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Arena Dolls

Amanda Palmer live in der Arena. Getragen vom Publikum auf einer Welle, Stage-Diving mit riesigem Regenbogen-Schleier, ohne mit der Stimme zu brechen, ohne auf den Boden zu fallen, aber unter den Argus-Augen der Security. Dresden Dolls? Schon lang nicht mehr. Sie allein ist die Hauptprotagonistin der Vienna Dolls. Vielmehr: Arena Doll.

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Austrofred: „Budget für Benzin und Leberkässemmeln“

Seine neue Tour mit dem Namen „Fire, Light & Austrofred“ eröffnet ein ganz neues Kapitel in der Geschichte des Freddy-Mercury-Lookalikes: Bisher waren seine Shows auf seine Bühnenpräsenz zugeschnitten, ganz ohne Schnick-Schnack – damit wird nun aufgeräumt und eine „technische Show der Superlative“ geboten.

Zwei Stunden vor dem bisher größten Konzert von Austrofred in der fast ausverkauften Wiener Arena haben wir den „Champion“ zu einem Gespräch getroffen.

Erstveröffentlichung auf DiePresse.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deine neue Tour hat in Steyr und Ebensee begonnen. Jetzt, so ganz kurz vor dem ersten Auftritt in Wien, wie ist jetzt dein Gefühl?

Austrofred: Das Gefühl ist sehr gut. Die Terminplanung war ja durchaus absichtlich – das ist so wie bei einer Broadway-Show, die erst an der Ostküste entlangzieht, bis sie nach New York kommt. Und so haben wir in Oberösterreich angefangen bevor wir nach Wien gekommen sind. Beim ersten Auftritt in Steyr hatte ich noch zuviel Respekt vor der Technik – bei so einem aufwändigen Licht-Environment gibt es für mich natürlich vieles auf das ich aufpassen muss: Wenn der Laser zum Einsatz kommt soll ich nicht mitten drinnen stehen, weil das ist ja nicht so gesund. Darum war ich beim ersten Auftritt ein bisschen schaumgebremst. Beim zweiten Konzert hab ich mir gedacht – das kanns jetzt aber auch nicht sein dass ich jetzt der Sklave von der Technik bin – und dann bin ich ordentlich ‚drübergfoan‘.

Wie bereitest du dich auf deine Wien-Premiere in der Arena vor – machst du mentale Vorbereitung oder Stretching?

Ein Vorbild ist für mich Louis de Funès: In seiner Biografie habe ich darüber gelesen, dass er in Paris ein Jahr lang das Stück „Oscar“ aufgeführt hat – am Abend war er auf der Bühne und ist ordentlich herumgefetzt, danach waren die Aftershow-Partys mit irgendwelchen Ministern und so weiter – und dann ist er den ganzen Tag im Bett beblieben. Das hat er gebraucht für seine Energie. Ich verstehe das sehr gut, kann mir das aber nicht immer leisten. Aber diese Entspannung ist sehr wichtig und direkt vor dem Konzert gehören natürlich einige Übungen dazu – wie zum Beispiel das einsingen (er setzt zu einer Tonleiter an).

Vor einigen Jahren hast du die DVD „Fit mit Austrofred“ herausgebracht. Nimmst du von den dort präsentierten Übungen Anleihen für die Konzert-Vorbereitung?

Natürlich gibt es bei der Vorbereitung auch die körperliche Komponente: Bänder dehnen und asiatische Übungen für die Arme, das schadet auch nicht. Wichtig ist immer, dass der Brustkorb frei ist und es dort keine Verspannungen gibt, weil die merkt man am meisten. Hin und wieder pick’ ich mir ein Thermopflaster auf, weil es die gefährdeten Stellen gut aufwärmt.

Du bist unterwegs als der „Retter des Austropop“ und klagst an, dass heimische Musik zuwenig im Radio gespielt wird – hat sich der Begriff „Austropop“ aber nicht schon überlebt?

