i.me.nenz

Alles renkt sich wieder ein

Gustav spricht mir aus der Seele. Und mit ihr die Trachtenkapelle Dürnstein.

Symphonisch, kitschig, schaurig,  schwarz und traurig, aber immer optimistisch. Und so schön.

Irgendwann geht das vorbei.

Ich habe eine Sehnsucht, nach der nächsten Katastrophe,
denn wenn wir gemeinsam leiden, fällt dieses Unbehagen ab.
Der Zufall ließ uns weiter leben, der Überdruss ging vor der Angst,
ließ uns einander fest umklammern und hoffen, für den nächsten Tag.

Mach aus den Städten Schutt und Asche, ich will nie wieder Sonnenschein,
ein Menschenleben weg genügt nicht, es müssen Gottesleben sein.
Ich will die Kinder weinen hören, die Mütter einsam fleh’n am Grab –
und keine Vögel soll’n mehr singen, nur unsere Melodien erklingen.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Während die Feigen Tode suchen, der Knechtschaft Qualen wolln entgehn,
sich ängstlich in den Abgrund stoßen, wird unsre Melodie bestehn.
Wir überwinden jede Hölle, ob Hagel, Blitze, Feuer, Glut.
Verwandeln klägliches Gesänge, in Harmonie und neuen Mut.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Vü föd ned und i waan

Eigentlich könnte man meinen, hier handelt es sich um ein echtes Wienerlied, das Ernst Molden gemeinsam mit Walter Soyka schrammelt – auf der CD „Foan“ ist die Nummer übrigens mit Willi Resetarits eingespielt, nicht minder großartig. Doch: Es ist kein echtes Wiener-Lied, sondern ein Uralt-Klassiker von Hank Williams: „I’m so lonesome I could cry“ verliert im Wienerischen das „lonesome“ und wird zu „Vü föd ned und i waan“.

Schon Johnny Cash ist auf ihn aufmerksam geworden und hat den „Hadern“ gemeinsam mit Nike Cave gecovert. Auch eine fantastische Cover-Version. So wie die Version vom King himself: Elvis Presley sagte zu dieser Nummer: „The sadest Number I’ve ever heard in my life“.

Doch richtig ins Herz geht die wienerische Version:

Schau her, die oamen Tauberl do,
wos z’blad zum Fliagn san
die letzte S-Bahn bremst si ein
vü föd ned und i waan.

Es is a recht a koite Nocht
und du kummst ned daher
der Mond versteckt si hinterm Haus
fü vöd ned und i rea

Und schau der oame Essigbam
dem wos de Blattln odiat san
des haast er hot ka guate Zeit
vü föd ned und i waan.

Und hinterm Herrmanskogel stirbt a Stern
weil ma eh scho so lustig san
und wia i nochdenk wo’s du bleibst
passierts daun dass i waan.

HIER klicken für das Video von „Vü föd ned“ – oder direkt auf das Bild:

Der Text der Original-Version von Hank Williams:

Hear that lonesome whippoorwill?
He sounds too blue to fly.
The midnight train is whining low:
I’m so lonesome I could cry.

I’ve never seen a night so long,
When time goes crawling by.
The moon just went behind a cloud,
To hide its face and cry.

Did you ever see a Robin weep,
When leaves begin to die?
That means he’s lost his will to live.
I’m so lonesome I could cry.

The silence of a falling star,
Lights up a purple sky.
And as I wonder where you are,
I’m so lonesome I could cry

Die Version von Johnny Cash und Nick Cave:

Ganz im Stil seiner American-Recordings-Serie

Interessanterweise eine Cover-Cover-Version. Johnny Cash hat die Nummer nämlich schon im Jahr 1960 gecovert. Und sich Jahrzehnte später dann mit schon älterer Stimme sozusagen selbst gecovert. Genial:

Und hier noch die Version von Elvis Presley – für ihn der traurigste Song aller Zeiten:

Perfect Day

Ab und an ist es genau gegenteilig, und dann kann man sich wieder an Lou Reed aufrichten. Zumindest probieren. Oder traurig sein, dass es nicht so ist. Und das seit 1972, da ist dieser Titel rausgekommen.

Just a perfect day,
Drink Sangria in the park,
And then later, when it gets dark,
We go home.
Just a perfect day,
Feed animals in the zoo
Then later, a movie, too,
And then home.

Oh it’s such a perfect day,
I’m glad I spent it with you.
Oh such a perfect day,
You just keep me hanging on,
You just keep me hanging on.

