Konzert

„Das ist unser Lied“

Musik ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte, wenn schon sonst nichts großartiges dabei rausgekommen ist. Musik prägt unser Leben, Musik lässt uns mit den Beinen wippen, Musik lässt uns tanzen, Musik lässt uns mitsingen und mitklatschen und mithüpfen und träumen. Und auf der anderen Seite kann Musik auch alle Arten der negativen Emotionen auslösen.

Viele Musiktitel sind in unserem Unterbewusstein verankert. Wie viele Menschen können Songs noch immer nachsingen, obwohl sie den Titel schon jahrelang nicht gehört haben.

Natürlich gibt es auch die Kategorie „Mein Song“: Als Liebespaar hat man oft den einen Song, bei dem man sich vielleicht das erste mal auf der Tanzfläche geküsst hat. Oder bei dem man am Festival das erste mal miteinander getanzt hat. Denkt mal nach, jeder hat solche Lieder. Und auf der anderen Seite auch Songs, die beim Wiederhören sofort eine tiefe Traurigkeit auslösen. Weil etwas schlimmes passiert ist als der Song gerade gelaufen ist. Direkt beim Schlussmachen ist er damals gelaufen. Oder direkt als man den Anruf bekommen hat, dass…

Manchmal stehen ganze Konzerte unter einem so schlechten Stern, dass man bei den Songs des Acts nur mehr an etwas trauriges denken kann. Ein richtig schönes Abschiedlied für uns ist seit kurzem aus gegebenem Anlass „Meine Damen, meine Herren“ von Voodoo Jürgens. Überhaupt sehr tauglich als Abschiedslied mit wunderbar traurigen Textzeilen:

„Jetzt lieg i do, gaunz allanich, owa gehts weiter, i wü eich ned quön.
Geh hauts eich über die Häuser, owa denkts an mi, mochts es gscheider“

Und dann gibts noch die Songs, deren tieftraurige Texte man deshalb mitsingen kann, weil man es selbst schon ungefähr so erlebt hat. Wir schließen uns dem leisen Mitsingen an.

Advertisements

Kampf den Dativ

Ein legendärer Auftritt einer legendären Band. Fast 14 Jahre haben wir warten müssen auf die Reunion. Um uns den Weihnachts-Einkaufs-Frust zu nehmen, beglückten sie uns zu allem Überfluss mit eigenem Merch. Und auch wenn auf den T-Shirts vermerkt ist: „Müde, betrunken, gelangweilt“ – wir waren all das an diesem Abend nicht. Obwohl: Betrunken zu späterer Stunde vielleicht schon ein bisschen.

Wir machen uns Sorgen um Dich

Genau das ist der Schriftzug auf dem neuen T-Shirt von Kreisky. Gibt es auch als Strampler-Version. Und wurde erstmals verkauft nach dem Konzert im Radiokulturhaus. Einem Sitzkonzert in Ledersesseln. Auch das funktioniert bei Kreisky. Denn die Band um Franz Adrian Wenzel bleibt störrisch. Und ein bisschen wütend. Aber auch ängstlich, bei der Tonaufzeichnung den falschen Ton zu erwischen. Viel zu junge Mädchen.

kleiskyDSC08243kleinDSC08251 kleinDSC08257

Des Volkes Stimme

Volksstimmefest 2014 auf der Jesuitenwiese. Die namensgebende Tageszeitung gibt es schon lang nicht mehr, die KPÖ ist jahrzehntelang keine ernstzunehmende politische Kraft mehr und das glanzvolle Fest von damals hat sich den politischen Veraänderungen anpassen müssen: Nichtmehr sowjetische Olympiasieger treten auf, nicht mehr Delegationen aus sämtlichen „Bruderstaaten“ werben für ihren „Sozialismus“ – übriggeblieben sind die Stände der Kubaner, der „Nicaragua-Brigadisten“ und der linken Parteien Deutschlands. Auch der Budweiser-Biergarten wird nicht mehr sozialistisch nach tschechoslowakischer Manier geführt – was man auch am Bierpreis ablesen kann. Und doch: Es ist ein Fest der Langsamkeit, der Gemütlichkeit, ein Fest das keine Neuerungen braucht. Ein Fest mit noch immer guten Bands und Konzerten. Einfach das schönste Open-Air Fest Wiens. Man sollte allerdings endlich einmal ein ernstes Wort mit dem Wettergott reden. 