Austropop ist ein klar erkennbares Genre. Es ist ja nicht jeder Begriff wahr der in sich wahr ist sondern der wahrgemacht wird dadurch, wie es die Leute wahrnehmen. Jeder hat unter Austropop eine Vorstellung. Das sind dann die klassischen Dialekthits der 70er und 80er-Jahre und Künstler wie Ambros, Frendrich, Danzer, STS und EAV. Der Begriff ist natürlich gültig, auch wenn man es als historisches Genre sieht. Austropop kann auch seine Gültigkeit bewahren, wenn in diesem Bereich Sachen gemacht werden, die relevant sind. Da meine ich jetzt nicht, dass die Christl Stürmer eine neue Platte macht, das ist ihr unbenommen und sie hat großen Erfolg und macht lässige Sachen, aber das hat natürlich nichts mit Austropop zu tun. Weil nur wenn etwas aus Österreich kommt, ist es ja nicht Austropop.

Hast du dir schon einmal überlegt dass du mit Ambros oder Fendrich gemeinsam auftrittst – und damit eine Neuauflage von Austria 3 machst?

Das wäre natürlich reizvoll, ich weiß aber nicht ob unsere Bühnenpersönlichkeiten zusammenpassen, alleine vom Tempo her. Es wäre eine große Ehre, mit solchen Kalibern auf der Bühne zu sehen. Aber ich strebe das künstlerisch nicht an.

Was erwartet uns bei deiner neuen Show, die angekündigt wurde als die größte Austrofred-Show aller Zeiten?

Ein großer Schriftzug, der 8,40 Meter breit ist. Es gibt große Lichtelemente, es gibt Laser, es gibt einen üppigen Bühnenaufbau. Im deutschsprachigen Raum spielt das in der Größenordnung von Herbert Grönemeyer oder Peter Maffay. Trotz all der Technik habe ich aber darauf geachtet, dass für die Konzertbesucher nicht verloren geht, was sie sich von Austrofred erwarten, nämlich eine Interaktion mit dem Publikum. Das ist immer die Gefahr, wenn man eine große Technik hat: Dass alles andere dahinter verschwindet, so soll es natürlich nicht sein.

Du interagierst oft mit dem Publikum, beispielsweise wenn Leute ihre Getränke am Bühnenrand abstellen und du sie dafür tadelst – steckt dahinter eine politische Message?

Nein, das sehe ich nicht als politische Message, wenn mir mein Arbeitsplatz versaut wird. Das ist ja ganz normal bei einem Konzert: Die Leute finden es so gemütlich, dass sie ihr Bier auf den Bühnenrand stellen. Wenn du als Künstler nicht aufpasst, hast du 20 Biere auf der Bühne stehen. Ich bin aber ein dynamischer Mensch, muss immer herumfetzen und kann dabei nicht darauf achtgeben dass ich keines der Biere ausschütte. Wenn ich dabei eines erwische und ins Publikum kicke, passiert wem vielleicht eine Platzwunde – und dann heißt es wieder in den Medien der Austrofred verletzt das Publikum. Das will ich einfach nicht haben. Die Show soll gut sein und es ist schlecht, wenn irgendjemand stört. Den muss ich dann natürlich des Raumes verweisen oder zumindest hinten ins Eckerl stellen.

Das heißt du bist dann deine eigene Security?

Das ist quasi auch meine Aufgabe, dass ich Disziplin reinbringe.

Auf deiner Homepage gibt es den Punkt „Sexuelles“, dort findet sich allerdings kein einziger Eintrag, außer der Hinweis „Hier ist noch immer nicht so viel los, vielleicht probiert Ihr es ein anderes Mal wieder.“ Ist Austrofred nicht ein großer Frauenschwarm?

