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Flüchtlingsball: Nicht das „Köpferl in Sand“ stecken

Klares Motto beim Wiener Flüchtlingsball im Rathaus, der zum 19. Mal zugunsten des Integrationshauses stattfand: „Wir rufen zur Solidarität mit Asylsuchenden auf und fordern eine verantwortungsvolle Flüchtlingspolitik“, forderte Geschäftsführerin Andrea Eraslan Weninger bei der Eröffnung.

Das „Balllied 2013″, das mit Unterstützung von Willi Resetarits und Beatrix Neundlinger als Mitternachtseinlage vom Chor des Integrationshauses gesungen wurde, untermauerte diese Forderung: Frei nach Arik Brauer solle man nicht „sein Köpferl in Sand“ stecken.

Zuvor hatte einer der Asylsuchenden, die seit Wochen in der Votivkirche protestieren, um Hilfe appelliert. Khan Adalat brachte sein Anliegen auf den Punkt: „Helft uns!“

Aber es wurde auch gefeiert und getanzt – bei legerer Balletikette statt starrer Tradition. Auf zwei Live-Bühnen traten Musiker aus aller Welt auf, die ihren Lebensmittelpunkt nun in Wien gefunden haben. Für den Höhepunkt auf der Tanzfläche sorgte die Gruppe Bongo Botrako aus Barcelona mit ihrer Mischung aus Rumba, Reggae, Ska und Punk-Musik.

Auch heuer wollte der Ball nicht die Klischees der walzerseligen Wiener Balltradition bedienen, sondern strahlte das Charisma einer großen Party für Freunde aus – und dafür braucht man nicht unbedingt Walzerklänge. Diesem Konzept wird man wohl auch beim 20-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr treu bleiben.

fluechtlball

 

Die Gewichtheber-Playback-Show

Tanz, Tombola, Polonaise und Playback-Show: Der jetzt schon legendäre Gewichtheber-Ball ging wieder im Schutzhaus Zukunft über die Pforten. Ohne die Wiener Walzer-Seligkeit, ohne den Glamour der Wiener Schickeria. Dafür mit Schnitzel, Budweiser und Schnapsbar. Und legerer Kleidung statt Ballroben. Leider in diesem Jahr ohne den obligatorischen Gewichtheber-Bewerb des KSC Argos/AK Hermann/Polizei SV Wien vor dem Ball.

Der fehlende Schweißgeruch im Saal war bemerkbar – denn auch die immer um 23 Uhr beginnende Mitternachtseinlage war heuer schaumgebremst: Wie jedes Jahr machen die Gewichtheber in Verkleidungen mehr oder weniger gute Figur auf der Bühne als Antipode zur Mini-Playback-Show. Heuer wurden unter anderem STS, Abba oder Lady Gaga „persifliert“, begleitet von einer Polonaise des Publikums vor und auf der Bühne. Höhepunkt war heuer sicher die Rocky-Horror-Picture-Show-Einlage „Sweet Transvestite“.

Übrigens: Der fehlende Schweißgeruch war spätestens nach der Show wettgemacht – durch den Schweiß der Tänzer, gemischt mit den Klängen der „Stimmungsmusik“ und den vielen großen Bieren. Kraft frei!

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Asyl im Rathaus beim Flüchtlingsball

18. Flüchtlingsball des Integrationshauses. Einer der gemütlichsten Bälle im Wiener Rathaus. Ein Ball, auf dem viel gelacht, getanzt, getrunken, kommuniziert wird, und doch gibt es einen ernsten Hintergrund. Doch lassen wir dazu Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Projekts Integrationshauses zu Wort kommen:

Ball mit ernstem Hintergrund: Für menschliches Asylrecht

Am 17. Februar geht mit dem 18.Wiener Flüchtlingsball der alternative Höhepunkt der Wiener Ballsaison im Rathaus über die Bühne. Und es wird ein sehr bunter Ball mit Musikern aus den verschiedensten Ländern. Wir wollen auf dem Flüchtlingsball gemeinsam feiern, er hat wie immer aber einen ernsten Hintergrund.

„Asylrecht muss wieder Schutz bedeuten!“, lautet unsere Forderung. Anstatt Menschen das Gefühl zu geben, hier unerwünscht zu sein, sie in Aufnahmelager einzusperren und so bald wie möglich abzuschieben, sollten wir ihnen zeigen, dass sie hier willkommen sind, ihnen mit Wertschätzung und Respekt begegnen.

Das Integrationshaus setzt sich tagtäglich für eine menschenwürdige Aufnahme-, Asyl- und Integrationspolitik ein. Wir wollen keine Sündenbockpolitik. Wir wollen eine Politik, die Chancen und Möglichkeiten nützt und eine positive Zukunfts- und Lebensperspektive für alle schafft. Wir wollen, dass die Menschen in ihren Rechten und Chancen gestärkt werden.

