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Der Champion für die Wechseljahre

Der Champion hat seine Jünger zu den Abschlussterminen seiner Tourne „Fire, Light and Austrofred“ gerufen – und im (fast) vollen Gasometer huldigten die Gläubigen ihrem Prediger des Austropop. Und Austrofred ist im Alter noch ein bisschen weiser geworden und will auf eine neue Marketing-Linie setzen: „Ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, dass ich mich bei meinem Publikum für die Energie, die Liebe und die gegenseitige Befruchtung bedanke, die es mir in all den Jahren zukommen hat lassen. Deshalb möchte ich mich in meiner zukünftigen Arbeit verstärkt um die zahlungskräftige Zielgruppe der Frauen in den Wechseljahren bemühen.“

Er hat ja ganz recht, seine Show, strotzend von Feuerwerk und Laser ist unvergleichlich, wenn dann mit „Apassionata oder Holiday on Ice“. Mit dem Unterschied, dass seine Jünger das wohl nicht ansehen werden.

Süß: Der Heiratsantrag eines Austrofred-Fans vor der Show auf der Bühne. Und ich mein jetzt nicht einen Antrag an den Champion.

Und legendär mit ein bisschen Fremdschäm-Faktor: Tony Wegas, der ehemalige Songcontest-Teilnehmer und zwischenzeitlich abgestürzte Sangesbarde, als „Vorgruppe“.

Champion, wir bleiben dir treu!
>>Austrofred im Interview: “Budget für Benzin und Leberkässemmeln”

Zu den Favoriten hinzufügen

Rückkehr bzw. Wiedersehen mit der Gegend in Wien, in der ich re-stadt-sozialisiert worden bin. In der ich meine ersten beiden Wohnungen gehabt habe. In Wien-Favoriten. Für viele nicht gerade die beste Adresse fürs Wohnen. Für mich wars die beste Adresse, weil einfach spottbillig. Damals ist noch der O-Wagen vorbeigedonnert, jetzt ist dieses Stück der Favoritenstraße einbezogen in die Fußgängerzone. Eine wirklich gelungene Vitalisierung dieses Grätzls, das vor Jahren noch ziemlich brach dagelegen ist. Jetzt schauts ziemlich gemütlich aus.

Am Viktor-Adler-Markt wenig überraschend: Ein Fest der FPÖ Favoriten, das Oktoberfest. Scheinbar war hier vor wenigen Stunden auch H. C. Strache aufgetreten. Grotesk: Frauen mit Migrationshintergrund mit ihren Kinderwagen, an denen HC-Man-Luftballone baumeln. Und bei der Bühne wird beschwört: „Wir sind eine Familie“. Und nur die Blauen sind die Hüter über Ausstoßungen aus dieser Familie. Wie nett. Also so wie immer am Viktor-Adler-Markt. Die SPÖ hat hier sowieso kein Leiberl mehr.

Schnell weiter Richtung Böhmischer Prater. Vorher über die „gesperrte Abfahrt Simmering“ marschiert. Und sich wieder gefragt, wieso die letzen paar hundert Meter von dieser Tangenten-Abfahrt nie eröffnet worden sind und das ganze langsam verfällt. Was aber gut für die Vegetation dort ist. Und ein bisschen nach zerstörter Vorstadt-Industrie-Architektur riecht.

Oben auf der Wiese beim Vogental sieht man dann wirklich auf so ein Projekt der Industrie-Architektur: Die Gasometer. Dort drin würd ich auch nicht wohnen wollen. Nicht für viel Geld auf dieser Gstätten.

Weiter neben Äckern und fast zugewachsener BMX-Bahn (was war denn BMX schnell damals?) zum Vogelschutzgebiet. In Sichtweite des Butterteichs ist plötzlich eine neue Siedlung mitten im Naturschutzgebiet. Und der Hansl, der uns niederquatscht, kann noch dazu  nicht verstehen, dass es sich hier um ein Projekt Integratives Wohnen handelt. Aber, wie er so schön sagt: “ Mir is jo wuascht“. Typisch wienerisch halt.

Der Böhmische Prater selbst hat sich in den letzten vier Jahren absolut nicht verändert. Der Blick vom kleinen Riesenrad ist noch immer herrlich, das Bier im Bierstadl schmeckt noch immer tschechisch, und sogar die Kellnerin ist noch immer dieselbe. Sehr beschaulich. Favoriten kann doch noch immer was.