Just a perfect day,
Problems all left alone,
Weekenders on our own.
It’s such fun.
Just a perfect day,
You made me forget myself.
I thought I was someone else,
Someone good.

Oh it’s such a perfect day,
I’m glad I spent it with you.
Oh such a perfect day,
You just keep me hanging on,
You just keep me hanging on.

You’re going to reap just what you sow,
You’re going to reap just what you sow,
You’re going to reap just what you sow,
You’re going to reap just what you sow…

Michael Jackson – Das letzte mal in Gold

Nur 50 Jahre ist das Polyester-Maxl (Copyright Alexander Bisenz aus einem Uralt-Kabarett-Programm) geworden. Und um Grissemann und Stermann zu zitieren: „Die Würmer werden sich wundern“.

Das letzte Goldene war keine Schallplatte, kein Bühnenoutfit,  sondern sein goldener Sarg. Der „King of Pop“ ist über sich selbst gestolpert. Über seinen Lebensstil, seinen Bubbles, seine Gesichtsoperationen, seine Neverland-Ranch, seine zu große Zuwendung zu Kindern, seine Einsamkeit.

In seinem Frühschaffen gibt es aber doch ein paar interessante Nummern, und auch viel Verarsche. Im Memoriam Michael Jackson: Erst „Eat it“, dann „I’m fat“. So wies halt ist. Die Verarschungen sind übrigens vom Weird Al Yankovic.

„Beat it“ vom Jackson ist noch aus der Zeit, wo er noch halbwegs normal ausgesehn hat und halbwegs normale Musik gemacht hat. Bei „I’m Bad“ sind mir dann schon die Krausbirnen aufgestiegen. Brrr.

Aber weil der Song noch immer nicht abgedroschen ist, geb ich ihn als dritte Memorial-Nummer dazu: „Billy Jean“, ein wirklich genialer Song.

Yeah Yeah Yeahs live in der Wiener Arena

Die Yeah Yeah Yeahs live. Auf ihrem neuen Album „It’s Blitz“ führen sie einen discotauglichen Elektro-Punk vor, der live nicht ganz hält, was er von der Studioproduktion verspricht. Die Stimme von Karen O wirkt zu brüchig, zu überanstrengt, obwohl ihre Stimme die teils hervorragenden Melodien tragen sollte.

Im Herumhopsen und Punk-Posen-schwingen und Schnell-Kleider-Wechsel kann man der Sängerin allerdings nichts mehr vormachen.

Der Sound in der Wiener Arena war auch schon einmal besser. Neben den zu lauten hohen Tönen wär etwas mehr an Bass-Leistung ganz gut gewesen.

In der zweiten Hälfte des Konzerts konnte die Band aber etwas an Gas zulegen, mit dem alten Hadern „Gold Lion“ und der ersten Single des neuen Albums, das jetzt schon eine Hymne ist, „Zero“, kam ordentlich Stimmung in die zuvor schon etwas ermatteten Glieder in der nicht ausverkauften Arena.

Bonuspunkt für das Bühnenbild: Ein riesengroßes Ballon-Auge, umrandet von einer psychedelischen blauen Spirale, wie von der Bregenzer Festspielbühne gestohlen. Punkteabzug dafür, dass man diese Bühnenkonstruktion mit besserer Beleuchtung noch besser ins Rampenlicht hätte rücken können. Aber dafür hats Confetti-Regen gegeben.

>>Hier gibts mehr Bilder und eine handfeste Kritik

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Quetschn-Punk und 30er-Jahre-Balkan-Dixie

Rideontime.at, die ach so wienerisch genannte Jugendplattform der Wiener Linien hat im WUK Geburtstag gefeiert. Und ich überleg mir grad: Wofür gibts diese Plattform eigentlich? Bin dankbar für sachdienliche Hinweise.

Jedenfalls: Party im WUK, bei schönstem Schanigartenwetter und mit Live-Auftritten von Attwenger und Fatima Spar and the Freedom Fries.

Zuerst traten Fatima Spar auf, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Damals hatte ich sie im Roten Salon des Volkstheaters gesehen, und dort hatte diese Musik im Stil der 30er-Jahre mit Balkan-Einschlägen genau hingepasst. Diesmal war ich eher enttäuscht. Zu dixieländig waren mir die Bläsersoli, zu verwechselbar der Balkan-Einschlag. Am besten hat mir noch die Stimme von Fatima gefallen – und das verraucht französisch klingende Akkordeon. Und das war wohl der Übergang auf die an diesem Abend bessere Band – auf Attwenger.