Uns ist wichtig, die Handlungsspielräume von Flüchtlingen und Migranten zu erweitern. Dazu muss aber das menschenverachtende Asyl- und Fremdenrecht geändert werden, damit es wieder faire und rechtsstaatliche Verfahren gibt. Es braucht ein echtes Bleiberecht für alle „Arigonas“ in diesem Land, es darf keine Schubhaft für Asylsuchende geben. Wir brauchen ausreichende Standards in der Grundversorgung, und vor allem soll der lange geforderte gleichberechtigte Zugang zum Bildungs- und Arbeitsmarkt für Asylwerber Realität werden. Dies würde das Image von Asylwerbern in der Gesellschaft heben und ein Leben in Selbstbestimmung erleichtern. Dadurch wären Menschen auch nicht mehr nur auf die viel zu geringen Grundversorgungsleistungen angewiesen.

Obwohl die Sozialpartner sich schon seit längerer Zeit einig sind und einen Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylwerber befürworten, gibt es nach wie vor einen Erlass des Bundesministeriums für Arbeit, der den Zugang auf Saison- und Erntearbeiten beschränkt. Dies ist unverständlich! Einerseits benötigt die Wirtschaft Fachkräfte, anderseits gibt es eine Reihe von Asylsuchenden, die Ausbildungen, Erfahrungen und Sprachkenntnisse mitbringen, aber nicht arbeiten dürfen. Eine neue Studie der Arbeiterkammer belegt, dass die Bildungsstruktur der Migranten in Wien durch zwei Pole geprägt ist. Jede/r vierte MigrantIn ist gering, jede/r fünfte MigrantIn sehr qualifiziert. Bei Flüchtlingen liegt der Wert der Hochqualifizierten über dem der Migranten.

Aber auch offene Lehrstellen können nicht immer besetzt werden. Viele jugendliche Asylsuchende brauchen eine gute Ausbildung und würden gern eine Lehrausbildung absolvieren. Für sie gilt aufgrund dieses Erlasses nicht nur ein De-facto-Arbeits-, sondern auch ein Ausbildungsverbot, da die Aufnahme einer Lehrausbildung eine entsprechende Genehmigung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz voraussetzt – was der angesprochene Erlass verhindert. Da viele Asylsuchende jahrelang aus dem Arbeitsmarkt ausgesperrt sind, ist es für sie danach oft sehr schwierig, nach der langen Zeit des Wartens bis zur Flüchtlingsanerkennung auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Nicht nur Zugang zum Arbeitsmarkt ist wichtig, sondern auch die Möglichkeit, Sprach- und Ausbildungsmaßnahmen während der Zeit des Asylverfahrens kostenlos besuchen zu können. Dafür gibt es zu wenig Förderung, da Integrationsmaßnahmen zumeist erst ab Flüchtlingsanerkennung finanziert werden.

Was dieser De-facto-Ausschluss vom Arbeitsmarkt für Asylsuchende bedeutet, erleben wir im Integrationshaus jeden Tag. Hier ein kurzes Beispiel aus der Praxis: Frau X., geboren 1990, reiste 2007 in Österreich ein und stellte hier einen Asylantrag. Ihre Eltern sind tot, sie wuchs bei Pflegeeltern auf. In ihrer Heimat absolvierte sie die Grundschule und ein Jahr der Mittelschulunterstufe. X. hat seit ihrer Ankunft mehrere Deutschkurse, den Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschluss, den Hauptabschlusskurs sowie die 9. Schulstufe abgeschlossen. Im Juni 2011 hat sie den Heimhilfelehrgang der Caritas absolviert. X. ist eine gut ausgebildete junge Frau, die bislang keine Möglichkeiten gefunden hat, ihre Kenntnisse in Österreich anzuwenden, da sie keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hat.

Wie Frau X. ergeht es vielen Asylwerbern. Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben Basisbildungsmaßnahmen und einen Hauptschulabschlusskurs positiv absolviert und würden gern im Rahmen einer Lehre einen Beruf erlernen. Doch solange sie im Asylverfahren sind, heißt es für sie immer nur „Bitte warten!“. Die rechtliche Situation darf nicht weiterbestehen und muss geändert werden, da es für die Betroffenen wie für die Gesellschaft eine denkbar schlechte Lösung ist. Hier werden Potenziale und Lebenszeit verschwendet! Positive Veränderungen sind notwendig, damit alle eine Chance bekommen, an unserer Gesellschaft mitzuwirken!

Der Reinerlös des Flüchtlingsballs kommt ausschließlich dem Integrationshaus zugute. Das Integrationshaus unterstützt Menschen vor allem mit Unterkunft, professioneller Beratung und Betreuung, bei der Ausbildung für und Integration in den Arbeitsmarkt sowie beim Spracherwerb. Insgesamt können in der Grundversorgung und im Bildungsbereich jährlich an die 3000 Personen im Integrationshaus unterstützt werden.

 (Erschienen in der „Presse“ am 14. Februar 2012)

Kraft frei: Stoßende, Reissende Ballgesellschaft

„Kraft frei“ ist der Leitspruch der Wettkampfgemeinschaft Arge/Hermann – hier wird Stoßen und Reissen großgeschrieben. Der Gewichtheber-Sport wird verteidigt:

Mit den früheren Vorurteilen, dass Gewichtheber füllige, unbewegliche Kolosse seien, ist in den letzten Jahren schon fast völlig aufgeräumt worden. Der moderne Athletentyp verkörpert den durchtrainierten, beweglichen, elastischen und auch schnellen Sportler, der zwar über eine sehr gute Muskelentwicklung verfügt, aber doch im Anzug beispielsweise fast schlank wirken kann.

