Schlagwort-Archive: Kirche

„Auch für dich ist Jesus auferstanden!“

Ostern, das höchste Fest der Kirche. Es hat allerdings zumindest im baulichen Sinn der Kirche ohne mich stattgefunden. Ein bisschen hat mich allerdings die Kirche über ein paar Ecken zum Nachdenken gebracht. Kaum in einem theologischen Zusammenhang, aber doch: Sonnentankend vor der Wiener Karlskirche ist der große Banner unübersehbar, der derzeit auf der 1737 eröffneten Kirche angebracht ist: „Auch für dich ist Jesus auferstanden.“ Für mich. Für uns alle. Auferstanden. Da kommen Erinnerungen an den Religionsunterricht hervor. Da denkt man über Auferstehung und Erlösung nach und kommt – um jetzt noch ein blödes Gleichnis in diesen andächtigen Blogeintrag zu packen – auf keinen grünen Zweig.

Die Inschrift an der Front der Karlskirche lautet: „Vota mea reddam in conspectu timentium Deum“ – „Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten“. Der Hintergrund: Die Karlskirche wurde von Kaiser Karl VI. zum Gedenken an den Pestheiligen, Karl Borromäus, errichtet. Wobei ich mir noch immer nicht im klaren bin, ob man Gott fürchtet, sich also richtig fürchtet vor der heiligen Dreifaltigkeit oder Gottesfürchtigkeit im Wesentlichen bedeutet, dass man fromm ist? So viele Fragen, und unser Religionsexperte ist nach München ausgewandert.

Aber der Zusammenhang auf der Karlskirche ist mir jetzt zumindest klar: Wenn man diese beiden Inschriften in Zusammenhang setzt erkennt man klar:  Für Kaiser Karl VI. ist Jesus auferstanden, und zwar nur für ihn. Rätsel gelöst, thelogisches Gedanken-Kapitel abgeschlossen.

Das wars mit Ostern. Nächstes kirchliches Fest: Pfingsten – unser Lieblingsfest.

A scheene Leich

Wien bei Kaiserwetter. Der letzte Thronfolger, Franz Josef Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius von Habsburg, wird zu Grabe getragen. Und das mit einem Riesen-Aufwand: Schützenvereine, Monarchisten, Verbindungen, Gäste aus Europas Adel und Königshäusern so wie König Carl Gustav und Königin Silvia von Schweden. Über eine Stunde ist der Kondukt vom Stephansdom zur Kapuzinergruft gezogen, wo traditionellerweise erst nach dem dritten Klopfen geöffnet wurde.

Bleibt abzuwarten, ob mit der Besetzung von Otto Habsburg nun das Ende für Monarchisten-Vereine kommt. Die Habsburger haben es ja geschickt verstanden, ihre Geschichte vollkommen ins Positive zu verdrehen. Wenn man sich diese Geschichte genauer anschaut, ist sie nicht nur die vielgelobte Hochzeitspolitik, nein, sie war auch blutgetränkt. Wieso jetzt also dieser Abschied mit allen Staatsoberhäuptern und der Garde des Bundesheeres?

Es mutete jedenfalls äußerst gespenstisch an, im (wegen der TV-Übertragung hell erleuchteten) Stephansdom von kaisertreuen Fahnen umgeben zu sein. Obwohl – die kaisertreuen Vereine machten teilweise auch den Eindruck, als ob sie das Ereignis mit einem Faschingsumzug verwechselt hätten. Spott statt Ehrfurcht.

Und es mutete äußerst seltsam an, dass die kirchlichen Würdenträger noch im vorigen Jahrhundert stecken dürften: Kardinal Christoph Schönborn begrüßt die Trauerfamilie, an ihrer Spitze „Erzherzog Karl“. Und der Apostolische Nuntius verliest die Botschaft Benedikts XVI. mit der Anrede „Seiner Kaiserlichen Hoheit, Erzherzog Karl von Österreich“. Sind wir also doch noch in einer Monarchie?

Die Kaiserhymne zum Abschluss des Requiems lässt es vermuten. Enthusiastisch singen die kaisertreuen mit. Wird ja wohl das letzte mal gewesen sein, dass diese Hymne im Stephansdom vorgetragen wird. Zumindest mit diesem Text. Und hoffentlich nicht auch mit dem anderen uns bekannten noch in Betrieb stehendem Text. Übrigens: Bundespräsident Fischer blickte während der Hymne betreten zu Boden und sang nicht mit.

Einmal noch hat Wien eine royale Feier erlebt, wenn schon keine Hochzeit dann wenigstens dieses Begräbnis. Viel Geschichte lag in der Luft. Und es war der endgültige Abschied von einer Ära in Form eines -leicht skurrilen – Volksfestes.