Zu Attwenger gibt es ja eigentlich nicht mehr viel zu sagen, ich habs ja schon sehr oft live gesehen. Und jedes mal dasselbe: Bei den Auftritten von Binder und Falkner wird mir immer vor Augen geführt, was man aus der Ziehharmonika rausholen kann. So viel hatte ich damals nicht drauf, als ich von meinen Eltern sanft gezwungen worden war, Akkordeon zu lernen.

Wie immer ein sprechgesanglich hochwertig monotoner Drum and Akkordeon-Event. „Werma schaun, werma sogn.“ Nicht nur monoton, dazwischen auch feurig mit Landler und „I und du und nu a Mau.“

Ein bissl leise ist mir das Akkordeon vorgekommen. Zwei Erklärungsmodelle: Ich bin nach so vielen Konzerten halbtaub. Oder die Wiener Linien schaun auf unsere Jugend und lassen die Regler weiter unten.

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Kreisky: Die Angst, der Teufel zu sein

„Wir hören die Motoren, wir hören die Motoren. Da sind Flugzeuge im Sturm.“ Der Text des Openers zum am 23. März erscheinenden zweiten Albums von Kreisky legt den Grundstein für zehn Songs, die auf Punk-Traditionen und Post-Hardcore-Elementen mit röhrendem Gitarrensound aufbauen. Die deutschen Texte sind konsequent typisch-österreichisch grantig und beleuchten das Leben von einer deutlich depressiv angehauchten Seite mit einer gehörigen Portion Weltschmerz.

>>Der volle Text und alle Konzert-Termine

>>Alle Bilder vom Album-Release-Live-Konzert im Flex

„Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ ist der Titel des Albums und zitiert damit das allgemeine Schuldbekenntnis der katholischen Liturgie. Konsequent werden dann auch ur-katholische Themen in den Songs verarbeitet: Neid, Eifersucht, Schuldgefühle und andere Sünden geben einen Einblick in die österreichische Seele – dargeboten von einem gesanglich zwischen Arroganz und dem Wunsch nach Hinausschreien pendelnden Franz Adrian Wenzel.

Musikalisch arbeitet Kreisky mit einem klassischen Band-Set Up: Schlagzeug (Klaus Mitter), Bass (Gregor Tischberger), Gitarre (Martin Max Offenhuber), Orgel und die unverkennbare Stimme von Wenzel. Dieser ist neben seiner Rolle als Frontmann von Kreisky auch weltberühmt in Österreich als Austrofred, der es sich in grantelnder Manier zum Ziel gesetzt hat, den Austropop zu retten und über Queen-Klassiker die bekanntesten Texte von Austopop-„Hadern“ singt.

Im Unterschied zum unbetitelten Debüt-Album von Kreisky klingt das neue Werk deutlich professioneller, wuchtiger und roher. Dem Grundsatz, dass sie keine Genre-Band sein wollen, bleiben die vier Kreiskys weiterhin treu: Keine Anbiederung an formatradiotauglichen Deutsch-Rock, im Gegenteil, der Sound ist kantig und geprägt von schnellen Taktwechseln.

Hitpotenzial zumindest in der alternativen Szene haben einige Titel. In „Die dummen Schweine“ werden Wünsche vieler Männer zu eingängigen Gitarrenriffs formuliert: „Das ist mein größter Wunsch: Alle Mädchen laufen mir nach und ich lasse sie stehen.“

Neben der Single „Asthma“ kann der Track „Dow Jones“ mit seiner erfrischenden Aufrichtigkeit und Power punkten, die auch live funktioniert: „Und wann sind wir endlich daheim? Wir sind nie daheim. Wann kommen wir endlich heim? Wir kommen nie heim.“

Eine gelungene Weiterentwicklung im Vergleich zur ersten Platte, die auch textlich formuliert ist: Hieß es beim Erstlingswerk noch: „Es gibt genug zu fürchten, 1000 Gründe Angst zu haben“, geht es jetzt ums Eingemachte: „Ich habe Angst vor tiefen Gewässern, ich habe Angst alleine zu bleiben, ich habe Angst vor zu klugen Leuten und oft hab ich Angst, der Teufel zu sein.“

>>Alle Bilder vom Album-Release-Live-Konzert im Flex

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