Graues Augenzwinkern

Die fabelhafte Welt der Traube-Nuss

In der letzten Zeit ist ein Plakat für ein Produkt von NÖM aufgefallen: Angelehnt an die Ästhetik des Filmes „Die fabelhafte Welt der Amelie“ wirbt man mit einem Joghurtbecher statt Audrey Tautou. Der Zusammenhang ist wahrscheinlich nur über einige Umwege herzustellen. Denn was hat ein Traube-Nuss-Joghurt genau mit der verspielten französischen Liebesgeschichte rund um die verträumte Amelie und den Foto-Automat-Nerd Nino zu tun? Ist es der Geschmack? Ist es der Verweis auf die Liebe auf den ersten Blick? Oder die Zerbrechlichkeit einer Liebe, die genauso schnell dahin sein kann wie ein Joghurt? Oder die Berufung, wie sie Amelie im Film hat, den Menschen eine Freude zu machen? Man kann die Intentionen der Kampagne nur erahnen.

Für Heiterkeit oder auf der anderen Seite mokiertes Kopfschütteln sorgen die abgewandelten Namen auf dem Fake-Filmplakat: Die „Paranuss-Studios“ setzen hier flugs Joghie Foster statt Jodie Foster auf die weibliche Hauptrolle. Keanu Reeves war wohl auch schon verplant – für ihn springt Keanuss Reeves ein. Der Regisseur heißt Clint Isstgut statt Clint Eastwood. An Stelle dieser Schauspieler würde ich ganz einfach mal eine Klage andenken  – denn wer will schon seinen Namen  vergenusswursteln lassen? Aber vielleicht hat NÖM das schon vorab abgeklärt – und ist daher nominiert für 3 Golden Grapes.

traubenuss

 

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Grasser-Protokolle als Vorlesung: „Wos woa mei Leistung?“

Überfüllt war er, der altehrwürdige Audimax. Nach der Veröffentlichung der Abhörprotokolle von Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und Co im Rahmen der Buwog-Affäre konte man dieses Thema nun im Rahmen einer „Vorlesung“ der Fakultät für Rechtswissenschaften genießen. Und niemand geringere als Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer trugen vor.

Da eine Vorlesung kein Medium sei, gelte für die Veranstaltung das Medienrecht nicht, begründete Dekan Heinz Mayr Rechtmäßigkeit der Auswahl des Vorlesestoffs.
Dies sei freilich für die Berichterstattung darüber in Text, Bild und Ton anders, weswegen er die zahlreichen im Saal anwesenden Journalisten vor Veröffentlichungen warnte: „Das kann sie bis zu 100.000 Euro kosten!“ Wir gehen dieses Wagnis ein. An dieser Stelle muss ich um freiwillige Spenden bitten, sollte an mich mit solchen Forderungen herangetreten werden.

Viel Prominenz war im Saal – am interessantesten war dass auch Grasser-Anwalt Manfred Ainedter und sein Kollege Michael Pilz, der Rechtsvertreter des von Grasser im Zuge der Buwog-Affäre geklagten ehemaligen Kabinettsmitarbeiters Michael Ramprecht, im Publikum saßen. Rechtsbeistand muss eben sein. Die öffentliche Verlesung der Protokolle beurteilte Ainedter als „kabarettistisch hochwertig, aber rechtlich bedenklich. Die Causa Grasser verkommt immer mehr zur Posse.“ Keine Frage, wer die Causa zur Posse gemacht hat. Fragen wir vielleicht bei #grassermovies nach.

Die drei „Gastprofessoren“ lasen mit verteilten und immer wieder wechselnden Rollen nicht nur aus den Telefonprotokollen von Gesprächen von Walter Meischberger, Ernst Karl Plech und Karl-Heinz Grasser, sondern auch aus den Tagebüchern Meischbergers. Was dabei sofot auffiel: Wenn diese Gespräche vorgelesen und nachgestellt werden, wirken sie noch skurriler. Nein, noch ärger: Man erkennt, wie dumm und patschert im negativen Sinn die beteiligten Protagonisten vorgingen.

Den größten Lacher erzielte der bereits bekannte Sager „Was woa mei Leistung?“, der vom Kabarettisten-Trio in einer schier unglaublichen Dramaturgie wie ein Abschlussgag eines Sketches gebracht wurde.

Conclusio: Ein gelungener Abend mit Einblick in die Netzwerke hinter der österreichischen Politik. Präsentiert mit einem Augenzwinkern, doch nicht außer acht lassend, dass es sich hier um ein sehr ernstes Thema handelt. Für alle, die keinen Platz mehr im Audimax gefunden haben: Die „Vorlesung“ wird am 31. Jänner wiederholt.

