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Freundschaft im Jahr 2014

Erster Mai. Tag des Maiaufmarsches in Wien. Früher war das der einzige Tag, an dem die Öffentlichen Verkehrsmittel am Vormittag völlig eingestellt waren, weil alle Mitarbeiter der Wiener Linien zum Rathausplatz pilgerten. Das ist lange her. Aber noch immer marschieren Bezirksgruppen und SPÖ-Unterorganisationen sternförmig aus der ganzen Stadt zum Rathaus. Der Platz war schon voller, die Stimmung war schon besser. Aber die Basis wird noch immer hier abgeholt. Und da dürfen auch einige Jugendorganisationen mit kritischen Slogans auf den Platz: „Acht Jahre Scharz-Rot. Weitere Acht und wir sind tot.“ Am Schluß wird aber wie immer die Internationale angestimmt. Und noch immer wird ergriffen mitgesungen. Freundschaft.

Wiener Rot. Ein Donauinsel-Rundgang mit dem Bürgermeister

Wenn Michael Häupl seinen Rundgang macht auf der Donauinsel beim großen Fest: Viele Hände werden geschüttelt, viele Schmähs werden gemacht. Der Bürgermeister ist jetzt auf vielen Fotos mit seinen Stadtuntertanen und in vielen Autogramm-Büchern. Ein Heimspiel in Wiener Rot.

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„Meine Wahl“ auf ATV: Stadion-Flair und starke Sprüche

ATV hat den ORF ausgebremst und für die Wien-Wahl ein neues Format ins Rennen geschickt: Die vier Spitzenkandidaten für die Wahl traten in der Stadthalle gegeneinander an, als Unterstützung kamen für jede Partei 500 Fans mit. Ein neues Format, das in den USA bestens erprobt ist – die Diskussion mit den lautstarken Fangruppen erreicht ein Flair wie eine Sportveranstaltung. Lautstarke Buhrufe, Unterstützungsgejohle und Zwischenrufe aus dem Publikum prägten die Diskussion. Das war auch für die Politiker sichtlich neu.

Kein Wunder, dass die Stimmung kocht, wurden die „Fan-Blöcke“ doch noch vor der Live-Übertragung aufgeheizt und Choreographien geprobt. Auch in den Werbepausen war es nicht ruhig in der Stadthalle: Das „Hier regiert die SPÖ“-Skandieren der roten Fans wurde von den anderen stillschweigend hingenommen. Anders als die „HC“-Rufe der FPÖ: Diese wurden mit kollektivem Ausbuhen quittiert.

Und so ließen sich die Politiker ziemlich anstacheln, es kommt teilweise zu untergriffigen Verbalattacken. So meint Strache bei der Bildungsdebatte: „Häupl versucht, Dinge schönzureden, und manchmal auch in Weinseligkeit zu ertränken“. Der Bürgermeister konterte mit der Bemerkung: „Herr Strache, warum werden Sie schon wieder persönlich?! Ich spreche auch nicht über ihre Konsumgewohnheiten.“

Die Kandidaten wollen mit Sagern punkten: Straches Vorschlag, um die Kriminalität in Wien zu bekämpfen: Die Schengen-Grenze solle immer wieder unangekündigt für zwei Tage dicht gemacht werden, „um die Gauner zu erwischen.“ Häupl versucht immer wieder, den „Wiener Schmäh“ einzubringen und „grantelt“ ein bisschen. Und auch Marek versucht ab und zu, Mundart einzustreuen, so etwa meint sie zu Häupl: „So billig kriagn Sie es oba ned.“ Häupl konzentriert sich auf Attacken gegen Strache und meint: „Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, um mit Strache zusammenzuarbeiten.“

Die Schwäche des Formats: Kräftige Sager ziehen vor Publikum einfach besser als breite Diskussionen über Themen uns provozieren zu Populismus. Und auch die Einteilung in Themenblöcke sowie die Einzelabfrage der Moderatoren an die Kandidaten tun der Diskussion nicht gut. Daran sollten die ATV-Macher noch feilen. Ansonsten aber: Eine gelungene Premiere.

Häupl duelliert sich mit Strache

SPÖ-Wahlkampfauftakt in der Wiener Stadthalle: Ein etwas müde wirkender Michael Häupl trommelte in seiner Rede ziemlich gegen die FPÖ und gegen HC Strache. Natürlich, manchmal muss man die Blauen in die Schranken weisen und scharf antworten. Aber vielleicht ist es etwas übertrieben, Strache so oft zu erwähnen. Er hats gar nicht verdient.

Es scheint so, als hätte Strache hier das Thema vorgegeben: Er hat zum Duell um den Bürgermeistersessel gerufen, Häupl steigt darauf ein. Doch wer kann sich wirklich einen Strache als Bürgermeister vorstellen? Das übersteigt wirklich vieles an Vorstellungskraft.

Obwohl, ein Zitat Häupls war schon gut gesetzt zum Thema Integration: Der Schlüssel hierfür seien „in der Tat die Kenntnis der deutschen Sprache, aber sicher nicht des Deutschen Strache.“

Interessant beim Auftakt waren auch die lebenden Sportlerstatuen, die in der ganzen Stadthalle verteilt waren. Sollten wohl einen erfolgreichen Start versprechen. Allerdings: Alle Leute konnten nicht mitgerissen werden, es fehlt noch ein bisschen an Würzung im roten Wahlkampf. Fünf Wochen bleiben noch Zeit.

Hört die Signale

1. Mai. Tag der Arbeit. Und der Tag des Mai-Aufmarsches in Wien. Die Genossen gehen auf die Straße, von der kleinsten Bezirksorganisation bis zu den mächtigen Metallern. Von den Kurden bis zu den Simmeringern. „Völker, hört die Signale“ tönt es laut. Und am Rathausplatz winken die Ober-Genossen von der SPÖ. Meinem Eindruck nach war der Platz schon voller – und für die Wien-Wahl im Oktober müssen wohl noch einige überzeugt werden, dass das rote Wien rot bleibt. Weil: Wer kann sich vorstellen, dass Wien blau gefärbt wird? Wenn diese Bastion fällt, fällt die ganze Sozialdemokratie.