Archiv der Kategorie: Party

Regenbogenparade

Schrill. Laut. Queer. Ein Regenbogen am Wiener Ring.



Des Volkes Stimme

Volksstimmefest 2014 auf der Jesuitenwiese. Die namensgebende Tageszeitung gibt es schon lang nicht mehr, die KPÖ ist jahrzehntelang keine ernstzunehmende politische Kraft mehr und das glanzvolle Fest von damals hat sich den politischen Veraänderungen anpassen müssen: Nichtmehr sowjetische Olympiasieger treten auf, nicht mehr Delegationen aus sämtlichen „Bruderstaaten“ werben für ihren „Sozialismus“ – übriggeblieben sind die Stände der Kubaner, der „Nicaragua-Brigadisten“ und der linken Parteien Deutschlands. Auch der Budweiser-Biergarten wird nicht mehr sozialistisch nach tschechoslowakischer Manier geführt – was man auch am Bierpreis ablesen kann. Und doch: Es ist ein Fest der Langsamkeit, der Gemütlichkeit, ein Fest das keine Neuerungen braucht. Ein Fest mit noch immer guten Bands und Konzerten. Einfach das schönste Open-Air Fest Wiens. Man sollte allerdings endlich einmal ein ernstes Wort mit dem Wettergott reden. 

Regenbogen in Wien

Es ward angerichtet: Die Regenbogen-Parade. Schrill wie immer, mit „Rise like a Phoenix“ gewürzt. Bestes Paraden-Wetter. Beste Stimmung. Und: Es wär so schön, wenn der Ring ganzjährig autofrei wäre.

Sharp Dressed Man

Gimme all your Lovin‘, Sharped Dressed Man, Legs. In the Army now, Whatever You Want, Rockin‘ All Over the World. Texanische Wüsten-Rocker versus englische Rock-Gentlemen. ZZ Top vs. Status Quo. Wiesen. Lovely Days. Perfekte Choreographie. Lange Bärte. Partystimmung. Und teures Bier. Bleibt nur die Frage: Wieso wird das Lovely Days noch immer in der Mehrzahl geschrieben, obwohl das Festival seit langem nurmehr an einem Tag stattfindet? Und eigentlich noch eine zweite Frage: Wie viele Leute kann man noch auf das Gelände in Wiesen schlichten? – das Gedränge war schon fast beängstigend.

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Bunter Regenbogen: „Seid wild und tut was schönes“

Regenbogenparade in Wien. Sonne, nackte Haut, laute Beats, ein Korso „andersrum “ um den Wiener Ring – eine bunte vielfältige Demonstration gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und Transgender-Personen. Lasset die Bilder sprechen.

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Flüchtlingsball: Nicht das „Köpferl in Sand“ stecken

Klares Motto beim Wiener Flüchtlingsball im Rathaus, der zum 19. Mal zugunsten des Integrationshauses stattfand: „Wir rufen zur Solidarität mit Asylsuchenden auf und fordern eine verantwortungsvolle Flüchtlingspolitik“, forderte Geschäftsführerin Andrea Eraslan Weninger bei der Eröffnung.

Das „Balllied 2013″, das mit Unterstützung von Willi Resetarits und Beatrix Neundlinger als Mitternachtseinlage vom Chor des Integrationshauses gesungen wurde, untermauerte diese Forderung: Frei nach Arik Brauer solle man nicht „sein Köpferl in Sand“ stecken.

Zuvor hatte einer der Asylsuchenden, die seit Wochen in der Votivkirche protestieren, um Hilfe appelliert. Khan Adalat brachte sein Anliegen auf den Punkt: „Helft uns!“

Aber es wurde auch gefeiert und getanzt – bei legerer Balletikette statt starrer Tradition. Auf zwei Live-Bühnen traten Musiker aus aller Welt auf, die ihren Lebensmittelpunkt nun in Wien gefunden haben. Für den Höhepunkt auf der Tanzfläche sorgte die Gruppe Bongo Botrako aus Barcelona mit ihrer Mischung aus Rumba, Reggae, Ska und Punk-Musik.

Auch heuer wollte der Ball nicht die Klischees der walzerseligen Wiener Balltradition bedienen, sondern strahlte das Charisma einer großen Party für Freunde aus – und dafür braucht man nicht unbedingt Walzerklänge. Diesem Konzept wird man wohl auch beim 20-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr treu bleiben.

fluechtlball

 

Karlskirche duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt

Die Wiener Karlskirche: In Auftrag gegeben von Kaiser Karl VI, wurde sie von Johann Bernhard Fischer von Erlach als zentrale Verbindung zwischen Rom und Byzanz gestaltet. Aus diesem Grund vereint die Karlskirche bewusst Elemente aus christlichen und islamischen Sakralbauten. Heute steht sie auf einem zentralen und großen Platz Wiens – die mächtige Kulisse wird immer öfter für Festivals vom Popfest bis zum Straßenkünstlerfestival benutzt, schön langsam wird das Image des anrüchigen Karlsplatzes immer besser.

Am 13. Oktober konnte man die Karlskirche in einer Form bewundern, wie man sie sonst noch nie gesehen hat. Der Videokünstler Markos Aristides Kern und das DJ-Team Makossa & Megablast verwandelten die Karlskirche in eine riesige Projektionsfläche. Die Kirche hüpfte, drohte zu zerschmelzen, wurde dann von wild wuchernden Pflanzen überwachsen, von riesigen Spinnen erklommen, mutierte zum DJ-Deck mit riesigen Lautsprechern, wurde duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt. Und das alles in 3D verblüffend real. Ein Augenschmaus zu dem tausende Wiener vor dem Spektakel im Dunklen ausharrten.

