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Hypotopia. Vom versenkten Geld.

Hypotopia – die Milliardenstadt. Studenten der Technischen Universität Wien haben sich damit beschäftigt, wie die Summe von 19 Milliarden Euro – die man für die Rettung der Hypo aufbringen muss – sinnvoll verbaut werden könnte. Eine ganze Stadt als Betonmodell im Maßstab 1:100 war im Brunnen vor der Karlskirche ausgestellt. Die jungen Architekten haben dabei visionäre Ideen für die Stadtplanung einfließen lassen, auf die man in der Realität leider nur in den seltensten Fällen stößt – vom Vertical Farming bis zu ganz neuen Wegen in der Mobilität.

Eine Stadt mit über 102.000 Einwohnern. Auf über 12 Quadratkilometern. Diese Stadt wird nie gebaut werden. Sie wäre auch nie geplant worden ohne das Hypo-Desaster. Sie soll nur unsere Vorstellung darüber schärfen, wieviel die Öffentlichkeit aufbringen muss für die Bankenrettung. Es ist aber noch immer unvorstellbar. Und eine Frage bleibt offen: Wo sind derzeit die Enten, die im Sommer im Brunnen vor der Karlskirche geplanscht haben?

Schön is so a Mulatschag

Stefan Weber und Drahdiwaberl sind im Museum angekommen. Und das im spießiegen Wien: Mit ihren Attacken gegen das Establishment und gegen die Spießer, exzessiven Shows und pornografischen Andeutungen auf der Bühne haben sie im Blutrausch schon vor Jahrzehnten mit der Wiener Gemütlichkeit aufgeräumt. Weber ist zwar schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet, aber man sieht ihn förmlich aufblühen auf der Bühne. Und er und seine Mannschaft können ihn noch immer, den Mulatschag. Zwar jetzt schon am Nachmittag, aber für eine Ausstellungseröffnung schneuzen und kampeln sich auch die Mannen von Drahdiwaberl mal. Dass Wien nicht mehr so spießig ist wie vor dreißig Jahren hat man übrigens daran erkannt, dass Dutzende Kinder von ihren Eltern hochgehoben wurden beim Konzert. Wie haben die Eltern wohl den Kleinen den Mulatschag erklärt?

Die Ausstellung ist übrigens noch bis 15. September im Wien.Museum zu sehen.

Als Vorgeschmack gibt es auch eine Online-Ausstellung der Wienbibliothek Digital.

Karlskirche duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt

Die Wiener Karlskirche: In Auftrag gegeben von Kaiser Karl VI, wurde sie von Johann Bernhard Fischer von Erlach als zentrale Verbindung zwischen Rom und Byzanz gestaltet. Aus diesem Grund vereint die Karlskirche bewusst Elemente aus christlichen und islamischen Sakralbauten. Heute steht sie auf einem zentralen und großen Platz Wiens – die mächtige Kulisse wird immer öfter für Festivals vom Popfest bis zum Straßenkünstlerfestival benutzt, schön langsam wird das Image des anrüchigen Karlsplatzes immer besser.

Am 13. Oktober konnte man die Karlskirche in einer Form bewundern, wie man sie sonst noch nie gesehen hat. Der Videokünstler Markos Aristides Kern und das DJ-Team Makossa & Megablast verwandelten die Karlskirche in eine riesige Projektionsfläche. Die Kirche hüpfte, drohte zu zerschmelzen, wurde dann von wild wuchernden Pflanzen überwachsen, von riesigen Spinnen erklommen, mutierte zum DJ-Deck mit riesigen Lautsprechern, wurde duchlöchert, zerstört und neu aufgestellt. Und das alles in 3D verblüffend real. Ein Augenschmaus zu dem tausende Wiener vor dem Spektakel im Dunklen ausharrten.