>>Alle Fotos gibt es HIER

Die Sowjetunion lebt!

Aus den Geschichtsbüchern ist sie schon 1989 verschwunden. Doch die Sowjetunion lebt. Ich meine jetzt allerdings nicht Sowjet Unterzögersdorf. Geleitet von Monochrom hat sich dort ein kleines Grüppchen dem Kommunismus verschrieben:

Im September 1947 wurde Sowjet-Unterzögersdorf gegründet. Ein Flecken brachliegender Erde wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer produktiven, der Zukunft entgegenstrebenden Kleinstrepublik.

Und das mitten in Österreich. Lasst uns alle einstimmen: „Ich will Planwirtschaft!“

Aber darum gehts mir gar nicht. Sondern um die „echte“ Sowjetunion. Die existiert nämlich noch immer. Zwar nicht mehr als Kollektiv – sondern in Form einer Person. Und diese Person hat in dieser Woche Wien einen Besuch abgestattet, ist aber wieder weitergereist. Für sachdienliche Hinweise über den derzeitigen Aufenthaltsort der Sowjetunion würde ich mich dankbar zeigen. Ein Exklusiv-Interview mit der Sowjetunion – das könnte man News oder der Bild-Zeitung sicher gut verkaufen.

Piefke-Bashing

Derzeit häufen sich in Wien die Plakate mit der Aufschrift: „Dein Boss ist Piefke? Kirchenaustritt jetzt!“ Wie wohl ich bei der erstmaligen Sichtung geschmunzelt hab, bin ich danach doch ins Nachdenken gekommen. Nimmt das Piefke-Bashing in Wien zu? Oder ist das nur eine Folge dessen, dass die Deutschen schon die größte Gruppe „mit Migrationshintergrund“ wie man so schön sagt in Wien darstellt. Und dadurch unbeliebter wird?

Wie erklärt Wikipedia das Wort „Piefke“?

Verwendung und Bedeutung von Piefke in Österreich sind dem in Altbayern verbreiteten Preiß für Landsleute nördlich des Weißwurstäquators vergleichbar, auch im westlichen Österreich wird dieser Begriff eher verwendet als Piefke, allerdings werden dann die Bayern, im Gegensatz zum östlichen Österreich meist davon ausgenommen. Diese Bezeichnungen gehören zur Gruppe der Ethnophaulismen („abwertenden Fremdbezeichnungen für Volksgruppen“). Die in Deutschland für Österreicher verwendete Bezeichnung „Ösi“ ist ein direktes Äquivalent, da es in gleichem Maße teilweise abwertend, oft aber auch wertfrei verwendet wird.

Die Deutschen nehmen den Österreichern Studienplätze weg. Die Deutschen nehmen uns Billig-Jobs (Deutsche als Kellner in Wien sind schon Usus) weg. Und zu alldem war die Beziehung zwischen Österreichern und „dem großen Nachbar“ ja schon immer historisch belastet. Zumindest wenn man sich nicht zu deutschtümmelnden Rechten oder schlagenden Burschenschaftlern zählt. Aber genau hier liegt das Problem. Dass uns die gemeinsame Sprache zusammenschweisst – und viel zu viele noch imemr aus der gemeinsamen Geschichte unbedingt auch eine deutsch-österreichische „Volksgemeinschaft“ herauslesen wollen.

Auf der anderen Seite: Der „Piefke“ gilt in Österreich als laut, arrogant, besserwisserisch und – selbst wenn man ihn als Tourist braucht – als geizig. Er ist der Repräsentant des deutschen Spießertums, dem der österreichische Autor Felix Mitterer in den 90er Jahren die TV-Serie „Piefke-Saga“ widmete.

Aber trotzdem gibt es einen typischen „Deutschenhass“ nicht wirklich. Jedenfalls wird von denjenigen Menschen, die für ausländerfeindlichen Hetztiraden anfällig sind, Volksgruppen wie die Türken und die Serben in ganz anderer Weise angefeindet. Liegt das nur an der Sprache? Oder integrieren sich die Deutschen einfach besser? Oder mag man einfach die Arroganz?

Satirisch abgehandelt hat den Ansturm der Deutschen „SpiegelTV“. Köstlich:

Das Kraken-Orakel stellt sich gegen „Schland“

Ein Medienereignis, das an Skurrilität fast nicht mehr zu überbieten ist: Der Krake Paul aus dem Großaquarium Sealife in Oberhausen fungiert als Orakel für die Spiele der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM: Und diesesmal hat der Octopus eine Niederlage prophezeit:  Unter Beobachtung mehrerer Fernsehteams hat er sich für das mit der spanischen Flagge gekennzeichnete Muschelfleisch entschieden.