Der Doppeladler lässt jedenfalls grüßen. Und all das für einen Thronfolger, der niemals den Thron bestiegen hat. Gott hüte uns davor, dass das Haus Habsburg noch einmal an die Macht kommt. Auf jeden Fall: Nach diesem kirchlichem Spektakel wäre es ja endlich an der Zeit, aus der katholisch-reaktionären Kirche auszutreten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


>>Noch mehr Bilder gibt es hier

Schrei am Kreuz

Ein Geist, der seinen Spuk treibt? Eine Faschingsmaske, die an der Wand befestigt ist? Ein Abdruck eines Kopfes, künstlerisch gestaltet als Spiegelbild des Betrachters? Eine etwas andere Darstellung von uns selbst? Oder Jesus auf dem Kreuz? In diesem Fall wohl letzteres, oder vielleicht doch von allem etwas. Zu sehen gibt es dieses Werk in der Kirche von Murau in der Steiermark.

Übrigens ist Murau ein sehr sehenswerter Ort, ein mittelalterliches Städtchen mit Flair. Oben thront die Burg „Murowe“, die Stadtpfarrkirche St. Matthäus mit freigelegten Fresken strahlt Ruhe aus und dann gibts noch Stadtmauern, Sprungschanze und natürlich die bekannte Brauerei.

Gar nicht mal so übel das Murauer. Das aus Werbungs-Eigendefinition „beste Bier Österreichs“ schlägt man aber sowieso mit links. Wieso darf Gösser eigentlich mit so einem irreführenden Spruch werben? Und wieso wird Gösser nicht von den Mitbewerbern geklagt? Wohl nicht so einfach, weil Gösser im großen BrauUnion-Heineken-Konzern drinnen steckt. Kapitalismus, diese Wirtschaftsordnung die mehr und mehr zu einer überbereinigten Warenwelt führt. Wo führt das hin? Zu weniger Murauer und mehr Gösser, befürchte ich.

Tosca wummern in der Kirche

Tosca stellten ihr neues Album „No Hassle“ in der Minoritenkirche vor. Richard Dorfmeister und Rupert Huber holten sich Unterstützung vom VJ Fritz Fitzke.

Und der Auftritt ließ mich ein bisschen ratlos zurück. Einmal gut gelungen: Der Aufführungsort. Ein Elektronik-Konzert in einer Kirche ist doch aufregend. Allerdings: Hier hätte man die Video-Installationen schon etwas ausweiten können und den riesigen Kircheninnenraum ganz bespielen. So hätt ich das auf jeden Fall gemacht: Die gotische Architektur einbeziehen in die Video-Installationen.

Ganz zufrieden mit den Fitzke-Installationen war ich dann auch nicht: Zu Beginn zu zurückhaltend, ab und zu im Stil von Windows 95 (mit Absicht? – das hätte sich für mich jedenfalls nicht erschlossen), manchmal einfach zu eintönig. Aber trotzdem mit einigen sehr guten Ideen.

Nun zur Musik selbst. Dorfmeister und Huber betreiben das Tosca-Projekt ja schon seit 1994 und „No Hassle“ ist dann schon das fünfte Album der beiden. Ich bin ja schon beim dritten ausgestiegen. Der Grund: Die beiden DJs Kruder und Dorfmeister waren meine Heroen, spätestens mit dem grandiosen DJ-Kicks-Album.  Wegweisend auch die K&D Sessions, das Remix-Album der beiden. Das hat mich geprägt.

Tosca war dann die Weiterentwicklung für den Richard Dorfmeister. Für mich war damit allerdings der Zenit der Wiener Elektronik-Schule überschritten. Irgendwie hat sich da seit Mitte der 90er-Jahre nichts mehr weiterentwickelt. Der Wiener Downbeat ist mir irgendwie zu schal geworden – und klingt irgendwie noch immer so wie damals.

Und das hat sich auch bei der CD-Präsentation bestätigt: Im großen und ganzen etwas zu perfekt produziert. Für mich nichts neues. Nur ab und zu prägten schöne Beats den Klangteppich.

Dass Tosca erfolgreich sind, hat sich allein an der Warteschlange vor der Minoritenkirche gezeigt. Die meisten Menschen bekamen keinen Einlass bei den zwei Gratis-Konzerten – es war einfach zu wenig Platz. Der Erfolg hatte sich schon bei den ersten Alben von Tosca manifestiert. Bei vielen Fernseh-Musik-Untermalungen und sogar in Werbespots hörte man plötzlich die Musik von Dorfmeister und Huber. Breitenwirksam. Aber nichts mehr für mich.

p1018896 p1018899

p1018901 p1018904