Zum vollkommenen Aufräumen von Stereotypen über die „Stemmer“ gibt es den Gewichtheberball (im Volksmund „Stemmerball“ im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz. Die Graue Eminenz hat sich sagen lassen, dass der Ball seit Jahren legendär ist. Darum wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Und es war verblüffend. Ein Ball mitten in Wien, der abläuft wie ein Feuerwehrball am Land. Mit dem großen Unterschied, dass es nicht um 3 Uhr früh die unausweichliche Schlägerei in der Schnapsbar gibt. Hat aber nicht weiter gefehlt.

Schon allein die Atmosphäre im Schutzhaus ist ja legendär. Ein bisschen Wiener Mief, ein bisschen Altwiener Wirtshausatmosphäre, ein bisschen Nostalgie und viel Vereinsmeierei.

Begonnen wird der Ball mit einem Stemmer-Wettkampf. Die Gewichte werden hochgerissen und -gestoßen und mit großem Krach werden sie von ganz oben auf die Bühne fallen gelassen. Nach der Siegerehrung beginnt die Tanzveranstaltung: Stimmungsmusik wie auf einem Landball. Vom „Stern, der deinen Namen trägt“ bis „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Kurz vor Mitternacht der Höhepunkt der Ballnacht: Die Athleten werfen sich von der hautengen Stemmerkluft in die Netzstrümpfe: Bei der Playbackshow treten die Stemmer als „Dr. Frank-N-Furter“, Tina Turner oder Blues Brothers auf. Den Auftritten ist eine gewisse Komik nicht abzustreiten. Und nicht umsonst setzen sich vom Publikum Tanzschlangen in Bewegung, mit dem Ziel, die Bühne zu entern und mit den stemmenden Entertainern auf den selben Brettern zu stehen.

Ein gelungener Abend, ein etwas anderer Ball. Wobei ich mich doch noch immer frage: Wo ist der Unterschied zu einem Ball in der Provinz? Positiv vermerkt sei hier: Keiner hat sich so wichtig gemacht, wie es bei Bällen am Land sonst üblch ist. Wahrscheinlich dreht sich hier alles mehr um den Wiener Schmäh, es wird weniger gestänkert. Oder ist das nur deshalb, weil man fürchtet, dass sich dann die starken Stemmer bei einem Gerangel einmischen?

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>>Und hier, verehrte Gewichtheber-Freunde, gibts die offiziellen Fotos

Flüchte, wer kann!

16. Flüchtlingsball im Wiener Rathaus: Neben viel Musik aus dem World-Music-Bereich – von afrikanischen Beats über jugoslawische Rockmusik (ja, auf Extraplatte wird die Musik von Ljubinka Jokiæ & Yok wirklich mit diesen Worten angepriesen) – gab es auch eine Vielzahl an politischen Statements. Willi Resetarits, Galionsfigur des Integrationshauses, stellte fest: „Die Veranstaltung ist ein Ausweis für das andere Österreich, das nicht bei der Kriminalisierung aller Asylwerber mitmacht, die seit Jahrzehnten betrieben wird.“ Und als Motto des Ballabends gab er folgende Losung aus: „Raus mit den Asylagendn und den Integrationsagenden aus dem Innenministerium!“

Ob Innenministerin Maria Fekter auch nur darüber nachdenkt, darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall ist die Stimmung in Österreich nach der Debatte über ein Asylzentrum in Eberau ziemlich aufgeheizt. Und die Asylwerber sind wieder zum Spielball im Wahlkampf – dieses mal im burgenländischen – geworden. Auf Bierzeltniveau lässt sich halt nicht gut diskutieren. Die eiserne Lady Fekter, die sich gar nicht von „rehbraunen Augen“ der Arigona überzeugen lassen will, hat da einiges an Feuer in den Wahlkampf gegossen. Die SPÖ ist leider in einer Manier auf den Wahlkampfzug aufgesprungen, bei der man meinen könnte, im Hintergrund zieht Strache die Fäden bei der SPÖ.

Nichtsdestotrotz haben sich beim Flüchtlingsball die beiden Stadträtinnen Frauenberger und Wehsely für die Politik der SPÖ stark gemacht – sie meinten unisono dass die Integration in Wien klaglos funktioniert. Ganz unterschreiben kann man diese Aussagen wohl nicht, auch in Wien ist nicht alles eitel Wonnen. Aber auch hier hat der Wahlkampf bereits begonnen.

Neben dem Politischen ist der Flüchtlingsball aber Jahr für Jahr ein ganz großes Ereignis. Da kommt man gerne wieder, legt ein Tänzchen aufs Parkett und trinkt einige Gläser, vor allem weil man die politischen Aussagen von Herrn Resetarits ungschaut unterschreiben kann.

>>Hier gibts alle Bilder vom Ball