Der Nachrichtensender n-tv hat sogar live übertragen – mit einer Moderation wie bei einem Pferderennen, bei dem es um die Wurscht geht. Eine Sternstunde des Sportjournalismus.

Nach der Orakel-Vorhersage gingen die medialen Wogen hoch, bild.de war entsetzt:

„Paul kommt in den Topf“: Fan-Wut auf Kraken-Orakel

Der Verkauf von Tintenfisch dürfte auf jeden Fall in die Höhe schnellen, denn viele Deutschland-Fans sind sich einig: „Heute Abend gibt es Tintenfisch-Salat bei uns zuhause, dann wird alles gut.“

Bisher hat Octopus Paul alle deutschen Begegnungen der WM in Südafrika richtig „vorhergeschmeckt“, auch bei der Euro 2008 war er schon als Orakel im Einsatz – und damals sagte er nur das Finale falsch voraus – das war aber das Spiel Deutschland gegen Spanien.

Schon vor dem Spiel gegen Argentinien, das Paul richtig tippte (Deutschland hat 4:0 gewonnen), sorgte der Krake für Medienecho sogar in Argentinien:

Die Bild-Zeitung berichtete:

Geschmacklos! Die Argentinier drohen unserem Kraken-Orakel Paul mit dem Kochtopf, wollen ihn in die Paella schnippeln.

Der Oktopus aus dem Aquarium „Sea Life“ in Oberhausen hat alle deutschen WM-Spiele richtig getippt und für heute auf Sieg gesetzt. Paul hatte das Muschel-Leckerli aus dem deutschen Topf gefischt und den argentinischen verschmäht.

Das argentinische TV berichtete entsetzt darüber. Die Zeitung „El Dia“ druckt ein Rezept: „Es reichen vier normale Kartoffeln, Olivenöl je nach Geschmack und ein bisschen Pfeffer, um Krake Paul ein unbequemes Schicksal zu bescheren.“

Und wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, boten die Argentinier auch eigene Tierorakel auf:

Gegen das bisher unfehlbare Tier-Orakel, das einen deutschen Sieg im WM-Viertelfinale «vorhergesagt» hat, bieten die Südamerikaner in Buenos Aires und Mar del Plata die geballte heimische Tierwelt auf. Delfin Sayko, Seehund Macky, Schildkröte Jorge, Papagei Paco und die Promenadenmischung Clarito machten mit ihren Entscheidungen alles klar: 5:1 für Argentinien. Der internationale Tier-Spaß geht weiter.

Der Tintenfisch als Medienstar:  Es gibt eine eigene Facebook-Seite, die Tierschutzorganisation PETA wollte ihn freilassen und sogar Fälschungen wurden schon versucht –  ein Witzbold  hatte vorab ein gefälschtes Bild mit Paul auf dem spanischen Glas in Umlauf gebracht.

Interessant: Der Tintenfisch hat neun Gehirne – acht in den Fangarmen – und drei Herzen. Ob er sich wirklich für Fußball interessiert ist allerdings nicht überliefert.

Arschtritt für den Hasen

Ostern ist vorbei.

Die Auferstehung vollzogen.

Was bleibt? Viel Schokohasen. Und die Frage: Sind die Schokohasen von heute die Schoko-Nikolos von gestern. Oder gar von morgen?

Kein Ruhetag auf den Golan-Höhen

In  Bad Schallerbach wird Weltpolitik geschrieben – nennt sich dort doch eine Jausenstation und Mostschenke „Golan-Höhen“. Wieso dieser Name?

Zum Weltpolitischen: Die Golan-Höhen werden seit dem Sechstagekrieg von Israel besetzt. 1981 annektierte Israel das Gebiet. Der Status der Golanhöhen ist ein Hindernis für die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten. Darum sind dort UNO-Truppen stationiert – und auch Österreicher.

Rund um die Uhr versehen die österreichischen Soldaten auf den Golan-Höhen ihren Dienst. Ihre Hauptaufgabe: Sie beobachten und überwachen die Truppentrennungszone, die als Puffer zwischen den Konfliktparteien dient.

Quelle: Österreichisches Bundesheer

Unsere harte Recherche hat ergeben, dass es auf den Golan-Höhen keinen Ruhetag gibt – aber dafür Bier vom Fass. Ein Anreiz für österreichische Soldaten für den Auslandseinsatz?