Für die Performance ist ein weltweit einmaliges Projektionsfahrzeug zum Einsatz gekommen: das Multi Media Offroad Vehicle. Das MMOV macht es möglich, Fassaden mobil live zu bespielen. Wien war die letzte Station einer von Intel präsentierten Roadshow. Auch  der Berliner Olympiapark oder der Dresdner Zwinger wurden mit dem MMOV bespielt.

Einziger Wermutstropfen: Das Wiener Publikum. Tolle Musik, tolle Performance – und die Zuschauer standen dort wie die Zombies. Wie im Theater wurde man fast schief angeschaut, wenn man zu laut redete oder sich zur Musik bewegte. Wien hat noch einen weiten Weg in den Köpfen von der Provinzstadt zur Weltstadt.

 

98 Percent Funky Stuff

„Two Percent Jazz and 98 Percent Funky Stuff!“ – so war es (leider) nicht ganz bei den Nova Jazz & Blues Nights. Allerdings: Funk vom feinsten wurde geboten getreu dem Motto von Maceo Parker. Das ehemalige Bandmitglied von James Brown sorgte mit seinem Altsaxofon und seiner Funk-Truppe auch für den Höhepunkt des Festivals in Wiesen.

Aber auch George Benson sorgte für Gänsehaut – mit seinen Radio-Wien-Hits wie „On Broadway“, das gehört ja zum Klassiker-Repertoire. Auch angestimmt hat er „Nothing gonna change my love for you“, ein Klassiker – wobei nur die wenigsten wissen dass dieser Hit aus der Feder von Benson stammt. Nicht zu vergessen: Er ist ein begnadeter Blues-Gittarist. Sehr fein.

Erstmals seit meinem Kuba-Aufenthalt vor einigen Jahren habe ich auch wieder kubanischen Son zu hören bekommen – ich bin seither kubanischer Musik aus dem Weg gegangen nach dreiwöchiger Guantanamera-Dauerberieselung dort – und natürlich – auch der Buona Vista Social Club hat diesen Hadern im Zugabenblock angeboten. Aber sagens wir mal so: Ich bin versöhnt mit dem kubanischen Son. Sehr beeindruckend beim Auftritt im Burgenland war der Auftritt der 81jährgigen Omara Portuondo aus der Original-Besetzung. Da Wiesen aber nicht Havanna ist, war die Außentemperatur nicht ganz authentisch. Und auch der Mojito schmekckt mit frischen Früchten einfach besser. Oh, kommt da ein bisschen Fernweh auf?

Der erste Tag des Festivals war übrigens vom Gasometer – verlegt von der Wiener Arena in diese No-Go-Veranstaltungshalle. Ein Festival in der Halle mit dem Plattenbau-Charme von Bukarest der 70er-Jahre – wem ist bitte das eingefallen? Musikalisch gab es aber doch kleine Lichtblicke: Die nigerianische Sängerin Nneka mit ihrer eindringlichen Stimme. Zwar weit weg von Funk, aber ganz nah bei Dub, Soul, Reggea und Afrobeat. Und die Headliner des ersten Abends, Jestofunk. Sie wissen schon wie es funktioinert – stampfende Funk-Basslines und ein röhrender Ce Ce Rogers. Alles schon oft gesehen, dem Publikum gefällts aber immer wieder. Obwohl es diesmal so laut war, dass Tinitus für viele wohl vorprogrammiert ist.

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Ringelspiel andersrum

Schön is so a Ringelspiel. Am besten umgeschnallt ums Dirndl. Und wenn noch ein Riesenrad am Kopf kreist, dann sind wir wohl auf der Regenbogenparade. Die ist heuer erstmals um den ganzen Ring gegangen. Gar nicht andersrum, sondern in Fahrtrichtung. Ist das ganze also gar nicht mehr andersrum?

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Im Fuchsbau

365 – The Fox House – das ist das neue Pop-Up-Kultur-Haus in Wien. Was das heißt? Ausstellungen, Kunst, Fotografie, Design, Klamotten (komisches Wort) in einem Haus, das Ende des Jahres abgebrochen werden soll. Das ganze hat also ein Ablaufdatum. Was schlecht ist für Wien, denn eine solche Institution hat es hier bislang noch nicht gegeben – und das alles finanziert aus privaten Mitteln.

Zur Eröffnung war dann nicht nur das gesamte Haus voll, sondern die jungen Bobos, Kunstinteressierte, Partytiger und Schaulustige verteilten sich erst über die Gehsteige vor dem Fuchsbau und zu späterer Stunde wurde dann die gesamte Straße gesperrt – ein Straßenfest zum meteorologischen Frühlingsbeginn, ein kleines bisschen Berliner Flair im muffigen Wien. Leider durfte der Hof des Hauses nicht geöffnet werden – ich hoffe nur vorerst. Die Veranstalter hätten sich den ganzen Polizeieinsatz erspart („Ich muss Sie darauf hinweisen, dass wir sie anzeigen, wenn sie die Straße nicht sofort verlassen“). Seien wir gespannt, welche Aktionen noch vom Fuchsbau ausgehen werden.