In meinen Büchern kommt das Thema ja immer wieder vor, auch wenn das im Alter ein wenig nachlässt. Ich brauche meine Aftershow-Party nicht mehr nach jedem Konzert sondern regeneriere auch gerne. Früher war das nicht so. Das ist wie bei den Fußballspielern, wo die Faustregel gilt: Ein 20jähriger braucht nach einem wichtigen Spiel einen Tag zur Regeneration, ein 30jähriger braucht zwei Tage. Ich bin jetzt über 40, da kannst du auch nicht immer halli-galli machen, das ist schon ganz klar.

Auf der Austrofred-Homepage war immer der Plan, einen Bezahlbereich für einschlägig interessierte Austrofred-Fans zu machen – mit Fotos, die man so sonst nicht zu sehen bekommt und anderen ansprechenden Sachen und Movies. Wir haben dazu Daten-Erhebungen gemacht, aber 70 Euro im Monat waren den Leuten zuviel, darum haben wir bislang drauf verzichtet.

Du bist in letzter Zeit weniger auf der Bühne gestanden, sondern hast dich auf das Literarische konzentriert. Kommt das automatisch mit dem Alter?

Nein, das war eher ein Zufall, dass es mich ins literarische Milieu verschlagen hat. Ich hab mir aus meiner Rockstar-Mentalität gedacht, für einen angehenden Rockmusiker gibt es keinen Lehrberuf und keine HTL. Wo soll er das eigentlich lernen? Darum habe ich mein erstes Buch geschrieben mit Tipps aufgrund von meinem eigenen Lebenslauf. Das ist sehr gut angekommen. Der Tonträgerbereich ist ja im Sinkflug, der Buchhandel ist noch relativ stabil. Aber man kommt dann rein in so einen Strudel, ich habe viele Lesungen gemacht und das Musikalische ein wenig schleifen lassen. Darum setze ich jetzt ganz bewusst so einen Akt: Der Austrofred ist da und er rockt noch immer, schaut euch das an.

Kann man sich literarisch auch auf Neuigkeiten freuen oder konzentrierst du dich jetzt auf die Tour?

Jetzt hab ich keine Sekunde Zeit. Aber ich hab einige Projekte, darunter eine Fernsehserie und zwei Bücher. Wenn die Tour vorbei ist, kläre ich ab, was realistisch ist und ‚wos mi grod am meisten gfreut’. Ich kann mir vorstellen dass ich im Sommer wieder viel Lust habe zu schreiben und dann werde ich meinen ersten Roman machen. Nicht ein autobiografisches Buch, sondern eine richtige Geschichte. Das ist eine Möglichkeit.

Wird es vielleicht einmal eine Fortsetzung des legendären Austrofred-Kinofilms „Giving Gas“ geben?

Eine Fortsetzung wird es nicht geben, es gibt kein „Giving Gas 2“, weil das Auto, der legendäre VW Golf, ist mittlerweile schon beim ‚Ausboaler‘ (Anmerkung: frei übersetzbar mit Auto-Ersatzteil-Ausschlachter) in der Tschechei. Ein wichtiger Akteur, der ausfällt für eine Fortsetzung. Aber im Filmbereich möchte ich gern wieder etwas machen. Auf der einen Seite wäre es reizvoll, sich einen Partner in Form von einem Fernsehsender oder einer Produktionsfirma zu suchen, das viele Vorteile bieten würde weil es wirklich professionell ist und in professionelle Kanäle kommt. Die andere Seite, die mir nach wie vor sehr sinnvoll erscheint ist, dass man das selbst produziert – den „Giving Gas“-Film haben wir mit einem Budget von 700 Euro gedreht – das war für Benzin und Leberkässemmeln.

A propos Leberkässemmeln: In einem Buch von dir empfiehlst du die OMV-Tankstelle auf der Westautobahn bei Loosdorf, weil es dort den besten Leberkäse gibt. Ein Marketing-Gag?

Nein, der Leberkäse dort ist wirklich immer gut, überhaupt bei OMV-Tankstellen passt die Qualität vom Leberkäse. Bei BP-Tankstellen erwischt man kurioserweise öfters einen viel zu trockenen.