Für die Performance ist ein weltweit einmaliges Projektionsfahrzeug zum Einsatz gekommen: das Multi Media Offroad Vehicle. Das MMOV macht es möglich, Fassaden mobil live zu bespielen. Wien war die letzte Station einer von Intel präsentierten Roadshow. Auch  der Berliner Olympiapark oder der Dresdner Zwinger wurden mit dem MMOV bespielt.

Einziger Wermutstropfen: Das Wiener Publikum. Tolle Musik, tolle Performance – und die Zuschauer standen dort wie die Zombies. Wie im Theater wurde man fast schief angeschaut, wenn man zu laut redete oder sich zur Musik bewegte. Wien hat noch einen weiten Weg in den Köpfen von der Provinzstadt zur Weltstadt.

 

Stadtspaziergang: Rund um den Karlsplatz

Der Wiener Karlsplatz hat schon einige Transformationen durchgemacht: Bevor noch die Karlskirche dort gestanden ist war dort eine Aulandschaft. Die Karlskirche sollte in Blickachse zur Hofburg eine „via triumphalis“ bilden – das wurde nie verwirklicht. Dafür wurde der Wienfluss überbaut und seit den 70er-Jahren ist der Platz ein Verkehrsknotenpunkt, ober- wie unterirdisch. Die kleine Stadtautobahn die im Sinn des Autobooms am Karlsplatz entstanden ist – tja, schön für jeden Gasfuß, wenig ausgeklügelt um Staus zu vermeiden und ganz schlecht für einen lebenswerten Platz. Noch dazu kamen Bausünden wie das Gebäude zwischen Wien-Museum und Karlskirche.

Jetzt wird wieder einmal umgebaut, jetzt mal in der unterirdischen Passage. Oberirdisch wird über eine fußgängergerechtere Umgestaltung nachgedacht und ein Wettbewerb nach dem anderen gestartet. Egal, wo es hingeht, die Blickachsen am Karslplatz und seiner Umgebung können faszinieren. Hier stoßen Moderne, verstaubtes Wien und zerbröckelnde K.u.K-Atmosphäre zusammen. Man muss nur kurz innehalten und beobachten. Nehmt euch Zeit und macht euch den Karl.

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Legenden am Karlsplatz: „Es gibt kan Gott“, nur Göttinnen

Die Ernst Molden Allstar Band präsentierte beim Popfest Wien Legenden: Maria Bill, Willi Resetarits, Peter Henisch, Sigi Maron, Robert Räudig.

Den Song zum Sonntag spielte dabei Sigi Maron: „Es gibt kan Gott“. Räudig von „Chuzpe“ ließ Wiener New Wave aufleben und schickte sich an Marons Analyse zu widerlegen: Göttinnen würde es sehr wohl geben. Peter Henisch durfte das Wort „Tschuschen“ in den Mund nehmen – und alle verstanden den Zusammenhang und Kontext. Ganz groß: Maria Bill und Willi Resetarits im Duett bei „I mecht so gern landen„. Herr Resetarits hat sogar eine Nummer aus seiner Ostbahn-Zeit angestimmt, die für viele eine Hymne ist: „A Schritt vire, zwa Schritt zruck.“ Vielleicht sollt er sich seine Kotletten aber wieder abrasieren, er muss ja Ende August beim Ostbahn XI-Gedächtniskonzert wieder aussehen wie ein junger Rockstar.

Einziges Fragezeichen beim Auftritt der Legenden: Was machte denn Nino aus Wien auf der Bühne – und mit welchen Sachen war er bitte zugedröhnt? Einfach ein Muttertagsräuschchen.

Den meisten Applaus gab es aber, als alle Legenden gemeinsam den alten Danzer-Hodern „Ruaf mi ned an“ anstimmten. Gänsehaut. Auch einer der ganz Großen.

Ich schließe trotzdem mit Zeilen von Maria Bill:

„Vorhin no hob i des net g´spiat
hob glaubt i könnt die Welt glei griagn
jetzt spukt do irgendwas großes um mi
und i bin mitten drin a winzige Fliagn“