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Der Adventkalender. Er lebt!

Adventkalender gibt es in vielen Ausformungen, auch im öffentlichen Raum. Jedes Jahr im Advent werden damit Rathäuser und andere Bauwerke neben Christkindlmärkten verschandelt. Dabei kann so ein Kalender auch künstlerisch wertvoll sein – so wie jener von Hubsi Kramar im Wiener Kabelwerk: Sein „Lebender Adventkalender“ ist mit lebendigen Künstlern gefüllt. Jeder von ihnen hat in seinem Kastl Platz für Theater, Gesang, Peformance; Kritik oder einfach was dem Künstler im Kastl grad einfällt. Hubsi Kramar selbst erklärte es im Chat von DiePresse.com so: „Das spannende ist, dass jeder Künstler einen Kubikmeter hat. Wie Waben kann man sich das vorstellen. Dann fliegt der Deckel des ersten Kästchens auf. Am Ende sind alle 24 Kästchen offen.“

Hinter jedem Kastl stecken dann Performances, die wie folgt betitelt sind: „2. Tag: Die Killlertaler Grützenfeger singen ein Weihnachtlied.“ Absolut phantastisch: Miki Malör, die die Finanzkrise mit einfachsten Mitteln so gut wie noch nie erklärte: Sie mampfte einfach soviele Münzen, wie sie in ihren Mund bekommen konnte – und nach kurzer Zeit musste sie diese Münzen wieder erbrechen. Malika Fankha und Leonhard Srajer füllten ihr Kästchen mit typisch wienerischem Mini-Revue-Theater: „Das Fleisch ist noch nicht weich.“ Lucy McEvil stellte sehr plastisch das „Himmlische Tor“ dar. Und zu guter letzt war man nicht mal überrascht, dass sich im letzten Kastl, dem 24., eine erhängte Maria vorfand.

Interessantes Konzept, großartiges Bühnenbild, man konnte lachen, man konnte weinen, man konnte nachdenken. Und staunen. Im nächsten Advent wieder im Kabelwerk.

Für Leiwand, gegen Oasch

„Wir zahlen nicht für Eure Krise“ war das Motto der Demonstration in Wien und vielen anderen europäischen Ländern am Samstag vor dem G-20-Gipfel in London.

Ich war nur zu Beginn dabei, beim Treffpunkt Westbahnhof. Und war etwas enttäuscht, dass sowenig Leut dort waren. Der Demo-Zug ist aber am Nachmittag noch angewachsen, 20.000 Leut sollen laut Veranstaltern dort gewesen sein.

Insgesamt 265 Organisationen hatten zur Demo aufgerufen, unter anderem Attac, SOS Mitmensch und Gewerkschaften. Mittendrin auch SPÖ-Organisationen. Nicht allen war das Erscheinen der SPÖ willkommen. „Was machen die denn hier“, fragte eine Passantin. „Rücken krumm, Taschen leer. SPÖ, danke sehr“, skandierten andere Protestteilnehmer.

Was macht die SPÖ wirklich bei dieser Demo? Gibt es jetzt doch endlich einen politischen Ausweg aus der Finanzkrise? Doch die Politik ist viel zu verstrickt im Wirtschafts-Dickicht. Und wer wirlich was zu sagen hat, wenn Politiker mit Firmenbossen zusammenkommen, ist wohl auch klar.

Darum bin ich auch nicht mitgegangen bei den Demos, ich als alter Donnerstags-Maschierer. Ich wusst einfach nicht, gegen wen ich den Protest richten soll. Ich glaub fast, das muss man anders angehen.

Aber: Der Druck von der Straße hat auch schon viel bewegt in vergangenen Zeiten. Und es wäre so schön, wenn es in Österreich endlich eine Protestkultur gäbe. Ohne Diffamierungen, wenn man auf die Straße geht oder streikt. Aber das ist in unserem komplexbeladenen Land wohl zu viel verlangt.

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(Fotos: Peter Huber)