Let’s go crazy: Prince und seine Live-Perlen

Prince ist zurück, The Artist formerly known as Prince nennt sich eh schon lang wieder Prince, nur sein „Love Symbol“ ist auch bei seinen aktuellen Auftritten noch immer omnipräsent – sei es als Mikrofonständer oder in Gitarrenform. Prince tourt derzeit mit 3rdEyedGirl und kommt am 7. Juni auch nach Wien! Bei seinem Auftritt bei den Billboard Music Awards 2013 präsentierte er sich als Wuschelkopf-Träger mit Anleihen an Lenny Kravitz. Nicht nur das erste der von mir zusammengetragenen Videos zeigt die Perfektion des Gittaristen Prince. Er umgab sich schon oft mit Gefährtinnen wie Sheila E. – diesmal setzt er ganz auf eine Frauen-Band. Und das zurecht. Die Vorfreude aufs Konzert ist groß!

Let’s go Crazy – brilliante Performance mit 3rdEyedGirl. Funky Stuff

Controversy – Einer der ersten Hits. Eingängiger Funk mit Falsettgesang

1999 – wird auch 2199 noch aktuell sein

Get Off – Einfach „fett“

Purple Rain – Der Klassiker, bei dem es bei Open-Air-Konzerten immer purpur zu regnen beginnt.

The Cross – Von der Ballade zum Wutschrei

Daddy Pop – Prince, der Tänzer in Jackson-Manier (nur mit viel mehr Funk)

Take mit With U  – Feelgood Daddy Prince

Zugabe: Prince als Blues-Gittarrist.

Depeche Mode: Der Rückzug auf die Kernkompetenz

Depeche Mode in der Wiener Stadthalle. Ausverkauft. Ein Sammelsurium von Konzertbesuchern in den verschiedensten Altersklassen – doch natürlich ein Überhang der Mode-Fans, die auf die Klassiker stehen. Die letzten drei Alben, die in der elektronischen Szene für Beifall sorgten, werden von diesen Fans nicht unbedingt mitgetragen. Und das weiß die Band: Auch wenn der Opener des Konzerts von der neuen CD kommt: Man bemüht sich nichtmal, den Titel „Welcome to my World“ live so umzusetzen, dass Stimmung aufkommt. Denn Stimmung gibt es vor allem bei den Klassikern: „Personal Jesus“, „Enjoy the Silence“, „I feel You“ um nur drei zu nennen. Hier ist die Kernkompetenz der Band: Die großen Hits seit vielen Jahren in eingepassten Live-Versionen zu performen, die das Publikum befriedigen. Das funktioniert gut, lässt bei uns nur den schalen Geschmack zurück, dass die Band trotz guten neuen Studioalben (ausgenommen die auch beim Konzert verunglückte Single „Heaven“) keine neuen Standards mehr setzen will, zumindest nicht live.

Übrigens hervorragend wie immer: Christian „Angelface“ Eigner an den Drums, der österreichische Beitrag in der Live-Formation. Und ein zweites übrigens: Die Acoustic-Songs, die von Martin L. Gore performt werden, könnte man sich einfach sparen, das zeigt das Wegfluten des Publikums während dieser Songs zu den Bierständen. Natürlich ein drittes übrigens für Dave Gahan: Er ist die Rampensau der Band, der mit Coolness und nacktem Oberkörper noch immer die Herzen des weiblichen Publikums höher schlagen lässt.

Doch Kollege Peter Huber hat diese Eindrücke noch eindringlicher zusammengefasst, ein LeseTipp:
>>Depeche Mode in Wien: Gefangen in der Routine

Sharp Dressed Man

Gimme all your Lovin‘, Sharped Dressed Man, Legs. In the Army now, Whatever You Want, Rockin‘ All Over the World. Texanische Wüsten-Rocker versus englische Rock-Gentlemen. ZZ Top vs. Status Quo. Wiesen. Lovely Days. Perfekte Choreographie. Lange Bärte. Partystimmung. Und teures Bier. Bleibt nur die Frage: Wieso wird das Lovely Days noch immer in der Mehrzahl geschrieben, obwohl das Festival seit langem nurmehr an einem Tag stattfindet? Und eigentlich noch eine zweite Frage: Wie viele Leute kann man noch auf das Gelände in Wiesen schlichten? – das Gedränge war schon fast beängstigend.

>>Alle Infos und Fotos gibts hier