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Oben. Ganz oben.

Wo und was ist Oben in Wien? Nicht so wie in der Provinz im Keller-Tiefbau, nicht so wie in München als Kellerbar – in Wien ist oben wirklich „Oben“. Bis April residiert der „Club der ZeitgenossInnen“ vor allem im obersten Stockwerk der Lehargasse 7, im altehrwürdigen Gebäude, in dem einst die „Telephoncentrale 1“ der k.u.k Post- und Telegraphenverwaltung residierte.

Hinter Oben steht ein Verein, der von Michael Stefanofsky, Axl Schreder (Café Français) und Franziskus Kriegs-Au (Stadthaus-Galerie) geführt wird. Und hier soll Kunst auf Zeit geboten werden: Alle zwei bis drei Wochen werden im Obergeschoß des Gebäudes neue Kunst und Installationen gezeigt. Und die Nächte kann man sich mit Wiens bekanntesten Alternative-DJs um die Ohren Schlagen.

Was bei Oben überrascht und überwältigt: Die riesengroßen beiden Säle, die einen Hauch der Kaiserzeit vermitteln – und das Vergängliche daran, sichtbar an den bereits begonnenen Demontage-Arbeiten. Sollen ganz oben doch Luxus-Büros eingerichtet werden – und das korreliert einfach nicht mit dem Nimbus des Untergegangenen.

Was daneben noch überrascht, allerdings negativ: Der Spritzwein aus der Flasche. Das ist einer Weinstadt wie Wien nicht würdig. Ganz nach unten damit.

„Auch für dich ist Jesus auferstanden!“

Ostern, das höchste Fest der Kirche. Es hat allerdings zumindest im baulichen Sinn der Kirche ohne mich stattgefunden. Ein bisschen hat mich allerdings die Kirche über ein paar Ecken zum Nachdenken gebracht. Kaum in einem theologischen Zusammenhang, aber doch: Sonnentankend vor der Wiener Karlskirche ist der große Banner unübersehbar, der derzeit auf der 1737 eröffneten Kirche angebracht ist: „Auch für dich ist Jesus auferstanden.“ Für mich. Für uns alle. Auferstanden. Da kommen Erinnerungen an den Religionsunterricht hervor. Da denkt man über Auferstehung und Erlösung nach und kommt – um jetzt noch ein blödes Gleichnis in diesen andächtigen Blogeintrag zu packen – auf keinen grünen Zweig.

Die Inschrift an der Front der Karlskirche lautet: „Vota mea reddam in conspectu timentium Deum“ – „Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten“. Der Hintergrund: Die Karlskirche wurde von Kaiser Karl VI. zum Gedenken an den Pestheiligen, Karl Borromäus, errichtet. Wobei ich mir noch immer nicht im klaren bin, ob man Gott fürchtet, sich also richtig fürchtet vor der heiligen Dreifaltigkeit oder Gottesfürchtigkeit im Wesentlichen bedeutet, dass man fromm ist? So viele Fragen, und unser Religionsexperte ist nach München ausgewandert.

Aber der Zusammenhang auf der Karlskirche ist mir jetzt zumindest klar: Wenn man diese beiden Inschriften in Zusammenhang setzt erkennt man klar:  Für Kaiser Karl VI. ist Jesus auferstanden, und zwar nur für ihn. Rätsel gelöst, thelogisches Gedanken-Kapitel abgeschlossen.

Das wars mit Ostern. Nächstes kirchliches Fest: Pfingsten – unser Lieblingsfest.

A scheene Leich

Wien bei Kaiserwetter. Der letzte Thronfolger, Franz Josef Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius von Habsburg, wird zu Grabe getragen. Und das mit einem Riesen-Aufwand: Schützenvereine, Monarchisten, Verbindungen, Gäste aus Europas Adel und Königshäusern so wie König Carl Gustav und Königin Silvia von Schweden. Über eine Stunde ist der Kondukt vom Stephansdom zur Kapuzinergruft gezogen, wo traditionellerweise erst nach dem dritten Klopfen geöffnet wurde.

