DIE GRAUE EMINENZ

Caodai: Walt Disney und Drachen in Technicolor

Posted in Reise, Vietnam by eminenz on 16. März 2014

Unweit von Ho-Chi-Minh-City: Ein Tempel wie aus einem Bilderbuch mit Zuckerbäcker-Architektur und einem Kitschfaktor, den nichtmal Hundertwasser überbieten konnte. Allüberall das Auge Gottes, Frauen und Männer in weißen Gewändern und Säulen mit stilisierten Drachen. Wir sind in Tanyin, beim heiligen Stuhl der Caodais – Sitz der immerhin drittgrößte Religionsgemeinschaft von Vietnam.  Und diese besteht aus einer bunt durchgemixten Mischung aus Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, des Christentums und des Islam. Praktisch, vor allem weil göttliche Botschaften aus dem Universum in versiegelten Briefumschlägen empfangen werden. Oder in Zukunft gar per e-Mail?

Graham Greene beschrieb den Caodaismus in seinem Klassiker “Der stille Amerikaner” übrigens folgendermaßen:

Mindestens einmal im Jahr feiern die Anhänger Caodais beim heiligen Stuhl in Tanyin, Achtzig Kilometer nordwestlich von Saigon, ein Fest zum soundsovielten Jahr der Befreiung oder der Eroberung oder sogar, um einen buddhistischen, konfuzianischen oder christlichen Festtag zu begehen. Die Religion Caodais war stets das Lieblingskapitel in meinen Kurzeinführungen für auswärtige Besucher gewesen: Der Caodaismus, die Erfindung eines Staatsbeamten aus Cochin, war eine Synthese der drei Religionen: Der heilige Stuhl befand sin in Tanyin. Es gab einen Papst und weibliche Kardinäle. Weissagungen erfolgten mittels Schreibtäfelchen. Es gab einen heiligen Victor Hugo. Christus und Buddha blickten vom Deckengewölbe der Kathedrale herab auf ein Phantasiebild des Ostens im Stil Walt Disneys, auf Drachen und Schlangen in Technicolor. Neuankömmlinge waren von dieser Beschreibung stets entzückt. Wie hätte man ihnen die öde Leere der ganzen Sache erklären können? Die private Armee von fündundzwanzigtausend Mann, bewaffnet mit Mörsern, die aus den Auspufftöpfen alter Kraftwagen hergestellt worden waren, Alliieerte der Franzosen, die sich im Augenblick der Gefahr neutral erklärten?

Im Drachenboot-Land

Posted in Reise, Vietnam by eminenz on 9. März 2014

Vom Drachenboot bis zum Fünf-Sterne-Kreuzer. Vom Fischkutter zur Moped-Fähre. Vom Ruderboot bis zum Motorboot. Vom Gemüsetransporter bis zum Sightseeing-Boot. Von der Blechbüchse bis zum Schwanen-Tretboot. Von der Holz-Zille bis zum Tanker. Vom Verpflegungsboot bis zum Party-Schiff.

Vietnam ist das Land der Boote. Vom Mekong-Delta über die Städte am Meer bis zur Ha Long-Bucht. Und Vietnam ist vor allem eines: Das Drachenboot-Land. In der alten Kaiserstadt Hue.

Die Kunst, sich Erinnerungsfotos zu “erschleichen”

Posted in Reise, Vietnam by eminenz on 6. März 2014

“Photobombs” waren gestern – heute “erschleicht” man sich die Familien-Erinnerungsfotos vor den Sehenswürdigkeiten  - und das ganz legal: Einfach neben den Familien-Fotograf stellen und schnell abdrücken – fertig! In Vietnam haben wir uns einen richtigen Sport daraus gemacht, uns immer wieder neue Familien vor den diversen Sehenswürdigkeiten zusammenstellen zu lassen.  Vom Panzerreiter in Cu Chi über die Pilgergruppe bei der Parfumpagode bis zur Hochzeitsgesellschaft in Hanoi – das Ergebnis lässt sich doch sehen!

One Night in Zagreb

Posted in Reise by eminenz on 22. Oktober 2013

Viel gesehen haben wir nicht von der Altstadt in Zagreb. Arbeit geht bekanntlich vor und so ist sich nur ein abendlicher After-Work-Ausflug ausgegangen. Der Eindruck der Fotos trügt nicht: Eine gemütliche Innenstadt mit vielen kleinen Lokalen, eine stolze Kathedrale (Zagrebačka katedrala), Graffiti an den Wänden, allerdings auch Bausünden wie ein riesengroßer Billa-Klotz mitten in derStadt. Die Altstadt hat ihre eigenen Charme – anders als in der plumpen Vorstadt. Aber zeigt mir eine Stadt mit schönen Vorstädten.

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Das wahrscheinlich hässlichste Denkmal der Welt

Posted in Kärnten, Reise by eminenz on 18. Juli 2013

Ein Golf GTI aus Stein. Ein Denkmal für die Mobilität? Ein Geschenk der Ölkonzerne? Ein Mahnmal gegen die Umweltverschmutzung? Eine augenöffnende Installtation zur Protektion vor Staus? Oder einfach Parkplatzvernichtung? Alles falsch. Es handelt sich um das Denkmal in Reifnitz am Wörthersee für den Golf GTI. Eine Verneigung vor den Golf GTI-Fans, die Jahr für Jahr in den verschlafenen Ort einfallen und die Gemeinde damit reich gemacht haben. Und so dachte sich die Gemeinde: “Gib Stein” statt “Gib Gummi” – und stellte das wahrscheinlich hässlichste Denkmal der Welt auf. So hässlich dass man es mal gesehen haben muss.