Tricky, der Liebesbedürftige

Tricky live in der Wiener Arena mit seiner Mixed Race Tour: Wummernder Sound, harte Gitarren und ein Oben-Ohne-Tricky, den man am besten mit dem Attribut „coole Sau“ beschreiben kann. Lässig beim Intro dem Publikum den Rücken zugewandt, kettenrauchend und in das Mikro hineinhauchend. Stimmengewaltig seine Sängerin Franky Riley, die nicht nur bei „Puppy Toy“ (siehe Video unten) den Refrain laut hinausschmetterte, sondern bei „UK Jamaican“ vom neuen Album ihr Rap-Talent unter Beweis stellen konnte.

Der Meister selbst war seinen unverwechselbaren monotonen Sprechgesang in die Menge, doch von Track zu Track wachte er mehr auf – stemmte das Mikro an sein Herz und holte Leute auf die Bühne: Und nicht nur einige fesche Mädels, sondern die ganze Bühne wurde mit Konzertbesuchern vollgeräumt (wobei einige ein bisschen verloren wirkten mit den Handy-Kameras im Anschlag). Hier fetzte man dann eine punkige Version von „Ace of Space“ auf die Bühne.

Und Tricky spielte überall mit, ließ sich umarmen, ließ sich mit seinen Fans fotografieren. Später hüpfte er selbst von der Bühne in die Menge, um seine Liebesbedürftigkeit zu befriedigen. Die Zurückgezogenheit der Popstars ist tot, es lebe der Anfass-Star.

Yeah Yeah Yeahs live in der Wiener Arena

Die Yeah Yeah Yeahs live. Auf ihrem neuen Album „It’s Blitz“ führen sie einen discotauglichen Elektro-Punk vor, der live nicht ganz hält, was er von der Studioproduktion verspricht. Die Stimme von Karen O wirkt zu brüchig, zu überanstrengt, obwohl ihre Stimme die teils hervorragenden Melodien tragen sollte.

Im Herumhopsen und Punk-Posen-schwingen und Schnell-Kleider-Wechsel kann man der Sängerin allerdings nichts mehr vormachen.

Der Sound in der Wiener Arena war auch schon einmal besser. Neben den zu lauten hohen Tönen wär etwas mehr an Bass-Leistung ganz gut gewesen.

In der zweiten Hälfte des Konzerts konnte die Band aber etwas an Gas zulegen, mit dem alten Hadern „Gold Lion“ und der ersten Single des neuen Albums, das jetzt schon eine Hymne ist, „Zero“, kam ordentlich Stimmung in die zuvor schon etwas ermatteten Glieder in der nicht ausverkauften Arena.

Bonuspunkt für das Bühnenbild: Ein riesengroßes Ballon-Auge, umrandet von einer psychedelischen blauen Spirale, wie von der Bregenzer Festspielbühne gestohlen. Punkteabzug dafür, dass man diese Bühnenkonstruktion mit besserer Beleuchtung noch besser ins Rampenlicht hätte rücken können. Aber dafür hats Confetti-Regen gegeben.

>>Hier gibts mehr Bilder und eine handfeste Kritik

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Calexico on Speed

Slim Cessna’s Auto Club waren in der Stadt. Räudig! Roh! Explosiv! Eine Dynamit-Mischung aus Country Blues Overdrive. Da schaun Calexico nebenbei wie eine Rentnertruppe aus. Hätten sich mehr Zuschauer in der Arena verdient.

Ganz toll: Der Gitarrist mit seiner Doppelgitarre und dem Bildnis der heiligen Maria drauf.

Hatte ein bissl was von der Stimmung wie bei Balkan-Bands – die beiden Sänger sind auch ins Publikum gehopst. Großartig: Das rumorende Schlagzeug. Interessant: Das undefinierbare Instrument, sowas wie ein Crossover von Zither, Syntesizer und Hackbrett. Großartig.

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