rasiermesser“: Gibt es für einen Sachverhalt mehrere Erklärungen, gilt die einfachste Theorie als wahrscheinliche.

Vielleicht will „Heute“ ab sofort neue Zielgruppen erreichen. Für eine Gratiszeitung sind solche philosophischen Abhandlungen doch neu. Wenigstens kommt aber die Straße im Einstieg vor  – vielleicht als Verweis auf den Boulevard. Oder vielleicht sollte man bei dieser Geschichte einfach auf die selbsterlegten Qualitätskriterien verzichten und den Punkt am Ende des Artikels rausstreichen. Punktum.

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Die „Krone“ und die „Südländer“

Allzu lang ist die Aufregung um einen rassistischen Absatz in einem „Heute“-Artikel noch gar nicht her – wie jetzt bekannt wurde, springt jetzt auch wieder die „Krone“ in die pauschalisierend verhetzende Sprache. In der Kronen-Zeitung, Vorarlberg-Ausgabe, vom 23. Dezember 2012 wird neben Bildern eines Taxiüberfalls vermerkt: „…der Südländer (einer von Hunderten kriminellen Ausländern, die unsere Heimat unsicher machen)…“

Autsch. Gehts noch, liebe „Krone“?

Im ersten Moment denkt man vielleicht noch: Das ist ja gar nicht so schlimm wie der Absatz im „Heute“-Artikel. Um dann umgehend aufzuwachen und solche Vergleiche in Frage zu stellen – denn  ist die Sprache in Medien schon so verludert, dass rassistischen Pauschalisierungen einfach hingenommen werden? Nein. So etwas darf nicht geduldet werden.

Danke an Philipp Metzler für den Hinweis auf Facebook.

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„Heute“ und der Halbmond

Die Geschichte ist traurig genug: „Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau“ titelt die Gratis-Zeitung „Heute“ am 7. Dezember auf Seite 8. Was allerdings im zweiten Absatz geschrieben wird verstößt gegen jegliche journalistische Ethik. Ohne mit der Wimper zu zucken wird hier auf eine Religion hingedroschen – „In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf“ – und ein Eifersuchtsdrama vermischt mit religiösen Vorurteilen. Ohne übrigens etwas über den religiösen Hintergrund des Täters zu schreiben. Denn der einzige Name, der hindeuten könnte auf einen Moslem ist jener vom Polizeioberst. Sind den beiden Autoren hier die Sicherungen durchgegangen? Oder ist Verhetzung die neue Blattlinie von „Heute“? Dass der Artikel online nicht abzurufen ist, dürfte schon seinen Grund haben.

Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung von Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl. Außerdem wurde der Fall dem Presserat gemeldet.

UPDATE:

Christian Nusser, Chefredakteur von „Heute“ entschuldigt sich auf der Homepage von „Heute“ und schwärzt die Stellen im e-paper.
http://diepresse.com/home/kultur/medien/1321509

Stellungnahmen gibt es unter anderm von der Journalistengewerkschaft und SOS Mitmensch.

Andrea Schaffar hat auf SocioKommunikativ eine begriffliche Klärung versucht.

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UPDATE drei Tage nach Erscheinen:

„Heute“ reagiert nach dem Wochenende mit dem Lob von Staatssekretär Kurz – laut „Heute“ lobt er „Heute“ für das Engagement beim Thema Integration. Und Chefredakteur Christian Nusser erklärt nochmals, dass schnell die Konsequenzen gezogen wurden. Was bleibt, ist ein wenig Verwunderung über die Form dieser Selbstdarstellung als Beschützer der Integration. Allerdings: Man nimmt es „Heute“ eher ab als der „Krone“. Doch das bedeutet nun auch keinen Orden für den Boulevard.

Simon Inou kritisiert Landau, Kurz und Galeli dafür schaft auf M-Media.

UPDATE sechs Tage nach Erscheinen:

Wolfgang Höllrigl dürfte vom Ressortchef zum Redakteur degradiert worden sein, er sei vorerst weiter beurlaubt. Das wurde allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Der Redakteur, der den Bericht recherchiert hatte, wurde verwarnt.

heutezweiteUPDATE 11 Tage nach Erscheinen:

Beim Österreichischen Presserat sind 66 Beschwerden eingegangen – das ist bisheriger Rekord.  Die Gratiszeitung ist allerdings bis dato nicht Mitglied des Presserats. Doch: Der Rat kann eine Entscheidung auch gegen Nichtmitglieder veröffentlichen, wenn es sich um eine „von grundsätzlicher Bedeutung“ handelt.

Boulevard-Urgestein Höllrigl wurde die Ressortleitung entzogen und auf einen mehrwöchigen Urlaub geschickt.