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Aufzug zum See

Posted in Kärnten, Reise by eminenz on 14. Juli 2013

Seezugang am Wörthersee ist nicht für alle da. Privatgrund reiht sich an Privatgrund, der See ist gut versteckt hinter Zäunen. Auch für uns gabs einen Privatstrand – erreichbar per Brücke mit anschließendem Aufzug zum Strand und Bootssteg. High Society? Nein, wir sind ja runter gefahren.

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Ein Schloß am Wörthersee

Posted in Kärnten, Reise by eminenz on 10. Juli 2013

Roy Black und das “Schloß am Wörthersee”. Wer erinnert sich nicht an die erfolgreiche RTL-Serie In Velden steht vor dem Schloß, das jetzt als Luxushotel genutzt wird eine Büste des Künstlers, bei dem man ihn auch mit ungemeiner Fantasie nicht erkennen kann. Und was hat sich verändert in Velden? Der Wörthersee hat noch immer seine tief türkise Farbe und auch das Casino läuft noch so wie damals, ab und zu fahren Schösel mit Oldtimer durch die Stadt. Doch der Großteil der Touristen sind Pensionisten, typische Bustouristen, die sich vor der Schiffanlegestelle drängen und Fotos von der Roy Black-Büste machen. “News” hat vor einigen Wochen sogar getitelt mit “Ein Schluss am Wörthersee”. Das ist vielleicht einigermaßen drastisch formuliert. Ein gewisses Flair kann man dem kleinen Städtchen nicht absprechen. Wenn auch der See ganz sicher hinter Zäunen und Stacheldraht versteckt wurde. Wohl eine Nachwirkung der glorreichen jüngsten Kärntner Freunderlwirtschafts-Vergangenheit.

Der Turmbau auf dem Pyramidenkogel

Posted in Architektur, Kärnten, Reise by eminenz on 9. Juli 2013

Pyramidenkogel am Südufer des Wörthersees: Jahrelang stand hier eine Aussichtswarte, die an architektonischer Hässlichkeit kaum zu überbieten war, mit zwei unterschiedlich großen Plattformen die wie Fremdkörper auf dem Berg thronten. Dann wurde der Turm gesprengt und ein neuer errichtet. Am 20 Juni wurde die neue Attraktion eröffnet und ist nun der größte Holzturm der Welt. Angelehnt an die Grazilität einer Balletttänzerin dreht sich das Gebäude in die Höhe. Von zwei Aussichtsplattformen kann man einen atemberaubenden Blick über halb Kärnten erhaschen – und um schnell wieder hinunterzukommen ist eine Rutsche in den Turm integriert. Manche Schüler meinten nach dem Proberutsch zwar “Das ist ur fad”, wir schließen uns dieser Meinung allerdings nicht an.  Und empfehlen stattdessen die Forelle im angeschlossenen Restaurant.

Haben Sie Rom schon bei Nacht gesehen?

Posted in Reise, Roma by eminenz on 26. April 2013

Haben sie Rom schon bei Nacht gesehen, haben sie das schon erlebt. Man sieht zwar nicht wie die Bäume blühen. welche besonders beliebt. Hoffen sie nicht auf den Trevi-Klang oder auf Herzchen aus Gold, man hat sich davon schon Gott sei Dank einiger Maßen erholt. Unter Tags ist sie schön für die vielen wie man weiß, in der Nacht ist sie heiß und zerschmilzt jedes Eis.

Gut sie waren in Übersee in New York und L.A. – in Rio De Janerio wurden sie auch nicht froh. Sie kennen Tel Aviv besonders intensiv, träumen von Paris, von Moskau träumt man
ohnedies. Doch haben sie Rom schon bei Nacht erlebt, haben sie das schon gesehn, man sieht zwar nicht ob die Bäume blühen, achten sie nicht auf die Engelsburg, soetwas
lenkt sie nur ab, wie es sich oft schon bewiesen hat, wird die Zeit viel zu knapp. Diese Stadt ist ein Schrei, sie ist high und modern, alle leben von Luft, alle haben sie gern.

Frei nach Reinhard Fendrich

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Neptun und die hämischen Fische

Posted in Architektur, Reise, Roma by eminenz on 23. April 2013

Die Stadt Rom verzaubert und plätschert an allen Ecken und Plätzen – mithilfe ihrer Brunnen. Auf jedem Platz tröpfelt und fließt das Wasser aus Stein-Fischen, Löwen und wunderlichen Skulpturen. Sehr auffällig: Bei fast jedem Brunnen sind Fische dargestellt, die teilweise auch selbst Wasser speien – und all diese Gestalten der Meere sind in einer überzeichneten Bosheit dargestellt, mit verzerrten Mündern, die ein hämisches Lachen suggerieren.

Über allen Figuren thront meistens Neptun, der römische Gott des Wassers. Auch beim Trevi-Brunnen, dem populärsten und mit 26 Meter Höhe und rund 50 Meter Breite der größte Brunnen Roms – so nebenbei einer der bekanntesten Brunnen der Welt. So lauschig wie in alten Filmen ist es am Platz davor jedoch nicht: Zu jeder Tages- und Nachtzeit tummeln sich tausende Touristen auf dem Platz – mit Fotoapparat, Handy und iPad in der Hand, immer im Anschlag, um jeden Moment vor dem Brunnen festzuhalten. Tausende Fotos entstehen hier jeden Moment – und doch vergessen die Touristen auf den ganz genau richtigen Moment – jenen in dem man innehält, die Kamera einpackt und sich das Kunstwerk dieses Brunnens ansieht, sich zurücklehnt und den Moment nur mehr in Gedanken festhält, ganz ohne Jagd auf das künstliche Festhalten dieses Moments.

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