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Karlskirche duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt

Die Wiener Karlskirche: In Auftrag gegeben von Kaiser Karl VI, wurde sie von Johann Bernhard Fischer von Erlach als zentrale Verbindung zwischen Rom und Byzanz gestaltet. Aus diesem Grund vereint die Karlskirche bewusst Elemente aus christlichen und islamischen Sakralbauten. Heute steht sie auf einem zentralen und großen Platz Wiens – die mächtige Kulisse wird immer öfter für Festivals vom Popfest bis zum Straßenkünstlerfestival benutzt, schön langsam wird das Image des anrüchigen Karlsplatzes immer besser.

Am 13. Oktober konnte man die Karlskirche in einer Form bewundern, wie man sie sonst noch nie gesehen hat. Der Videokünstler Markos Aristides Kern und das DJ-Team Makossa & Megablast verwandelten die Karlskirche in eine riesige Projektionsfläche. Die Kirche hüpfte, drohte zu zerschmelzen, wurde dann von wild wuchernden Pflanzen überwachsen, von riesigen Spinnen erklommen, mutierte zum DJ-Deck mit riesigen Lautsprechern, wurde duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt. Und das alles in 3D verblüffend real. Ein Augenschmaus zu dem tausende Wiener vor dem Spektakel im Dunklen ausharrten.

Für die Performance ist ein weltweit einmaliges Projektionsfahrzeug zum Einsatz gekommen: das Multi Media Offroad Vehicle. Das MMOV macht es möglich, Fassaden mobil live zu bespielen. Wien war die letzte Station einer von Intel präsentierten Roadshow. Auch  der Berliner Olympiapark oder der Dresdner Zwinger wurden mit dem MMOV bespielt.

Einziger Wermutstropfen: Das Wiener Publikum. Tolle Musik, tolle Performance – und die Zuschauer standen dort wie die Zombies. Wie im Theater wurde man fast schief angeschaut, wenn man zu laut redete oder sich zur Musik bewegte. Wien hat noch einen weiten Weg in den Köpfen von der Provinzstadt zur Weltstadt.

 

„Auch für dich ist Jesus auferstanden!“

Ostern, das höchste Fest der Kirche. Es hat allerdings zumindest im baulichen Sinn der Kirche ohne mich stattgefunden. Ein bisschen hat mich allerdings die Kirche über ein paar Ecken zum Nachdenken gebracht. Kaum in einem theologischen Zusammenhang, aber doch: Sonnentankend vor der Wiener Karlskirche ist der große Banner unübersehbar, der derzeit auf der 1737 eröffneten Kirche angebracht ist: „Auch für dich ist Jesus auferstanden.“ Für mich. Für uns alle. Auferstanden. Da kommen Erinnerungen an den Religionsunterricht hervor. Da denkt man über Auferstehung und Erlösung nach und kommt – um jetzt noch ein blödes Gleichnis in diesen andächtigen Blogeintrag zu packen – auf keinen grünen Zweig.

Die Inschrift an der Front der Karlskirche lautet: „Vota mea reddam in conspectu timentium Deum“ – „Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten“. Der Hintergrund: Die Karlskirche wurde von Kaiser Karl VI. zum Gedenken an den Pestheiligen, Karl Borromäus, errichtet. Wobei ich mir noch immer nicht im klaren bin, ob man Gott fürchtet, sich also richtig fürchtet vor der heiligen Dreifaltigkeit oder Gottesfürchtigkeit im Wesentlichen bedeutet, dass man fromm ist? So viele Fragen, und unser Religionsexperte ist nach München ausgewandert.

Aber der Zusammenhang auf der Karlskirche ist mir jetzt zumindest klar: Wenn man diese beiden Inschriften in Zusammenhang setzt erkennt man klar:  Für Kaiser Karl VI. ist Jesus auferstanden, und zwar nur für ihn. Rätsel gelöst, thelogisches Gedanken-Kapitel abgeschlossen.

Das wars mit Ostern. Nächstes kirchliches Fest: Pfingsten – unser Lieblingsfest.