>>Mehr dazu HIER

Wenn man Hitler überfährt

Was haben Adolf Hitler, Josef Stalin und Saddam Hussein gemeinsam? Wahrscheinlich einiges diktatorisch Böse – und alle drei sind jetzt Darsteller bei einer Kampagne in Rumänien, mit der auf Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen werden soll. Der Slogan: „Well, it’s not like that. Usually, the Victim is an Innocent.“

Die rumänische Hilfsorganisation CCVR (Beratungszentrum für Opfer des Straßenverkehrs) zeigt viel schwarzen Humor – aber überschreitet die Grenze zur Geschichte Rumäniens nicht: Der Diktator Nicolae Ceausescu fehlt in der Kampgagne. Die von Publicis Bukarest entwickelte Printkampagne erzeugt aber auf jeden Fall Aufmerksamkeit für ein Thema, das sonst schnell ignoriert wird. Schöne neue Medienwelt.

Sandy: Die perfekte Boulevard-Welle

Mega-Welle

Monster-Hurrikan

Superstorm

Wheather Freakout

Frankenstorm

Land unter

Ich sag einfach #Sandy. Berichterstattung darüber muss sein, es ist auch ein relativ großer und wuchtiger Sturm. Aber: Ein bisschen weniger Aufgeregtheit und Effekthascherei tät uns allen sehr gut. Für eine Abrüstung der Worte. Danke.

Der Boulevard-Krieg um die griechische Insel

Es ist Sommer, und obwohl die Hitze derzeit gar nicht so schwül über unserem Land liegt, dürften manch einem Boulevard-Reporter die Sicherungen durchgebrannt sein. Die Gratis-Gazette „Heute“ trommelt Tag für Tag eine Geschichte, die windiger nicht entstehen konnte. Zuerst erschienen in einem Artikel in der italienischen Zeitung „Libero“ wurde erstmal abgeschrieben. Ist doch ein schönes Sommerthema: Eine Insel will sich von Griechenland lossagen und Österreich beitreten. Hat alle Aspekte einer luftigen Sommergeschichte. Die Geschichte ist daran aufgehängt, dass vor 100 Jahren diese Insel von den Griechen anektiert wurde und der Vertrag, der damals geschlossen wurde, genau jetzt auslaufen würde. Der Bild-Blog hat die Meldung übersetzt:

“Es wäre schwierig, unabhängig zu bleiben”, geben einige während einer der wenigen Veranstaltungen zu, die ein Vorspiel für die große Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeit sind. “Aber wir können nach der Annexion durch einen anderen Staat fragen: sicher nicht die Türkei, höchstens Österreich.”

In „Heute“ wurde das nicht nur abgeschrieben, sondern gleich in historischen österreichischen patriotischen Kontext ein bissl weitergetrieben:

„Laut italienischer Zeitung Libero wurde den Insulanern die Dauerkrise ihrer Regierung zu bunt. Sie fordern nun öffentlich: “Servus Athen, wir gehen nach Österreich!”

Was verblüfft: Die APA übernahm den Inhalt dieser (Nicht-)Geschichte und befragte in einem zweiten Teil dann sogar einen Verfassungsrechtler, ob ein zehntes Bundesland möglich wäre. Alle möglichen Experten kamen zu Wort – nur auf die Idee, auf der Insel anzurufen hatte keiner – außer die berühmt-berüchtigte „Boulevard-Schleuder „Österreich“. „Griechen-Insel will nicht (!) zu uns“ wurde getitelt nachdem man mit dem Bürgermeister einer Stadt auf der Insel geredet hatte. Alles also ein schlechter Scherz. Das ist aber vollkommen egal für „Heute“: Man titelte einfach: „Insel-Griechen traurig. Athen stoppt Beitritt“ und schrieb von den vom Österreich-Beitritt „träumenden“ Insulanern. Hört sich alles fast schon wie eine Realitätsverweigerung an. Man kann auf jeden Fall gespannt sein, welche Geschichten da noch als Nachzieher auftauchen. Immerhin sind einige deutsche Zeitungen auf diese Nicht-Geschichte aufgesprungen, und auch der Nachrichtensender n-tv.

Tragen wir alle Beiträge zu Ikaria zusammen und machen wir es so wie es der Bild-Blog abschließend schreibt: „Man könnte daraus ein Grabmal für den deutschsprachigen Journalismus bauen.“



„Trost & Rat“: Das Ende nach 200 Folgen

200 mal hat Willi Resetarits auf Radio Wien Trost und Rat gespendet. Und nun ist diese Sendung, die im „profil“ seinerzeit als Nachfolgesendung zu Heinz Conrads ausgerufen wurde, eingestellt.  Ein Abschied mit einer großen Gala in der Tschauner-Bühne. Mit dem Stubnblues, Witzkunde vom Herrn Geheimrat, Ernst Molden und den Foischn Wienern. Viel hat Resetarits getan für die Weiterverbreitung des Wiener Schmähs, für das Kennenlernen von Wiener Mundartkultur, für das Entdecken von Wiener Musikern. Er hat uns wirklich oft Trost und Rat gespendet. Nun aber: Resetarits scheidet in Unfrieden. Holen wir doch seine Sendung zurück, belehren wir die Format-Radio-Macher eines Besseren. Unterschreibt die Petition: http://petitionen.com/p/trost-und-rat-auf-radio-wien Damit der Schokoladenwind wieder weht.