Bleibt abzuwarten, ob mit der Besetzung von Otto Habsburg nun das Ende für Monarchisten-Vereine kommt. Die Habsburger haben es ja geschickt verstanden, ihre Geschichte vollkommen ins Positive zu verdrehen. Wenn man sich diese Geschichte genauer anschaut, ist sie nicht nur die vielgelobte Hochzeitspolitik, nein, sie war auch blutgetränkt. Wieso jetzt also dieser Abschied mit allen Staatsoberhäuptern und der Garde des Bundesheeres?

Es mutete jedenfalls äußerst gespenstisch an, im (wegen der TV-Übertragung hell erleuchteten) Stephansdom von kaisertreuen Fahnen umgeben zu sein. Obwohl – die kaisertreuen Vereine machten teilweise auch den Eindruck, als ob sie das Ereignis mit einem Faschingsumzug verwechselt hätten. Spott statt Ehrfurcht.

Und es mutete äußerst seltsam an, dass die kirchlichen Würdenträger noch im vorigen Jahrhundert stecken dürften: Kardinal Christoph Schönborn begrüßt die Trauerfamilie, an ihrer Spitze „Erzherzog Karl“. Und der Apostolische Nuntius verliest die Botschaft Benedikts XVI. mit der Anrede „Seiner Kaiserlichen Hoheit, Erzherzog Karl von Österreich“. Sind wir also doch noch in einer Monarchie?

Die Kaiserhymne zum Abschluss des Requiems lässt es vermuten. Enthusiastisch singen die kaisertreuen mit. Wird ja wohl das letzte mal gewesen sein, dass diese Hymne im Stephansdom vorgetragen wird. Zumindest mit diesem Text. Und hoffentlich nicht auch mit dem anderen uns bekannten noch in Betrieb stehendem Text. Übrigens: Bundespräsident Fischer blickte während der Hymne betreten zu Boden und sang nicht mit.

Einmal noch hat Wien eine royale Feier erlebt, wenn schon keine Hochzeit dann wenigstens dieses Begräbnis. Viel Geschichte lag in der Luft. Und es war der endgültige Abschied von einer Ära in Form eines -leicht skurrilen – Volksfestes.

Der Doppeladler lässt jedenfalls grüßen. Und all das für einen Thronfolger, der niemals den Thron bestiegen hat. Gott hüte uns davor, dass das Haus Habsburg noch einmal an die Macht kommt. Auf jeden Fall: Nach diesem kirchlichem Spektakel wäre es ja endlich an der Zeit, aus der katholisch-reaktionären Kirche auszutreten.

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Strache vom Kaiser aufgeplattelt

So ein blechern gekünsteltes leicht irritiertes Lachen hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache schon lang nicht mehr gezeigt. In der Satireshow „Wir sind Kaiser“ hatte er eigentlich nicht viel zu lachen: Mit Glace-Handschuhen ist er vom „Kaiser“ Robert Palfrader  nicht unbedingt angefasst worden.

Der Bläuling in der österreichischen Innenpolitik ist ein bisschen ins Wanken gekommen. Obwohl der Kaiser auch „alle Völker mag, wenn sie sich nur unterwerfen“, die Ausländerpolitik der FPÖ wurde ziemlich aufs Korn genommen: „Das Schnitzel ist aus Italien, der Kaffee und die Kipferl aus der Türkei, jetzt sogns amoi wos is do schlechtes dran? Wo kommt der Hass her – ham sie vielleicht bei einem All-Inclusive-Urlaub kein Schnitzel mehr am Buffet bekommen?“ Und nachdem Strache mit einem „Jawohl“ darauf antwortete, dass man bei Hof nur reden dürfe, wenn man gefragt würde, kommentierte das der Kaiser mit: „Na, das kann er aber gut, der Strache. Man könnt glauben, er hat eine paramilitärische Ausbildung.“

Schön auf der Schaufel war er und er konnte sich fast nicht runterwinden. Interessant: Er wollte partout mit seinen Wahlkampfsprüchen hausieren gehen, und das in einer Satire-Sendung. Der Kaiser ließ ihn aber eh „anrennen“. Parteiwerbung hat auch nichts verloren in einer Satiresendung. Schlecht gebrieft, Herr Strache. Und verwunderlich, dass es dazu keine OTS-Aussendung aus dem FPÖ gegeben hat a la „linkslinker ORF“.