Die Hymne, die Krone und ein Wolf namens Martin

Wolf Martin ist tot. Lange Jahre war er täglich in der „Krone“ mit einem Reim vertreten, erst vor kurzem zog er sich zurück. Kein Nachruf, sondern eine Wiederveröffentlichung aus meinem Archiv vom 27. Jänner 2010. 

Wolf Martin, der begnadete Dichter aus der Krone hat sich nun also auch zum Streit um die Bundeshymne zu Wort gemeldet. Natürlich in Reimform. „In den Wind gereimt“. Und natürlich hat er wie es so seine (Un-)Art ist wieder Revisionistisches und Hinhacken gegen die sogenannten „Gutmenschen“ hineinverpackt. Wie man jetzt um die Diskussion steht, ob in der österreichischen Nationalhymne neben den Söhnen auch die Töchter vorkommen sollen, steht – das ist in diesem Fall irrelevant.

Ganz interessant dieses mal allerdings: Erstmals hat er unter seinem Erguss als sozusagen Kleingedrucktes eine „Anmerkung“ abgedruckt, dass er das Gereimte gar nicht ernst meint. Darüber muss man jetzt schon nachdenken: Er meint also alles gar nicht so, wenn er seinen Hass auf alles was er nicht mag, loswird. Meint er es auch gar nicht so, wenn er am Geburtstag des Führers regelmäßig jedes Jahr ein Hohelied auf Adolf Hitler schreibt? Natürlich verklausuliert.

Auch die Anmerkung beim Hymnen-Gedicht lässt mich nicht daran zweifeln: Dieser Dichter ist einer der gefährlichsten in unserem Land.

Und hier nocheinmal zum Nachlesen die Grauslichkeiten des Wolf Martin. Aus der freien Enzyklopädie Wikipedia:

Im Jahr 1995 griff Martinek in zwei Krone-Gedichten massiv homosexuelle Menschen an. Am 28. Juli bezog er gegen „schwule linke Kirchenfresser“ [4] Stellung, am 10. September ortete er einen „Feldzug“ der „Linkslinken“ für „Landesverräter, Blasphemisten, für Kreuz-Entferner in den Schulen“ sowie „für Gruppen von verrückten Schwulen“ [5]. Daraufhin wurde er von einigen Mitgliedern der HOSI als ehemaliger Hosi-Aktivist geoutet. Das Nachrichtenmagazin Profil warf ihm daraufhin in einem Interview „Schwulenhetze“ vor [2] Martin dementierte das. Er habe niemals Schwule pauschal angegriffen.

Nicht nur seine Angriffe gegen Homosexuelle sorgten für Kritik an seiner Person. Für Aufsehen sorgten auch Gedichte, in denen er einzelne Künstler oder Personen öffentlichen Lebens frontal angriff: eine Polemik gegen Rudolf Scholten wurde etwa von Profil als antisemitisch beurteilt, in einem anderen Gedicht warf er Claus Peymann, Elfriede Jelinek und Peter Turrini vor, die Bühnenbretter des Burgtheaters mit „penetrantem Dreck“ zu besudeln. Kritisiert wurden auch seine Gedichte, in denen er die Migration als „sanften Holocaust“ bezeichnete, vor der „Vermischung“ der Völker warnte, Obdachlose als „lästig wie die Läus‘ und Wanzen“ bezeichnete oder – ganz im Gegensatz zu seinen Texten im FORVM – gegen Ausländer Stimmung machte.[1]

Solche pauschalverurteilende Texte brachten ihm zahlreiche Verurteilungen durch den Österreichischen Presserat ein. Für besondere Diskussionen sorgten seine Gedichte an den Geburtstagen Adolf Hitlers, am 20. April 1994 und 2001. So schrieb er 1994, er feiere „wenn man mich lässt, heut jenes Adolfs Wiegenfest, der einst in unserm schönen Land an allererster Stelle stand“ [6], womit er den ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf gemeint haben will, der am selben Tag Geburtstag hat. 2001 begann er das Gedicht mit „Fürwahr, ein großer Tag ist heut, ich hab mich lang auf ihn gefreut“ und beendete es mit den Worten „Ihm sei’s zur Ehre, uns zum Heil!“. Diesmal will er sich auf die zweite Staffel der ORF-Reality-Soap Taxi Orange bezogen wissen [7].